Der Fussball, die Fans und die Pyros – es bleibt kompliziert

Die Pyros, der Spielunterbruch, die Randale – die medialen Reflexe nach dem Spiel des FC Basel gegen den FC Zürich sind die immer gleichen. Die Behauptungen, die aufgestellt werden ebenso wie die Forderungen und Rezepte, die als Lösung angeboten werden. Eine Medienschau.

Die Zuercher Fans brennen Fackeln ab im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Basel und dem FC Zuerich im Stadion St. Jakob-Park in Basel, am Sonntag, 12. April 2015. (KEYSTONE/Georgios Kefalas) (Bild: Keystone/GEORGIOS KEFALAS)

Die Pyros, der Spielunterbruch, die Randale – die medialen Reflexe nach dem Spiel des FC Basel gegen den FC Zürich sind die immer gleichen. Die Behauptungen, die aufgestellt werden ebenso wie die Forderungen und Rezepte, die als Lösung angeboten werden. Eine Medienschau.

Diesmal waren es Fans des FC Zürich, die für Feuerwerk im St.-Jakob-Park gesorgt haben, für einen Spielunterbruch des Fussball-Klassikers in Basel, für Tumulte, an denen dann auch Fans des FC Basel beteiligt waren, und schliesslich kam es auf der Fahrt des SBB-Extrazuges nach Zürich zu Auseinandersetzungen mit der Polizei und in Pratteln zu Sachbeschädigungen.

Der Aufschrei war wie üblich bei solchen Vorkommnissen gross, das Muster ist das ewig gleiche: Scharfe Parolen, nicht zu Ende gedachte Lösungsvorschläge und das Eingeständnis einer gewissen Ohnmacht, wenn Provokation, Aggression und Gewaltbereitschaft in Reihen von Besuchern von Fussballspielen erklärt werden sollen. Ein Blick durch einige Publikationen zum jüngsten Vorfall – und ein Hinweis auf eine verfälschende, sich aber unverändert haltende Behauptung der Schweizerischen Bundesbahnen. 



Konversation

  1. Massnahmen vor Ort halte ich für problematisch. Warum werden die Sektoren nicht mit hochauflösenden Kameras überwacht? Passiert nichts = Datei löschen. Passiert etwas = Person identifizieren, später am Arbeitsplatz, zu Hause oder in der Schule abholen und zur Abklärung aus dem Verkehr ziehen. Wird eine Schuld festgestellt, so gilt Stadionverbot überall, Schäden müssen zurückbezahlt werden, auch wenn das Jahrzehnte dauert, mögliche weitere Delikte werden gemäss Gesetz geahndet.
    Wer sich durch Vermummung aus der Verantwortung stehlen will, müsste allerdings schon aus der Menge gepickt werden.
    Eventuell gibt es noch mehr Möglichkeiten: Fankurvenbesucher müssen sich mindestens zwei Stunden vor Anpfiff vor dem Stadion einfinden und sich dann einer wirklichen Durchsuchung stellen. Ticketerwerb nur mit Angabe persönlicher Daten möglich; wer sein Ticket weitergibt, übernimmt die Haftung.
    Das geht nicht wegen des Datenschutzes? Es kann doch nicht sein, dass der Schutz von 0,75 % Chaoten in den Stadien, die hemmungslos Angst hervorrufen (z.B. bei anwesenden Kindern) und ernsthafte Verletzungen anderer in Kauf nehmen, höher eingestuft wird als das Interesse von 99,25 % Fussballfans, die einfach nur ihre Mannschaft gewinnen sehen wollen! Juristen, Politiker, tut etwas! Alle anderen mögen aufhören mit dem Unsinn von unwirksamem Konkordat und populistischem Schwachsinn.
    Allerdings braucht das Geduld, aber irgendwann wird sich die Erkenntnis durchsetzen, dass sich Hooliganism nicht auszahlt.
    Zu den Kosten: In vielen Bereichen entstehen hohe Sicherheitskosten, z.B. OSZE-Konferenz, WEF Davos, Staatsbesuche etc. Sportveranstaltung ergeben aber auch konkret Einnahmen. Nur wenige reklamieren. Viele Kulturbereiche, z.B. Theater und Opernhäuser werden mit x Millionen subventioniert. Kaum jemand protestiert. Unglaublich viel mehr Leute gehen aber lieber an Fussballspiele, übrigens auch ein Ausdruck von Kultur. Warum sollen Steuergelder nicht auch für solche Veranstaltungen verwendet werden? Dafür ist vielen plötzlich das Geld zu schade.
    Und trotzdem: Ganz ausschliessen kann man Ausschreitungen nie. Nichts ist narrensicher, solange es Narren gibt.

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  2. Es ist ganz einfachh, und man muss es nur endlich durchsetzen:

    1. Für «Fangruppen» von Clubs, die ihre «Anhänger» nicht kontrollieren können (oder wie in diesem Fall, nicht wollen), gibt es die darauf folgenden 2 Saisons keinen «Fan»-Sektor mehr.

    2. «Fans» dieser Clubs, die sich trotzdem Tickets organisiert haben, werden durch die Durchmischung mit den einheimischen Zuschauern neutralisiert, oder von der Security aus dem Stadion entfernt.

    3. Für «Fans» dieser Clubs, die ohne gültiges Ticket angereist sind und sich ausserhalb des Stadions zusammengerottet haben, ist die Polizei zuständig und sorgt für den geordneten Abfluss dieses Abschaums in ihre Heimat.

    Das ist überhaupt nicht kompliziert. Man muss es nur durchsetzen wollen.

