Albian Ajeti entpuppt sich auf Umwegen als bedeutsamer Basler Transfer

Er ist 21 Jahre alt und in Basel aufgewachsen – kaum einer verkörpert das Konzept der neuen Vereinsführung so wie Albian Ajeti. Auch auf dem Torschützenkönig der abgelaufenen Saison ruhen die Hoffnungen des FC Basel, wenn er am Donnerstag (20 Uhr) in der Europa-League-Qualifikation auswärts auf Vitesse Arnheim trifft.

In der aktuellen Saison gab es für den FC Basel bisher kaum Momente der Hoffnung. Der erste Saisonsieg unter dem neuen Trainer Marcel Koller war einer, Albian Ajetis Tor in der Champions-League-Qualifikation auswärts gegen Thessaloniki ein anderer.

Dank dieses Treffers schien die Aufgabe des FC Basel gegen die Griechen in der zweiten Qualifikationsrunde plötzlich machbar. Doch die überhastete Entlassung des Trainers Raphael Wicky nach dem Hinspiel und das kurzfristige Engagement Alex Freis als Interimscoach hatten nicht den gewünschten Effekt. Die Basler scheiterten zu Hause deutlich, verpassten die Gruppenphase der Königsklasse und machen am Donnerstag in der Europa-League-Qualifikation gegen Vitesse Arnheim weiter.

https://tageswoche.ch/sport/oligarchen-und-ein-unsterblicher-wolfswinkel-was-den-fc-basel-in-arnheim-erwartet/

Immerhin nimmt Ajeti aus Griechenland ein persönliches Erfolgserlebnis mit und füllt eine Lücke in seiner Vita: Zum ersten Mal traf der Stürmer im Europacup, viereinhalb Jahre nach seinem Debüt bei den Profis. Am 13. März 2014 war er in der Europa League eingewechselt worden, beim 0:0 gegen RB Salzburg, in der gleichen Minute, in der auch Ajetis langjähriger Weggefährte Breel Embolo zum ersten Mal den Rasen der Profis betrat.

Albian Ajetis Torpremiere im Europacup: Der Treffer bei der 1:2-Niederlage gegen PAOK Thessaloniki bringt dem FC Basel zwar Hoffnung, nützt aber letztlich nichts.

Ajeti ist im Februar 1997 zwölf Tage nach Embolo geboren. Beide haben sich in der Basler Juniorenabteilung hochgearbeitet. Beide wurden Teil der ersten Mannschaft. Doch dann wurde die Konkurrenz auf dem Rasen für Ajeti zu gross. In der Winterpause 2016/17 verpflichtete der FCB Andraz Sporar, Marc Janko war schon da und mit Embolo bildeten sie ein Trio in der Offensive.  Ajeti und auch die Vereinsführung sahen kaum mehr Perspektiven für den albanisch-schweizerischen Doppelbürger.

Für eine halbe Million Euro schloss sich Ajeti deswegen dem FC Augsburg an, wo er gegen Darmstadt 36 Minuten in der Bundesliga auf dem Feld stand, vor allem aber mit der zweiten Mannschaft in der Regionalliga zum Einsatz kam. Ajeti sagt rückblickend: «Angesichts der Situation von damals, würde ich sagen, dass das ein Schnellschuss war. Aber ich bereue den Wechsel nicht, er hat mich reifen lassen und ich habe mich in Deutschland körperlich und als Mensch weiterentwickelt.»

36 Minuten Bundesliga und sechs Spiele in der Regionalliga: Die Ausbeute Albian Ajetis beim FC Augsburg ist überschaubar.

Sieben Monate später wechselte Ajeti leihweise zum FC St. Gallen, der ihn schliesslich für rund eine Million Franken übernahm. Mit zehn Toren war der Stürmer massgeblich daran beteiligt, dass die Ostschweizer 2017 nicht abgestiegen sind. Und bereits da hat der FC Basel seine Fühler nach dem verlorenen Sohn ausgestreckt.

Die neue Führung unter Besitzer Bernhard Burgener und Sportchef Marco Streller hatte die Abgänge von Janko und Torschützenkönig Seydou Doumbia zu kompensieren und Ajeti im Visier. Doch die Tür für eine Rückkehr war verschlossen. «Der Transfer kommt nicht zustande, weil wir uns nicht gefunden haben», sagte Streller im Juni – St. Gallen waren kolportierte 2,8 Millionen Franken zu wenig für den Schweizer U21-Nationalspieler. Ajeti sagt: «St. Gallen wollte mich unbedingt behalten, weil sie wahrscheinlich dachten, dass irgendwann ein besseres Angebot aus dem Ausland kommen würde.»

In Ricky van Wolfswinkel fand der FCB einen erfahrenen Stürmer, der sich im ersten Spiel der Champions League aber verletzte. Von da an wurde es eng im Basler Sturm, der mit Spielern, die um die 20 Jahre alt waren, kaum Erfahrung mitbrachte. Ajeti war zwar kaum älter als seine Kollegen, doch 47 Spiele und 16 Tore in der Super League waren ein bemerkenswerter Leistungsausweis. Deshalb intensivierten die Basler ihre Bemühungen.

Marco Strellers letztes Puzzleteil

Für rund 3,1 Millionen Franken kehrte Ajeti im Oktober 2017 zurück und unterschrieb einen Vertrag bis Juni 2022. Der damalige CEO Jean-Paul Brigger hatte sich für den Transfer stark gemacht, während Präsident Bernhard Burgener skeptisch blieb.

