Zwischennutzung am Basler Hafen – Chronologie eines politischen Scheiterns

Seit der Vertrag zwischen dem Verein Shift Mode und Basel-Stadt publik ist, gehen die Wogen um die Klybeck-Halbinsel wieder hoch. Die Chronologie der Zwischennutzung bis ins Jahr 2012 zeigt: Das Areal ist mit Zwist, Scheitern und viel Missgunst gepflastert.

Ein Holzkubus symbolisiert das Projekt des Vereins Shift Mode und der Kunstmesse Scope auf dem ehemaligen Migrol-Areal, das im Sommer gebaut werden soll. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Der Blick auf die Zwischennutzung der Klybeck-Halbinsel bis ins Jahr 2012 zeigt: Die Geschichte des Areals ist mit Zwist, Scheitern und viel Missgunst gepflastert.



Ein Holzkubus symbolisiert das Projekt des Vereins Shift Mode und der Kunstmesse Scope auf dem ehemaligen Migrol-Areal, das im Sommer gebaut werden soll.

Ein Holzkubus symbolisiert das Projekt des Vereins Shift Mode und der Kunstmesse Scope auf dem ehemaligen Migrol-Areal, das im Sommer gebaut werden soll. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Die Klybeck-Halbinsel, einst ein Inbegriff der Industrie, ist heute eine Brache, die der Kanton mit einer kulturellen Zwischennutzung beleben will. Doch das Areal ist seit 2012 von einer Geschichte von guten Absichten und politischem Scheitern geprägt – vom bitteren Abschied erster Projekte über die Räumung des Wagenplatzes bis hin zur neusten Kritik am Verein Shift Mode.

Die TagesWoche präsentiert eine Chronologie der Meilensteine der vergangenen drei Jahre bis heute. Angefangen im Jahr 2012, als das ehemalige Esso-Areal und der Uferstreifen für Zwischennutzungen freigegeben wurden, bis zum Desaster auf dem ehemaligen Migrol-Areal auf der Südhälfte der Halbinsel.

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2015: Kritik an Shift Mode

Ende März 2015 Anwohner-Einsprache gegen Holzbauten hängig, Baustart verzögert sich.

Das Regionaljournal SRF berichtet, dass die Einsprache wegen Lärms, die bereits seit Februar 2015 bekannt ist, nach wie vor hängig ist. Die Einsprache kommt von der Wohngenossenschaft Klybeck und richtet sich gegen das Lärm- und Verkehrskonzept, es sei «nicht überzeugend». Die Anwohner seien aber nicht grundsätzlich gegen eine Zwischennutzung, die das Quartier belebe.

Katja Reichenstein von Shift Mode versichert gegenüber Radio SRF: «Es ist nicht unsere Absicht mit Partys unendlich viele Leute aufs Areal zu locken.» Der Baustart Anfang Juni werde sich voraussichtlich verzögern.



Vier Hallen sollen das grosse Zelt der Scope ersetzen und Shift Mode eine flexible Nutzung der übrigen Fläche erlauben.

Vier Hallen sollen das grosse Zelt der Scope ersetzen und Shift Mode eine flexible Nutzung der übrigen Fläche erlauben. (Bild: Atelier Schuwey)


Mitte März 2015 Der Vertrag zwischen Shift Mode und Immobilien Basel-Stadt wird veröffentlicht.

Der 2014 abgeschlossene Vertrag zwischen der Stadt und dem Verein Shift Mode kommt im Wortlaut an die Öffentlichkeit. Der Widerstands-Blog «D Made im Daig» publiziert das Schreiben, das von verschiedenen Medien aufgegriffen wird. 

Der Vorwurf steht nun im Raum: Shift Mode soll als Alibi herhalten, um weitere Besetzungen des Migrol-Areals zu verhindern, wie die «Basler Zeitung» schreibt. Der Grund: Die Klausel, die Shift Mode vorschreibt, Besetzungen nach Möglichkeiten zu verhindern. Ebenfalls kritisiert wird, dass der Kanton dem Verein eine starke Finanzspritze gebe.

Es wiederholen sich hauptsächlich die Vorwürfe, mit denen sich Shift Mode bereits im Mai 2014 konfrontiert sah, als die Wagenleute die Verantwortlichen scharf kritisierten und sich Shift Mode sowie Scope gegenüber der TagesWoche rechtfertigten.

