Der FCB im Cup: Wenn das Ergebnis fast über allem steht

Der FC Basel bleibt auch nach dem glanzlosen Cupsieg in Winterthur eine Mannschaft, die Festigkeit sucht. Immerhin bleibt sie erstmals seit zweieinhalb Monaten ohne Gegentor. Und einer ist rundum zufrieden, obwohl er zu den Verlierern gehört. 

Luca Zuffi und Marcel Koller sagten es. Selbst Ralf Loose, der Trainer der unterlegenen Mannschaft, vergass nicht zu erwähnen, was 8400 Zuschauer auf der Winterthurer Schützenwiese mit auf den Heimweg nahmen: Im Cup-Wettbewerb zählt einzig das Resultat.

Die Null beim Heimteam und die Eins für die Gäste, die an der analogen Anzeigetafel vom Endergebnis kündeten, deuten auf eine knappe Angelegenheit hin. Das war es einerseits auch, denn ausser diesem einen Tor nach einem Eckball von Kevin Bua (wie schon am Samstag gegen die Grasshoppers) und einem Kopfball von Silvan Widmer (Torpremiere für Basel) in der achten Minute der zweiten Halbzeit war es dünn, was der Favorit offensiv zuwege brachte.

https://tageswoche.ch/sport/der-fcb-dank-widmers-torpremiere-eine-runde-weiter/

Andererseits war der FC Winterthur weit davon entfernt, den FC Basel zum ersten Mal in der gemeinsamen Cupgeschichte aus dem Wettbewerb zu kegeln (sechs Basler Siege seit 1948/49; die letzten vier seit 2012). Und die Basler gaben sich nicht die Blösse, erstmals seit 2005/06 bereits in den Achtelfinals auszuscheiden.

«Ich hatte eigentlich nie Angst, dass wir ein Gegentor bekommen könnten», behauptete Luca Zuffi, der alle Facetten dieser Affiche miterlebt hat: als Verlierer im Trikot des FC Winterthur, als Reservist des FCB und nun zum zweiten Mal als Sieger.

Man habe sich auf Augenhöhe bewegt, befand Ralf Loose nichtsdestotrotz. Der 55-jährige Deutsche hat nach längerer Arbeitslosigkeit Winterthur im Sommer mit einem Einjahresvertrag übernommen. Er hat der jungen Mannschaft ein stabiles Gerüst verpasst und sie an die Spitze der Challenge League gecoacht. Doch bei aller defensiven Solidität fehlte den Winterthurern am Mittwoch der Mut zur eigenen Courage.

Erstmals seit August ohne Gegentor

Jedenfalls war es zu wenig, um den FC Basel ins Wanken zu bringen. «Vielleicht hätte sie ein Tor vor grössere Probleme gestellt», mutmasste Loose, und das war in jüngerer Vergangenheit ja oft genug der Fall. Doch zum ersten Mal seit Mitte August, seit dem 3:0 beim sechstklassigen Montlingen und damit erstmals seit elf Spielen liess der FCB kein Gegentor zu.

Das mag man als Fortschritt werten für eine Mannschaft, die FCB-Trainer Koller im Vergleich zum Samstag in unveränderter Formation aufs Feld geschickt hat. Abermals machten es der Mittelfeldspieler Taulant Xhaka als Innenverteidiger und der Verteidiger Eder Balanta als Mittelfeldspieler gut, Schlussmann Jonas Omlin war ein sicherer Wert, Torschütze Widmer schwang sogar nach oben aus.

Doch es gab erneut rätselhafte Schwankungen. Eray Cömert leistete sich so viele Unsicherheiten, dass er noch weit nach Spielende übel gelaunt den Dreck von seinen Kickstiefeln wusch und Zuspruch von Co-Trainer Carlos Bernegger benötigte. Blas Riveros traf bei allem Vorwärtsdrang wie so oft falsche Entscheidungen, und Albian Ajeti und Ricky van Wolfswinkel blieben wirkungslos.

Der FCB und sein Auf und Ab

«Es ist egal, wie man im Cup gewinnt, wir haben den Job sicher gut gemacht», sagte Luca Zuffi. «Aber die Konstanz, die wir in den letzten Jahren hatten, ist einfach noch nicht richtig da. Jetzt ist es ein Auf und Ab, zu viele Leistungsschwankungen – da ist es schwierig, Konstanz reinzubekommen.»

Bei Marcel Koller klang es – auch wenn das Ergebnis über allem steht – ganz ähnlich: «Wir haben nicht die Ruhe im Spiel gehabt, wie man nach dem Sieg bei GC hätte ahnen können. Es ist immer noch ein Auf und Ab. Wir bringen uns immer wieder in Situationen, durch die der Gegner Auftrieb erhält. Es fehlt uns die Abgebrühtheit.»

Nach wie vor beschäftigt den FCB-Trainer das Innenleben seiner Mannschaft und seiner Spieler. Und er schreibt ihnen auch nach der erfolgreichen Qualifikation für die Viertelfinals Grundsätzliches ins Stammbuch: «Wenn ich sehe, dass einer Probleme hat, dann muss ich ihn unterstützen. Oder wenn einer drei-, viermal hintereinander etwas nicht gut macht, muss ich ihn halt auch mal anfauchen. Ich versuche es von aussen, aber das muss auch auf dem Platz passieren. Soweit sind wir noch nicht, das haben wir noch nicht drin.»

Einer war rundum zufrieden: Davide Callà

So war am Ende eines Cupabends vor zwar prächtiger, aber weitgehend stimmungsarmer Kulisse, nur einer rundum zufrieden: Davide Callà. Der Heimkehrer, bis vergangenen Sommer noch Teil des FC Basel, war vor der Partie im medialen Mittelpunkt gestanden und tat es auch hinterher.

Der Captain des FC Winterthur hatte gespielt wie zuletzt bei seinen Kurzeinsätzen für den FCB: engagiert, kämpferisch, aber ohne entscheidenden Einfluss. Enttäuscht sein wollte der 34-Jährige dennoch nicht: «Es ist ärgerlich, aber es war ein faires Spiel. Ein schöner, gelungener Fussballabend, der uns weiterbringt.»

Die Viertelfinals im Schweizer Cup (27./28. Februar 2019) werden an diesem Donnerstag im Anschluss an die Partie St. Gallen-Sion ausgelost (SRF2). Für den FC Basel geht es in der Super League am Sonntag weiter mit dem Heimspiel gegen Lugano.

Konversation

  1. Wie der Autor dem Text diesen Titel verpassen konnte, entzieht sich ein wenig meiner Logik.

    Selbstverständlich steht im Spitzensport „… das Ergebnis fast über allem …“.

    Das ging beim Eigentümer- und Strategiewechsel leider verloren. Wer nicht gewinnt, geht leer aus und gewinnen kann im Schweizer Fussball meist nur einer – der Meister und CL-Zwischenrunden-Teilnehmer.

    Erst wenn das geschafft ist, das Potential für die nächste Saison bereitgestellt, erst dann kommt der Lokalkolorit und die Experimente mit unerfahrenen Talenten. Dann kommt lange nichts und wenn’s reicht, einen Batzen in den Geld-Säckel der Inhaber.

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