Ausser Kampf und Schmerz bietet das Gipfeltreffen nicht viel

Nach einer schwachen ersten Halbzeit gleicht der FC Basel durch Mohamed Elyounoussi aus und kann in der Folge keinen Vorteil mehr aus einem Platzverweis für Roger Assalé ziehen. Deshalb bleibt es vor 30’800 Zuschauern im Spitzenspiel der Super League bei der Punkteteilung und damit unverändert beim 17-Punkte-Vorsprung des alten und designierten neuen Meisters.

Der Ausgleich im Joggeli: Mohamed Elyounoussi trifft per Kopf zum 1:1 in der 54. Minute und damit zum Endstand im Spitzenkampf der Super League.

(Bild: Keystone/TaWo)

Nach einer schwachen ersten Halbzeit gleicht der FC Basel durch Mohamed Elyounoussi aus und kann in der Folge keinen Vorteil mehr aus einem Platzverweis für Roger Assalé ziehen. Deshalb bleibt es vor 30’800 Zuschauern im Spitzenspiel der Super League bei der Punkteteilung und damit unverändert beim 17-Punkte-Vorsprung des alten und designierten neuen Meisters.

Schön, wenn nach einem wenig erbaulichen Fussballspiel ein Trainer mal nicht nach diplomatischen Formeln sucht. Also antwortete Urs Fischer auf die Frage, wie der Trainer des FC Basel den Auftritt seiner Mannschaft im Spitzenspiel gegen die Young Boys fand, kurz und knapp: «Nicht gut, und in der ersten Halbzeit ganz schlecht.»

» Hoaraus Horrorverletzung: Hüfte muss eingerenkt werden

Um dann noch etwas ausführlicher zu werden: Zu wenig Laufbereitschaft zeigten ihm seine Spieler, gefehlt hat ihm der Wille, in die Zweikämpfe zu gehen, zu viele Ballverluste musste er mit ansehen, und das Urteil über den spielerischen Gehalt gerät nicht zum Kompliment für seine Mannschaft: «Das war unpräzise und fast schon schludrig.»

Dem ist fast nichts hinzuzufügen.

Es war ein Gipfeltreffen, das die Erwartungen und Ansprüche an ein Duell des Ersten gegen den Zweiten nicht erfüllen konnte. Die Young Boys spielten gegen diesen uninspirierten FCB immerhin eine gute erste Halbzeit und mussten um die 40. Minute herum geschockt mit ansehen, wie sie ihren Goalgetter verloren. Nach einem mit höchstem körperlichen Einsatz geführten Zweikampf im Mittelfeld mit Marek Suchy ging Guillaume Hoarau zu Boden, ohne dass man dem Basler Innenverteidiger irgendeinen Vorwurf machen könnte.

Die niederschmetternde Diagnose für Hoarau: eine schwere Hüftverletzung. Er soll sich das linke Hüftgelenk ausgerenkt haben, wurde umgehend in ein Spital eingeliefert und noch am Sonntagabend in Basel operiert. Das ist ein schwerer Schlag für Hoarau, den bis dato besten Torschützen der Super League, und für YB. Und je nach Genesungsdauer wird sich das Unglück möglicherweise auch auf die Ambitionen in der kommenden Saison auswirken. Dann, wenn die Young Boys parat sein wollen, sollte es der FCB nach dem Umbruch nicht sein.

FCB rafft sich zum Ausgleich auf – zu mehr aber auch nicht

Immerhin raffte sich die Mannschaft von Urs Fischer in diesem Spiel noch zu einer starken Viertelstunde nach der Pause mit dem Ausgleich auf. Den dritten Corner, von Luca Zuffi zur Mitte getreten, verwertete Mohamed Elyounoussi mit einem torpedoartigen Kopfball (54.). Der Rest wirkte bald wieder so harzig wie zuvor. «Das Beste ist, dass wir einen Punkt geholt haben», sagt Fischer, der sich deshalb weiter in einem 17-Punkte-Vorsprung sonnen kann.

Beflügelt schien der FCB im zweiten Durchgang auch durch die Einwechslung von Blas Riveros für den beklagenswert schlechten Adama Traoré. «Man kann aber nicht alles an Adama aufhängen», sagt Fischer, «ich hätte vier, fünf Spieler auswechseln können.» Und Fischer relativierte das Lob für Riveros auch sogleich: «Er hat sich dann relativ schnell dem Niveau angepasst.» Sprich: spielte fehlerhaft und liess sich überlaufen wie sein Vorgänger.

Rot für Assalé, keine Argumente für Doumbia

Das hatte auch deshalb keine grösseren Auswirkungen mehr, weil die Berner ab der 74. Minute nur noch zehnt waren. Der quirlige Roger Assalé strauchelte in einem Sprintduell mit Blas Riveros, und seine Hand landete am Kopf des Paraguayaners. Schiedsrichter Alain Bieri wertete das als Tätlichkeit; YB-Sportchef Christoph Spycher mochte allerdings keine Bösartigkeit in der Szene erkennen und fand den Platzverweis streng.

Da hatten die Young Boys ihre beste Phase bereits hinter sich, eine gute erste Halbzeit, in der sie den FCB immer wieder in Verlegenheit brachten und mit Assalés und Hoaraus Zutun durch Yoris Ravet in Führung gegangen waren (15.). Völlig zu recht, weil der FCB behäbig wirkte und farblos und so quasi an den Cupmatch in Winterthur vier Tage zuvor anknüpfte.

