Das neue Motto im Schnee: Ein Sieg allein ist zu wenig

Aufsehenerregend waren bei den Rennen in Nordamerika die Seriensiege. Eine Zwischenbilanz.

Vonn-Svindal und kein Ende: Die Dreifachsieger des alpinen Weltcupzirkus’ in Übersee.

(Bild: Reuters)

Aufsehenerregend waren bei den Rennen in Nordamerika vor allem die Seriensiege von Aksel Lund Svindal, Mikaela Shiffrin, Marcel Hirscher und Lindsey Vonn, die einen Hattrick innert 48 Stunden schaffte. Eine Zwischenbilanz, bevor es am Wochenende auf europäischem Schnee weitergeht und die Schweizer Fahrerinnen und Fahrer durchaus gute Perspektiven haben.

Die Weltcup-Rennen in Übersee hatten ein unmissverständliches Motto: Ein Sieg allein ist zu wenig. Der Trend in diesem Winter geht eindeutig hin zum Mehrfachsieg: Mikaela Shiffrin und Marcel Hirscher waren in Nordamerika jeweils zwei Mal erfolgreich, Aksel Lund Svindal jubelte in den Speed-Bewerben über ein Sieg-Triple, und Lindsey Vonn gelang in Lake Louise sogar ein Hattrick innerhalb von 48 Stunden.

Nur Lara Gut fiel mit ihrem Riesentorlauf-Sieg als «Single» aus der Reihe. Doch die Lieblingspisten der Tessinerin kommen ja erst.

Bevor der Ski-Tross nun wieder auf europäischen Schnee übersiedelt, stellt sich die Frage, ob das Erfolgs-Quartett der Nordamerika-Rennen in diesem Winter die Trophäen unter sich ausmachen wird? Ein Überblick:

» Die bisherigen Sieger und der Weltcup-Kalender bis Jahresende

Aksel Lund Svindal – schnell wie eh und je

epa05046416 Aksel Lund Svindal of Norway celebrates his victory in the finish area at the Men's World Cup Downhill race at the FIS Alpine World Cup in Lake Louise, Alberta, Canada, 28 November 2015. EPA/MIKE STURK

Wie in früheren Zeiten: Aksel Lund Svindal triumphierend im Ziel. (Bild: Keystone/MIKE STURK)

Je höher das Tempo, umso höher die Siegchancen des Norwegers, der sich nach seiner langen Verletzungspause – Svindal hatte sich im Herbst 2014 beim Fussballspielen einen Achillessehnenriss zugezogen und in der Vorsaison nur an den Weltmeisterschaften teilgenommen – eindrucksvoll und in alter Stärke zurückmeldete: Sieg in Abfahrt und Super-G von Lake Louise, Sieg in der Abfahrt von Beaver Creek.

Dass Svindal schliesslich im Super-G von Beaver Creek klein beigeben musste (Rang 21) lag an einem Magendarm-Virus, der den Skandinavier aus der Spur brachte. «Ich hätte nicht gedacht, dass es gleich wieder so gut läuft», sagt der dreifache Saisonsieger, der als Führender im Gesamtweltcup zum nächsten Rennen reist, dem Riesenslalom in Val d’Isère. Die Auftritte Svindals in Nordamerika sollten der Konkurrenz jedenfalls zu denken geben: «Ich hatte keine fehlerfreien Fahrten», gab der Norweger nämlich zu verstehen.

Lindsey Vonn – eindrucksvoll zurück

Es muss eine Wohltat für die Konkurrentinnen sein, dass der Weltcup nun Lake Louise wieder verlässt und am Wochenende im schwedischen Åre Station macht. Nicht zu Unrecht wird der beschauliche Wintersportort in der kanadischen Provinz Alberta von manchen mittlerweile nur mehr «Lake Lindsey» genannt. So heimisch wie sich Vonn dort fühlt, würde die US-Amerikanerin in Lake Louise wohl auch einen Wasserskibewerb auf dem idyllischen Bergsee gewinnen.

