2:0 in Lissabon – Portugal zieht der Schweiz den Zahn

Tore kurz vor und kurz nach Seitenwechsel entscheiden die Partie in Lissabon, womit Europameister Portugal die Schweizer Nationalmannschaft auf der Zielgeraden der WM-Ausscheidung abfängt und sich direkt für die Endrunde 2018 qualifiziert. Der Schweiz bleibt nun die Barrage Anfang November, um als einer der besten Gruppenzweiten noch das Ticket für Russland zu lösen.

Der Europameister obenauf: Portugals Verteidiger Pepe feiert mit seinen Teamkollegen nach dem 2:0 gegen die Schweiz durch André Silva. (Bild: Reuters/Pedro Nunes)

Die entscheidende Szene im Estadio da Luz spielte sich in der 41. Minute ab, als Innenverteidiger Johan Djourou eine scharfe Hereingabe von Eliseu unverschuldet ins eigene Tor abfälschte. In der 57. Minute erhöhte André Silva auf 2:0 für die Portugiesen.

Die bis dahin makellose Schweiz, die ihre neun Qualifikationsspiele gewonnen hatte, wurde in Lissabon auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Die Mannschaft von Vladimir Petkovic agierte mehrheitlich zu passiv und erspielte sich keine ernsthafte Torchance. So geriet der Sieg für das stark organisierte und defensiv sehr stabile Portugal, das von den letzten 29 Pflichtspielen nur eines (gegen die Schweiz) verloren hat, nicht mehr in Gefahr.

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Europameister Portugal sorgte damit bei letzter Gelegenheit für eine Umkehr im Zweikampf um das direkte WM-Ticket in der Gruppe B und nimmt im kommenden Sommer zum fünften Mal in Folge und zum siebten Mal überhaupt an einer WM-Endrunde teil. Der Schweiz bleibt trotz starker Qualifikation mit neun Siegen aus neun Spielen bis zum Showdown in Lissabon nur Platz 2. Die 27 Punkte hätten in fünf der acht weiteren Gruppen zum Sieg gereicht.

Xhaka: «Dürfen Kopf nicht hängen lassen»

«Wir haben den kleinen Krieg nicht angenommen», sagte Petkovic unmittelbar nach dem Spiel, «wir haben nur reagiert und waren läuferisch nicht auf dem Niveau, um gefährlich zu sein. In solchen Spielen muss man über seine Möglichkeiten gehen. Wir waren zu wenig mutig, das hätte ich nicht gedacht, und das ist uns teuer zu stehen gekommen.»

Der Anfang vom Ende: Johan Djourou (rechts) lenkt eine Flanke unglücklich ins eigene Tor ab.

In der Defensive agierten die Schweizer dagegen lange solide. Den gefürchtetsten Gegenspieler hatten sie im Griff: Cristiano Ronaldo konnte keine entscheidenden Impulse setzen. Die Flanke vor dem ersten Treffer kam dagegen von Eliseu. Und zum 2:0 führte eine herrliche Kombination ohne aktiven Einfluss von Ronaldo. Bernardo Silva legte den Ball dem Torschützen Adrien Silva mustergültig auf.

Ronaldo musste damit Robert Lewandowski im Kampf um den Torrekord in einer WM-Qualifikation den Vortritt lassen. Der Pole setzte sich im Fernduell der beiden Stürmerstars mit 16:15 Toren durch.

Die Playoff-Teilnehmer:

Irland, Nordirland, Schweden und Griechenland sind nach dem Fifa-Ranking die möglichen Gegner für die gesetzte Schweiz.

Von einer zweiten Schweizer Halbzeit, die «schlecht bis sehr schlecht war», sprach Granit Xhaka. ««Das haben wir uns anders vorgestellt. Das erste Gegentor ist zu einem ungünstigen Zeitpunkt gefallen und hat uns das Genick gebrochen.» Entmutigen will sich der Mittelfeldspieler von Arsenal London aber nicht lassen: «Wir haben eine gute Kampagne gespielt und dürfen den Kopf nicht hängen lassen.»

Nordirland, Schweden, Irland oder Griechenland

Als aktuelle Nummer 7 der Fifa-Weltrangliste ist die Schweiz in den Playoffs der acht besten Zweiten gesetzt. Mögliche Gegner sind Nordirland (20.), Schweden (23.), Irland (34.) oder Griechenland (47.) – allesamt Mannschaften, gegen die die Schweiz zumindest nach ihrem Ranking favorisiert erscheint.

Ausgelost wird diese Barrage am 17. Oktober in Zürich, und die Spiele werden zwischen 9. und 14. November ausgetragen.

Portugal Schweiz 2:0 (1:0)
Estadio da Luz, Lissabon. – 61’566 Zuschauer. – SR Cakir (TUR). – Tore: 41. Djourou (Eigentor) 1:0. 57. André Silva (Bernardo Silva) 2:0.

Portugal: Rui Patricio; Cédric, Pepe, José Fonte, Eliseu (68. Antunes); William Carvalho; Bernardo Silva, João Mario (91. Danilo), Moutinho; André Silva (75. André Gomes), Cristiano Ronaldo.
Schweiz: Sommer; Lichtsteiner, Schär, Djourou, Rodriguez; Freuler (46. Zakaria), Xhaka; Shaqiri, Dzemaili (66. Zuber), Mehmedi (66. Embolo); Seferovic.
Bemerkungen: Schweiz ohne Behrami, Gelson Fernandes und Edimilson Fernandes (alle verletzt). Verwarnungen: 27. Freuler (Handspiel). 41. Eliseu (Foul). 70. Zakaria (Foul).

Gruppe B: Portugal – Schweiz 2:0 (1:0). Ungarn–Färöer 1:0 (0:0). Lettland–Andorra 4:0 (2:0).
Schlussrangliste: 1. Portugal 10/27 (32:4)*. 2. Schweiz 10/27 (23:7)**. 3. Ungarn 10/13 (14:14). 4. Färöer 10/9 (4:16). 5. Lettland 10/7 (7:18). 6. Andorra 10/4 (2:23).  |  * = an der WM, ** = im Playoff

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