Der FCB schlägt GC 4:1

Der FCB gab sich gegen GC sehr effizient. Aber obwohl die Zürcher nicht wirklich auf allen Positionen reif waren für die Super League, leisteten sich die Basler in der zweiten Halbzeit einen Leistungsabfall, der weiter ging als das, was Vogel vorhatte.

Die Basler jubeln über eins der vier Tore gegen GC (Bild: Georgios Kefalas / Keystone)

Der FC Basel schlägt die Zürcher Grasshoppers vor knapp 30000 Zuschauern mit 4:1. Bester Spieler war Xherdan Shaqiri; und auch wenn GC den Baslern nicht viel entgegenzusetzen hatte: FCB-Trainer Heiko Vogel bemängelte den Leistungsabfall der zweiten Halbzeit als zu starke «Dosierung».

Als Xherdan Shaqiri lange nach dem Abpfiff die Reihen der Journalisten nach Fragen und Komplimenten abgraste, war Stephan Andrist längst wieder weg. Der aussergewöhnlich schnelle Berner Oberländer, verzog sich fast ebenso rasch in die Kabine wie er den Flügel entlangrennt. Dabei hatte Andrist gerade sein erste Ligator für den FC Basel erzielt.

Andrist wirkt trotz seiner spektakulären Vorstösse während des Spiels neben dem Platz unscheinbar. Ein Flügelspieler wie Shaqiri – und doch ganz unterschiedlich. Shaqiri, der Magic Mushroom, Andrist die Laufmaschine.

In Verlegenheit

Ein Radiomann fragte Andrist, ob sein Abpraller nach Alex Freis Torschuss in der 19. Minute ein typischer Andrist-Treffer war. Da wusste er keine Antwort. Und als der Nächste wissen wollte, ob er nun auf einen Startplatz in der Champions League gegen Benfica am Mittwoch drängt, verfiel Andrist gar in Verlegenheit. Die Arme hinter dem Rücken verschränkt, der Blick gesenkt, meinte er entschuldigend: «Ich bin gar nicht spielberechtigt.»

Man wendete sich wieder Xherdan Shaqiri zu.

Der St.-Jakob-Park war erneut seine Bühne gewesen. Shaqiri schoss in der sechsten Minute ein Freistosstor, wie schon gegen den FC Zürich, aus halbrechter Position mit Zug und Poesie über die Mauer ins hohe Eck. Er dichtete schöne Angriffe, bis sich nach einer Stunde Lust und Energie verflüchtigten und er für Jacques Zoua Platz machte.

Fliessende Kombinationen

Bis dahin war der FC Basel spielstark, aber vor allem effizient. Er erzielte nicht nur mit Shaqiris Kunst einen hohen Preis. Drei Treffer aus vier Chancen. Dem 2:0 ging eine schnelle, fliessende Kombination via Shaqiri, Fabian Frei und Alex Frei voraus. Beim 3:0 in der 26. Minute arbeitete sich Marco Streller, der sich trotz seines fragilen Körpers sehr bemühte, nach einem weiten Zuspiel frei und bediente Sturmpartner Alex Frei im Strafraum.

Der FC Basel, die Metapher sei in dieser Jahreszeit erlaubt, drehte einen Looping nach dem anderen, während die Grasshoppers Karussell fuhren. Aber GC-Trainer Ciriaco Sforza hatte auch eine Mannschaft zur Verfügung, die längst nicht auf allen Positionen reif für die Super League war. Die Abwehr stand oft falsch und hielt kaum einem Basler Angriff stand.

Sforza stand 90 Minuten an der Seitenlinie und konnte doch nicht Einfluss nehmen. Sein GC, auf dem Barrage-Platz liegend, steht vor ganz schweren Zeiten. Trotzdem nahm er nach Spielschluss seine «junge Mannschaft» in den Schutz. Er lobte das «sehr attraktive Spiel» und beklagte «einige kleine Fehler, die brutal bestraft wurden». Er wirkte, wie seine Mannschaft, ohnmächtig.

