Der Schweizer Cup ist nur noch die Hälfte wert

Weil der SFV nicht mehr genügend Sponsoren für seinen wichtigsten Clubwettbewerb findet, sind die Vermarktungserlöse eingebrochen. Insgesamt werden an die Teilnehmer am Schweizer Cup nur noch rund eine dreiviertel Million Franken an Prämien ausgeschüttet, und ein Finalist nimmt lediglich 100’000 Franken mit nach Hause.

The Sandoz trophy is pictured before the Swiss Cup final soccer match between FC Basel and Grasshopper Club Zuerich at the Stade de Suisse stadium in Bern, Switzerland, Monday, May 20, 2013. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

(Bild: Keystone/LUKAS LEHMANN)

Weil der SFV nicht mehr genügend Sponsoren für seinen wichtigsten Clubwettbewerb findet, sind die Vermarktungserlöse eingebrochen. Insgesamt werden an die Teilnehmer am Schweizer Cup nur noch rund eine dreiviertel Million Franken an Prämien ausgeschüttet, und ein Finalist nimmt lediglich 100’000 Franken mit nach Hause.

Als der 92. Wettbewerb um den Schweizer Cup Mitte August vergangenen Jahres an den Start ging, waren Regeln und Modalitäten wie immer in einem umfangreichen Leitfaden niedergeschrieben. Bis ins kleinste Detail sind darin die den Clubs auferlegten Pflichten und Gebühren festgehalten. Was jedoch fehlte, war die übliche Aufstellung der Prämienausschüttung.

Seinerzeit konnte der Schweizerische Fussballverband SFV «keine verlässlichen Angaben darüber machen, welche Rechtepakete verkauft werden können», wie es in dem Papier heisst. Entsprechend war nicht bekannt, wie viel Geld aus der vom SFV gesteuerten Zentralvermarktung herausspringt und als Prämien an die 64 teilnehmenden Clubs verteilt werden kann.

Ohne Vorspiegelung falscher Erwartungen hiess es in einer Schlussbemerkung: «Stand heute ist leider auch eine erhebliche Reduktion der bisherigen Leistungen nicht ausgeschlossen.»

Prämien sinken von 1,5 auf 0,7 Millionen Franken

So ist es dann auch gekommen: Vor Weihnachten wurden die Clubs über den Verteilungsschlüssel informiert, und aus dem geht hervor, dass der Schweizer Cup nur noch die Hälfte wert ist. Wurden im Traditionswettbewerb 2015/16 noch rund 1,5 Millionen Franken ausgeschüttet, sind es 2016/17 nur noch 716’000 Franken.

Beträge in Schweizer Franken | Quelle: SFV
Schweizer Cup – die Prämien an die Clubs
 

2015/16

2016/17

Prämie für Clubs die in der 1. Runde ausscheiden       3000,-     3000,-
Prämie für Clubs die in der 2. Runde ausscheiden       7500,-     7500,-
Prämie für Clubs die in den Achtelfinals ausscheiden     15’000,-   12’500,-
Prämie für Clubs die in den Viertelfinals ausscheiden     75’000,-   25’000
Prämie für Clubs die in den Halbfinals ausscheiden   150’000,-   50’000,-
Prämie für Cupfinalist und Sieger   300’000,- 100’000,-

Summe der Ausschüttungen

1’536’000,-

716’000,-

Ein Rückgang der Einnahmen um über 50 Prozent – damit schafft die Schweiz im Fussball einen absoluten Sonderfall in einer Branche, die in den letzten Jahrzehnten nur riesige Steigerungsraten und explodierende Preise kannte.

Kein Wunder, hat der SFV die neue, magere Prämientabelle nicht an die grosse Glocke gehängt, sie auf Nachfrage der TagesWoche jedoch umstandslos zur Verfügung gestellt.

Die Gründe für den Einbruch

Die Vereine müssen sich also mit bescheidenen Vergütungen zufrieden geben. In den ersten beiden Runden, als das Gros der kleinen Amateurclubs noch im Rennen war, blieb die Ausschüttung auf Vorjahresniveau. Gerade noch ein Drittel bleibt 2017 einem Finalisten. 100’000 Franken nimmt jede der beiden Mannschaften mit nach Hause, während der FC Zürich und der FC Lugano vor einem Jahr noch jeweils 300’000 Franken erhielten.

