Der FC Basel als halbfertiges Überraschungs-Ei

Murat Yakin verblüfft auch in seinem zweiten Spiel als Trainer des FC Basel mit seiner Aufstellung. Das Spiel seiner Mannschaft zeigt sich danach stark verbessert. Als Resultat aber bleibt wie bei seinem Debüt eine Niederlage: Der FCB verliert sein Gruppenspiel in der Europa League beim FC Videoton 1:2.

FC Basel's Marco Streller reacts during their Europa League Group G soccer match against FC Videoton in Szekesfehervar, 60km west of Budapest October 25, 2012. REUTERS/Bernadett Szabo (HUNGARY - Tags: SPORT SOCCER) (Bild: Reuters/BERNADETT SZABO)

Murat Yakin verblüfft auch in seinem zweiten Spiel als Trainer des FC Basel mit seiner Aufstellung. Das Spiel seiner Mannschaft zeigt sich danach stark verbessert. Als Resultat aber bleibt wie bei seinem Debüt eine Niederlage: Der FCB verliert sein Gruppenspiel in der Europa League beim FC Videoton 1:2.

Unter Murat Yakin mutiert der FC Basel zu einer Art Überraschungs-Ei. Nur, dass von den Punkten Spiel, Spass und Spannung bislang vor allem der Spass etwas zu kurz kommt. Zumindest aus Basler Sicht. Spielerisch war die 1:2-Niederlage gegenüber dem 0:1 beim FC Luzern zwar eine klare Steigerung. Aber das reichte nicht, um die zweite Niederlage im zweiten Spiel unter Yakin zu verhindern.

Nachdem der neue FCB-Trainer bei seinem Debüt tief und erfolglos in die taktische Trickkiste gegriffen hatte, liess seine Aufstellung auch gegen den ungarischen Vertreter Videoton aufhorchen. Gut, in einem 4-1-4-1 hatte sich der FCB auch unter Vogel beim 1:0 in Molde versucht. Aber dass Yakin den bisherigen Flügelspieler Valentin Stocker ins zentrale Mittelfeld stellen würde, hatte kein Beobachter vor der Partie auch nur geahnt.

Alles läuft über rechts

Sporting verliert in der Basler Gruppe G nach Führung in Genk mit 1:2, und die Young Boys feiern beim 3:1 gegen Udinese ihren ersten Sieg in der Europa League.

Er habe mit David Degen und Mohamed Salah «zwei schnelle Spieler auf den Flügeln» haben wollen, erklärte Yakin später seine Wahl. Und das Vorhaben war auf dem Platz tatsächlich klar erkennbar: Mit zwei Dreiecken sollte das rasante Spiel über die Seiten forciert werden. Über rechts, mit David Degen, Markus Steinhöfer und Marcelo Diaz – er mit Abstrichen – funktionierte das gut. Links, mit Joo Ho Park, Mohamed Salah und Stocker eher nicht.

Vor allem defensiv war die linke Seite wacklig. Park spielte konfus und wurde bereits zur Pause durch Kay Voser ersetzt. Yakins Feststellung, er habe sich von Park «offensiv und defensiv mehr erwartet», sagt alles. Aber auch Salah verpasste immer mal wieder den Rückwärtsgang. Und weil Stocker zu Beginn ebenfalls noch ein wenig auf der Suche nach seiner Position war, klingelte es bereits in der 2. Minute.

Nach einem Einwurf durfte Aussenverteidiger Alvaro Brachi seelenruhig seine Flanke schlagen. Keiner, nicht Park, nicht Salah und nicht Stocker, hinderten ihn daran. Und in der Mitte kam Fabian Schär auch noch gegen Nemanja Nikolic soviel zu spät, dass er dessen Schuss aus vier Metern bloss ins eigene Tor ablenken konnte.

Schär erhält den Vorzug vor Sauro

Ausgerechnet Schär also, der in der Innenverteidigung den Vorzug vor dem argentinischen Neuzugang Gaston Sauro erhielt, der unter Yakin einen ganz schweren Stand zu haben scheint. Für Schär spreche, dass er sich besser mit Dragovic unterhalten könne, hatte Yakin vor dem Spiel erklärt: «Ausserdem kann er natürlich das Spiel eröffnen.» Es klang wie eine Kritik an den technischen Fähigkeiten Sauros.

