Wagenburger besetzen nt-Areal weiterhin

Die Wagenburg-Leute sind immer noch auf dem nt-Areal. Regierungspräsident Guy Morin verliert die Geduld. Noch bis am 8. März 2012 will er einen Ersatzstandort suchen. Danach ist Schluss.

Die Wagenburg-Bewohner bereiten sich auf den Protest gegen die Räumung vor. (Bild: Michael Würtenberg)

Die Wagenburg-Leute sind immer noch auf dem nt-Areal. Regierungspräsident Guy Morin verliert die Geduld. Noch bis am 8. März 2012 will er einen Ersatzstandort suchen. Danach ist Schluss.

Eigentlich hätten die Wagenleute das nt-Areal bis Ende Februar verlassen müssen. So wollte es das Präsidialdepartement von Guy Morin, nachdem Naturschützer dagegen interveniert hatten. Die Wagenburger denken aber nicht daran, wegzugehen. Sie wollen so lange bleiben, bis der Kanton einen für sie geeigneten Ersatzstandort gefunden hat (am besten im Horburgpark).

Vorläufig geht das noch konfliktlos – der Polizei liegt kein Räumungsbefehl vor. Die Grundstückseigentümerin, die Firma Bricks Immobilien AG aus Muri, hat demnach keine Strafanzeige eingereicht. Noch nicht. «Wir sind an einer friedlichen Lösung interessiert. Eine Anzeige sehen wir als letzte Konsequenz, und diese werden wir weder heute noch morgen einreichen», sagt Geschäftsführer Daniel Fluri der TagesWoche gelassen.

«Sollen umgehend und freiwillig gehen»

Regierunspräsident Guy Morin scheint derweil langsam der Kragen zu platzen: «Wir von der Regierung erwarten, dass die Wagenburg-Leute umgehend das Areal verlassen. Und wenn sie den Goodwill in der Bevölkerung nicht ganz verlieren wollen, sollen sie freiwillig gehen.» Sie könnten wieder an die Freiburgerstrasse, dort stünde ihnen der Platz immer noch zur Verfügung, sagt Morin.

«Unabhängig von der Räumung des jetzigen Standortes und ohne aufschiebende Wirkung» will sich sein Departement noch bis zum 8. März um einen Ersatzstandort für die Wagenplatz-Bewohner bemühen. Danach ist endgültig Schluss. «Das Ganze muss ein Ende finden. Wir können nicht jahrelang für die Wagenburg-Leute nach einem geeigneten Standort suchen. Das ist nicht unsere Aufgabe.» Man habe bereits genug Aufwand betrieben.

Konversation

  1. Ich empfehle allen Unterstützern hier, mal das Gebiet um den Voltaplatz anzuschauen, es wurde frisch von Sprayer-Attacken heimgesucht, wie so oft. Bei der Novartis steht „4056 tötet Novartis“, beim Voltacenter beim Coop-Eingang „Drecksstadt Basel braucht einen Wagenplatz“, mitsamt mehreren, riesigen Anarchiezeichen an der Tramstation. Ich gehe davon aus, dass es nicht die Besetzer selber waren, sondern anarchofaschistische Sympathisanten (möglicherweise Rosenau, wie so oft), solche Aktionen sind allerdings völlig kontraproduktiv, wie die Plakate. Soll sich die Stadt der aggressiven, intoleranten Anarchie ergeben im Sinn „Oh, geben wir lieber den Wagenplatz frei, sonst versprayen Aktivisten unsere ganze Stadt“? Ich hätte gerne beide Besetzerplätze geräumt.

