«Auf dem Ergometer habe ich einen iPod mit ein bisschen Krach drauf»

Der Schweizer Vierer hat sich im olypischen Ruderwettbewerb direkt für Halbfinal qualifiziert. Mit an Bord ist Simon Niepmann, einer von fünf Athleten aus der Region Basel, die in London dabei sind. Im Interview mit der TagesWoche spricht er über seine Ziele.

Simon Niepmann vertritt die Region Basel an den Olympischen Spielen von London. Im Interview mit der TagesWoche erklärt der Ruderer, wie er sich im Training an einem nasskalten Wintertag motiviert, dass er keine Hobbies hat und warum sein Bruder verantwortlich ist, dass er nun in London mitrudert.

Am Donnerstag um 11 Uhr Schweizer Zeit gilt es Ernst für Simon Niepmann. Der Ruderer aus Grenzach steht mit dem Schweizer Leichtgewichts Vierer an den Olympischen Spielen im Final der besten sechs Boote.

Die TagesWoche hat Simon Niepmann vor dem Beginn der Spiele interviewt.

Worin liegt die Essenz Ihrer Sportdisziplin – in zwei Sätzen?

Rudern ist ein extrem naturverbundener Teamsport, bei dem es auf auf jeden Einzelnen ankommt. Einer alleine kann nicht die erforderte Leistung erbringen, jeder ist gefordert.

Was ist Ihr grösster Erfolg?

Das war im letzten Jahr der sechste Platz an der WM und damit verbunden die Qualifikation für die Olympischen Spiele. Dieses Resultat war nicht wirklich überraschend, denn wir hatten uns bei den letzten Weltcup-Rennen eigentlich immer für den Final-Lauf qualifiziert.

Wo liegen Ihre Stärken, wo Ihre Schwächen?

Meine Stärke ist sicher, dass ich ein relativ ruhiger Typ bin, was gerade bei Wettkämpfen sicher kein Nachteil ist. Rein sportlich liegt meine Schwäche wohl darin, dass ich physisch einen kleinen Schritt hinterherhinke. Das zeigen die Werte auf dem Ergometer. Da bin ich in unserem Team an vierter Stelle.

Wie motivieren Sie sich, wenn es gerade nicht rund läuft?

Mit dem grossen Ziel, den Olympischen Spielen. Bei uns wird es meistens im Winter etwas mühsam, wenn wir bei Grau in Grau und kaltem Wetter draussen sind. Dann muss man sich einfach an die Rennen im Sommer zurückerinnern.

Was geben Sie auf für den Sport?

Wirklich aufgegeben habe ich nichts. Die anderen Dinge laufen halt einfach ein bisschen auf Sparflamme, je näher die Olympischen Spiele kommen, desto mehr. Das Studium habe ich jetzt ganz auf Null gestellt und so dauert das eben ein bisschen länger. Aber für mich ist es ein Privileg, dass ich meinen sportlichen Traum verfolgen kann. Da ist es dann auch in Ordnung, wenn man sonst ein bisschen zurücksteckt.

Was haben Sie in dieser speziellen olympischen Saison anders gemacht?

Der Fokus lag vor allem darauf, dass wir mehr Zeit haben, Erholung optimal zu gestalten. Das ist auch der Grund, wieso ich mit dem Studium im Moment pausiere. Und dadurch, dass wir uns mehr und besser erholen können, ist auch die Qualität der einzelnen Trainings besser.

Was ist Ihr Ziel in London?

Wenn alles normal läuft und die Handgelenksverletzung (Anm. d. Red.: operierte Sehnenscheidenentzündung) von Lucas Tramèr schnell wieder abklingt, dann ist das Ziel schon, in den Finallauf zu kommen und dort dann den Sprung unter die ersten drei zu schaffen. Das ist zwar ein hohes Ziel, aber wenn man sich die Resultate der letzten Jahre anschaut, ist es realistisch.

Was ist Ihr grösster Traum?

Einmal eine Goldmedaille an Olympischen Spielen zu gewinnen, ist schon ein Riesentraum.

Welche andere Sportart würden Sie ausüben, wenn nicht Rudern?

Ich könnte mich jetzt noch auf einem Mountainbike vorstellen. Ich bin als kleiner Junge schon relativ viel Rad gefahren und dann war das Mountainbike bald die spannendste Art, Rad zu fahren. Bis ich dann mit dem Rudertraining so richtig eingestiegen bin, habe ich das auch noch ziemlich häufig gemacht.

Was machen Sie gerne, wenn Sie gerade nicht mit Sport beschäftigt sind?

Ich treibe fast immer Sport. Und wenn mal nicht, dann bin ich extrem faul. Einfach ein bisschen sitzen, liegen und nichts machen. Richtige Hobbies, die nichts mit Sport zu tun haben, habe ich eigentlich nicht.

Wer ist für Sie der beste Sportler respektive die beste Sportlerin aller Zeiten?

Das ist schwierig. Roger Federer gehört auf jeden Fall dazu.

Wer ist es in Ihrer eigenen Sportart?

Steven Redgrave. Er ist fünffacher Olympia-Goldmedaillengewinner. An fünf Olympischen Spielen in Folge hat er je eine Medaille gewonnen. Es ist schon sehr speziell, solche Leistungen über eine solch grosse Zeitspanne zu erbringen.

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?

Gerade kürzlich habe ich mir wieder einmal einen Film angesehen: «Crazy, stupid, love». Der Titel hat mich etwas abgeschreckt, aber dann fand ich ihn überraschend gut.

Haben Sie ein Lieblingslied?

Momentan nicht. Wenn ich auf dem Ergometer trainiere, habe ich einen separaten iPod mit hauptsächlich Rockmusik und auch ein bisschen Krach drauf, der mich motivieren soll, wenn es langweilig und monoton wird.

Kochen Sie selber?

Wenig.

Wenn doch, dann was?

Es muss schnell gehen und möglichst Nudeln beinhalten. Ansonsten mag ich Brot, Wurst und Käse. Das geht schnell und da muss man nicht kochen. Meine Trainings-Kollegen sagen, ich würde da mein Picknick machen. Aber ich mag das.

Was würden Sie gerne gefragt werden?

Wie lange ich schon im Sport dabei bin.

Wie lautet Ihre Antwort?

Seit 1996. Da war ich elf Jahre alt. Es ist an sich speziell, dass ein kleiner Ort wie Grenzach einen Ruder-Club hat. Und damals hatten wir eine Gruppe von Junioren, die ziemlich erfolgreich war. Das hat man halt so mitbekommen im Dorf und über meinen Bruder bin ich dann zum Rudersport gekommen.

Website des Schweizer Leichtgewichts-Vierers.

Zurück zur Übersichtsseite der Serie.

Artikelgeschichte

Am 27. Juli 2012 wurden Teaser und Lead angepasst, um das Interview als Vorschau auf den Vorlauf des Schweizer Leichtgewichts Vierers zu verwenden. Der ursprüngliche Text lautete: «Die regionalen Kandidaten für die Olympischen Sommerspiele 2012 im Interview. Teil 4 der TagesWoche-Serie mit Ruderer Simon Niepmann, der mit dem Schweizer Leichtgewichts-Vierer eine Medaille anpeilt.»

Konversation

Nächster Artikel