Wessels bestellt Stücki-Chef Tanner zum Rapport

Der Streit zwischen Jan Tanner, Manager des Shoppingcenters Stücki, und der Basler Regierung eskaliert. Jetzt wirft Verkehrsdirektor Wessels Tanner Wortbruch und die wiederholte Verletzung von Auflagen vor.

Wirbel ums Stücki: Basler Regierung und Centerbetreiber liegen im Streit. (Bild: Keystone)

Der Streit zwischen Jan Tanner, Manager des Shoppingcenters Stücki, und der Basler Regierung eskaliert. Jetzt wirft Verkehrsdirektor Wessels Tanner Wortbruch und die wiederholte Verletzung von Auflagen vor.

Das vergangene Wochenende war eines, auf das sich Stücki-Manager Jan Tanner lange gefreut haben muss. Endlich war das Weihnachtsgeschäft angerollt, das kriselnde Shoppingcenter in Kleinhüningen erwartete nach einem harten Jahr den Ansturm konsumfreudiger Kundschaft. Doch dann das: Viele Kunden blieben im Stau stecken, der sich am Samstag teilweise die ganze Hochbergerstrasse entlang bis auf die Autobahn erstreckte.

Mit jedem Auto, das sich in der Kolonne einreihte und nicht oder nur mit Verspätung in sein Center gelangte, stauten sich auch die unguten Gefühle bei Tanner. Als es Sonntag geworden war, machte er seinem Ärger Luft. In einem ausführlichen Protokoll, das er den Medien verschickte, schildert Tanner unter der Überschrift «Amtsschimmel wiehert in den höchsten Tönen», ein aus seiner Sicht verpfuschtes Krisenmanagement der Basler Verkehrspolizei.

Der Verantwortliche der Autobahnpolizei habe nur gelacht, als Tanner gebeten habe, eine grosse Teerfläche hinter dem Stücki als Parkplatz nutzen zu dürfen, den Checkpoint der Messe, den das Stücki in der Vergangenheit wiederholt als Ausweichfläche genutzt hatte, wenn das Parking voll war. Die Autobahnpolizei, die Polizeidirektor Hanspeter Gass untersteht, habe auf eine Anordnung von Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels verwiesen, die die Nutzung des Checkpoints untersagt. Schliesslich habe man ihm geraten, einen Brief an Regierungsrat Gass zu schreiben, um auf den Missstand hinzuweisen.

Vorwürfe an Gass

«Damit schliesst sich der Kreis», schreibt Tanner. «Gass hat sich schon vor zwei Wochen geweigert, die Angelegenheit zu besprechen.» Und weiter: «Die massive Verkehrsgefährdung, die aus der zwiespältigen Situation entstanden ist, ist den beiden Departementsvorstehern persönlich anzulasten. Die beiden Herren Regierungsräte scheinen sich um ihre Verantwortung zu drücken.»

Die Reaktion der Basler Regierung liess nicht lange auf sich warten: «Tanners Verbalattacke gegen die Regierungsräte Wessels und Gass mutet befremdlich an», teilt das Bau- und Verkehrsdepartement heute Montag in einer Mitteilung mit. Wessels gibt Tanner die Schuld für den Verkehrskollaps am Samstag. Dieser habe 2006 in der Referendumsabstimmung versprochen, ein vom Grossen Rat beschlossenes Fahrtenmodell, einzuhalten. Dieses schreibt eine Beschränkung der Autofahrten sowie der benutzbaren Parkplätze vor. Nur unter dieser Bedingung habe das Volk dem Bau des Centers zugestimmt.

Dass Tanner wiederholt an Spitzentagen auch den Checkpoint Messe als Parkplatz nutzen liess, verstosse gegen diese Auflage. 2010 schritt das Bauinspektorat ein. Jetzt wird auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts in der Sache gewartet.

Tanner hat mit seiner Wutschrift zumindest eines schon erreicht: Er hat sich beim Regierungsrat Gehör verschafft. «Jan Tanner wurde in der Zwischenzeit zu einer Besprechung eingeladen», schreibt das Verkehrsdepartement. 

 

Konversation

  1. Das hört sich doch sehr nach einer Panikreaktion des Stückis an. Dem Center scheint das Wasser am Hals zu stehen. Mitte letzter Woche war ich dort zu Besuch und ich muss sagen, es war sehr gediegen, wenige Leute und kein anstehen an der Kasse. Beim Gratis-Einpackservice herrschte gähnende Leere und ich hatte den Eindruck, es handle sich um eine nicht vermietete Ladenkoje, die umgenutzt wird.

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  2. Na-ja. Die restliche Zeit (ca. 350 Tage im Jahr) ist es sehr, sehr Ruhig hier hinten. Und wir haben ein grosses Einkaufszentrum nur für uns. Schade ist einfach, dass diese amerikanische Migros nicht mehr ist. Uns gefiel das einladende Ambiente mit grossen Abständen zwischen den Regalen.
    Man sollte vielleicht die Anbindung des hinteren Areals noch einmal überdenken. Aber nur vielleicht. Denn erstens sind um uns herum die Diesel- und Benzinpreise schon derart hoch, dass sich eine Familie sogar überlegen muss, wie viele Male sie in ein Einkaufszenter fahren kann. Das wird auch in der Schweiz kommen. Es wird dauern, aber es wird eintreffen. Für die paar Nasen, die dann vereinzelt im Parkhaus ihren Wagen parkieren, sollten wir unseren Strassenverkehr nicht anpassen müssen. Zweitens könnte man sich eine marktwirtschaftliche rsp. monetäre Lösung überlegen. Das Stückicenter überweist einfach für jeden behinderten Kurs der BVB und für jede Staukilometerstunde auf der Autobahn einen bestimmten Betrag an die Stadt, die BVB und den Bund. Damit wären wohl alle zufrieden – ausser die im Stau stehenden. Aber die sind ja selber schuld, der 8er fährt nämlich immer pünktlich.

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