BastA!-Grossrätin Heidi Mück übt darob Kritik an der Regierung in der Sendung «061Live» von Telebasel. Gegenüber der «Basler Zeitung» üben mehrere Grossräte verschiedener Parteien ebenso Kritik am Vorgehen. Das zuständige Präsidialdepartament nimmt keine Stellung. 



Heidi Mück hegt grosse Sympathien für den Wagenplatz. Entsprechend deutlich fällt ihr Urteil über die Fussballplatzidee der Regierung aus.

Heidi Mück hegt grosse Sympathien für den Wagenplatz. Entsprechend deutlich fällt ihr Urteil über die Fussballplatzidee der Regierung aus. (Bild: Hans-Jörg Walter, Montage: Nils Fisch)

Februar 2015Die Finanzierung der Holzbauten von Shift Mode und Scope steht.

Der Zwischennutzungs-Verein Shift Mode hat das Geld für den «Holzpark Klybeck» zusammen. Eröffnet soll aber erst Ende Sommer 2015 werden. Grund dafür sei «das anhaltende Bauverfahren (unter anderem eine Einsprache wegen Lärms) sowie die sehr kurze Frist des Finanzierungsprozesses».

 

2014: Das Wagenplatz-Desaster

November 2014Baueingabe trotz ungesicherter Finanzierung.

Der Verein Shift Mode und die Kunstmesse Scope reichen gemeinsam das Baugesuch für die vier geplanten Kulturhallen auf dem Zwischennutzungsareal am Klybeckquai ein. Die Finanzierung des 1,75 Millionen Franken teuern Projekts ist allerdings noch nicht gesichert.

 

Juli 2014Der Verein Shift Mode legt los.

Nach der Räumung kann der Verein Shift Mode loslegen. Auf dem Areal sollen in Zusammenarbeit mit der Kunstmesse Scope mehrere Holzbauten entstehen, die für kulturelle Aktivitäten genutzt werden sollen. Die Finanzierung soll vornehmlich über die Kunstmesse Scope und Investoren laufen.

Zwischenzeitlich hat sich der Frust der Wagenleute und deren Sympathisanten auf den Verein Shift Mode konzentriert, was sich auch an einer Demo nach der Wagenplatzräumung manifestiert hatte.

 

3. Juni 2014Die Räumung.

Ohne weiteres Ultimatum lässt der Kanton das Gelände räumen (Beitrag von Telebasel, «7vor7»). Die Polizei geht entschlossen vor, Besetzerinnen und Besetzer wurden vom Platz vertrieben und, zum Teil mit Kabelbindern gefesselt, abgeführt. Das Medienecho war gross, die TagesWoche publizierte zudem ein Video, das die Räumung dokumentiert.

 Ende Mai 2014Ein halber Rückzug und das dritte Ultimatum.

Tatsächlich, die Wagenleute ziehen sich zurück – allerdings nicht so, wie es die Regierung verlangt hatte. Sie richten sich statt auf einem Streifen in einem Dreieck ein, immerhin auf den vorgeschriebenen 2500 Quadratmetern. Die Regierung hatte mittlerweile ein drittes Ultimatum gestellt: Bis 1. Juni hätten sich die Wagenleute zurückzuziehen, sonst werde geräumt. Die TagesWoche schrieb dazu in einem Kommentar: «Die Basler Regierung hat es verpasst, auf dem Migrol-Areal rechtzeitig gestaltend einzugreifen. Wird jetzt geräumt, ist das Freiraum- und Kulturprojekt am Basler Hafen am Ende.»  

Das Ultimatum des 1. Juni wird nicht vollstreckt. Es findet (noch) keine Räumung statt.

 

Mitte Mai 2014Die nächste Demo und das zweite Ultimatum.

Am 26. Mai die nächste Demo. Gut einen Monat nach Bekanntgabe der Nutzung durch Shift Mode droht nun die Verkleinerung des Wagenplatzes. Die Regierung verlangt entsprechend der Vereinbarung mit Shift Mode die freiwillige Halbierung des Wagenplatzes – oder es werde am Montag, 27. Mai, geräumt. Der Wagenplatz soll Parkmöglichkeiten für die Kunstmesse Scope weichen, die seit 2013 in einem Zelt auf dem Areal stattfindet.