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  2. Da bemerkte ich beim Lesen des Artikels über den weiteren Verbleib der «Wagenburger» auf dem nt-Areal eine «Stichwort»-Überschrift: «Alternativkultur gehört zu unserer Stadt». Schön. Doch das Problem dabei ist, dass die Behörden und ihre «Zudiener» auch noch bestimmen wollen, was «Alternativkultur» ist, oder zu sein hat. Einfach deshalb, weil sie für sich als sei dies gottgegeben und daher selbstverständlich, in Anspruch nehmen, aus eigener «Erfahrung» mitreden zu können: Der «Stadtentwickler» z. B., der in seiner Jugend auch «Abenteuerreisli» gemacht hat und jetzt meint, das Eine mit dem Andern vergleichen zu können. Denn er hat’s ja auch «erlebt». Und ebenso oder ähnlich, auch all die Anderen, die in jungen Jahren, quasi gleichgeschaltet, in «bürgerlichen Freizeitinstitutionen» wie die «Pfadi» oder die «Jungwacht» usw., ganz sicher einmal, etwa während den Pfingsttagen, Nachts ums Lagerfeuer gesessen und «klampf, klampf», «Lustig ist das Zigeunerleben» gesungen haben. Nichts gegen die «Pfadi» oder sonst einen dieser «Clubs», aber wenn man später, nachdem man „arriviert“ ist, oder glaubt es zu sein, die vergangenen «Freiraumrobinsonaden» als die einzige und für alle geltende Realität hält, negiert man andere Daseinsformen, schliesst sie schlicht aus.
    Überlegungen, dass es nebst der eigenen Biografie, auch diejenige von Menschen gibt, die, aus was für Gründen auch immer, wie «eldorado» schreibt, «vielleicht weniger Geld zur Verfügung haben», um sich, «in einen üblichen Wohnraum einzumieten, ohne dass daneben die anderen Grundbedürfnisse, wie essen, KK, usw. infrage gestellt sind», werden ausgeblendet. Denn sie «passen» nicht in’s eigene Weltbild. Und ebenso wenig die Vorstellung, dass es aufgrund der viel gelobten «Quartieraufwertungen», diesem verharmlosenden Begriff für Gentrifizierung, für Vertreibung, für «Umsiedlung», einige Menschen in anderen als den «Haus-mit-Vorgärtchen» Lebenslagen, etwa in prekären, es als «Option ansahen, sich Baustellenwagen zu organisieren, um dort wohnen zu können».

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  3. Ich hab mir das heute mal angeschaut und mit jemandem von Ihnen gesprochen.
    Das sieht nett und ordentlich aus dort.
    Offenbar hat der Naturschutz folgendes im Sinn. Die wollen dort tatsächlich die Oberfläche abtragen und andernorts wieder hinmachen. Ich bin mal gespannt, wo das sein wird.
    Ich hoffe fest, dass es eine gute Lösung geben wird. Das bereichert doch die Stadt.
    Das ist doch auch Alternativkultur. Oder ist nur Alternativkultur möglich, die in das Stadtbild passt von denen, die das Sagen haben.
    Ich habe bei dieser Gelegenheit auch gehört, dass auch an anderen Orten in der Schweiz solches am Entstehen ist.
    Wir haben schon die Fahrenden mehr oder weniger zwangssesshaft gemacht. Man hat ihnen sogar die Kinder weggenommen, um sie sesshaft zu machen.
    Und was die da nun machen, sieht halt vielleicht für nicht wenige ein bisschen zu sehr nach „Zigeuner“ aus.

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  4. Was passiert mit dem „besetzten“ Areal in Zukunft?
    Wird es zur NaturschutzZone erklärt, ich glaube kam das eine Immobilien-Firma ein Grundstück kauft und es nicht überbauen will.
    Sprich in 5-10 Jahren wird das ganze mit einer riesigen Überbauung fein umgenutzt, die Tiere werden von Naturschützern in Schachteln gebackt, die Pflänzchen fein säuberlich ausgegraben und an ihren neuen Standort verfrachtet?
    Aber dafür wird sich dann niemand mehr interessieren, Hauptsache Pflanzen haben mehr Rechte als Menschen auf ihre DaseinsForm, wohin sind wir gekommen!!!

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  5. Die Wagenplätzler müssen weg, weil Sie den Boden eines alten Industrieareals beschatten. Ein paar Meter davon entfernt, „beschattet“ die Stadt im Rahmen der Stadtentwicklung für Millionen und „gestaltet“ einen neuen Platz…..

