Beachsoccer im Wasser, perfide Stoppbälle und die nächsten drei Punkte für die Schweiz

Bei diskussionswürdigen Bedingungen gewinnt die Schweiz das siebte Qualifikationsspiel gegen Andorra mit 3:0. Der Regen erschwerte die Bedingungen in St. Gallen – förderte aber die Originalität der Spieler.

Ärgernis Regen: Eren Derdiyok missglückt eine Situation vor dem Tor, wegen des Wassers, das die Partie zwischen der Schweiz und Andorra dominiert. (Bild: Keystone)

Manuel Akanji hatte keine Lust auf Lehrbuchfussball. Der einzige Basler Innenverteidiger spielte den Ball lieber ins Seitenaus als zu Yann Sommer, wie es in jedem Training in solchen Situationen eigentlich geübt wird. Das Risiko war einfach zu gross, dass der Ball zwischen dem Basler und dem Ex-Basler in einer Wasserpfütze stehen bleibt und ein Andorraner davon hätte profitieren können.

So liess der Regen im St. Galler Kybunpark den Fussball beim WM-Qualifikationsspiel zwischen der Schweiz und Andorra ganz schön irrwitzig aussehen. Die Partie stand immer an der Grenze zum Spielabbruch, oder wie es Nationaltrainer Vladimir Petkovic mit dem Schmunzeln des Siegers ausdrückt: «Es war ein bisschen irregulär.» Die Wasserwischer hatten alle Hände voll zu tun, zwischenzeitlich waren sie die wahren Helden der Partie – und liessen sich feiern.

Vor ihnen die Sintflut – alles Wasser muss weg, was für die Wasserwischer in St. Gallen ein Ding der Unmöglichkeit war.

Stephan Lichtsteiner, der Schweizer Captain, verwarf mehrfach die Hände und reklamierte beim Schiedsrichter die Unmöglichkeit, auf diesem Grün Fussball zu spielen. Doch ironischerweise entwickelte sich so zwischen dem Tabellenführer der Gruppe B und dem Underdog ein Spiel, das die offiziell 13’600 Zuschauer sogar mit Elementen aus dem Beachsoccer unterhielt: Vor allem die Andorraner begriffen irgendwann, dass sie den Ball leichter aus der Gefahrenzone bringen, wenn sie ihn erst kurz in die Luft heben und erst dann wegspedieren. Wie man das auf Sand eben auch macht.

Am Boden gespielte Bälle wurden derweil in jeder Pfütze zu unberechenbaren Stoppbällen, ein einziges Ärgernis sowohl für den Passgeber als auch für den Adressaten. Das Motto war also: Jeder hohe Ball ist ein guter Ball. Beispielsweise jener, den Xherdan Shaqiri in der 43. Minute mit Unterschnitt zu Haris Seferovic spielte und der vom Kopf des Lissaboner Stürmers ins Tor flog.

Der gleiche Spieler erzielte auch den zweiten Treffer, diesmal aus dem Gewühl und aus einer Wasserpfütze heraus. Es was in dieser WM-Qualifikation das dritte Tor Seferovics, auf dessen Club Benfica Lissabon der FC Basel in der Champions League treffen wird. Für das dritte Tor gegen Andorra zeichnete schliesslich Stephan Lichtsteiner verantwortlich, Sekunden bevor zum wiederholten Male Sicherheitsbeamte zu Wasserwischern umfunktioniert wurden und ihre Arbeit zu verrichten hatten.

«So nicht!» – Stephan Lichtsteiner will auf diesem Wasser nicht Fussball spielen. Die Schweiz holt trotzdem drei Punkte.

«Wir wollten das unbedingt heute zu Ende spielen, denn sonst hätten wir morgen um 12 Uhr nochmals antreten müssen», freut sich Doppeltorschütze Seferovic über das Ende der Partie. Am Sonntag spielen die Schweizer auswärts gegen Lettland. Vorerst aber freuen sie sich über den siebten Sieg im siebten Spiel. Und über die Tabellenführung, mit drei Punkten Vorsprung auf Portugal, drei Spiele vor Schluss.

Einer aber wird möglicherweise eine schlaflose Nacht verbringen: Der St. Galler Rasenverantwortliche. Am 20. September spielt der FC Basel sein nächstes Auswärtsspiel in der Super Leageue gegen den FC St. Gallen. Und wenn die St. Galler bis dahin Rasen-Know-How benötigen, die Basler haben wegen eines Pilzes jede Menge davon.

Zu den Fakten zum Spiel und zurTabelle der Gruppe B.

Konversation

  1. Wie kann es sein, dass ein WM-Qualifikationsspiel im «Kybun-Park»

    (« … die Kosten des Stadions und des angebauten Einkaufszentrums beliefen sich auf ungefähr 340 Millionen Franken. Für flankierende Verkehrsmassnahmen waren zusätzliche 70 Millionen aufzuwenden … »)

    im Regen absäuft, und keines unserer «Qualitätsmedien» verliert ein Wort darüber?

    System-Presse?

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