Die Atmosphäre ist aufgeladen, die erstellten Bauten des Wagenplatzes auf die Hälfte des besetzten Areals zu verschieben, sei nicht möglich, sagen die Wagenleute. 

In der Sendung 061Live auf Telebasel sagte Morin noch am Montag, 27. Mai, es werde durch den Kanton geräumt. Doch es passierte nichts, die Wagenleute blieben vorerst auf ihrer besetzten Fläche. Nach dem Ultimatum durch die Rheinhäfen Mitte 2013 war dies das zweite Ultimatum, das an die Adresse der Wagenleute ging.

Die TagesWoche fasst die wichtigsten Fragen und Antworten zum Wagenplatz zusammen. Ebenfalls fasst sie in ihrem Satireblog «Schrot&Korn» Morins Auftritt auf Telebasel zusammen.

 

Mitte April 2014Plötzlich geht es schnell: Shift Mode ist in aller Munde.

Am 15. April 2014 lässt Regierungspräsident Guy Morin die Bombe platzen: Mit dem Verein Shift Mode von Katja Reichenstein und Tom Brunner hat die Regierung offiziell eine Zwischennutzerin für das Ex-Migrol-Areal gefunden. Frohe Botschaft für die Wagenleute: Auch darf der Wagenplatz bleiben, allerdings auf beschränkter Fläche. 

Shift Mode wurde in einem geheimen Einladungsverfahren unter vier Bewerbern ausgewählt, schreibt die TagesWoche. Fest steht gemäss Vertrag allein, dass die Kunstmesse Scope jeweils Mitte Juni dort ihr Quartier aufschlagen darf – und dafür Miete an den Verein entrichtet. Mit diesen Einnahmen soll die weitere Entwicklung finanziert werden. Der Kanton übernimmt einzig 250’000 Franken Kostengutschrift für Toiletten, Strom- und Wasseranschluss auf dem unerschlossenen Gebiet.

«Eines der Kriterien der Regierung war, dass der Kanton kein Geld in die Hand nehmen und auch keinen Betrieb finanzieren will», begründete Morin das Vorgehen. 



Ein Teil der Demonstranten kommt am Abschnitt des Wagenplatzes an, der bei der Reduktion, die von der Regierung gefordert wird, abgerissen werden müsste.

Ein Teil der Demonstranten kommt am Abschnitt des Wagenplatzes an, der bei der Reduktion, die von der Regierung gefordert wird, abgerissen werden müsste. (Bild: Alain Appel)

Anfang April 2014Die Regierung in einer unmöglichen Situation.

Nichts mit konkreten Fussballplätzen – dafür zeigt sich nun: Die Regierung beisst sich am Migrol-Areal die Zähne aus. Neben Immobilien Basel-Stadt, die sich um die Parzellen kümmert, redet hierbei auch das Präsidialdepartement mit, nämlich die Abteilung Kantons- und Stadtentwicklung. Die Fussballplätze sind eine von möglichen Optionen, die an die Öffentlichkeit drangen. Tatsächlich ist betreffend Zwischennutzung nichts in trockenen Tüchern.

Fieberhaft würden laut der TagesWoche hinter den Kulissen Verhandlungen laufen, um eine Zwischennutzung zu organisieren, die dem Wagenplatz den Garaus machen kann: «Abstruse Gerüchte, eine Besetzung mit immer grösserer Ausstrahlung und geheime Abmachungen: Die Regierung hat sich am Klybeckquai in eine unmögliche Situation manövriert», schreibt Matthias Oppliger.

 

März 2014Fussballfelder statt Wagenplatz? Erste Demo auf dem Marktplatz.

Laut Medienberichten will die Regierung auf dem Ex-Migrol-Areal zwei Fussballfelder errichten lassen. Der Beschluss erfolge am 1. April. Das würde das Ende der Wagenplatz-Besetzung bedeuten. Auf dem Marktplatz findet eine erste Kundgebung für den Erhalt des Wagenplatzes statt. Mittlerweile umfasst das Kollektiv auf dem Ex-Migrol-Areal die Einheiten Wagenplatz, Uferlos und Hafescharte.

 

2013: Die Wagenleute kommen

Oktober 2013Ultimatum verstrichen, der Kanton übernimmt und sucht.