Anzeichen dafür hatte Fischer im Vorfeld der Partie nicht erkannt, auch nicht nach dem Warm up vor den 30’817 Zuschauern im Joggeli. Er hatte Taulant Xhaka und Mohamed Elyounoussi neu in die Startelf beordert und auch Seydou Doumbia, der zuletzt hatte hinten anstehen müssen in der Stürmerhierachie. Gegen seinen Ex-Club konnte der Ivorer allerdings keine Argumente für sich sammeln. Zwei Chancen boten sich ihm, das Fremdkörperartige konnte er auch in dieser Partie nicht ablegen und diese Partie hat die Wahrscheinlichkeit, dass ihn der FCB von der AS Roma übernehmen wird, nicht erhöht.

» Seydou Doumbia – zwischen Baum und Borke

«Wenn ich den heutigen Auftritt sehe, halte ich viel für möglich»

Mit sieben Siegen und zwei Remis schliesst der FCB somit das dritte Saisonquartal ungeschlagen ab – nach einem makellosen ersten Quartal und einem zweiten mit einer Niederlage gegen YB und zwei Remis. Von den verbleibenden 27 Punkten benötigt er jetzt noch elf, die er ungeachtet der Konkurrenz aus eigener Kraft holt, um den achten Meistertitel en suite unter Dach und Fach zu bringen. Das wäre dann in vier Wochen in Lugano.

Es sei denn, YB gibt irgendwo noch etwas her. Der FC Sion entledigte sich am Samstag mit der Niederlage in Lugano jeder theoretischer Meisterschaftschance. Aber die Walliser haben mit dem 25. Mai und dem Cupfinal gegen den FCB inzwischen ja ein ganz anderes, eigenes Saisonziel vor Augen.

«Über die Linie zu fahren, ist das Schwierigste», sagt Urs Fischer angelehnt an die Sprache der Motorsportler. Und während Uli Hoeness seinen FC Bayern mit weit weniger Vorsprung längst zum alten und neuen Meister in der Bundesliga ausgerufen hat, würde sich Fischer eher auf die Zunge beissen. Natürlich hält niemand, wohl auch Fischer nicht, es für möglich, dass Basel den Vorteil noch aus der Hand gibt. Malizös sagte der FCB-Trainer jedoch zum Abschluss eines als Frühsommer getarnten Aprilsonntag im Joggeli: «Wenn ich den heutigen Auftritt sehe, halte ich viel für möglich.»

 

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Vor dem Spiel:

Seydou Doumbia: Er ist mit seinen 13 Treffern der beste Torschütze des FC Basel, muss aber, wie es der Trainer ausdrückt, hinten anstehen. Vermutlich auch heute im Prestigeduell gegen seinen Ex-Club, die Young Boys. Dass Seydou Doumbia, von der AS Roma ausgeliehen, über die Saison hinaus eine Zukunft in Basel hat, erscheint unwahrscheinlicher denn je. » Zwischen Baum und Borke 

Fischers Arbeitszeugnis an die Vereinsführung: Basel spielt heute gegen das einzige Team, das den Titelhalter in dieser Meisterschaft bezwungen hat. Trainer Urs Fischer spricht davon, wie er seine Spieler trotz 17 Punkten Vorsprung im Training bremsen muss – und warum das Arbeitsklima beim Schweizer Meister so gut ist. » Ein Spitzenspiel, das fast untergeht

Der neue Präsident: Nicht Mäzen, sondern Unternehmer: Bernhard Burgener will als Präsident den FC Basel nicht auf den Kopf stellen, aber redimensionieren und nach seinen Vorstellungen inspirieren. Und wenn der Club Gewinn abwirft, will er daran partizipieren. Die Mitglieder des FCB machen ihm mehrheitlich den Weg frei dafür. » Nachberichterstattung zur Mitgliederversammlung am Mittwoch

Der Lernende und seine Riesenkiste: Marco Streller hofft, dass seine Anrufe an Georg Heitz schnell weniger werden. Der neue Sportchef kann auf die beratende Unterstützung seines Vorgängers zählen, wenn er im Sommer die sportliche Leitung des FC Basel übernimmt. Für die Ausübung dieser Rolle will der 35-jährige Ex-Spieler schnell lernen – und sich einen mehrsprachigen Mitarbeiter zur Seite holen. » Der neue Sportdirektor bei seinem ersten Auftritt

LiVE-Blog der Mitgliederversammlung: Nach knapp zweieinhalb Stunden ausserordentlicher Versammlung haben 83,1 Prozent von 2389 stimmberechtigen Mitgliedern des FC Basel mit ihrem Ja den Weg freigemacht für eine neue Führungspitze. Bernhard Burgener kann somit die Aktienmehrheit an der FC Basel Holding AG übernehmen. » Der Mittwoch, nacherzählt 


Konversation

  1. In solchen spielen ist calla zu wenig gut. Steffen hat deutlich gefehlt. Die anderen flügelspieler haben nicht die gleich hohe qualität. Schwach war traoré, den würd ich sofort verkauen!

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    1. Gebe ihnen 100% recht. Was YB auf und neben dem Platz gezeigt hat war einmal mehr lächerlich und eine Schande für den Schweizer Fussball. 😉

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