Der FCB will viel – und erhält gar nichts

Der FC Basel muss um seine Champions-League-Träume bangen. Nach einer 1:0-Führung und gutem Spiel bis zur 66. Minute verlieren die Basler gegen den CFR Cluj mit 1:2. Jetzt braucht der FCB im Rückspiel in einer Woche einen Sieg mit mindestens zwei Toren, um die Gruppenphase zu erreichen.

epa03366836 Cluj's Modou Sougou, front, scores for the second time during a Champions League play-off first leg match between Switzerland's FC Basel 1893 and Romania's Fotbal Club CFR 1907 Cluj at the St. Jakob-Park stadium in Basel, Switzerland, on Tuesd (Bild: Keystone/GEORGIOS KEFALAS)

Der FC Basel muss um seine Champions-League-Träume bangen. Nach einer 1:0-Führung und gutem Spiel bis zur 66. Minute verlieren die Basler gegen den CFR Cluj mit 1:2. Jetzt braucht der FCB im Rückspiel in einer Woche einen Sieg mit mindestens zwei Toren, um die Gruppenphase zu erreichen.

Und am Ende musste der FC Basel sogar noch froh sein. Froh, dass er das Hinspiel im Playoff zur Gruppenphase der Champions League nur mit 1:2 verloren hatte. Modou Sougou hatte den Baslern mit seinen zwei Toren in der 66. und 71. Minute zwar so richtig weh getan. Aber er hätte den FCB auch gleich völlig aus dem Wettbewerb werfen können. In der 85. Minute traf der Senegalese bloss den Pfosten – und in der 96. konnte ihn Yann Sommer gerade noch am 1:3 hindern.

Ja, wie soll dieser Auftritt des FC Basel beschrieben werden? Es war ein guter, ein sehr guter Abend der Basler bis zu jener verflixten 66. Minute. Und danach? Danach schien die Mannschaft immer kurz davor, auseinander zu fallen. Da passte wenig bis nichts mehr im schwierigen Zusammenspiel von Offensive und Defensive, da ging die Balance verloren.

Wobei, das mit der Balance war wahrscheinlich bereits vor dem ersten Gegentor des Abends geschehen. Der FCB hatte sich Chancen erarbeitet für zwei Spiele. Er schnupperte am 2:0, er konnte es fast fühlen, es schien mit Händen greifbar. Salah, Stocker, Streller, Stocker, Salah, Streller. Sie alle hatten ihre Chancen. Die Basler wollten dieses zweite Tor. Sie wollten es mit aller Macht. Und sie wollten es wohl zu sehr.

Die Basler warfen viel nach vorne – zu viel

Dabei hatte Trainer Heiko Vogel vor dem Spiel doch noch gesagt, ihm sei die Null hinten wichtiger als viele Tore im Angriff. Doch die Basler Spieler mussten nach einer Stunde das Gefühl bekommen haben, sie könnten dieses Duell mit dem rumänischen Meister bereits im Hinspiel entscheiden.

Also warf der FCB vieles nach vorne. Zu viel. Die Basler hatten soeben wieder einen ansprechenden Angriff mit einem etwas zu ungenauen Zuspiel enden sehen. Anstatt sogleich ins Pressing zu wechseln, drehte Marco Streller nach seinem Fehlzuspiel mit theatralischer Geste ab, als habe er soeben eine grosse Chance vergeben.

Während sich der Basler Captain noch die Haare raufte, lief der Konter. Und der zeigte nach all dem Basler Spitze, Hacke, eins, zwei, drei, dass Fussball manchmal auch einfach und schnörkellos sein kann. Rafael Bastos kam einem Sekundenbruchteil vor Marcelo Diaz an den Ball, schickte Moudou steil und der war schlicht schneller als Aleksandar Dragovic und Joo Ho Park.

Statt geduldig war der FCB für einmal sogar ein wenig naiv

Die Frage, die erlaubt sein muss: Warum hatte sich in jener Szene ausser drei Abwehrspielern die gesamte Basler Mannschaft am gegnerischen Strafraum versammelt? Mit Blick auf die Ausgangslage wirkt das offensive Feuer sogar ein wenig naiv. Immerhin führte der FCB nach Strellers wunderbarem Seitfallzieher aus der 43. Minute doch 1:0. Und rühmen die Basler nicht immer ihre inzwischen fast schon sprichwörtliche Geduld?

1:1. Der Schock sass tief. Weniger bei den bloss 16’000 Zuschauern, die, sofern in der Muttenzerkurve stehend, weiter angriffig sangen. Aber bei den Basler Spielern auf dem Feld. Noch mehr denn je musste jetzt ein zweites Tor her.