Nichts mit neuem Standort. Die Wagenleute sind immer noch auf dem Areal. Mittlerweile hat das Gelände neue Verantwortliche: Die Schweizerischen Rheinhäfen übergeben das Areal dem Kanton Basel-Stadt im Baurecht. Damit sind die Rheinhäfen aus dem Schneider und der Kanton ist verantwortlich für das 15’100 Quadratmeter grosse Ex-Migrol-Areal und das gut 9000 Quadratmeter grosse Ex-Esso-Areal – zusammen sind das fast dreieinhalb Fussballfelder, rechnet die «Basler Zeitung».

  • Auf dem Ex-Esso-Areal darf der Verein I_Land Zwischennutzungen betreiben.
  • Für das Ex-Migrol-Areal kündigt der Kanton an, «rasch» eine ebensolche zu suchen. Während die Wagenleute ihre Bleibe weiter einrichten, würden sie bis auf Weiteres geduldet, sofern «keine wesentlichen Beschwerden» eingehen und nicht mehr Fläche beansprucht werde.
  • Verwaltet wird das Gelände neu von Immobilien Basel-Stadt, die das Areal ins kantonale Finanzvermögen übernimmt. Wie hoch der Baurechtszins an die Schweizerischen Rheinhäfen ist, bleibt geheim. Die Suche nach einer Zwischennutzung läuft an.


Wagenburg: Der Blick von oben auf das ehemalige Migrolareal.

Wagenburg: Der Blick von oben auf das ehemalige Migrolareal. (Bild: Nils Fisch)

Mai 2013Ein erstes hohles Ultimatum an die Wagenleute.

Die Schweizerischen Rheinhäfen haben den Wagenleuten ein erstes Ultimatum gesetzt. Bis nach den Sommerferien – also Mitte August 2013 – sollen sie weichen. Die Wagenleute sagen, sie würden sich nach einem Ersatzstandort umsehen.

 

April 2013Der Absprung weiterer Zwischennutzer.

Die Stimmung bei den Zwischennutzern im Hafen sinkt. Es ziehen sich die Betreiber um Betreiber von Projekten zurück. Zudem droht auch noch eine Einsprache von Pro Natura. Die Verantwortlichen führen Schwierigkeiten mit Behörden und lange Wartezeiten als Grund für ihren Unmut an.



Minus 1: Nach «Perron 4» zieht sich mit «Panama» ein weiteres Projekt aus der Zwischennutzung am Hafen zurück. Die rot eingefärbten Projekte warten noch auf grünes Licht.

Minus 1: Nach «Perron 4» zieht sich mit «Panama» ein weiteres Projekt aus der Zwischennutzung am Hafen zurück. Die rot eingefärbten Projekte warten noch auf grünes Licht. (Bild: Hans-Jörg Walter)

März 2013Die Invasion der Wagenleute.

Am Karfreitag, 29. März 2013, wird das Ex-Migrol-Areal wieder in die Schlagzeilen katapultiert. Die Wagenleute, die vormals an der Freiburgerstrasse waren, besetzen das Areal mit einer Wagenburg. Die Behörden und der Landbesitzer, die Schweizerischen Rheinhäfen, schreiten nicht ein. Man analysiere das weitere Vorgehen, sagt Hafendirektor Hans-Peter Hadorn am 4. April gegenüber Telebasel.

 

2012: Zaghafte Experimente

Herbst/Winter 2012 – Leerlauf am Hafen.

Eine offizielle Zwischennutzung für das Ex-Migrol-Areal steht noch nicht zur Debatte. Das Areal, das den Schweizerischen Rheinhäfen gehört und mittlerweile eine grosse Fläche ohne Tanks ist, verschwindet grösstenteils aus den Schlagzeilen. Die sommerlichen Zwischennutzungen auf dem Ex-Esso-Areal gehen in die Winterpause.



Die Hafen-Buvette Marina Basel schenkt seit dem 20.März aus.

Die Hafen-Buvette Marina Basel schenkt seit dem 20.März aus. (Bild: Dominique Spirgi)

Juli 2012Freude an der Hafenbar.