Der Schweizer Cup bei football.ch
Die Halbfinalpaarungen im Schweizer Cup 2016/17

Datum

Begegnung

5. April FC Winterthur (ChL)–FC Basel
5. April FC Sion–FC Luzern

Der Hauptgrund für den Einbruch bei den Vermarktungserlösen: Es wurden nicht genügend Sponsoren an Land gezogen. Zwar konnte mit dem Versicherungsunternehmen Helvetia noch ein neuer Presenting Partner gefunden werden, zwei Plätze in der Sponsoren-Pyramide blieben für diese Saison jedoch unbesetzt.

» Die Sponsoren des SFV im Schweizer Cup

SFV-Kommunikationschef Marco von Ah sieht Vermarktungsprobleme im K.o.-Wettbewerb, auch in anderen europäischen Ländern, selbst beim FA Cup in England, der Mutter aller Pokalwettbewerbe, und sagt zur Situation in der Schweiz: «Cup-Fussball interessiert potente nationale Sponsoren, respektive Schweizer Vertragspartner, relativ wenig. Das hören wir leider ziemlich oft.»

Zwei Probleme: Der Endspielort und die potentielle Gewalt

Vom SFV wird nicht verhehlt, von Firmen Absagen zu erhalten mit der Begründung, dass ihrem Empfinden nach im Fussball zu viel Aggression sei. Und dass der Final nicht mehr am traditionellen Austragungsort Bern stattfindet, vereinfacht die Sponsorensuche offenbar ebenfalls nicht.

Weil es in Bern in jüngerer Vergangenheit insbesondere mit den Fanmärschen zum Stade de Suisse unschöne Schlagzeilen gab, weil die Behörden daraufhin die Auflagen verschärften und eine Beteiligung des SFV an den entstandenen Kosten forderten, haben sich Verband und Bern auseinandergelebt.

Daran wird sich allem Anschein nach so schnell auch nichts ändern. Vergangenes Jahr wurde das Endspiel nach Zürich vergeben, an diesem 25. Mai, dem Auffahrtstag, wird der Sieger in Genf ausgespielt, und eine Rückkehr ins Stade de Suisse nach Bern bezeichnet SFV-Sprecher von Ah als «zwar nicht ausgeschlossen, aber unter den aktuellen Voraussetzungen doch ziemlich unwahrscheinlich».

Artikelgeschichte

In der ursprünglichen Version hiess es – getreu einer Stellungannahme des SFV: (…) «Club-Fussball interessiert potente nationale Sponsoren, respektive Schweizer Vertragspartner, relativ wenig. Das hören wir leider ziemlich oft.» – Daraus haben wir auf Bitte des SFV «Cup-Fussball» gemacht.


Konversation

  1. Eigentlich skurill, dass der letzte spannende Wettbewerb in der Schweiz bei den Sponsoren in Ugnade gefallen ist. Überraschend ist dies in Zeiten, in denen der globale Fussball (Premier League, Bundsliga, Primera Divison, CL, WM) die gesamte Aufmerksamkeit der Masse (und damit auch der Sponsoren) auf sich zieht, aber natürlich nicht.

    Doch wie lange noch? Der schier unerschöpfliche Wachstum des Fussball-Marktes dürfte die Sperrspitze wohl schon bald erreicht haben. Die von den grossen Verbänden forcierten Änderungen (Splittung der Anspielzeiten, Aufstockung der Teilnehmerfelder, geschlossene Ligen etc.) könnten sich letztendlich gar als Totengräber des Fussballs erweisen und die Blase endgültig platzen lassen. Denn die Gleichung (noch mehr Spiele = noch mehr Zuschauer = noch mehr Einnahmen) dürfte nicht ewig Gültigkeit haben.

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  2. Es geht halt nicht immer aufwärts. Ich kann nachvollziehen, dass das Ding für Nebensponsoren nicht so interessant ist. Letztlich sollte sich der Fussball vor allem durch seine Zuschauer finanzieren, so war das früher auch, als es noch keine Sponsoren für ganze Wettbewerbe gab (bis 2003 wenn ich nicht irre). Die Prämien sind dann halt einfach noch ein Zustupf.

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  3. nicht ganz unwichtig: (wie überall) kommen die Entscheidungen und Ideen von 60 jährigen Männern mit dicken Bäuchen und grauen/weissen Haaren, welche keine Ausbildung oder wenigstens minimale Erfahrungen in ähnlichen Bereichen der Privatwirtschaft vorweisen können. Man hat halt mal vom Nachbarn eines Bekannten den Job inkl. 200’000 Jahreslohn, GA 1. Klasse und Spesen von 2500 CHF pro Monat bekommen, als es ende 90er jemand brauchte der sich mit den Firmen an einen Tisch setzt…

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