Barça steht am Pranger – und mit dem Rücken zur Wand

Die einjährige Transfersperre, die der Weltfussballverband Fifa gegen den FC Barcelona ausgesprochen hat, könnte den Verein vor grosse Probleme stellen. Das Kader bräuchte eigentlich Blutauffrischung – doch nun ist sogar der Transfer von Goalie Marc-André ter Stegen fraglich. Barça will die Sanktion sowohl bei der Fifa als auch vor dem Internationalen Sportgerichtshof anfechten.

Atletico Madrid's attend a training session at the Camp Nou stadium in Barcelona, Spain, Monday, March 31, 2014. FC Barcelona will face Atletico Madrid in a first leg quarter-final Champions League soccer match April 1. (AP Photo/Manu Fernandez) (Bild: AP Photo/Manu Fernandez)

Die einjährige Transfersperre, die der Weltfussballverband Fifa gegen den FC Barcelona ausgesprochen hat, könnte den Verein vor grosse Probleme stellen. Das Kader bräuchte eigentlich Blutauffrischung – doch nun ist sogar der Transfer von Goalie Marc-André ter Stegen fraglich. Barça will die Sanktion sowohl bei der Fifa als auch vor dem Internationalen Sportgerichtshof anfechten.

Schon in den letzten Tagen gab es in Barcelona diesen Running Gag: Welches Unglück kommt wohl als nächstes? Der emblematische Fußballclub der Stadt hat im Jahr 2014 bereits ein Gerichtsverfahren an den Hals bekommen und seinen Präsidenten verloren (beides wegen der Affäre um den Transfer von Neymar), er hat den Rücktritt seines Captains Carles Puyol erlebt und den Kreuzbandriss seines Torwarts Victor Valdés.

Als sich nach zehn Minuten des Champions-League-Viertelfinals gegen Atlético Madrid am Dienstagabend auch noch Abwehrchef Gerard Piqué mit Hüftproblemen abmeldete (er wird rund einen Monat fehlen), schien die übliche Wochenration schlechter Botschaften mal wieder abgegolten. Niemand ahnte, dass am nächsten Tag eine Nachricht folgen würde, die alle bisherigen noch in den Schatten stellen würde.

Wie der internationale Fußballverband Fifa am Mittag bekannt gab, hat der spanische Meister bei der Verpflichtung minderjähriger Spieler aus dem Ausland gegen diverse Regularien verstossen und wurde deshalb mit einem Transferverbot für die nächsten beiden Perioden belegt. Er darf also bis zum Sommer 2015 keine neuen Spieler unter Vertrag nehmen. Zusätzlich wurde gegen Barça eine Geldstrafe von 450’000 Schweizer Franken verhängt, der für die regelwidrige Registrierung der Spieler verantwortliche spanische Verband muss 500’000 Franken Strafe zahlen.

Barça will Sanktion anfechten

Im Detail geht es um zehn Fälle zwischen 2009 und 2013, bei denen Artikel 19 des Reglements verletzt wurde, der internationale Transfers von Minderjährigen nur mit Sondergenehmigung der Fifa erlaubt – etwa wenn die Eltern umziehen oder, bei 16- bis 18-Jährigen, wenn der Vereinswechsel innerhalb der Europäischen Union vonstatten geht. Barcelona drohte diese Vorschriften bereits im vorigen März zu verletzen, weshalb der Weltverband damals die Verpflichtung von sechs Spielern aus Korea, Frankreich, Nigeria und Kamerun untersagte. 

Acht Stunden vergingen, ehe der FC Barcelona am Abend eine Stellungnahme zu dem Urteil veröffentlichte – was ganz gut veranschaulicht, wie kalt er davon erwischt wurde. In dem 14 Punkten umfassenden Kommuniqué verweist der Club unter anderem darauf, dass in seiner als vorbildlich geltenden Nachwuchsschule La Masia «nicht nur Fussballer, sondern auch Menschen» ausgebildet würden, und dass allein in Katalonien geschätzt 15’000 nicht registrierte Kinder illegaler Einwanderer in Vereinen spielen würden, die es nach der Fifa-Logik allesamt zu sperren gelte.

Das Wichtigste kommt zum Schluss: Barça wird die Sanktion sowohl bei der Fifa als auch vor dem Internationalen Sportgerichtshof anfechten sowie einstweilige Verfügungen gegen das Urteil beantragen, «um die Rechte des Clubs zu schützen, darunter auch das, Neuverpflichtungen zu tätigen».

Blutauffrischung dringend nötig

Ein nicht ganz unerheblicher Punkt, denn in sportlicher Hinsicht könnte die Fifa-Sanktion zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt kommen. Die erste Mannschaft bedarf dringend der Renovierung, insbesondere in der Abwehr, wo neben dem abwandernden Puyol in Piqué und Marc Bartra nur zwei gelernte Innenverteidiger sowie der umgeschulte Javier Mascherano zur Verfügung stehen.

Noch pikanter ist das Urteil für die Situation im Tor, wo Valdés schon vor einem Jahr seinen Abgang zum Ende dieser Saison angekündigt hat und bis Sommer 2015 jetzt nur noch der 38-Jährige José Manuel Pinto zur Verfügung stünde, der beim 1:1 gegen Atlético dem Publikum mit abenteuerlichen Spieleröffnungsversuchen sämtliche Nerven raubte –  sowie die Keeper aus den Reserve- und Nachwuchsteams.

Fällt Goalie ter Stegen unter das Embargo?

Dabei war der Nachfolger für Valdés ja eigentlich längst unter Vertrag genommen, er hatte sogar schon den Medizincheck erfolgreich bestanden – nur die offizielle Bestätigung des Transfers von Marc-André ter Stegen von Borussia Mönchengladbach stand noch aus. Aus dem Lager des Torhüters wurde gestern verbreitetet, der Vertrag könnte schon unterschrieben und damit von der Fifa anerkannt worden sein. Aber das dürfte keine Rolle spielen: Die Registrierung als Spieler bei Barcelona würde sich ja trotzdem erst im Sommer ereignen und damit unter das Embargo fallen.  

Dieses ist für Barças Vereinsführung um Präsident Josep Maria Bartomeu noch aus einem anderen Grund fatal. Für den Sonntag hat sie ein Referendum über den Umbau des Camp Nou angesetzt, das für rund 600 Millionen Euro auf neuesten Stand gebracht und auf ein Fassungsvermögen von 105’000 Zuschauern erweitert werden soll. Eine Zustimmung der Mitglieder galt schon vorher als unklar, auch weil Bartomeu als ehemaliger Vize selbst an den Irrungen und Wirrungen des Neymar-Transfers beteiligt war, in dessen Rahmen dem Verein unter anderem Steuerhinterziehung vorgeworfen wird.

Nun steht Barça mehr denn je am internationalen Pranger, was sich in dem Votum zusätzlich auswirken dürfte – auch wenn das Geld für den Stadionausbau ja sogar leichter verfügbar wäre, jetzt, wo man es auf dem Transfermarkt wohl sparen wird.

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