Die Marina-Hafenbar eröffnet auf dem Ex-Esso-Areal fürs Jahr 2012. Seit dem Start im Spätsommer 2011 als kleine Bar ist sie ein wachsendes Projekt zur Zwischennutzung, das bis heute anhält. Daneben bauen die Skater an ihrem Projekt Portland weiter. Ein «etwas verzögerter Startschuss zur Zwischennutzung», schreibt die «Basler Zeitung». «Raum für Grundsätzliches», schreibt die TagesWoche.

Realisiert wurde allerdings nur ein kleiner Teil jener Zwischennutzungen, die angesagt und verschiedentlich vorgestellt wurden, wie die TagesWoche und die «Basler Zeitung» dokumentieren.

 

Juni 2012Erster Verein wirft das Handtuch.

Zoff auf der Klybeck-Halbinsel: Der Verein «F(r)ischer Village», eines der acht Projekte zur Zwischennutzung, zieht sich von der Ex-Esso-Parzelle am Nordende zurück. Rufe über «Geklüngel und Filz» werden laut, wie die TagesWoche schreibt.

Die Initianten beklagen zudem laut «Basler Zeitung», «dass die Auflagen von Seiten des Kantons und der Schweizerischen Rheinhäfen nachträglich geändert wurden und somit die Realisierung ihres Projektes verunmögliche.» Der Kanton habe die zugesicherte Projektfläche redimensionieren wollen. Der Verein «F(r)ischer Village» wollte auch mit dem Skatepark Portland zusammenarbeiten, der ebenfalls dort aufbauen wollte. 

 

Mai 2012 – Die Migrol-Tanks fallen.

Die leeren Tanks auf dem ehemaligen Migrol-Areal, die einen Teil der Fläche blockierten, sind abgerissen. Was genau die Zwischennutzer auf dem ehemaligen Esso-Areal und entlang des Uferstreifens machen, ist immer noch nicht klar.

 

April 2012Die geheimen Zwischennutzer werden bekannt.

Die «Schweiz am Sonntag» macht die bisher geheimen Pläne publik. «Freuen dürfen sich Kulturschaffende, Quartierentwickler und Skater», heisst es in einem Bericht der «bz Basel». Die TagesWoche hatte die Pläne im März bereits erwähnt. Die Öffentlichkeit zeigt sich überaus interessiert am Zwischennutzungsprojekt, die Medien decken immer neue Details auf. Es herrscht Aufbruchstimmung. Unter den Eingaben dabei: Ein Radioprojekt, bei dem auch Katja Reichenstein tätig ist, die 2015 gemeinsam mit ihrem Partner Tom Brunner im Verein Shift Mode die offizielle Zwischennutzung durchführen darf.

 

März 2012Erste Geheimniskrämerei um Zwischennutzer.

Der Kanton und die Schweizerischen Rheinhäfen bestimmen aus 60 in einem Wettbewerb eingegangenen Projekten acht Sieger. Ausgeschrieben sind das ehemalige Esso-Areal an der Nordspitze der Halbinsel sowie der Uferstreifen. Das ehemalige Migrol-Areal liegt noch brach.

Zu diesem Zeitpunkt ist aber nicht klar, worum es sich bei den Zwischennutzungsprojekten konkret handelt; die Verantwortlichen geben die einzelnen Projekte noch nicht bekannt. Klar ist einzig, dass es sich nicht um Partyprojekte, sondern um eine «ruhige» Zwischennutzung handeln soll. Seitens des Kantons ist das Bau- und Verkehrsdepartement zuständig. Das Gelände gehört noch den Schweizerischen Rheinhäfen.

Ende März sickern erste Informationen durch. Der TagesWoche waren erste Projekte nach einem Workshop der künftigen möglichen Zwischennutzer bekannt. Details über die einzelnen Projekte gab es aber noch keine. Eine erste Zwischennutzung fand schon im Spätsommer 2011 durch die kleiner Bar der «Marina Hafenbar» statt.

 

Präludium: Der Richtplan

Januar 2009 Regierungsrat erlässt kantonalen Richtplan.

Die Basler Regierung erlässt den neuen, ergänzten Richtplan des Kantons. Dieser sieht für die Klybeck-Halbinsel «eine koordinierte Hafen- und Stadtentwicklung vor». Bis es so weit ist, sollen Zwischennutzungen stattfinden. Auf dem Areal, das fünf Jahre später für hitzige Schlagzeilen sorgen wird, stehen noch die Tanks der ehemaligen Ölfirma Migrol.