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  6. Bis jetzt wurde noch nicht kommuniziert, warum die Wagenburg-Menschen sich für diese Wohnform entschieden haben.
    Nehmen wir mal an, dass Ihnen wenig Geld zur Verfügung steht, was einer grossen Wahrscheinlichkeit entspricht.
    In Basel wurde in den letzten Jahren massiv billiger Wohnraum zerstört. Das spitzte sich in der Volta zu.
    Wer sich einen üblichen Wohnraum leisten kann, ohne dass daneben die anderen Grundbedürfnisse, wie essen, KK, usw in Frage gestellt ist, kann schwer nachempfinden, wie das ist, wenn Solches in Frage gestellt ist. Wenn immer wieder die Wohnung gewechselt werden muss, weil die alte zu teuer wird oder das Haus abgerissen oder totalsaniert wird.
    Und in Basel wurde in den letzten Jahren massenhaft alte, billige Wohnsubstanz abgerissen. In der Volta hat es sich ja zugespitzt. Das haben wir alle mitbekommen.
    Ich kann gut nachvollziehen, dass einige das als Option sahen, als sie Baustellenwagen organisieren konnten, dieser zermürbenden Suche auszuweichen. Allerdings zeigen diese auch klar auf, dass in dieser Hinsicht wirkich eine grosse Not herrscht. Und damit wollen eben viele nicht konfrontiert werden. Das Problem wird ein wenig gemildert, weil wir ein gut ausgebautes Sozialnetz haben. Da sie aber nur soweit unterstützt werden, dass es für eine sehr billige Wohnung reicht, hat es eben jetzt wirklich zuwenig davon.

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  7. sorry, herr morin, aber das enge schattenloch zwischen autobahnbrücken können sie doch wirklich nicht als lebensraum anbieten. den ort will man ja offenbar nicht mal mehr den asylbewerberInnen zumuten.
    und es stimmt auch nicht so ganz, dass nur die stadt einen platz suchen müsse. es liegen konkrete vorschläge von seiten der bewohnerInnen vor und es gibt ganz bestimmt (spiel-)raum für eine gemeinsame lösung.
    wenn die stadt nicht mit einbezogen würde in den findungsprozess müsste ja besetzt werden, was sie ja bestimmt nicht möchten.
    auch wenn das vielleicht das wohlstandsverschlafene basel aufrütteln und aufzeigen würde, wo das problem liegt: es gibt nicht nur keine nischenwohnräume, sondern viel zu wenig bezahlbaren und zugänglichen wohnraum generell

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  8. Die Berner haben das gleiche Problem.
    Seit 26 gibt es dort Zaffaraya. Die leben auch in Wagen und haben auch Hütten gebaut. Sie hatten auch ein jahrelanges hin und her und sind nun schon lange geduldet. Und in nächster Zeit soll sogar ihr Gelände eingezohnt werden.
    Das sollte doch auch hier möglich sein!

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  9. Herr Morin verliert die Geduld und die Wagenburgmenschen ihr „Zuhause“. So einfach ist das. Alles andere ist pseudoliberales Gesülze.

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  10. Lieber Peter Thommen, das war jetzt ein Rundumschlag, ohne das eigentliche Thema anzusprechen. Es gibt Bedürfnisse von grossen Gruppen von Kultur/Kunst, die ich für berechtigt halte, aber in diesem Fall ist es aus meiner Sicht ein Privat-Anspruch von wenigen Leuten (die durchaus sympathisch sind) nach privater Unterkunft. Ich behaupte: Die Mehrheit der Bevölkerung hat nichts gegen solche Lebensformen – im Sinne von: „jeder nach seinem Gusto“. Was stört, ist die Anspruchshaltung „Der-Kanton-soll-uns-jetzt-gefälligst-eine-Bleibe-organisieren“. Das klingt nicht besonders selbständig (in der Agglomeration findet sich bestimmt irgendwo ein Plätzchen, auch wenns nicht grad in der Stadt selber ist; eine Wohnung muss man auch selber suchen). Ich fände es besser, die Brachen im Kanton werden von möglichst vielen unterschiedlichen Menschen zur Nutzung freigegeben, als von ganz wenigen ‚okkupiert‘.

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