Das alte Problem trotz neuer Frisur

Der Fuss des Torhüters ist technisch nicht ganz so beschlagen, der Innenverteidiger fühlt sich auf der Aussenbahn wohler und der Stürmer leidet darunter, dass ihn der gegnerische Trainer noch besser kennt als alle anderen. Die FCB-Spieler in der Einzelkritik nach dem 2:2 gegen Florenz.

Basel's Breel Embolo, left, fights for the ball against Fiorentina's Gonzalo Rodriguez, right, during the UEFA Europa League group I group stage matchday 5 soccer match between Switzerland's FC Basel 1893 and Italy's ACF Fiorentina at the St. Jakob-Park stadium in Basel, Switzerland, on Thursday, November 26, 2015. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

(Bild: Keystone/GEORGIOS KEFALAS)

Der Fuss des Torhüters ist technisch nicht ganz so beschlagen, der Innenverteidiger fühlt sich auf der Aussenbahn wohler und der Stürmer leidet darunter, dass ihn der gegnerische Trainer noch besser kennt als alle anderen. Die FCB-Spieler in der Einzelkritik nach dem 2:2 gegen Florenz.

Germano Vailati | Torhüter

Einzelkritiknoten 3.5

Basel erlebte Yann Sommer, den Torhüter, der im Amateurfussball auch einen guten Feldspieler abgeben würde. Tomas Vaclik ersetzte ihn, auch der Tscheche mit einem ganz passablen Fuss ausgestattet. Wegen Vacliks Schmerzen spielte Vailati gegen Florenz. Und dass dieser mit seinen Füssen nicht ganz so stark ist wie die anderen Genannten, war mit ein Grund, warum der FCB immer wieder Bälle verlor. Mit den Rückpässen, zuweilen nicht sonderlich fein gespielt, konnte Vailati wenig anfangen. Es resultierte eine Passquote von lediglich 68 Prozent – und der entscheidende Ballverlust vor dem 0:2. 

Taulant Xhaka | rechter Aussenverteidiger

Einzelkritiknoten 4

Musste auf der rechten Aussenbahn ran, wo er unter Paulo Sousa praktisch immer gespielt hatte. War im Basler Ensemble kaum wahrzunehmen, ausgenommen sein Abschluss nach gut einer halben Stunde. Dürfte in naher Zukunft, vielleicht gar bis Ende Jahr, des öfteren im rechten Couloir eingesetzt werden. Die Personaldecke des FCB lässt momentan nicht mehr Spielraum zu.

Michael Lang | rechter Innenverteidiger

Einzelkritiknoten 4

Liess nach dem Spiel durchblicken, dass er sich auf der Aussenbahn dann doch noch etwas wohler fühle als im Abwehrzentrum. Spielte seinen Part gegen den Ball gleichwohl ohne gröbere Schnitzer, was freilich noch keine ausgezeichnete Leistung ausmacht. Für eine solche fehlte dann doch einiges, eine präzis getretene Flanke hier, ein vertikaler Pass hinter die Abwehr da.

Marek Suchy | linker Innenverteidiger

Einzelkritiknoten 4.5

Brachte seine Mannschaft mit dem Anschlusstreffer aus dem Gewühl heraus kurz vor der Pause wieder ins Spiel. Viel mehr Positives gibt es vom Auftritt des Tschechen nicht zu vermelden. Im Gegenteil: Mit der gelben Karte aus der 65. Minute fehlt Marek Suchy in Posen gesperrt. Damit hat Walter Samuel einen Auftrag: schnellstmöglich fit werden – wenngleich es in Polen um nichts mehr gehen wird.

Behrang Safari | linker Aussenverteidiger

Einzelkritiknoten 5

Sah nach 18 Minuten die Sterne. Nicht weil der Himmel besonders klar gewesen wäre, sondern weil er von einem scharf getretenen Ball im Gesicht getroffen worden war. Blieb kurz benommen liegen, liess sich davon aber nicht aus dem Konzept bringen. War einer der besten Basler, in der Offensive, und am Schluss, als es in die entscheidende Phase ging, auch in der Defensive.

Mohamed Elneny | defensives Mittelfeld

Einzelkritiknoten 6

Machte, was er zwar nicht am besten kann, aber am häufigsten tut: sein Glück aus der Distanz suchen. Fand dieses in der 74. Minute, und wie: Nahm den Abpraller nach Luca Zuffis Eckball direkt ab und traf aus rund 18 Metern zum 2:2. Hatte als spielauslösender defensiver Mittelfeldspieler mit einer formidablen Leistung zudem massgeblichen Anteil daran, dass nach vorne ab der 30 Minute etwas ging.