Artikelgeschichte

14.15 Uhr: Kleine Ergänzung zur Marina-Hafenbar (seit Spätsommer 2011 bis heute vor Ort).

Konversation

  1. Natürlich ist es ein verwegener Gedanke, aber es wäre schön, wenn sich das Präsidialdepartement – namentlich die Abteilung Kantons- und Stadtentwicklung – in die Niederungen der medialen Öffentlichkeit herablassen würde und gelegentlich eine Verlautbarung über den Fortgang und die entsprechenden Fortschritte ihres Freiraum-Projektes & ihre Kooperation mit Shiftmode publizieren würden. Quasi ein vorläufiges Fazit aus ihrer Sicht. Ist der oberste Stadtentwickler mit dem Uferlosprojekt zufrieden? Ist man auf Kurs?

    Irgendwie wird man die Vorstellung nicht los, dass Morin & Kessler das Interesse an diesem Projekt massiv verloren haben und das Projekt auf einer niederschwelligen Sachbearbeiter-Ebene läuft.

    Bindet die kommende Expo-Eröffnung alle Kräfte im Präsidialdepartement? Ist man bereits wieder dabei eine Reisegruppe, mit namhaften PressevertreterInnen & Cervelat-Prominenz (siehe Beispiel Madrid) zusammenzustellen, um proaktiv PR in eigener Sache zu betreiben? Findet die Stadtentwicklung wieder auf der ganzen Welt nur nicht in Basel statt?

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    1. „Das zuständige Präsidialdepartament nimmt keine Stellung.“ Damit ist doch alles gesagt.

      Das sind wir uns im Klybeck gewohnt. Die Herren Kessler und Morin machen uns seit Jahren sehr deutlich, dass wir ihnen am A… vorbeigehen.

      In Morins Jargon heisst das dann: „Wir haben Verständnis für Ihre Anliegen und schätzen das Engagement im Prozess.“

      Naja, da brauchen sie sich dann nicht zu wundern, wenn sie mit Schimpf und Schande vom Klybeckfest verjagt werden. Aber dann können sie sich wenigstens wieder drüber aufregen, was für Rüpel wir Klybeckianer sind.

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    2. @meury

      öfters mal auswärts essen gehen …
      habe gehört, das sei zu wichtig für ideologische debatten: normfood.

      führt die einseitige ernährung vielleicht zu chronischer dialogresistenz?
      (bald ist auch der limerick zuviel der ehre)

      herr meury: die zu erwartenden verlautbarungen kann ich Ihnen auch schon mal formulieren – weiss wie das geht {dazu muss man nichts wissen},
      mach ich doch gerne 😉

      die schwierigkeit besteht darin, dass man sich in diesem präsidialen kontext die tieferen zusammenhänge bekanntlich halt immer aus den fingern saugen muss … oder den verpackten beiträgen.
      nun denn: aus einer rührigen home-story (baz) des obersten entwicklers haben wir ja zumindest erfahren, dass da schon frühkindlich jeweils alle gemeinsam zugerüstet haben – um danach alles in die grosse pfanne zu hauen … gar shift mode?

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    3. @ Daniel Kurmann

      Vielleicht müsste die Tawo-Redaktion die Herren mal zartfühlend zu Kaffee & Kuchen einladen, um sie zu einer intimen Stellungnahme zu bewegen. Das müsste vor der Abreise nach Mailand doch zu bewerkstelligen sein. Zudem müsste man dann, in Anlehnung an ihre Kritik, das Gesagte kritisch hinterfragen und PR-Floskeln als das entlarven was sie sind, nämlich Luft- und Nullaussagen. Voilà!

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    4. @kurmann

      bei Ihnen geht’s mir näher!
      Sie haben sich offensichtlich sehr engagiert eingebracht – und hier wiederholt sehr konstruktiv-kritisch geäussert.
      also wenn derart motivierte bewohner so konsequent ausgehebelt werden, ereignet sich mehr als nur verweigerung (gegenüber untertanen – «nein, guy m., denen sagt man nicht mehr so … neinnein, auch als arzt nicht … nein, man sagt auch nicht patient, zum geier!»).
      man kann doch nicht allen ernstes ewix von gespräch schwafeln – und dazu eisern schweigen?
      in diesem unübersichtlichen gemauschel sollte eines verbindlich bleiben: es gibt zumindest eine verbindliche info-BRINGSCHULD!

