Das Ende der Birsfelder Aufstiegsträume

Nach dem 30:30 zwischen der HSG Leimental und dem TV Birsfelden haben nur noch die Leimentaler realistische Chancen, in die Handball-Nationalliga-B aufzusteigen. In Birsfelden ist die Enttäuschung gross. Der RTV Basel dürfte das Resultat mit grossem Interesse zur Kenntnis genommen haben.

Christian Gossweiler, Luca Engler, Max Dannmeyer, TV Birsfelden (schwarz), HSG Leimental (Bild: Christoph Wesp)

Nach dem 30:30 zwischen der HSG Leimental und dem TV Birsfelden haben nur noch die Leimentaler realistische Chancen, in die Handball-Nationalliga-B aufzusteigen. In Birsfelden ist die Enttäuschung gross. Der RTV Basel dürfte das Resultat mit grossem Interesse zur Kenntnis genommen haben.

Die erste Reihe der Zuschauer steht bereits auf dem Spielfeld, die zweite auf ihren Bänken, als die HSG Leimental zwei Sekunden vor Spielende nach einer kurzen Rauferei einen Freiwurf erhält. 30:30 steht es in der Partie gegen den TV Birsfelden, der Birsfelder Ramon Morf hatte einen Gegenstoss nur noch durch eine Notbremse aufhalten können und muss mit Rot vom Platz. Ein Sieg würde Leimental dem Aufstieg in die Nationalliga B einen Schritt näher bringen.

Doch die letzte Wurfchance Chance wird verpasst, es bleibt beim Unentschieden. «Das nützt ja niemandem etwas!», schreit ein sichtlich mitgenommener Fan aus der ersten Reihe auf. Dabei ist das Ergebnis für Birsfelden weit schwerwiegender als für die HSG Leimental. Für Birsfelden ist der Traum vom Aufstieg in die NLB praktisch ausgeträumt. Die HSG darf weiter auf einen der zwei ersten Plätze in der Aufstiegsrunde hoffen.

Wer nicht mitfiebert, fällt auf

Wenn sich zwei Mannschaften der gleichen Region zu einem Spiel treffen, in dem es um den Aufstieg geht, kann Derby-Stimmung erwartet werden. Und so ist die kleine Bierkurve des TVB mit Transparenten, Sirene und Basstrommel ausgerüstet. «Black Power! Black Power!», hallt es aus der Fankurve der schwarz tragenden Birsfelder in der Thomasgarten-Turnhalle Oberwil. Wer nicht mitfiebert, fällt auf. Als ich nüchtern Notizen mache, fragt mich eine erstaunte Frau, ob ich denn Soziologe sei.

«Eine volle Handballhalle in der Nordwestschweiz erlebt man nicht überall oder auf jedem Level,» sagt der Birsfelder Ramon Morf nach dem Spiel und vermutet: «Wenn vor dem Spiel beide Teams mit vier Punkten dagestanden wären, wäre das feuerpolizeilich nicht gegangen. Dann wäre es unverantwortlich gewesen in der Halle zu spielen.»

Doch so laut die Anhänger ihren TVB während des Spiels unterstützen, so gross ist die Enttäuschung nach der Schlusssirene. Das Unentschieden bedeutet für die Birsfelder das Ende ihrer Aufstiegsträume.

«Für uns ist es eigentlich vorbei»

«Für uns ist es eigentlich vorbei», sagt Kreisläufer Remo Spänhauer zu den Aufstiegschancen des TVB. Mit nur einem gewonnenen Punkt aus drei Spielen ist ein Aufstieg nur noch mit zwei Siegen in den letzten beiden Spielen möglich. Und das auch nur, wenn keine andere Mannschaft mehr als fünf Punkte erreicht.

Dass dieses Szenario kaum eintreffen wird, wissen die Birsfelder. «Es war ein grosser Traum, dass wir den Aufstieg schaffen,» schildert Spanhäuser die Stimmungslage seiner Mannschaft, «es ist schade und die meisten sind enttäuscht, aber ich denke, wir werden uns fangen.»

Zwei Tore Vorsprung, Überzahl – und doch nicht gewonnen

Dabei hatte der TVB beste Chancen, das Spiel zu gewinnen. «Die Frage, die wir uns stellen müssen, ist, wieso wir in den letzten zweieinhalb Minuten den Vorsprung nicht vergrössern konnten», trauert Morf den verpassten Möglichkeiten nach, «wir waren zwei Tore voraus und erst noch in Überzahl – und dann packen wir es trotzdem nicht.»

Die HSG Leimental dagegen darf weiter mit dem Aufstieg liebäugeln. Doch mit drei Punkten aus drei Spielen sind in den letzten beiden Partien Siege gefordert. «Wir haben gegen Birsfelden schon einen Punkt verloren, aber es ist noch nicht alles vorbei», reflektiert HSG Trainer Nenad Ilic das Ergebnis, «wir versuchen die letzten beiden Spiele zu gewinnen. Die Chancen sind immer noch intakt.»

Der RTV wird genau hinschauen

Mit grossem Interesse werden die Resultate in der Aufstiegsrunde sicher auch beim RTV Basel verfolgt. Die Basler stehen als Absteiger in die NLB fest und wissen: Je weniger regionale Clubs neben ihnen und dem TV Möhlin kommende Saison in der zweithöchsten Liga spielen, um so realistischer wird es für sie, eine kompetitive NLB-Equipe mit regionalen Spielern zusammen zu stellen.

Männer Aufstiegsrunde 1. Liga/NLB, 3. Runde
HSG Leimental – TV Birsfelden 30:30 (15:18)
Oberwil, Sporthalle Thomasgarten – 300 Zuschauer – SR Meier/Henning.
Strafen: 6-mal 2 Minuten gegen Leimental; 6-mal 2 Minuten plus rote Karte gegen Morf (60./Notbremse) gegen Birsfelden.
HSG Leimental: T. Braun/Poredos; Beetschen, Dannmeyer (8/2), Flierl (2), Gadola (2), Gossweiler, Hablützel, Kroos (5), Lüthi (1), Ya. Schläpfer (11/5), Yv. Schläpfer (1), Trachsler, Walther.
TV Birsfelden: Hüsler/ Tränkner; Dietler (1), Engler (6), Gerbl (5), R. Huber (1), L. Märki (1), T. Märki (3/3), Mollinet (2), Morf (2), Oberli (5), Sala (2), Seble (1), Spänhauer (1).
Bemerkungen: Leimental ohne P. Braun, Dubach, Fürer, Sundström, Birsfelden ohne A. Huber, Freiermuth. – Braun hält Penalty von Gerbl (12./7:7), Hüsler hält Penalty von Dannmeyer (8./5:5), Ya. Schläpfer (45./22:23), Flierl (49./23:26). – Leimental setzt Beetschen nicht ein.
    Spiele S U N + +/– Pkt
1 STV Baden 3 2 0 1 73 64 9 4
2 STV Willisau 3 2 0 1 78 70 8 4
 
3 HSC Kreuzlingen 3 2 0 1 77 76 1 4
4 HSG Leimental 3 1 1 1 84 90 -6 3
5 SV Fides St. Gallen 3 1 0 2 78 84 -6 2
6 TV Birsfelden 3 0 1 2 80 86 -6 1
 

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