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    1. 2. „neutralisiert“ will heissen es gibt im Familysektor eine Schlägerei von ein paar Vätern mit 2-3 Idioten? Ihnen ist schon klar, dass man sich so tatsächlich im Stadion nicht mehr sicher fühlen kann. Genau um solche Schlägereien zu unterbinden wurden diese Fansektoren ja überhaupt erst eingeführt.
      Zudem, wenn ein „Fan“ keine Fanutensilien auf sich führt, wie wollen sie ihn einem Club zuordnen? So wie in Aarau über den Dialekt? Oder muss er eine Gesinnungsprüfung ablegen und „Z’Basel an mim Rhy“ singen?
      Ich habe die Sicherheitsproblematik im Rahmen eines Cupspiels vor ein paar Jahren hautnah selbst miterlebt… die Verantwortlichen machen sich all diese Gedanken auch, aber es gibt eben leider kein einfaches Rezept, sonst hätte man dies längst angewendet.

      Man sollte sich endlich von der Illusion verabschieden, dass jede Veranstaltung mit mehr als 10’000 Personen friedlich bleibt oder befriedet werden kann – es ist wie mit dem Weltfrieden, es bleibt eine Illusion.

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    2. Glauben Sie tatsächlich, Herr Weber, dass ein paar Versprengte (mausallein) eine Schlägerei anzetteln.

      Deren Mut kommt durch die Meute. Ohne die sind die so klein wie ein Gartenzwerg (mit Absatz und Zipfelmütze).

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    3. @Bärbeiss: ich glaube nicht nur ich bin mir sogar sehr sicher. Ich war vor Jahren im Letzi und forderte auf der Gegentribüne sitzend lautstark eine gelbe Karte – es wurde mir mit einem Becher Bier vom Hintermann quittiert. Wäre ich nicht nüchtern gewesen und würde ich nicht grundsätzlich dazu tendieren so etwas verbal zu erledigen wäre es wohl zu einer Schlägerei gekommen – wir waren zu acht die zu dritt!
      Es ist nur gerade im Joggeli so, dass sie als Auswärtsfan nicht gerade 5-10 Sitze neben einander bekommen! Und auch im Joggeli können wie mit etwas planung als Auswärtiger ein dutzend Sitzplätze in unmittelbarer Nähe organisieren. Und was meinen sie wird Papa mit der Tochter und dem Sohn am Match versuchen Idioten zu neutralisieren oder eher das Stadion verlassen?
      Andere Frage: haben sie schon mal versucht ein halbes Dutzend halbstarke angetrukene Fussballchaoten daran zu hindern ein Auto zu beschädigen? Ich hab mich für meine Gesundheit entschieden! Das ist auch der Grund warum die Selbstregulierung in den Kurven mehr schlecht als recht funktioniert, denn auch man selbst muss in einer Gruppe auftretten wenn man einer Gruppe Chaoten begenen will und wer von uns geht schon mit mehr als 2-3 Freunden an einen Matsch?

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    4. Ja, Herr Weber, das ist uns wohl allen schon mal so ergangen.

      Aber es ist ein anderes Thema.

      Wer lässt denn offensichtlich Besoffene ins Stadion (eine simple Gesichtskontrolle reicht dafür)? Wer sieht denn zu, wie sich vor dem Eingang Jungs und Mädels in einer halben Stunde mit drei Liter Bier die Kante geben, und dann auf ihre Stammplätze wanken?

      Wer lässt es denn zu, dass Schwankende mit ihren Sechserkartons im Zehnminutentakt treppauf/treppapp torkeln?

      Ich hab’s gesagt: Einmal aufräumen, einmal durchsetzen. Und Ruhe herrscht.

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    5. Herrlich, Realsatire pur. Da erklärt die TaWa anhand mehrer wiederholt belegter Beispiele wieso es nicht ganz so einfach ist und der erste Leserbeitrag fängt mit: „Es ist ganz eifach …“ an. Zum Todlachen der Bärbeiss.

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    6. @Bärbeiss: nun wechseln sie das Thema. Aber ich gehe gerne auch nochmals auf die Problematik Alkohol ein: ob offensichtlich Betrunkene heute noch Einlass bekommen kann ich nicht beurteilen (ich persönlich habe in den letzten Jahren keine mehr im Stadion gesehen), aber das es nicht unproblematisch ist Besoffenen den Eintritt zu verwehren wenn 1000 Leute anstehen dürfte auch Ihnen einleuchten. Dies führt leicht zu einem massiven Problem bei der Eintrittkontrolle. Dies ist übrigens dasselbe Problem wie mit exzessiven Personenkontrollen wegen Pyro.
      Was das trinken vor dem Stadion betrifft: sie können dies nur bis zu einem gewissen Abstand vom Stadion verbieten und dislozieren somit das Problem einfach an der Rand dieser Zone. Zudem ist nicht der Volltrunkene das Problem sondern der Angetrunkene bei dem die Hemmung zwar schon schwindet, der aber noch Koordinationsfähig ist und solche Personen erkennen sie auch nicht einfach mit einem Blick ins Gesicht.

      Ich sage es auch gerne nochmals „Einmal aufräumen, einmal durchsetzen. Und Ruhe herrscht.“ ist und bleibt eine Illusion. Es braucht ständiges arbeiten an dem Problem. Dies wird zumindest hier in Basel auch relativ erfolgreich gemacht wie die Entwicklung um das Joggeli zeigt (weniger Zwischenfälle, weniger Polizei). Eine schnelle, aber auch eine endgültige Lösung des Problemes wird es aber nicht geben, sogar wenn man Zuschauer oder den Fussball ganz verbietet! Es ist und bleibt ein Gesellschaftproblem und eines welches es schon sehr viel länger gibt als den Fussball!

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    7. «Kegeln, Hornussen und jedes halbe Jahr eine vaterländische Schlägerei» waren beliebte Freizeitbeschäftigungen, wusste schon Jeremias Gotthelf zu berichten.

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