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  2. @chröttli

    Gell, krass, oder?

    Ich hab ihm damals gesagt, dass er uns auf den Kopf pinkelt und uns weisszumachen versucht, dass es regnet.
    Aber mittlerweile denke ich eher, dass es sich bei solchen Aussagen um eine dadaistisch-subversive Strategie zur Förderung des militanten Widerstands handelt.

    So wie sein Kollege Hampe nach eigener Aussage die Rheinhattan Modelle nur gemacht hat, um die Bevölkerung zu aktivieren. Man muss sich das mal vorstellen: Jahrelange Arbeit im Verborgenen mit externen Architekten und vielen gutbezahlten Leuten vom BVD und Stadtplanung nur mit dem noblen Ziel, die revoluzionären Kräfte der Bevölkerung aufzubauen! Chapeau!

    Ich nehme an, bei der Räumung von Uferlos und Hafenscharte sind unsere noch wahrlich linken Regierungsräte zum Schluss gekommen, dass in solchen Projekten zu viel destruktive Kraft der Jugend produktiv in hedonistische Kulturprojekten verpufft. Also muss man diese Projekte räumen, damit diese Kraft wieder frei wird für den militanten Widerstand.

    Tja, bei einer solch langfristigen subversiven Strategie zur Lancierung der Revolution können wir kleinen Nörgler und möchtegern-Revoluzzer nur staunend zuschauen und uns bedanken.

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  3. In der chronologischen Auflistung wird klar: Das Freiraum-Projekt ist für alle Beteiligten zu einem Überforderungsprojekt geworden. Im Bereich Kreativität und Innovation scheint das Projekt kaum Potential zu entwickeln.

    Namentlich das Präsidialdepartement macht bei der Übungsanlage eine ganz schlechte Falle. Freiraumprojekte scheinen nicht das Ding dieses Departements zu sein und offene Kommunikationsmodelle sind den Protagonisten eher suspekt.
    Man pendelt locker zwischen Bottom-up und Top-down Projekten. In dieser Beliebigkeit glaubt man freihändig lavieren zu können.
    Das geht definitiv nicht. Das Resultat liegt vor und zeigt, dass solche Planungs- und Entwicklungsprozesse nicht mit dem Zweihänder geregelt werden können.

    Ich würde gerne mehr über den eigentlichen Inhalt des Freiraumprojektes an der Uferstrasse erfahren. Mit welchen inhaltlichen Vorgaben ist man gestartet? Und wo steht man diesbezüglich heute? Ich erfahre nichts über das kreative Potential dieses Freiraumes.
    Der Entwicklungsprozess wird überschattet mit finanziellen, organisatorischen und logistischen Fragen. Das ist uninteressant und frustrierend. In meiner Wahrnehmung ist das ein Stillstand-Projekt.

    Freiraum steht aber zwingend für ein Entwicklungsprojekt, für Prozesse und inhaltliche Vorgaben & Ziele, für kreative Prozesse, für Innovation und für ein grosses gesellschaftliches Experiment. Darüber erfahren wir nichts.
    Eine Bareröffnung kann weder ein Startprojekt, noch ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. Eine Bar ist eine Bar, aber kein Puzzle für ein Freiraumprojekt.

    Der öffentliche Diskurs pendelt zwischenzeitlich nur noch zwischen den drei Shiftmode-MacherInnen und einer diffusen Öffentlichkeit. Die Wagenleute finden als Gesprächspartner gar nicht mehr statt. Immer offensichtlicher wird, dass sich Shiftmode mit der Öffentlichkeit schwer tut. Man fühlt sich unter Druck gesetzt und wünscht die Öffentlichkeit ins Pfefferland. O-Ton Reichenstein: «Mühsam sind vor allem all die Leute, die es besser zu wissen meinen. Medien und auch Privatpersonen mischen sich gerne ein.»
    Dabei vergessen die Protagonisten, dass das Freiraum-Projekt ein öffentliches Projekt ist. Ein Projekt, welches auf der Allmend stattfindet und mit öffentlichen Geldern alimentiert wird.