Mit dem Dreifachsieg (zwei Abfahrten, ein Super-G), den Erfolgen 16, 17 und 18 auf der Lieblingspiste, hat sich die 31-Jährige jedenfalls wieder eindrucksvoll zurückgemeldet und die Weltcupgesamtführung übernommen. Da Lake Louise allerdings nicht der Massstab ist, dürfen die Fans bei den kommenden Speedbewerben auf ein anderes Siegergesicht hoffen.

Mikaela Shiffrin – die hoffnungslos Überlegene

Nachdem sich in Lake Louise alles um die Dreifachsiegerin Lindsey Vonn gedreht hatte, schlägt im schwedischen Åre nun wieder die Stunde von Mikaela Shiffrin. Denn in Slalom und Riesentorlauf führt kein Weg an der 20-jährigen US-Amerikanerin vorbei, die in Aspen bei ihren beiden Slalom-Triumphen (5,72 Sekunden Vorsprung in beiden Rennen) eine One-Woman-Show abzog, wie man sie in der Weltcupgeschichte erst selten gesehen hat.

Was im Trubel um ihre Teamkollegin Lindsey Vonn fast ein wenig zu kurz kam: Bei ihrer Super-G-Premiere in Lake Louise fuhr Shiffrin am Sonntag gleich einmal auf den 15. Rang. Und das auf einer vergleichsweise einfachen Strecke, auf der der Jungstar seine technischen Vorzüge nicht ausspielen konnte.

Marcel Hirscher – jetzt also auch Super-G

Austria's Marcel Hirscher celebrates on the podium after winning the men's World Cup super-G ski race Saturday, Dec. 5, 2015, in Beaver Creek, Colo. (AP Photo/Nathan Bilow)

Lässt die Korken jetzt auch bei den Speed-Rennen knallen: Marcel Hirscher, der Dominator der vergangenen Winter. (Bild: Keystone/NATHAN BILOW)

Der erfolgsverwöhnte Österreicher wurde in Beaver Creek auf dem falschen Fuss erwischt und verblüffte sogar sich selbst. «Mit einem Super-G-Sieg hätte ich frühestens in fünf Jahren gerechnet», gestand der 26-Jährige, der auf der stark verkürzten Birds of Prey-Piste mit seinem Premieren-Erfolg den Vogel abschoss. «Das war definitiv einer meiner grössten Siege», sagte der vierfache Weltcupgesamtsieger nach dem Coup.

Wie gross der Erfolgshunger des Salzburgers immer noch ist, und wie stark er auch in diesem Winter wieder drauf ist, stellte Hirscher dann im Riesenslalom in Beaver Creek unter Beweis, den er mit über einer Sekunde Vorsprung gewann. Fazit: Der Weg zur grossen Kristallkugel wird auch heuer wieder über den Österreicher führen.

Lara Gut – im Windschatten der Amerikanerinnen

epa05055034 Lara Gut of Switzerland leaves the finish area at the Women's World Cup downhill ski race in Lake Louise, Alberta, Canada, 04 December 2015. EPA/MIKE STURK

Gut, aber nicht ganz weit vorne: Lara Gut, hier nach Platz 6 bei der ersten Abfahrt von Lake Louise. (Bild: Keystone/MIKE STURK)

4, 1, 6, 8, 7 – das sind eigentlich Koordinaten für eine potenzielle Gesamtweltcupsiegerin. Doch weil sich Lindsey Vonn und Mikaela Shiffrin bisher in Überform präsentierten, geht der gelungene Weltcupauftakt von Lara Gut fast ein bisschen unter. Dabei liegt die Tessinerin nach den Überseerennen im Gesamtweltcup lediglich 42 Punkte hinter der Leaderin Vonn.

Dass sich die 24-Jährige in ausgezeichneter Verfassung befindet, zeigten die Abfahrten von Lake Louise. Auf der ungeliebten Piste erreichte Gut mit den Rängen sechs und acht die besten Ergebnisse ihrer Karriere.