Parks müde Beine

In der Offensive jedoch waren die Grasshoppers erstaunlich gefährlich. Aus dem Basler Mittelfeld kam wenig Unterstützung für die Verteidiger nach dem grossen Vorsprung. Mehrmals scheiterte GC nur, weil FCB-Goalie Yann Sommer konzentriert blieb und stark parierte. Nach der Pause entwischte schliesslich Frank Feltscher Gegenspieler Joo Ho Park, dem Shaqiri nach dem Spiel «müde Beine» attestierte. In der Mitte vollendete Toko zum 3:1.

FCB-Trainer Heiko Vogel monierte den Leistungsabfall seiner Spieler in der zweiten Halbzeit: «So stark dosieren wollten wir unsere Kräfte dann doch nicht.» Vogel hatte aus Rücksicht auf die sogenannt Englischen Wochen, die nahtlos weitergehen, auf dem Flügel Jacques Zoua durch Stephan Andrist ersetzt und Benjamin Huggel im Zentrum durch Fabian Frei, der seine ansehnliche Leistung mit dem 4:1 krönte.

Shaqiri, der eigentlich auch auf der Bank erwartet worden war, liess Vogel aber spielen. Ein richtiger Entscheid, zumal der 20-jährige Nationalspieler, «sich voll im Saft fühlt», wie er zu Protokoll gab, «und es nichts schöneres gibt als Englische Wochen». Damit hält er es wie die Engländer, die sich unter «english weeks» nichts vorstellen können. Der Begriff gilt als Erfindung lamentierender deutscher Trainer.

Auch Federer machte seine Aufwartung

Als Shaqiri dann lustig schlenkernd, mit Louis Vuitton-Necessaire im Arm und dicken Kopfhörern um den Hals, seinen Abgang vollzog, tauchte ein weiterer Artist auf: Roger Federer stattete, vom designierten FCB-Präsidenten Bernhard Heusler geleitet, der Basler Mannschaft einen Besuch in der Kabine ab. Zuvor hatte er auch schon am Training teilgenommen. Künstlerkommune St.-Jakob-Park.

 

Einzelkritik

Yann Sommer (5): Der Schlussmann des FC Basel musste zwei, drei starke Paraden vor allem auf Distanzversuche der Zürcher zeigen.

Markus Steinhöfer (4,5): Scharf geschnittene Flanken ins Zentrum. Leichte Unsauberkeiten in der Abwehrarbeit.

David Abraham (4,5): Der einzige GC-Angreifer Orhan Mustafi kam nie an ihm vorbei.

Aleksandar Dragovic (4,5): Schlitterte knapp am Platzverweis vorbei, als er einen GC-Angriff mit dem langen Bein stoppte. Sonst fehlerlos.

Joo Ho Park (4): Läuft mit beachtlicher Kadenz, wenn er laufen darf. Schien von unsichtbaren Seilen am Vortrieb gehindert zu werden. Offenbar taktisch bedingt. Wurde beim GC-Treffer durch einen Steilpass kalt erwischt.

Xherdan Shaqiri (5,5): Spiel von barocker Opulenz: Carpe Diem, Xherdan Shaqiri. Er genoss und wir taten es auch. Welch Freistoss zum 1:0! Nach einer Stunde war der Rausch vorbei.

Fabian Frei (5): Verlor einige Bälle, die meist von den Kollegen erfolgreich wiedergefunden wurden. Punktgenaue Direktzuspiele ins Zentrum wie vor dem 2:0. Erzielte mit sattem Flachschuss das 4:1.

Granit Xhaka (4,5): Umsichtiger Ballverteiler in der stürmischen ersten halben Stunde des FCB. Machte seine Pause nach der Pause, als er einige Schludrigkeiten einstreute.

Stephan Andrist (4,5): Der Abstauber zum 2:0 war sein erstes Ligator für den FCB. Noch weiss er seinen Speed nicht in jeder Szene gewinnbringend einzusetzen.