    Dass sich die Öffentlichkeit über verschiedene Interessengruppen bemerkbar macht und mitbestimmen und mitgestalten will ist verständlich. Ist eigentlich auch eine Stärke des Freiraum-Vorhabens. Die Öffentlichkeit versteht sich als Teil des Projektes. Diese Öffentlichkeit als lästig und unkonstruktiv wahrzunehmen, ist eine Schwäche der Shiftmode-MacherInnen. Sie sind zwar von der Stadt ausgewählt worden, um den Freiraumprozess zu moderieren, damit ist das Projekt aber nicht privatisiert worden. Es ist weiterhin ein öffentliches Projekt. Ein öffentlicher Prozess muss daher aktiv «bewirtschaftet» werden. Das eigentliche Ziel eines Freiraumprojektes ist die Teilnahme und Teilhabe der Öffentlichkeit. Eine adäquate Kommunikation, ein Austausch mit Interessengruppen aller Art ist essentieller Bestandteil eines solchen Prozesses. Das scheinen die Shiftmode-Leute vergessen zu haben. Sie sehen nur ihr Ziel und das sind offensichtlich die geplanten Holzhütten zur Bewirtschaftung, respektive Vermietung an interessierte Gruppen. Je länger, je mehr stellt sich aber die Frage, ob dieses Fernziel sinnvoll ist und je erreicht werden kann.

    Wenn mich persönlich etwas an diesem Freiraumprojekt interessiert, ist es das Dazwischen. Der Prozess der etwas in Gang setzt. Das kreative Potential, welches aktiviert werden kann und die Kommunikation, welche diesen Prozess begleitet und spannend macht.
    Der Rest sind Ziele, welche erreicht werden, oder nicht. Das ist eigentlich egal.

    Zur Zeit ist das Freiraumprojekt aber immer noch eine grosse Leerstelle, welche ab und an mit Häppcheninformationen ausgefüllt wird.
    «Wir werden die Leere aushalten müssen» (Shiftmode).
    Das ist aber immer noch viel zu wenig…..

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    1. kleine Präzisierung, Herr Meury, es handelt sich hier um „kontrollierten Freiraum“.

      Ich hatte immer ein bisschen Mühe, mir vorzustellen, was die Stadt mit diesem widersprüchlichen Begriff meint. Aber jetzt sehen wir es ja: alle sind angepisst, es wird viel Geld ausgegeben, nichts geht, aber wenigstens hat alles seine Ordnung.

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    2. @ Daniel Kurmann

      Ursprünglich war Freiraum eben Freiraum.
      Jetzt hat die Stadt offensichtlich Unterkategorien eingeführt.
      «Kontrollierter Freiraum» meint bitte was…?
      Das soll uns das Präsidialdepartement gelegentlich erklären.

      Ich habe bewusst Allmend geschrieben.
      Man hat mir gesagt, dass dies nicht korrekt ist.
      Privat-Areal wäre offensichtlich richtig.
      Da liegt der Teufel doch im Detail.
      Allmend finde ich richtig, weil das Areal zur Nutzung aller offen stehen sollte.

      Beim Wald ist dies ja auch so. Waldareale gehören zwar u.a. auch Privaten, stehen der Allgemeinheit aber als Naherholungszone, als Natur zur Verfügung. Man darf den Wald benutzen und sich darin aufhalten. Ergo steht er der Allgemeinheit zur Verfügung. Bewirtschaftet wird der Wald vom Besitzer. Er muss sich dabei an Auflagen halten, welche die Gesellschaft/Staat als Randbedingungen festgelegt hat. Was der Waldbesitzer nicht darf: Er darf den Wald nicht einzäunen und uns den Zutritt verwehren.

      Aus meiner Sicht ist – auch wenn dies juristisch nicht korrekt ist – das ehemalige Migrol-Areal: ALLMEND.

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    3. @meury

      was soll man dazu schlaues sagen?
      vermutlich die weltweit best-gesponserte bar mit gigantischem umschwung.
      (leider nicht rollstuhlgängig, was soll’s …)

      jugend im aufbruch?
      damit hätten sich doch locker 10 gratis-harassenläufe organisieren lassen – bis zum zusammenbruch on the move, yeah.

      ahja, sparübungen war ja das thema … ööö …

      ich frag mal oben, schnornig?

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