Brot, Fleisch und Spiele

Basel gewinnt gegen biedere Lausanner, Scott Chipperfield verkauft jetzt Burger. Die Geschichte eines halbaufregenden Abends.

Salah, der Mann des Abends. (Bild: GEORGIOS KEFALAS)

Basel gewinnt gegen biedere Lausanner, Scott Chipperfield verkauft jetzt Burger. Die Geschichte eines halbaufregenden Abends.

Wenn es ein anderer Gegner gewesen, mit anderen Ansprüchen und anderen Möglichkeiten, wir hätten diese Geschichte vielleicht nicht mit Scott Chipperfield begonnen. Wir hätten über ein hochstehendes Stück Fussball geschrieben, über dramatische Szenen, die drohende Niederlage.

Vielleicht aber auch nicht.

Denn seien wir ehrlich: Heute interessiert zuerst Scott Chipperfield und seine neue Karriere als Burgerbrater. Oder eher: Burgerverkäufer. Während hinter dem Tresen Frauen in schwarz einen Burger nach dem anderen über den Tresen reichen, wandelt Chipperfield – immerhin mit einer Schürze verkleidet – durch die Fans und holt sich aufmunternde Tätscheleien.

Ganz ehrlich: Das war eine etwas traurige Szene. Scotty’s Corner ist einem der unschöneren Ecken vor dem Stadion untergebracht, gleich bei dem halben Hochhaus, an den Wänden hat jemand bizarre Würste mit Kickschuhen gemalt und Chipperfield selber …  Er hat im St.Jakob-Park schon eine erheblich bessere Figur abgegeben.

Ziemlich nackt

Nicht unbedingt zu Chipperfields Vorteil gereicht ihm übrigens der eigentliche Burger, den er unter seinem Namen verkaufen lässt. Der «beste Burger der Stadt», versprach er vor dem Spiel im «20 Minuten», denn: «Wir Australier wissen halt, wie man grilliert.» Ach, hätte er es doch nicht gesagt. Der Burger wird ohne Beilagen, ohne irgendwelche Beilagen, auf zwei angerösteten Brötchen serviert. Derart nackt hat vielleicht ein Entrecôte eine Chance oder ein Rindsfilet. Aber nicht diese graue zusammengepappte Masse, die genau so schmeckt wie sie aussieht. Update: Wir haben journalistisch und kulinarisch versagt. Näheres gibt es in der Artikelgeschichte auf der Rückseite dieses Textes.

Aber genug der Burger. Es ging ja um Fussball!

Auf der einen Seite jedenfalls. Lausanne hatte sich schon relativ bald nach Anpfiff in der eigenen Hälfte häuslich eingerichtet und wartete auf einen Fehler im Aufbau des FCB. Das Problem an Lausannes Strategie waren nicht die fehlenden Fehler, denn die gab durchaus. Dragovic passte mehr als einmal unmotiviert quer und auch Cabral wirkte in der Startphase nicht unbedingt sicher.

«Gut organisiert»

Aber die Basler Fehler zeigten eben nicht nur die eigenen Unzulänglichkeiten auf, sondern mehr noch den Unwillen von Lausanne-Sport an diesem Abend irgendetwas anderes zu tun, als in der eigenen Hälfte auf die Erlösung zu hoffen. Denn Konter spielen, das ist nicht die Stärke der Lausanner.

Laurent Roussey, Trainer von Lausanne-Sport, nannte das nach dem Spiel «gut organisiert» und tatsächlich ging die Stillhalte-Taktik auch lange Zeit auf. Zu verschnörkelt, zu wenige gerade trug der FCB in der Anfangsphase seine Angriffe vor. Meistens passte Yapi (der ein gutes Spiel lieferte und in der Pause mit einer Verletzung am Knie ausgewechselt werden musste) nach rechts auf Salah, der zwar schnell am Ball war, aber selten einen Abnehmer für seine Pässe in die Mitte fand.

Lob der linken Seite

Rechts ging nichts, also dann halt über links. Zuerst vergab Salah aus sehr guter Position und dann, endlich. Ein schlauer Pass von Park auf den durchstartenden Salah, eine saubere Flanke auf Strellers Kopf, voilà.

Das wars eigentlich. Die Spieler von Lausanne-Sport zeigten nach dem Führungstreffer der Basler nicht das, was man gerne als «eine Reaktion» bezeichnet, sondern ergaben sich weiterhin ergeben ihrem Schicksal. Einzig Sekou Sanogo wehrte sich noch, vornehmlich mit dem Ellenbogen. Zuerst streckte er David Degen derart nieder, dass der mit einer offenen Wunde an der Lippe ausgewechselt werden musste und danach fand die Waffe seiner Wahl auch den Weg ins Gesicht von Markus Steinhöfer. Den Schiedsrichter schien das nicht weiter zu interessieren.

Der erste Treffer von Salah

Mit Ausnahme von Sanogos Ellenbogen ging höchstens noch bei zwei einsamen Gegenstössen Gefahr von den Lausannern aus. Diaz lenkte anstelle von Yapi das Basler Spiel überlegt und unaufgeregt. Streller wurde besser, Salah versteckte sich ein bisschen. Bis zur 82. Minute. Ein herrlicher Pass von Valentin Stocker, ein herrlich abgeklärter Schlenzer von Salah.

Das war das Wesentliche von diesem Spiel. Ein abgeklärter FCB gewinnt ohne grosse Anstrengung gegen ein biederes Lausanne. Und vor dem Stadion verkauft Scott Chipperfield nun Burger. Bei der Premiere ist das noch die grosse Geschichte. Wir schauen dann in einem halben Jahr mal wieder vorbei.

Artikelgeschichte

Ui, ui, ui. Eben kam Remo Meister vom Kommunikationsteam des FCB vorbei und wies uns darauf hin, dass wir die Beilagen bei Scotty’s schlicht verpasst haben. Der Burger ist zum Selberbelegen! Wo aber genau all die Zwiebeln, Tomaten und die Schüsseln mit Cole-Slaw gewesen sein sollen, hat uns Meister leider nicht erklären können. Und unter uns: Es hätte sehr viele Zwiebeln für dieses Stück Fleisch gebraucht.

Update zwei: Uns erreicht soeben eine Mail von Remo Meister: «Die Beilagen und Saucen befinden sich direkt ausserhalb des Standes auf der linken Seite. Ich glaube Meister hätte es dir schon erklären können, wenn du gefragt hättest… ;)»

Uns bleibt nur die Entschuldigung. Und Remo Meister wird beim nächsten Mal von uns einen Burger spendiert bekommen. Mit Beilagen à Discretion versteht sich.

Konversation

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