Der Benfica-Fluch

Der Gegner, auf den der FC Basel heute Mittwoch Abend in der Champions League trifft , ist seit 1962 ohne Titelgewinn im Europacup. Der Legende nach gibt es für diese Durststrecke einen Grund: Benfica Lissabon schuldet jenem Trainer noch Geld, unter dem der Verein letztmals den Europapokal der Meister gewonnen hat. Seither hat Benfica sechs Finalspiele im Europacup verloren.

Béla Guttmann als Benfica-Trainer am 4. April 1962, umgeben von Journalisten. Guttmann beschuldigt eben Tottenham Hotspur, den Rasen für das kommende Spiel gegen Benfica gewässert zu haben. (Bild: Getty)

Der Gegner, auf den der FC Basel heute Mittwoch Abend in der Champions League trifft (20.45 Uhr MEZ), ist seit 1962 ohne Titelgewinn im Europacup. Der Legende nach gibt es für diese Durststrecke einen ganz bestimmten Grund: Benfica Lissabon schuldet jenem Trainer noch Geld, unter dem der Verein letztmals den Europapokal der Meister gewonnen hat. Seither hat Benfica nicht weniger als sechs Finalspiele im Europacup verloren.

Seit 1962 wartet Benfica Lissabon auf einen Titel im Europapokal. Glaubt man der Überlieferung, dann hat das vor allem mit einem Mann zu tun: Mit Béla Guttmann, jenem Trainer, unter dem Benfica seine beiden einzigen Triumphe feierte. 1961 und 1962 gewann Benfica mit dem Ungarn an der Seitenlinie den Europapokal der Landesmeister, den Vorgänger-Wettbewerb der heutigen Champions League. Doch nur kurz nach dem Sieg 1962 verliess Guttmann den Club im Streit um Geld. Und seither, so will es der Mythos lastet ein Fluch auf Benfica: Solange der Verein Guttmann seine Prämie für den Gewinn des Meisterpokals nicht bezahle, werde es nie mehr einen europäischen Titel gewinnen. Das mit der Rückzahlung könnte schwierig werden: Guttmann verstarb am 27. Januar 1981.

Natürlich kann die Geschichte getrost ins Reich der Legenden verwiesen werden. Einen wahren Kern hat sie trotzdem. Der am 27. Januar 1899 geborene Guttmann nämlich war kein Mann, der Konflikte lange schwelen liess. Wenn ihm etwas nicht passte, packte er seine Koffer, und weg war er. So, wie 1962 nach dem 5:3 gewonnen Finalspiel gegen Real Madrid. Da fragte Guttmann beim Vorstand um eine Siegerprämie nach. Doch die Club-Oberen erwiderten bloss, eine entsprechende Klausel fehle in seinem Vertrag.

«Ich bekam für den Sieg im Europapokal 4000 Dollar weniger als für die portugiesische Meisterschaft», erzählte Guttmann später. «Der Vorstand machte keine Anstalten, an dieser Situation etwas zu ändern. Also begann ich, über einen Wechsel nachzudenken.»

Zwei Monate später zog der Trainer nach Uruguay zu Penarol Montevideo weiter, obwohl nach dem Endspiel gegen Real die Fussballwelt davon ausgegangen war, dass Benfica die Sechzigerjahre im europäischen Fussball dominieren werde. Immerhin hatte der grosse Ferenc Puskas nach dem Schlusspfiff dem damals erst 20-jährigen Eusebio das Trikot überreicht. Eine Geste, die allgemein als Stabsübergabe des besten europäischen Fussballers an seinen Nachfolger interpretiert wurde.

Eusebio, der nur dank Guttmann überhaupt zu Benfica gekommen war, blieb dem Verein danach zwar noch bis 1975 treu. Benfica Lissabon aber verlor in der Folge bis heute nicht weniger als sechs Finalspiele im Europacup, fünf im Landesmeisterpokal, eines im Uefa-Cup.

Quellen

Nächster Artikel