Das Angebot erfunden

Als Nico Keller aus der «Bändli-Fangis-Gruppe» herausgewachsen war, musste etwas Neues her. Gar kein einfaches Unterfangen für einen Rollstuhlfahrer.

Nach der selbst gegründeten «Bändeli-Fangis-Gruppe» wollte er mehr: Nico Keller spielt heute Rollstuhltennis. (Bild: Basile Bornand)

Als Nico Keller aus der «Bändli-Fangis-Gruppe» herausgewachsen war, musste etwas Neues her. Gar kein einfaches Unterfangen für einen Rollstuhlfahrer.

Nico Keller treibt eigentlich zwei Sportarten in einem. Wenn er etwa einen Lob retournieren muss, setzt er die Räder seines Rollstuhls in entgegengesetzter Richtung in Bewegung, wendet sein Fahrgerät und setzt in der Rollbewegung zum Schlag an. Die Arme übernehmen neben der Schlagbewegung auch noch die Beinarbeit.

Mit einer Spina Bifida, einem offenen Rücken, zur Welt gekommen, geht Nico Keller seit jeher im Sitzen. Der Sport war dem Kleinbasler nie leicht zugänglich – aber immer eine Selbstverständlichkeit. Durch die Sportbegeisterung seiner Eltern kam er schon sehr früh in Bewegung. Doch weil das Sportangebot für behinderte Kinder etwa so gross war wie dasjenige für behinderte Erwachsene, hat Familie Keller selber erfunden, was sie brauchte. Mit der Hilfe des Paraplegiker-Zentrums in Nottwil und dem Rollstuhlclub Basel riefen die Kellers eine Sportgruppe für behinderte Kinder ins Leben. Schon bald wuchs Nico aber aus der selbst gegründeten «Bändeli-Fangis-Gruppe» heraus. Er wollte mehr.

Das Angebot hatte sich aber kaum verändert. Und wer im Rollstuhl geht, passt seine Nachfrage dem Angebot an. Angeboten wurden Basketball und Unihockey. «Basketball war mir immer etwas zu taktisch», erklärt Keller, weshalb seine Wahl auf Unihockey fiel.

Im Training hat der Vater das Handicap

Behindertensport bedeutet oft längere Anfahrtszeiten, teure Ausrüstung, Abhängigkeit von Auto und Fahrer. Nico hat diese Hürden immer zusammen mit seinem Vater Stephan und seiner Mutter Monika Keller genommen, die ihn in alle Trainings und wieder nach Hause gefahren haben. Die Sportbegeisterung des Vaters kam mit ins Spiel, als man stets einen Mitspieler zu wenig und dafür einen Rollstuhl zu viel hatte. Stephan Keller setzte sich spontan in einen Stuhl und spielte mit.

Mittlerweile ist Nico beim Tennis angekommen. Wenn er trainiert, dann sitzt sein Vater auf der anderen Seite des Netzes – und ist als Fussgänger im Rollstuhl der eigentlich Handicapierte. «Nico bewegt sich im Rollstuhl viel flexibler als ich», sagt Stephan Keller. Eines haben die beiden gemeinsam: Tennis auf Füssen und ohne Rollstuhl haben beide noch nie gespielt.

Nico Kellers Website

Artikelgeschichte

Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 05.07.13

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