Nach diesem frühen Rückschlag entwickelte sich das Spiel so, wie es sich Paulo Sousa wohl höchstens in seinen süssesten Träumen vorgestellt hatte. Der Trainer von Videoton hatte seinen Spielern wie erwartet eine extrem defensive Kontertaktik mit auf den Weg gegeben. Und sein Plan ging – unter gütiger Mithilfe des FCB – wunderbar auf

Dabei war es nicht so, dass die Basler nicht ihre guten Szenen gehabt hätten. Ganz im Gegenteil sogar. Wieder und wieder preschte der FCB auf der rechten Seite mit Degen und Steinhöfer nach vorne. Wieder und wieder flog der Ball in den Strafraum. Bloss wollten daraus einfach keine Torchancen entstehen. «Vor allem von Steinhöfer kamen viele Flanken», stellte Yakin fest, «aber sie waren leider etwas unpräzise. Daran müssen wir noch arbeiten.»

Streller vergibt die besten Basler Chancen

Es war so kein Zufall, dass die besten Gelegenheiten des FCB nicht einer Flanke aus dem Spiel heraus entsprangen. Erst kam Streller in der 12. Minute nach einem Freistoss von Diaz aus spitzestem Winkel zum Abschluss und scheiterte an Goalie Mladen Bozovic. Und nach dem Seitenwechsel schickte Stocker wieder Streller alleine auf die Reise. Und erneut blieb Bozovic Sieger.

Da stand es bereits seit längerer Zeit 2:0 für Videoton. Ihr einziger Eckball im gesamten Spiel reichte den Ungarn für ihr zweites Tor. Und als Yakin danach sagte, er habe doch gewusst, wie Videoton spielt, «mit schnellen Kontern und guten Standards», fragte man sich unvermittelt, ob ihm seine Spieler denn nicht so richtig zugehört haben.

Der Gegner hat es einfach

«Wir machen es dem Gegner extrem einfach und müssen danach einen riesigen Aufwand betreiben, um selbst zu Toren zu kommen», haderte Yakin, der trotzdem mit dem Spiel seiner Mannschaft zufrieden sein wollte: «Das war die Steigerung, die ich sehen wollte. Wir haben auswärts dominiert. 15 zu 1 Eckbälle sagen alles.»

Dass allerdings erst der 15. Basler Eckball Torgefahr heraufbeschwor, sagt auch einiges aus – über die Qualität der Basler Standards. In der 91. Minute war es Schär, der den Corner des eingewechselten Fabian Frei per Kopf zum 1:2 einnickte. Zu spät, um dem Spiel noch eine Wende zu geben.

So wartet Murat Yakin weiter auf sein erstes Erfolgserlebnis als Verantwortlicher des FCB. Und der Beobachter fragt sich, welche Überraschungen am Sonntag in der Partie beim FC Zürich im Basler Ei versteckt sein mögen.

Datum Spiel Resultat
25.10.2012 Videoton Szekesfehervar – Basel 2:1 (2:0)
25.10.2012 Genk – Sporting Lissabon 2:1 (1:1)
R Mannschaft Sp S U N G : E P
1. Genk 3 2 1 0 7 : 3 7
2. Videoton Szekesfehervar 3 2 0 1 5 : 4 6

3. Basel 3 0 2 1 3 : 4 2
4. Sporting Lissabon 3 0 1 2 1 : 5 1

Europa League Gruppe G, 3. Runde
FC Videoton–FC Basel 2:1 (2:0)
Sostio Stadion, Szekesfehervar. – 8500 Zuschauer. – SR Miroslav Zelinka (Tschechien).

Tore:
2. Nikolic 1:0 (er lenkt im Anschluss an einen Einwurf eine flache Flanke Brachis aus drei Metern und via Schär in die nahe Ecke).
32. Caneira 2:0 (Mitrovic spielt den ersten und einzigen Corner für Videoton flach auf Gyurcso, dessen Pass Caneira freistehend am Fünfmeterraum einschiesst).
91. Schär 2:1 (er trifft mit einem schönen Kopfball aus sechs Metern nach dem 15. Eckball des FCB, hereingegeben von Fabian Frei).
Verwarnungen: 79. Stocker (Reklamieren), 85. Streller (Foul).

FC Videoton: Bozovic; Szolniki, Vinicius, Caneira, Brachi; Mitrovic, Neto; Gyurcso (79. Oliveira), Sandor (73. Toth), Balufo (86. Torghelle); Nikolic.
FC Basel: Sommer; Steinhöfer, Schär, Dragovic, Park (46. Voser); Cabral; D. Degen (72. F. Frei), Diaz, Stocker, Salah (57. Pak); Streller.

Bemerkungen: FCB ohne Kovac, Yapi (beide geschont), Alex Frei (gesperrt), Vuleta und Jevtic (beide verletzt). – FCB ab der 57. Minute im 4-4-2, Pak im Sturm, Stocker im linken Mittelfeld.

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