Marco Streller (4,5): Arbeitete die langen Bälle frei. Legte für Alex Frei auf, nachdem er die Kugel gegen Lang zurückerkämpft hatte. Zäh und beständig in den Zweikämpfen wurde er bei seiner Auswechslung mit einer Standing Ovation verabschiedet.

Alex Frei (5): Unter Vogel darf er sich offensichtlich noch tiefer ins Mittelfeld zurückfallen lassen denn unter Fink. Und trotzdem ist er im Strafraum, wenn ihn Kollege Streller dort sucht – so wie beim 3:0.

Scott Chipperfield (4): Ersetzte in der 61. Minute Granit Xhaka im zentralen Mittelfeld. Gross in Erscheinung trat er nicht, GPS-Matchanalysen werden seine Anwesenheit jedoch bestätigen.

Jacques Zoua (4): Er kam in der 68. Minute für Shaqiri, als GC nach dem 1:3 nochmals leise Hoffnung schöpfte. Behauptete die Bälle auf seiner linken Seite, ohne mit Blick auf das Spiel gegen Benfica noch zuviel Kraft zu vergeuden.

Taulant Xhaka (–): Wurde in der 80. Minute für Captain Marco Streller gebracht. Zu kurz im Einsatz, um benotet zu werden.


Artikelgeschichte

22:30, 29.10.2011: Notenliste veröffentlicht.

23.43, 29.10.2011: Erste Fassung Matchbericht.

Konversation

  1. Beim FCB scheint alles zu stimmen. Den lausigen Abgang eines ultra-testosterongesteuerten Trainers so souverän zu verkraften ist nicht selbstverständlich. Der Schlüssel zu dieser Kontinuität ist gewiss das Vertrauen. Das Vertrauen der Clubleitung in den ehemaligen Assistenz- und jetzigen Cheftrainer, das Vertrauen der Spieler in den neuen Chef, das Vertrauen der ganzen Mannschaft in sich selbst und das Vertrauen der Fans in den FCB.
    Leid tut mir je länger desto mehr Ciriaco Sforza. Dieser junge Trainer wird bei GC geschlissen. Seine Sprache und Körperhaltung bei TV-Interviews zeigen einen psychisch angeschlagenen Mann, der sich selbst belügt, weil ihm die Realität unerträglich geworden ist. Dass die GC-Clubleitung diesem Zerfall ihres Trainers tatenlos zusieht, zeigt – verglichen mit dem FCB – wie unfähig und verantwortungslos die GC-Clubleitung sich präsentiert.
    Zurück zum FCB: Lieber Heiko Vogel, Sie verdienen Respekt für die Art und Weise, wie Sie aus dem Schatten des unsäglichen Thorsten hervorgetreten sind. Und wenn Sie mir noch einen Rat gestatten: Reden Sie die Leistung Ihrer Mannschaft niemals gut, wenn diese auch nur mittelmässig spielte. Die (Fussbal-) Stadt Basel vertraut Ihnen. Machen Sie klar, wer der Chef ist. Dann werden Sie Cheftrainer bleiben. Alles Gute!

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  2. …würde hier die rote Karte zücken, Herr Egger. Nachtreten ist eine grobe Unsportlichkeit. Es ist unfair, jenem Mann faule Eier nachzuwerfen, der es, zusammen mit Heiko Vogel, den anderen Assistenten, den Spielern und der umsichtigen Clubleitung, geschafft hat, unseren Lieblingsclub nach der Aera Gross nicht in ein Loch fallen zu lassen. Ihre Enttäuschung über die Art des Abgangs von Thorsten Fink in Ehren; solche Häme hat der Mann, der uns attraktiven Fussball im Joggeli und so viele Erfolge geschenkt hat, aber nicht verdient.

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  3. Für Sie ist Shaqiri also ein: „Psilocybinhaltiger Pilz, auch als Zauberpilz, Magic Mushroom oder halluzinogener Pilze bezeichnet, psychoaktiver Pilz.“

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