Basler Leistungsbarometer auf stabilem Tief

Der FC Basel blieb gegen engagierte Young Boys unter dem Strich ohne Chance. Die Einzelkritik.

Mund abputzen hat in dem Fall auch nichts genützt. Dimitri Oberlin und Michael Lang stehen sinnbildlich für das Basler Kollektiv mit sauren Mienen da.

Tomas Vaclik  |  Torhüter

Es brauchte ihn ziemlich bald in dieser Partie, in der die Berner früh die Stossrichtung vorgaben. Nach drei Minuten klärte Vaclik entscheidend gegen Loris Benito, zwei Minuten später liess er einen strammen Weitschuss Christian Fassnachts zur Seite abprallen. Danach war Tomas Vaclik erst beim Penalty wieder gefordert – und zog den Kürzeren. Vaclik ahnte gegen Guillaume Hoarau zwar die richtige, linke untere Ecke, aber dessen Abschluss in der 55. Minute war zu präzis. Kein Balsam auf eine ohnehin magere Penalty-Bilanz: Der letzte von insgesamt drei gehaltenen Elfmetern datiert vom 8. August 2015, zu Buche stehen dagegen 12 verlorene Duelle in Diensten der Basler.

Taulant Xhaka  |  rechter Innenverteidiger

Als die Berner zum ersten Mal die Arme jubelnd in den Nachthimmel reckten, lag der rotblaue Fokus auf ihm – zu Unrecht. Zwar hatte Hoarau getroffen und Xhaka durch einen Ausrutscher im dümmsten Moment das Duell verloren, doch der YB-Stürmer war in der 25. Minute knapp im Abseits gestartet. Glück für Xhaka, der allerdings auch in der Folge unter mangelnder Bodenhaftung litt und eine Reihe hinter seiner angestammten Position als defensiver Mittelfeldakteur keinen Tritt fand.

Taulant Xhaka fand als rechter Innenverteidiger keinen Tritt.

Léo Lacroix  |  zentraler Innenverteidiger

Er war mitverantwortlich am zweiten Treffer, zu dessen Entstehung er gleich zwei verlorene Zweikämpfe beitrug. Erst war ihm Roger Assalé zu trickreich. Dann Kevin Mbabu zu schnell, der die entscheidende Flanke zur Mitte trat. Dort vollendete Suchy unglücklich. Für ein Foul an Sékou Sanogo sah Lacroix in der 38. Minute die gelbe Karte. Auf der Haben-Seite steht ein wichtiger Sprint in der 85. Minute, als er Miralem Sulejmani am Abschluss hinderte. Auf der Nicht-Haben-Seite alles andere, was der Basler Defensive hätte Stabilität verleihen können. Eine schwache Partie von Lacroix.

Marek Suchy  |  linker Innenverteidiger

Suchy war der leidtragende Vollstrecker von Mbabus Vorarbeit. Mit dem Kopf versenkte er in der 64. Minute dessen Massflanke aus kurzer Distanz ins eigene Tor, zum avisierten Raum neben dem Aussenpfosten fehlten dem Ball gut anderthalb Meter. Ein haarsträubender Fehlpass in der 88. Minute schlägt auf der Leistungskurve nochmal nach unten aus, die wie beim übrigen Basler Kollektiv stabil flach geblieben war.

Michael Lang  |  rechter Mittelfeldspieler

In Erinnerung bleibt seine Direktabnahme aus 18 Metern in der 69. Minute, der bereits die ganze Basler Verzweiflung innewohnte. Wölfli parierte stark. Als rechter Aussenflügel gedacht, konnte Lang nie Druck entfalten. Er war stattdessen stets damit beschäftigt, die Löcher zu stopfen, die seine Neben- und Vorderleute hinterlassen hatten. 

Geoffroy Serey Dié  |  zentraler Mittelfeldspieler

Von vorne blies Serey Dié stets das eisige Berner Gegenpressing entgegen, also versuchte er das Spiel in die Breite zu ziehen, um damit Räume zu schaffen. Mit überschaubarem Erfolg. Serey Dié brachte sein Team mit zahlreichen Fehlzuspielen mehrmals in die Bredouille und raubte den eigenen Farben dadurch die Kraft. Sonst selbst als Dampfmaschine bekannt, hing der Ivorer gegen die Berner wie ein Wimpel im Wind.

