Die Basler Tragik, verkörpert von Valentin Stocker

Zwei Basler erzielen ihre ersten Super-League-Tore in dieser Saison, doch das reicht nicht, um YB im Spitzenkampf beizukommen. Weil hinten Fabian Frei und Michael Lang zweimal zu spät kommen – und vorne Valentin Stocker alles liegen lässt, was ihm auf dem Silbertablett serviert wird. Die Einzelkritik aus FCB-Perspektive.  

Die Szene, mit der sich Valentin Stocker in Bern mal wieder zum Basler Helden hätte aufschwingen können: Sein Ball kullert jedoch gegen den Pfosten, und schmerzhaft umgenietet wurde Stocker von YB-Keeper Marco Wölfli auch noch.

Tomas Vaclik  |  Torhüter

Dass er nicht zu Grosstaten herausgefordert wurde, sagt auch etwas aus über die Arbeit seiner Vorderleute und anderseits das Berner Schaffen in der Offensive. Blieb, kaum waren zwei Minuten vorüber, stoisch ruhig, als Assalé vor ihm auftauchte, profitierte aber auch davon, dass der Ball noch versprang. Vom Glück profitierte er, als Suleymanis abgefälschter Freistoss sich gefährlich senkte (21.), aber neben das Tor flog, und als Fassnachts Kopfball an den Pfosten klatschte (55.). Bei den beiden Gegentreffern war Vaclik machtlos.

Marek Suchy  |  rechter Innenverteidiger

Freistoss Zuffi, Kopfballverlängerung Lang, Ablenker mit Suchys Schuhspitze – beim Führungstreffer des FCB unmittelbar nach Seitenwechsel ging «alles ziemlich schnell», wie der FCB-Captain schildert. Für ihn war es der erste Saisontreffer, mit dem er seinem Team Mut und Kraft einflösste. Lieferte ansonsten defensiv eine tadellose Leistung ab, muss aber auch erkennen, dass seine langen Bälle grossmehrheitlich verpufften, weil sie entweder nicht präzis genug waren oder von Ajeti nicht weiterverarbeitet werden konnten.

Léo Lacroix  |  zentraler Innenverteidiger

Die Entscheidung, ihn ins Abwehrzentrum zu beordern, um dort längenmässig Hoarau etwas entgegenzustellen, zahlte sich unter dem Strich aus. Beim spektakulären Treffer Hoaraus war Lacroix nicht zugegen. Zu Beginn einmal vom pfeilschnellen Assalé überlaufen, fand Lacroix gut in die Partie, war er präsent und spielte ein paar vernünftige auslösende Pässe.

Fabian Frei  |  linker Innenverteidiger

Im achten Einsatz wieder eine neue Position für den Rechtsfuss, diesmal links in der Innenverteidigung. Sieht beim ersten Gegentor nicht gut aus, weil Assalé zur massgerechten Flanke ansetzen kann, und beim zweiten nicht besser, als sich Assalé zwischen Stocker und Frei durchschlängelt. Ansonsten löste Frei seine Aufgabe gut, und es fehlt nicht viel, als er seinen Volleyschuss in der 93. Minute von Wölfli pariert sieht.

Michael Lang  |  rechter Mittelfeldspieler

Er darf sich einen Assist gutschreiben lassen beim 1:2, als er die Freistosshereingabe mit dem Kopf verlängert. Der Nationalspieler sieht allerdings auch bei den beiden Gegentoren nicht gut aus, steht er dem Torschützen doch jeweils am nächsten. Auch ihm war in der Anfangsphase eine Verunsicherung anzumerken, er biss sich aber in die Partie hinein.

Als Basel sich für ein paar Minuten im Vorteil wähnen durfte: Marek Suchy (rechts, daneben Michael Lang) nach seinem Treffer zur FCB-Führung.

Blas Riveros  |  linker Mittelfeldspieler

Es bleibt wie so oft ein zwiespältiger Eindruck vom Paraguayer. Defensiv mit Mühe, wenn zum Beispiel Mbabu über den linken Basler Flügel rauschte. In der Vorwärtsbewegung ist Riveros’ Tempo ebenso beeindruckend, aber den gefährlichen Situationen, die er heraufbeschwören kann, stehen ebenso viele gegenüber, denen das klare, finale Zuspiel fehlt – oder die in einem Fehlpass enden.