St. Gallen hatte eingelenkt, auch weil der Spieler im Kopf seit Längerem in Basel gewesen sei, wie es Stefan Hernandez, der damalige Präsident der Ostschweizer, ausdrückte. Ajeti sagt: «Wir sassen zweimal mit dem FC Basel am Tisch, aber der Wechsel scheiterte. Da war es normal, dass ich mit meinen Gedanken in Basel war. Ich hätte schon im Sommer gerne gewechselt und bin einfach froh, dass es doch noch geklappt hat. Hier bin ich gross geworden, hier in Basel bin ich zu Hause.»

Im ersten Spiel der neuen Saison trifft Albian Ajeti (dritter von links) auf seinen ehemaligen Verein FC St. Gallen. Den umgekehrten Weg geht Cedric Itten (Mitte), der vom FC Basel nach St. Gallen gewechselt hat.

Für Streller war Ajeti «das letzte Puzzleteil» in seinen Planungen. Als er noch selbst Spieler war, habe er die Qualitäten Ajetis sofort gesehen, sagt der Basler Sportchef. «Albian hat einen guten Abschluss sowohl mit links als auch mit rechts, und er setzt seinen Körper super ein. Auch arbeitet er sehr viel für die Mannschaft und hat extrem hart an seiner Fitness gearbeitet.»

Zudem verkörpert der Stürmer alles, was die neue Führung seit ihrer Übernahme des Vereins als ihr Konzept verkauft: jünger und baslerischer.

Ajeti wuchs mit seinem Zwillingsbruder Adonis (heute beim FC Chiasso) und seinem älteren Bruder Arlind (FC Torino) im Kleinbasel auf. Als er am letzten Wochenende gegen die Grasshoppers einen Treffer zum ersten Basler Sieg der Saison beisteuerte, wies auch der Gästetrainer Thorsten Fink auf Ajetis Herkunft hin: «Er hat super gespielt und vorne jeden Ball gehalten. Ich kann dem FCB zu diesem Spieler aus der eigenen Jugend nur gratulieren.»

Albian Ajetis Jubel nach dem dritten Basler Tor gegen die Grasshoppers: In der dritten Runde gewinnt der FC Basel erstmals in der neuen Saison und der Torschützenkönig der abgelaufenen Saison ist selbst zum ersten Mal erfolgreich. 

Elf Jahre hat Ajeti im Basler Nachwuchs zugebracht, inzwischen ist er zur festen Grösse in der Schweizer Liga geworden. 2017/18 gewann er mit 17 Toren (drei davon für St. Gallen) die Schweizer Torjägerkrone vor dem Young Boy Guillaume Hoarau – als jüngster Fussballer seit Jahrzehnten.

Diese Abschlussqualitäten braucht der FC Basel auch im Duell mit Vitesse Arnheim in der Europa-League-Qualifikation.

Ajeti glaubt vor dem Abflug zum Hinspiel der dritten Runde (Donnerstag, 20 Uhr), dass «Basel die qualitativ stärkere Mannschaft hat als Vitesse». Und er weiss, dass er trotz seiner Jugend und aufgrund seines Leistungsausweises ein Führungsspieler werden muss, wie es zum Beispiel sein Teamkollege Fabian Frei von ihm verlangt. «Ich verspüre deswegen keinen Druck», sagt Ajeti, «denn diese Rolle liegt mir sehr und ich fülle sie gerne aus.»

Es deutet alles darauf hin, dass Ajeti auch unter Marcel Koller Stammspieler sein wird. In der ersten Partie unter dem Zürcher Trainer agierte der 21-Jährige in einer 4-2-3-1-Grundordnung in der Spitze, er verdrängt Ricky van Wolfswinkel auf den rechten Flügel.

Der Holländer steht für die Spiele gegen Arnheim im Fokus, weil er bei Vitesse die Juniorenstufen durchlief und zum Profi reifte. Und er galt einst als wichtigster Transfer der neuen sportlichen Leitung. Die Verpflichtung Albian Ajetis, der auf Umwegen zum jungen Basler Torschützenkönig wurde, ist ebenso bedeutsam.

Ehre, wem Ehre gebührt: Albian Ajeti erhält die Auszeichnung als bester Torschütze der Saison 2016/17, FCB-Teammanager Gusti Nussbaumer hütet die Trophäe während des Spiels.

Konversation

  1. Ich denke noch immer, dass Streller unter den speziellen Bedingungen (mit einem ambitionierten aber ehrenwerten Konzept) einen guten Job macht. Zumal auch ihm selbst die Erfahrung noch fehlt.
    Schön, dass das nun auch die Presse langsam zu erkennen scheint.

    Natürlich sitzt der Frust noch relativ tief, nach all dem was der FCB freizügig weggeschenkt hat. Aber man realisiert langsam, dass der Weg mit dem neuen Konzept durchaus einen Versucht wert ist. Da es nicht nur um Siege sondern um Identifikation geht.

    Daher hat mich persönlich das Entdemokratisieren des Vereins viel mehr gestört wie die Anlaufschwierigkeiten der neuen Clubverantwortlichen. Ich hoffe da werden nun auch Fortschritte gemacht.

    Auch für die Auswahl des nächsten Trikots z.B., bleibt ja nun genug Zeit um eine Einbindung der Vereinsmitglieder wieder zu ermöglichen.

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