Luca Zuffi  |  zentraler Mittelfeldspieler

Am auffälligsten war Zuffi, wenn er Eckbälle treten durfte, sonst war da nichts zu sehen vom wiedergenesenen Feintechniker. Ohnehin war mit klein und fein nichts zu holen gegen die energisch pressenden Berner, jede Tiki-Taka-Ambition wurde im Keim abgegrätscht und erstickt.

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Raoul Petretta  |  linker Mittelfeldspieler

Er stellte sich über weite Strecken nicht schlecht an, hatte in der 19. Minute gar die erste halbwertige Basler Chance auf dem Kopf, brachte aber nach einer Flanke von Xhaka zu wenig Druck hinter den Ball. In der Defensive mit der undankbaren Aufgabe betraut, Mbabu unter Kontrolle zu bringen, was ihm Mal um Mal misslang. 

Dimitri Oberlin  |  rechter Flügelstürmer

Schiedsrichter Klossner zögerte keine Sekunde, als Oberlin der Ball von Roger Assalés Kopf an den ausgestreckten Arm sprang. Doch so eindeutig war die Sache nicht. Oberlin hatte den Arm in der 55. Minute zwar ausgefahren, doch eine Bewegung zum Ball war nicht zu erkennen. Wie auch immer: Der folgende Strafstoss markierte den Anfang vom Basler Ende. Und Oberlin hatte ausser einigen misslungenen Sololäufen nichts weiter beizutragen gehabt zum Basler Abend.

Ricky van Wolfswinkel  |  Mittelstürmer

Zwischen den Berner Innenverteidigern Kasim Nuhu und Steve von Bergen war der Basler Mittelstürmer schlicht unsichtbar. Ein tolles Zuspiel auf Elyounoussi in der 82. Minute geht auf sein Konto, ansonsten herrschte in der Basler Spitze das grosse Gähnen.

Valentin Stocker  |  linker Flügelstürmer 

War als einer der wenigen für erwärmende Basler Momente besorgt, wenn auch anders als gedacht. War Stocker in der Nähe des Balls, brannte es lichterloh, der Basler Linksaussen hatte gegen die direkten Gegenspieler Mbabu und Fassnacht keinen Stich. Stocker war zu keinem Moment die Leitfigur, als die er aus Berlin zurückgeholt worden war. Sein fahriger Auftritt war schliesslich sinnbildlich für ein Basler Kollektiv, das sich dem Berner Auftritt am liebsten per Abflug entzogen hätte. So gesehen bei Stocker in der 22. Minute, als er sich nach einer Berührung Nuhus theatralisch fallen liess. Unangenehm.

Eine Berührung war da, mehr aber auch nicht. Valentin Stocker macht im Zweikampf mit Kasim Nuhu schon mal den Abflug.

Mohamed Elyounoussi  |  rechter Flügelstürmer

Elyounoussi kam in der 65. Minute für Xhaka und nährte kurz die Hoffnung auf eine Basler Trendwende. Seine beiden Abschlüsse in der 71. und 74. Minute parierten Wölfli und Nuhu mit generösem Einsatz. Dem Basler blieb das Prädikat «belebendes Element», mehr nicht.

Samuele Campo  |  zentraler Mittelfeldspieler 

Samuele Campo erlöste in der 74. Minute den inferioren Stocker, setzte sich durch eine schöne Einzelleistung fünf Minuten später in Szene, Entscheidendes bewirkte jedoch auch er nicht mehr.

Kevin Bua   |  linker Flügelstürmer

Kevin Bua kam in der 82. Minute für van Wolfswinkel und konnte auf den letzten Metern nichts mehr bewirken.

Nicht eingesetzt beim FC Basel: Mirko Salvi (Ersatztorhüter) Fabian Frei, Albian Ajeti, Blas Riveros.

Konversation

  1. Ein schwache Partie von Lacroix?
    Als Neuling in dieser Mannschaft spielte er in diesem Spiel „echt“ gut.

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