Basel's Behrang Safari, left, fights against Fiorentina's Nikola Kalinic,right, during the UEFA Europa League group I group stage matchday 5 soccer match between Switzerland's FC Basel 1893 and Italy's ACF Fiorentina at the St. Jakob-Park stadium in Basel, Switzerland, on Thursday, November 26, 2015. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Schwache Haltungsnoten für Behrang Safari. An seiner Leistung aber, da gab es kaum etwas auszusetzen. (Bild: Keystone/WALTER BIERI)

Birkir Bjarnason | rechter Flügel

Einzelkritiknoten 4

Holte sich im Gewühl nach der roten Karte gegen Roncaglia die gelbe Karte ab, womit er immerhin auf eine bemerkenswerte Szene kommt. Gut, da gab es noch diesen verzogenen Schuss nach einer halben Stunde; und okay, er musste auf der für ihn in Basel ungewohnten rechten Seite agieren. Aber der furchterregende Isländer, der das Spiel über den Flügel an sich reisst, der mit einem Vorstoss auch mal einen Elfmeter provozieren kann, ist Bjarnason in der aktuellen Verfassung nicht.

Luca Zuffi | offensives zentrales Mittelfeld

Einzelkritiknoten 4.5

Hatte mit der Besetzung der zentralen Offensive den Auftrag gefasst, für die letzten Pässe zu sorgen. Verzeichnete zwar aus dem Spiel heraus wenige solche, war mit zwei Standards aber entscheidend mit beteiligt an den Basler Toren. Trat nach einer kurzen Ecke den initialen Ball zur Mitte vor dem 1:2 sowie den Eckball, der zum 2:2 führte.

Jean-Paul Boëtius | linker Flügel

Einzelkritiknoten 3

Kam zum zweiten Mal in den letzten drei Spielen von Beginn weg zum Einsatz und legte dabei kaum neue Argumente auf den Tisch, warum ihn Urs Fischer öfters auf den Platz schicken sollte. Wirkte zuweilen fast ebenso wirr wie einst Ahmed Hamoudi, fand in den Füssen der Gegner immer wieder seinen Herr und legte sich dann gerne mit schmerzverzerrtem Gesicht auf den Boden. Beispielhaft dafür die Aktion vor dem ersten Gegentor, als er sich mit einem Stoppfehler selbst in die Bredouille brachte und dem verlorenen Ball nicht nachging. Verliess den Platz in der 60. Minute für Davide Calla.

Breel Embolo | Stürmer

Einzelkritiknoten 4

Was ihm nicht half: seine neue Frisur. Was ihm noch weniger half: dass Sousa ihn besser kennt als alle anderen gegnerischen Trainer. Zog Mal für Mal einen Grossteil der auf ihn abgerichteten italienischen Defensive auf sich, vor allem aber provozierte er mit seinen Aktionen die rote Karte gegen Roncaglia. Wurde von ebendiesem Spieler per Ellbogen zu Boden geschlagen. Ermöglichte so dem FCB, ab der 27. Minute gegen zehn Florentiner zu spielen. Weil er, wie inzwischen immer, hart in die Zange genommen wurde und in seinem Aktionsradius fast vollständig eingeschränkt war, gelang ihm jedoch selbst nichts Zählbares.



26.11.2015; Basel; Fussball Europa League - FC Basel - AC Fiorentina; Breel Embolo (Basel) wird von Facundo Roncaglia (Fiorentina) gefoult (Daniela Frutiger/freshfocus)

Der Ellbogen, das Gesicht, kurz: die Szene, die die rote Karte für Roncaglia zur Folge hatte. (Bild: Daniela Frutiger/freshfocus)

Marc Janko | Stürmer

Einzelkritiknoten 4

Ärgerlich ist für ihn, dass der FCB am 13. Dezember noch ein Cupspiel in Sion zu bestreiten hat. Sonst hätte er mit der gelben Karte gegen Florenz bereits nach dem Ausflug nach Thun in den Urlaub fahren können. Gegen Posen fehlt er nun gesperrt, will sich aber die Reise nach Polen gleichwohl überlegen. Hatte ansonsten gegen den Dritten der Serie A insofern einen schweren Stand, als er die Position mit dem Rücken zum gegnerischen Tor kaum verlassen konnte.

Davide Calla | rechter Flügel

Einzelkritiknoten 4

Ersetzte Boëtius nach einer Stunde, übernahm die Position auf dem rechten Flügel und hatte kaum nennenswerte Aktionen. Ein Schuss über das Tor, zwei, drei Läufe der Linie entlang, viel mehr war da nicht.

Zdravko Kuzmanovic

Kam in der 89. Minute für Bjarnason und war zu kurz im Einsatz für eine Bewertung.

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Bewertungsdurchschnitt: 4,2
Nicht eingesetzt: Salvi (Ersatztorhüter), Traoré, Samuel, Delgado, Ajeti

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