Zoom 2015: Ein Filmfest nach dem Sturm

Der ersten Ausgabe des Basler Filmpreises nach dem positiven Förderentscheid des Grossen Rates war die Erleichterung anzuspüren. Arami Ullón gewann mit «El tiempo nublado» den Hauptpreis.

Wolkenfreie Gewinnerin: Arami Ullón bedankte sich in charmantem Englisch für die Auszeichnung ihres Dokumentarfilms «El tiempo nublado».

(Bild: Aaron Estermann)

Zum Jazz des Trios Keler/Neye/Schwinning liefen die geladenen Gäste am Samstag an der Filmnacht im Basler Schauspielhaus ein, und dass für die Basler Filmszene eine neue Zeitrechnung angebrochen ist, hätte man dem zu zwei Dritteln gefüllten Saal kaum angemerkt. Es sei ja kein Kinowetter, so eröffnete Balimage-Präsident Philipp Cueni die düppige zwei Stunden dauernde Ehrung des hiesigen Filmschaffens. Doch die Basler Filmszene, danke der Nachfrage, erfreue sich bester Gesundheit.
Nicht nur waren eben erst zwei Basler Beiträge («Grozny Blues» und «La buena vida») am «Visions du Réel» in Nyon zu sehen, Max Philipp Schmid gewann zudem in Zürich am Experimentalfilm-Festival Videoex, Anna Thommens letztjähriger Zoom-Siegerfilm «Neuland» wurde im Fernsehen ausgestrahlt, und eben erst ist das kleine, aber feine internationale Festival «Bildrausch» im Stadtkino über die Bühne gegangen.

Förderentscheid mit Signalwirkung

Vor allem aber war da der Mitte April gefällte Entscheid, das Budget für das Basler Filmschaffen faktisch zu verdreifachen – auf 2,75 Millionen Franken. Und das nach einer vierjährigen Zitterpartie und einer durchaus emotional geführten Debatte, wie eine kurze Tonmontage verschiedener Voten aus dem Grossen Rat vor Ohren führte: Von der Filmwirtschaft als Bauernsame der «Linken und Netten» war da die hämische Rede, aber auch vom Willen, «to put Basel on the map». Das Gelächter im Publikum war hörbar erleichtert.

«Der Entscheid ist keine Selbstverständlichkeit»: Guy Morin im Gespräch mit Philipp Cueni. (Bild: Aaron Estermann)

Der positive Entscheid sei in Zeiten der allgemeinen Sparanstrengungen durchaus keine Selbstverständlichkeit, betonte ein aufgeräumter Regierungspräsident Guy Morin darauf im Gespräch mit Cueni. Doch habe man bewusst einen Schwerpunkt in dieser «jüngeren Kultursparte» setzen wollen. Die Signalwirkung für die Kreativwirtschaft sei nicht zu unterschätzen, die Dank ihres Einsatzes nicht nur ein Stück Basel in die Welt trage, sondern vor Ort auch Lebensqualität schaffe. «Jetzt sind Sie dran, Ihre Projekte einzureichen», richtete Morin seinen Appell ans Publikum.

Hoffen auf mehr Spielfilme

Die süsse Qual der Wahl hatte dieses Jahr eine dreiköpfige Jury bestehend aus der Basler Filmkritikerin und Radiojournalistin Brigitte Häring, der Aargauer Filmproduzentin Franziska Reck sowie dem Zürcher Kabarettisten und Schauspieler Beat Schlatter. Von der Moderatorin Katja Reichenstein auf Tendenzen im Basler Filmschaffen und die erhofften Auswirkungen der neuen Filmförderung angesprochen, gaben die drei Jurymitglieder vor der Preisverleihung ihre persönlichen Einschätzungen ab.

International und vielseitig seien die eingereichten Werke, mit Mut zum Experiment, erklärte Häring und verlieh gleichzeitig ihrer Hoffnung Ausdruck, dass mit grösseren finanziellen Mitteln auch der Baselbezug steige. Reck attestiert der Szene soziales Engagement und eine Stärke im experimentellen und dokumentarischen Bereich. Sie hofft künftig auf mehr Spielfilme – ein Wunsch, den sie mit Schlatter teilt. Vielleicht könnten Dank der aufgestockten Förderbeiträge jetzt sogar einmal die Schauspieler für ihre Arbeit bezahlt werden, bemerkte Schlatter ironisch, da bei knapp finanzierten Produktionen meistens am Lohn der Darsteller gespart würde.




Sie hatten die süsse Qual der Wahl: Jurymitglieder Brigitte Häring, Beat Schlatter und Franziska Reck (v.l.). (Bild: Aaron Estermann)

Dann wurden die Preise verliehen: In der Kategorie Auftragsfilm gewann «Hawe’dere» von Hercli Bundi, die Auszeichnung für den besten «Spot/Clip» ging an «Inside a Cube» von Faessler & Hort und Modulwerk, bei den Kunstfilmen machte der Videoex-Gewinner Max Philipp Schmid mit «Paradies» das Rennen. Als bester Kurzfilm wurde «Lebenswert» von Evelyne Meier ausgezeichnet.

«Begeistert und berührt»

Bevor die Preisträgerin in der Königskategorie Langfilm verkündet wurde, bat Moderatorin Reichenstein die letztjährige Gewinnerin Anna Thommen auf die Bühne, um von den Langzeit- und Nebenwirkungen des Basler Filmpreises zu berichten. Die Baselbieterin bekräftigte ihre Freude über die Anerkennung («Basel hat immer an mich geglaubt»), sprach aber auch von dem Erwartungsdruck, der plötzlich auf ihr lastete. Es dauerte einige Zeit, bis Thommen eine Geschichte fand, die sie als nächstes erzählen will – und zwar als Spielfilm.

Der Hauptpreis von Zoom 2015 ging an Arami Ullón für «El tiempo nublado», eine Dokumentation über ihre an Epilepsie und Parkinson erkrankte Mutter in Paraguay. «Dieser sehr persönliche Film hat uns begeistert und berührt», begründete die Jury ihren Entscheid. «Berührt, nie aber auf rührselige Weise.» Die Regisseurin bedankte sich in charmantem Englisch für die Ehrung und fügte die vorausblickende Bitte an, dass Basel es seinen Filmemacherinnen und Filmemachern auch weiterhin erlauben möge, ihre Geschichten erzählen zu dürfen.

Denn nach dem Sturm ist vor dem Sturm, wenn es auch nur ein freundliches Sommergewitter war wie an diesem unbeschwerten Samstagabend.

Alle Preisträgerinnen und Preisträger mit dem Intitiator des Basler Filmpreises, Pascal Trächslin, in der Mitte.

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