Also darf man scheinbar als Verteidiger den Ball nicht einfach mal auf den Bahndamm dreschen. Nein, da spielt man als Gaston Sauro auch bedrängt noch einen Rückpass auf den ebenfalls bedrängten Goalie. Der Ball holpert. Der Goalie, in diesem Fall Yann Sommer, bekommt den Ball nicht weg, die Verteidigung wird wieder von einem Steilzuspiel erwischt: Bumm.

1:2. Und jetzt war das Basler Spiel bloss noch Hektik. Oder pure Verzweiflung. Vogel warf seinen Topskorer Alex Frei erstmals seit dessen Verletzungspause in die Schlacht. Aber vergebens. Nicht, dass die Basler nicht auch weiterhin zu Chancen gekommen wären. Über das gesamte Spiel gesehen hatten sie 66 Prozent Ballbesitz. Aber das Spielgerät wollte einfach nicht mehr zu ihren Gunsten rollen.

Heiko Vogel lobt seine Mannschaft

Vorwürfe wollte Heiko Vogel seinem Team deswegen allerdings keine machen. Natürlich hätten seine Spieler den einen oder anderen Fehler begangen: «Aber Fehler gehören zum Geschäft.» Viel lieber lobte der FCB-Trainer seine Mannschaft dafür, dass sie «von Anfang bis zum Ende versucht hat, Tore zu erzielen. Sprich: Fussball zu spielen.» Auch deswegen beharrte Vogel darauf, mit dem Spiel seines Teams über die gesamten 96 Minuten «sehr, sehr zufrieden» zu sein.

«Ein Wechselbad der Gefühle» hatte dagegen Cluj-Trainer Ioan Andone durchlebt: «Erst hat uns Basel dominiert und wir hatten ein wenig Glück. Aber am Ende könnte man auch sagen, dass Basel Glück hatte, denn wir hätten dieses Duell am Ende bereits in diesem Spiel entscheiden können.»

Die Basler brauchen in Cluj mindestens zwei Tore

Zum Glück für den FC Basel ist das nicht geschehen. Für ihn gilt nun: Er muss in Cluj einen Sieg mit mindestens zwei Toren erreichen, um sich noch für die Gruppenphase der Champions League zu qualifizieren. Unmöglich ist das nicht. Die vielen Basler Chancen sprechen nicht für die defensive Stabilität der Rumänen.

Das sieht auch Heiko Vogel so. «Dass wir uns gegen einen so defensiv eingestellten Gegner soviele Chancen erarbeitet haben, spricht für uns. Deshalb fahren wir durchaus mit Zuversicht nach Cluj. Das Spiel gibt dir zurück, was du investierst. Das war heute nicht der Fall – aber vielleicht am Mittwoch.»

Das ist gut möglich. Aber so billig wie an diesem mörderisch heissen Dienstag Abend dürfen sich die Basler im Rückspiel keine Gegentore mehr einschenken lassen.

Champions League Playoff, Hinspiel
FC Basel–CFR Cluj 1:2 (1:0)
St.-Jakob-Park. – SR Eriksson (Swe). – 16’651 Zuschauer.
Tore: 43. Streller 1:0. (Seitfallzieher nach einer Ecke von Diaz und Dragovics Vorlage per Rücken.)
66. Sougou 1:1. (Er enteilt mit einem Steilpass von Rafael Bastos und trifft flach alleine vor Sommer.)
71. Sougou 1:2. (Nach Sommers missratenem Befreiungsschlag wird er von Muresan steil geschickt und trifft hoch in die nähere Ecke.)
Verwarnungen: 45. + 1 Kapetanos (Foul), 46. Stocker (Foul, im nächsten Spiel gesperrt), 51. Degen (Foul), 52. Mario Felgueiras (Reklamieren), 55. Rafael Bastos (Unsportlichkeit), 78. Dragovic (Foul), 94. Steinhöfer (Unsportlichkeit), 94. Sare (Unsportlichkeit).
FCB: Sommer; Steinhöfer, Sauro (86. Kovac), Dragovic, Park; Cabral; D. Degen (71. F. Frei), Diaz, Stocker (79. A. Frei); Salah; Streller.
Cluj: Mario Felgueiras; Ivo Pinto, Cadu, Rada, Camora; Sare; Rafael Bastos, Godemeche (67. Muresan), Sougou, Rui Pedro (72. Nicoara); Kapetanos (50. Ronny).
Bemerkungen: Basel ohne Yapi (verletzt), P. Degen, Ajeti (im Aufbau). Cluj ohne Deac (verletzt), Maftei und Piccolo (beide gesperrt). – 85. Pfostenschuss Sougou.

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