Das Feuer in Simon Ammann brennt unverändert

Wenn es die Witterung zulässt, beginnt an diesem Wochenende im Erzgebirge für Simon Ammann der 19. Weltcup-Winter. Der 34-jährige Toggenburger will es sich nach seinem Horrorsturz von Bischofshofen noch einmal beweisen – mit einer neuen Landetechnik.

Material für einen weiteren Skisprung-Winter: Simon Ammann in Dübendorf.

(Bild: Keystone/WALTER BIERI)

Wenn es die Witterung zulässt, beginnt an diesem Wochenende im Erzgebirge für Simon Ammann der 19. Weltcup-Winter. Der 34-jährige Toggenburger will es sich nach seinem Horrorsturz von Bischofshofen noch einmal beweisen – mit einer neuen Landetechnik.

Dass Simon Ammann an diesem Wochenende in Klingenthal erneut in eine Weltcupsaison abhebt, seine 19. (!), grenzt eigentlich an ein Wunder.

Zum einen, weil Simon Ammann mittlerweile stolze 34 und Vater ist und nun schon seit fast zwei Jahrzehnten den Weltcup beehrt. Zum anderen, weil der Toggenburger gerade den schlimmsten Crash seiner erfolgreichen Karriere hinter sich hat.

» Erst kein Schnee, dann die witterungsbedingte Absage von Training und Qualifikation am Freitag: Der Weltcup-Start in Klingenthal ist gefährdet

Es war beim Finale der Vierschanzentournee in Bischofshofen, als Ammann dermassen heftig zu Sturz kam, dass viele V-Stil-Experten sich sicher waren, den vierfachen Olympiasieger nie mehr auf einer Sprungschanze zu sehen.

Jeder hätte es verstanden, wenn Simon Ammann seine Karriere beendet hätte. Niemand hätte es ihm übel genommen, wenn er nach dem Horrorsturz von Bischofshofen den Absprung ins Privatleben gemacht hätte. Aber was tut Ammann?

Das Stehaufmännlein vom Dienst, dieser Luftikus aus Leidenschaft, kreuzt jetzt plötzlich wieder beim Weltcupauftakt in Klingenthal auf. Mit einem Ehrgeiz und einer Freude, die bewundernswert sind. «Los geht’s», verkündete der nimmermüde Routinier via Facebook und gab unmissverständlich zu verstehen: «Das innere Feuer brennt.»

Ammann erlernt auf die alten Tage das Landen neu

Simon Ammann hätte es nicht übers Herz gebracht, seine Karriere als Sturzopfer zu beenden. Zugegeben, das hätte diese beeindruckende Karriere auch nicht verdient, das hätte vor allem auch der sympathische Schweizer nicht verdient. Der 34-Jährige möchte mit einem positiven Gefühl und einem Lächeln im Gesicht abdanken, und nicht unter Schmerzen im Krankenbett. Und dafür nahm Simon Ammann noch einmal ziemliche Strapazen auf sich.

» «Ich bin 17 Jahre lang auf dem falschen Bein gelandet« – Simon Ammann im Interview mit der NZZ.

Denn auf seine alten Tage erlernte er doch tatsächlich das Landen noch einmal neu. Bislang hatte der Toggenburger bei seinem Landemanöver immer das linke Bein vorne, doch mit dem Crash in Bischofshofen ging das Vertrauen in diese Schrittstellung endgültig verloren – und nun landet Ammann plötzlich mit dem rechten Bein voran.

«Simon will sich und der Welt beweisen, dass er auch diesen Schritt noch schafft», sagt Berni Schödler, der neue Cheftrainer der Schweizer Skispringer.

«Typen wie Simi braucht der Skisprungsport»

Die Konkurrenz zeigt sich jedenfalls vom Kampfgeist und der Ausdauer von Simon Ammann beeindruckt. «Typen wie Simi braucht der Skisprungsport», sagt auch der österreichische Überflieger Gregor Schlierenzauer. Vor allem die Technik-Umstellung bei der Landung nötigt ihm grössten Respekt ab. «Das ist eine Challenge, das ganze System muss verändert und neu adaptiert werden. Meine Hochachtung, dass er sich dieser Herausforderung stellt.»

«Er nötigt grössten Respekt ab» – Gregor Schlierenzauer (links) über Simon Ammann.

«Er nötigt grössten Respekt ab» – Gregor Schlierenzauer (links) über Simon Ammann. (Bild: Keystone/BARBARA GINDL)

Zumal in diesem Winter auch noch kein Grossereignis ansteht, sieht man einmal von der Skiflug-WM im Januar am Kulm in Österreich und der üblichen Vierschanzentournee ab. Blickt da einer womöglich gar bereits in die Zukunft? Hat da einer etwa noch Grosses vor bei künftigen Weltmeisterschaften oder Olympischen Winterspielen? Kann da jemand einfach nicht genug kriegen?

Was hat Simon Ammann vor?

Die Winterspiele 2018 in Pyeongchang seien vorläufig kein Thema, versichert Simon Ammann glaubhaft. Aber vielleicht hat der Schweizer ja ohnehin einen anderen Rekord im Visier. Vielleicht will er auch nur auf den Spuren von Noriaki Kasai wandeln.

Der Japaner gewann im vergangenen Winter im Alter von 42 Jahren noch einmal ein Weltcupspringen. Würde sich Simon Ammann also tatsächlich Noriaki Kasai zum Vorbild nehmen, dann…

Ja dann müsste er im Jahre 2024 immer noch in die Luft gehen. Aber einmal ganz ehrlich: Die Skisprungszene würde sich darüber freuen.

» Zukunftsgestaltung: Simon Ammann gründet mit Martin Schmitt eine Sportmarketing-Agentur

Der komplette Weltcup-Kalender
Die Highlights des Skisprung-Winters 2015/16
Weltcup in Engelberg 19./20. Dezember
Vierschanzentournee 29. Dezember: Oberstdorf
1. Januar: Garmisch
3. Januar: Innsbruck
6. Januar: Bischofshofen
Skiflug-Weltmeisterschaft 15. bis 17. Januar: Bad Mitterndorf (Kulm)

 

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