Carlo Janka – einer der Konstantesten

Das grosse Ausrufezeichen mag vielleicht noch auf sich warten lassen, aber der Weltcup-Gesamtsieger von 2010 konnte sich in Nordamerika in den Speedbewerben durchaus in Szene setzen. Mit den Rängen 5 (Abfahrt Lake Louise), 5 (Abfahrt Beaver Creek) und 8 (Super-G Beaver Creek) war Janka einer der konstantesten Rennläufer bei den Überseerennen.

Lediglich der Ausfall im Super-G von Lake Louise trübt die durchaus erfolgreiche Zwischenbilanz des 29-Jährigen. Und dabei darf man eines nicht ausser acht lassen: Janka fährt immer noch mit einem beleidigten Rücken.

epa05052281 Carlo Janka of Switzerland in action during the men's FIS Alpine Ski World Cup Downhill training run in Beaver Creek, Colorado, USA, 02 December 2015. EPA/JOHN G. MABANGLO

Auf dem Weg zurück an die Spitze: Carlo Janka, hier in Beaver Creek. (Bild: Keystone/JOHN G. MABANGLO)

Der Rest der Schweizer – durchaus vielversprechend

Angesichts der vielen Rücktritte im Sommer und der langen Verletztenliste hatten sich einige Fans wohl schon auf einen Winter mit magerer Ausbeute eingestellt, doch die ersten Rennen machten Lust auf mehr. Einige junge Athleten nutzten die Chance und sprangen in die Bresche, und einige Routiniers präsentierten sich stärker als gedacht.

Fabienne Suter zum Beispiel rief sich mit dem zweiten Platz in der Abfahrt von Lake Louise in Erinnerung, und auch Corinne Suter liess mit einem sechsten Abfahrtsrang in Kanada aufhorchen. Abfahrtsweltmeister Patrick Küng fuhr nach seiner langen Verletzungspause (Knieproblem) in Beaver Creek gleich einmal in die Top Ten (9.). Einen starken Eindruck hinterliessen in Aspen auch die Slalomfahrerinnen: Wendy Holdener (7.) und die junge Charlotte Chable (9.) schafften es unter die ersten zehn, und im zweiten Slalom von Aspen brachte die Schweiz mit einem Quintett sogar die meisten Läuferinnen in die Punkteränge.

Das komplette Weltcup-Programm
Das alpine Weltcup-Programm
Datum
Disziplin
Austragungsort
Sieger/in
Nation
MÄNNER
25.10. Riesenslalom Sölden Ligety USA
28.11. Abfahrt Lake Louise Svindal NOR
29.11. Super-G Lake Louise Svindal NOR
4.12. Abfahrt Beaver Creek Svindal NOR
5.12. Super-G Beaver Creek Hirscher AUT
6.12. Riesenslalom Beaver Creek Hirscher AUT
Die weiteren Rennen bis Jahreswechsel
12.12. Riesenlalom Val d’Isère    
13.12. Slalom Val d’Isère    
18.12. Super-G Gröden    
19.12 Abfahrt Gröden    
20.12. Riesenslalom Alta Badia    
21.12. Parallel-Riesenslalom Alta Badia    
22.12. Slalom Madonna di Campiglio    
FRAUEN
24.10. Riesenslalom Sölden Brignone ITA
27.11. Riesenslalom Aspen Gut SUI
28.11. Slalom Aspen
(Ersatzrennen für Levi)
Shiffrin USA
29.11. Slalom Aspen Shiffrin USA
4.12. Abfahrt Lake Louise Vonn USA
5.12. Abfahrt Lake Louise Vonn USA
6.12. Super-G Lake Louise Vonn USA
Die weiteren Rennen bis Jahreswechsel
12.12. Riesenslalom Åre    
13.12. Slalom Åre    
18.12. Abfahrt Val d’Isère    
19.12. Kombination Val d’Isère    
20.12. Riesenslalom Courchevel    
28.12. Riesenslalom Lienz    

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