Was Schweizer Studierende zum Erasmus-Entscheid sagen

Wir wollten es von Studierenden genau wissen: Nicht nur, was sie davon halten, dass das Erasmus-Austauschprogramm für Schweizer eingeschränkt wird. Sondern auch, wie sie eigentlich bei der SVP-Initiative abgestimmt haben. Hunderte haben geantwortet, mancher Kommentar überrascht.

(Bild: Nils Fisch)

Wir wollten es von Studierenden genau wissen: Nicht nur, was sie davon halten, dass das Erasmus-Austauschprogramm für Schweizer eingeschränkt wird. Sondern auch, wie sie eigentlich bei der SVP-Initiative abgestimmt haben. Hunderte haben geantwortet, mancher Kommentar überrascht.

Wie haben die Studentinnen und Studenten denn abgestimmt bei der SVP-Initiative? Haben Sie überhaupt abgestimmt? Und waren sie sich bewusst, dass sie so schnell selber betroffen sein werden? Diese Fragen stehen im Raum, nachdem bekannt wurde, dass die Schweiz beim Studentenaustauschprogramm «Erasmus+» und beim Forschungsprogramm «Horizon 2020» zurückgestuft wird.

Wir haben darum Schweizer Studierende gebeten, uns zu verraten, wie sie abgestimmt haben und wie sie den Erasmus-Entscheid nun empfinden. Rund vierhundert haben bisher geantwortet, die Resultate sehen Sie in der Grafik oben dargestellt. So sagen 89 Prozent der Antwortenden, dass sie den Erasmus-Entscheid «schlimm finden». Dem gegenüber stehen 78 Prozent, welche die SVP-Initiative abgelehnt haben. Selbstverständlich sind diese Werte nicht repräsentativ, sie zeigen das Stimmungsbild jener, die an unserer Umfrage teilgenommen haben.

Uns interessieren auch weniger die Gesamtwerte, sondern die Verbindungen, wie sie in der Grafik dargestellt sind. Jene Studierenden etwa, die der Initiative zugestimmt haben, nun aber den Entscheid schlimm finden. Oder jene, die die Initiative abgelehnt haben, den Entscheid nun aber begrüssen. Oder natürlich jene, die betroffen sind, ohne dass sie stimmberechtigt gewesen wären. 

Neben den beiden Auswahlfragen haben wir den Teilnehmenden darum auch die Gelegenheit gegeben, ihre Meinung in einem Kommentar auszuführen. Wir zeigen eine Auswahl der Kommentare, sortiert danach, was die Studierenden abgestimmt haben und wie sie den Erasmus-Entscheid empfinden. Teilweise sind die Kommentare leicht redigiert und gekürzt. Die Umfrage ist weiterhin geöffnet, sagen auch Sie uns Ihre Meinung!

Ja gestimmt, finde Erasmus-Entscheid schlimm

Ich habe bei meiner Entscheidungsfindung die Vor- und Nachteile abgewägt.

F.B., Uni Basel

Ich bin zwar Schüler und (noch) nicht von Erasmus aber dem angegliederten Schülerprogramm Comenius betroffen.

S.E.

Nein gestimmt, finde Entscheid gut

Ich habe nein gestimmt und bin seit dem 9.2. sauer. Ich finde es besser dass wir nun «isoliert» werden als wenn dieser Abstimmungsentscheid konsequenzenlos bliebe. Irgendwo müssen wir ja auch eine Konsequenz zu spüren bekommen. Ich hoffe, dass der neue Status der Schweiz mich aufrüttelt und dazu bewegt, mich in Zukunft mehr für meine Anliegen einzusetzen.

M.S., HSG

Nein gestimmt, kümmert Erasmus-Entscheid nicht so sehr

Es ist zwar falsch von der EU, Politik und Wissenschaft so zu vermischen, aber da mich ein Austauschsemester sowieso nicht interessiert, kümmert mich das «Wegfallen» des Angebot Erasmus+ wenig.

O.M., Uni Basel

So lange ein Austausch weiterhin möglich ist, halte ich die Aufregung für übertrieben. Dass der administrative Aufwand für Beziehungen/Geschäfte mit dem Ausland höher wird, war ja abzusehen.

k.A., Uni Basel

Nein gestimmt, finde Erasmus-Entscheid schlimm

Ich befinde mich zur Zeit im Erasmus-Aufenthalt. Ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit, eine andere Sprache und Kultur kennenzulernen, mich in einem fremden Land durchschlagen zu lernen (und dabei so viel Hilfe und Wärme der Locals zu erfahren!), neue Leute aus der ganzen Welt kennenzulernen, mich in einen anderen akademischen Alltag einzuarbeiten und auf Zeit an einer internationalen Top-Uni studieren zu dürfen. Schade, dass diese relativ unkomplizierte Austauschmöglichkeit meinen KommilitonInnen nun wohl nicht mehr offen steht…

M.V., Uni Basel

Schlimm ist, dass die Politik mit ihren Machtspielchen die effektiv leistende Gesellschaft ausbremst, bzw. ausgrenzt und damit die Konsequenzen nach unten weiterreicht, ohne dafür je Verantwortung zu übernehmen, noch Rechenschaft ablegen zu müssen. Der Anfang vom Ende.

