Der FCB nach dem 1:0 in Bern: Leader für eine Nacht

Dank des fünften Saisontores von Shkelzen Gashi in der 31. Minute entscheidet der FC Basel ein packendes Spiel vor 22’000 Zuschauern bei den Young Boys für sich, bringt den Bernern die erste Heimniederlage bei und übernimmt vorübergehend wieder die Tabellenspitze der Super League.

Shkelzen Gashi bejubelt die Basler Führung in der 31. Minute, links Geoffroy Serey Die, in der Mitte Jan Lecjaks. (Bild: Keystone/PETER KLAUNZER)

Dank des fünften Saisontores von Shkelzen Gashi in der 31. Minute entscheidet der FC Basel ein packendes Spiel vor 22’000 Zuschauern bei den Young Boys für sich, bringt den Bernern die erste Heimniederlage bei und übernimmt vorübergehend wieder die Tabellenspitze der Super League.

Es war der letzte Ball, den die Young Boys in den Strafraum des FC Basel brachten. Nein, keiner der teilweise stark herausgespielten Flankenläufe von Renato Steffen oder Raphael Nuzzolo. Kein feiner Durchstecker des Franzosen Guillaume Hoarau. Einfach ein weit und hoch gedroschener Ball in den Sechzehner.

Tomas Vaclik, der Goalie des FCB, sprang – doch zu wenig hoch. Hoarau dieser Hüne mit seinen 192 Zentimetern Körpergrösse erreichte den Ball. Erinnerung an St. Gallen kamen auf, als Vaclik in der Nachspielzeit die Kugel hatte nach einem Luftkampf fallen lassen und den Ostschweizern der späte Siegtreffer gelungen war.

Doch dieses Mal hatte Schiedsrichter Nikolaj Hänni, dessen Pfeife in St. Gallen noch stumm geblieben war, ein Einsehen. Ein Pfiff – die letzte Berner Chance war vorbei. Der FC Basel hatte nach zwei Ligaspielen, in denen er sich Punkte in der Nachspielzeit hatte stehlen lassen, wieder einmal gewonnen.

Sousas Job-Bewerbung an die Firma Ferrero

Ein wichtiger Sieg für die Basler, die zuletzt in fünf Spielen bloss sieben Punkte gesammelt hatten. Ein Sieg, für den die Rortblauen den Grundstein mit einer soliden ersten Halbzeit gelegt hatten – für den sie in den zweiten 45 Minuten aber noch stark leiden mussten. Ein Sieg auch, mit dem die Basler die Führung in der Tabelle für mindestens eine Nacht dem FC Zürich entrissen haben, der erst am Sonntag auf die Grasshoppers trifft.

Mit seiner Startaufstellung hatte FCB-Trainer Paulo Sousa wieder einmal bewiesen, dass er gut auch einen Job bei der Firma Ferrero bekleiden könnte: als Verantwortlicher für die Kinder-Überraschungs-Eier. Noch am Freitag hatte der Portugiese etwa behauptet, Fabian Schär sei fit und komplett ins Mannschaftstraining integriert. Am Samstag dann wurde der Innenverteidiger ebenso als verletzt gemeldet wie Stürmer Marco Streller.

Streller und die fehlende Intensität

Captain Streller fühlt sich gemäss Sousa seit der 93. Minute des 1:0-Siegs über den FC Liverpool «nicht in der Lage, die nötige Intensität aufzubringen». Was das für das Spiel gegen Ludogorets Razgrad vom Mittwoch bedeutet? Sousa konnte es auch nicht sagen: «Wir müssen schauen, ob er den Flug nach Sofia mitmacht.»

So war es die Dreierkette Taulant Xhaka, Marek Suchy und Naser Aliji, die in Bern die Hauptlast der Defensivarbeit übernahm. Von jenen Nationalspielern, die in der letzten Woche mit ihren Auswahlen längere Zeit im Einsatz gestanden waren, setzte Sousa bloss den Chilenen Marcelo Diaz ein. Und vorne gab Breel Embolo einen für sein Alter famos zweikampfstarken Stossstürmer.

Der Basler Glaube wird gestärkt

Kein Wunder war Sousa froh darum, dass seine Mannschaft den Test in Bern bestanden hatte: «Und das ohne Schlüsselspieler – und bei einem Team, das zuhause bislang in dieser Saison noch nicht verloren hatte.»

Nicht, dass der Portugiese daran zweifeln würde, dass das, was er seinen Profis beibringt, das Richtige ist. Aber es hilft durchaus, wenn die Spieler ebenfalls davon ausgehen. «Und solche Auftritte gegen starke und variable Gegner wie YB lassen die Spieler daran glauben, was wir machen», freute sich Sousa nach dem Schlusspfiff.

Das Berner «Geschenklein»

Wobei dem FCB-Trainer die erste Halbzeit deutlich besser gemundet haben muss als der zweite Durchgang. Vor der Pause hatten die Basler Spiel und Gegner weitgehend im Griff. Es war kein schönes Spiel in dieser Phase. Eher eines, in dem beide Mannschaften mit hohem Pressing dem Gegner zusetzen wollten, was zu teils wirr anschauenden Pressschlag-Orgien führte.

Doch wenn einmal einer Mannschaft eine Kombination gelang, dann den Baslern. Embolo, Shkelzen Gashi, Geoffroy Serey Die – sie alle hätten die FCB-Führung nach guten Angriffen erzielen können.

Am Ende war es aber ein «Geschenklein», wie es YB-Trainer Uli Forte zähneknirschend nannte, das die Entscheidung brachte. Alain Rochat spielte den Ball vom eigenen Sechzehner Matias Delgado genau in die Füsse. Dieser lancierte Embolo, der seinerseits Gashi fand. Und der traf mit seinem fünften Meisterschaftstor für den FCB zum 1:0.

Die Basler glänzten nicht – aber sie hielten stand

Es sollte das einzige Tor des Abends bleiben. Und das, obwohl die Berner wie verwandelt aus der Kabine kamen. Forte hatte gleich zwei Wechsel vorgenommen, brachte Stürmer Hoarau für Samuel Afum und den offensiv stärkeren Milan Gajic für Leonardo Bertone. Das, zusammen mit einer aggressiveren Grundeinstellung, war genug, um den FCB phasenweise im Basler Strafraum festzusetzen.

«Wenn man nur die Leistung anschaut, war die zweite Halbzeit hervorragend», befand Forte, «um so bitterer ist es, wenn du für so viel Einsatz nicht belohnt wirst.» Und noch schmerzhafter wird der Abend für die Berner nach einem Blick auf die Tabelle: Sieben Punkte liegen sie nun hinter dem FCB.

Die Basler dagegen mochten im Stade de Suisse nicht geglänzt haben. Aber sie hielten dem Druck der Young Boys stand, nachdem sie zuletzt in der Liga zweimal in der Nachspielzeit eingeknickt waren. Der FCB nimmt also eine gute Portion Rückenwind mit auf seine Reise nach Sofia zum kommenden Gegner in der Champions League, Ludogorets Razgrad.

 

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