MMe, Uni Basel

Ich selbst bin zur Zeit im Ausland und darum betrifft mich dies nicht mehr persönlich. Jedoch finde ich es schlimm, dass die zukünftigen Studenten nicht mehr die gleichen Möglichkeiten haben werden. Ein Semester im Ausland ist extrem bereichernd, nicht nur akademisch sondern auch in sozialen und persönlichen Aspekten. Das Auslandssemester ist mehr als nur eine akademische Angelegenheit. Dank der MEI schliessen wir nicht nur Andere aus sondern in erster Linie uns ein. Denn es werden vermutlich auch weniger Studenten in die Schweiz kommen. Letztes Semester konnten wir in Basel einige Erasmus-Studenten begrüssen und dank ihnen habe ich nicht nur neue Leute aus ganz Europa kennen gelernt, sondern ich habe auch die Schweiz neu kennen gelernt durch ihre Augen und dank Ausflügen die wir zusammen unternommen haben.

Corina Leibundgut, FHWN

Der direkte Schaden für die Studierenden aufgrund der Sistierung von Erasmus+ und Erasmus ist doch gar nicht das Problem – studentische Mobilität ist längst ein Kriterium zur Beurteilung der Qualität einer Hochschule (Ratings und so…). Wenn diese nun eingeschränkt wird, leidet die Reputation des Bildungs- und Forschungsstandortes, Investitionen fliessen anderswo hin und unser Land kann sich aufteilen: Menschen wie ich können den Kapitalströmen bzw. offenen Stellen in der Forschung folgen – zurück bleiben die, die nicht alleine aufgrund ihrer Ausbildung, sondern z.B. wegen Standortfaktoren bisher hier einen Job haben (bald wohl eher hatten) – und die sind dann wohl noch mehr verärgert über das böse Ausland…

CHBH, Uni Basel

Eine Katastrophe. Aber man darf nicht vergessen, dass Schweizer Unis schon vor der Abstimmung laufend Partnerschaften verloren haben und somit die Möglichkeit zur studentischen Mobilität, notabene ein Kernpunkt der Bologna Reform, seit deren Einführung bereits massiv geschmälert wurde.

SBS, Uni Basel

Ich bin sehr enttäuscht und auch frustriert darüber, dass sich die SVP so ein Szenario nicht schon denken konnte. Dass liberale und offene Studenten aus der Schweiz wegen dieser Abstimmung die Leidtragenden werden, ist nicht gerechtfertigt! 

S.B., Uni Zürich

Und vor allem: Wozu brauchen wir denn Bologna noch?

Alex, Uni Basel

Nicht stimmberechtigt, finde Erasmus-Entscheid schlimm

Ich habe selbst während des Studiums von Erasmus profitiert und der Auslandsaufenthalt hatte sowohl in persönlicher, als auch in beruflicher Hinsicht einen sehr starken Einfluss auf mein Leben. Natürlich konnte man auch vor Erasmus ins Ausland gehen, aber es war einfach mühsamer, weil man sich mehr selbst organisieren musste und die ECTS-Punkte nicht unbedingt anerkannt wurden. Erasmus ermöglicht mehr Studierenden, ein Auslandsemester zu machen und das ist heutzutage schon fast Pflicht, wenn man sich auf eine Stelle bewirbt – zumindest in meinem Umfeld.

Y. Schmidt, Uni Bern 

Schlimm, aber vorhersehbar möchte ich noch anfügen.

J. Lang, ETH Zürich

Konversation

  1. da finden also 89 % die Logische und Konsequente Erasmus Entscheidung der EU „schlimm“ (was ich Subjektiv bestens Verstehe!)- aber „Nur“ 78%
    haben den SVP-Schwachsinn denn auch abgelehnt… bleiben als Rest doch Tatsächlich 11% Schizophrene selbst unter den Studis !!
    Denen kann ich nur zurufen: „Beati Pauperes Spiritu“…

    Danke Empfehlen (0 )

Nächster Artikel