Taulant Xhaka  |  zentraler Mittelfeldspieler

Rennen und krampfen, beissen und grätschen – Xhaka brachte all die Tugenden ein, die ihn auszeichnen bis hin zu einer gelben Karte, der 15. Verwarnung in seinem 32. Saisoneinsatz über alle drei Wettbewerbe. Und in diesen hat er jetzt auch jeweils einmal getroffen. Im Cup per direktem Freistoss (gegen Wettswil), in der Champions League mit einem Fernschuss (in Moskau) und nun wieder aus grosser Distanz: 27, 28 Meter dürften es gewesen sein, 92 Stundenkilometer hat das Schweizer Fernsehen gemessen bei Xhakas kraftvoller Massarbeit, die in diesem Spitzenspiel die Initialzündung für seine Mannschaft war. Über seine gesamte Karriere gesehen, war es erst das sechste Tor – und wenn Xhaka trifft, verliert der FCB nicht. Immerhin.

Die Bilanz des FC Basel, wenn Taulant Xhaka trifft.

Luca Zuffi  |  zentraler Mittelfeldspieler

Benötigte wie alle seiner Mitspieler eine gehörige Anlaufzeit, um Einstellung zu Gegner und Plastikrasen zu finden und eine merkwürdige Zaghaftigkeit abzulegen. Sobald der FCB konstruktiv zu spielen versuchte und Zuffi eingebunden war, hatte das Hand und Fuss. Sein Freistoss in der 47. Minute war die Vorarbeit zum Führungstreffer.

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Valentin Stocker  |  rechter Flügelstürmer

Die personifizierte Tragik dieser Partie aus Basler Perspektive. An der Stätte früherer Triumphe, die mit dem Namen Stocker verbunden sind, hatte er zwei Mal den Siegtreffer auf dem Fuss und bestätigte ein Urteil, dass er erst am Osterwochenende in einem Interview über sich selbst gefällt hatte: Dass er zu viele falsche Entscheidungen auf dem Platz treffe. Dazu zählt das selbstlos gemeinte Abspiel auf Ajeti in der 60. Minute – statt allein vor Wölfli den Ball einfach ins Tor zu schiessen. Bei der vergebenen Riesenchance in der 82. Minute verspringt Stocker der Ball, der dann an den Pfosten kullert und von YB-Captain von Bergen schliesslich von der Linie gekratzt werden kann. «Technischer Fehler bei der Ballannahme», lautet in diesem Fall die Selbstbeurteilung Stockers.

Mohamed Elyounoussi  |  linker Flügelspieler

Bekundete auch in der vierten Auseinandersetzung mit den Young Boys seine Mühe mit der Physis des Gegners, wenn es um die Ballbehauptung und den Kampf um die zweiten Bälle ging. War dann aber der Wegbereiter vor dem Ausgleich und beteiligt an weiteren vielversprechenden Angriffen wie vor dem Lattentreffer Ajetis. Dennoch wartet man noch immer auf die Rückkehr des Elyounoussi vor der Winterpause.

Albian Ajeti  |  Angriffsspitze

Lange hatte er nichts zu bestellen gegen die Berner Innenverteidigerwand, gestellt von Nuhu und von Bergen. Vor allem mit dem Rücken zum gegnerischen Tor wirkte Ajeti zu schmalbrüstig. Nach einer Stunde war dann auch Ajeti im Spiel, hatte er in der 66. Minute den ersten Abschluss und traf in der 73. Minute die Querlatte. Hat im Moment die besseren Karten als Ricky van Wolfswinkel, weil Trainer Raphael Wicky erkennt, «dass Albian seinen Körper gut einsetzt und viel Gewicht auf die Innenverteidiger bringt».


Dimitri Oberlin  |  Angriffsspitze

Wurde in der 75. Minute für den glücklosen Ajeti eingewechselt und benötigte keine Anlaufzeit, um von Bergen und Nuhu zu beschäftigen. Seine beste Aktion war der ideale Querpass auf Stocker für die Grosschance in der 82. Minute.

Kevin Bua  |  linker Flügelspieler

Teil 2 des Doppelwechsels in der 75. Minute. Kam für Elyounoussi, konnte sich jedoch nicht gross in Szene setzen.

Ricky van Wolfswinkel  |  Angriffsspitze

Der Mittelstürmer hat seinen Platz in der Hierarchie eingebüsst, musste auch im Spitzenkampf hinten anstehen und sich mal an der Seitenlinie warmmachen, wieder hinsetzen und erneut parat machen für einen Teileinsatz ab der 82. Minute, als Raphael Wicky alles auf eine Karte und vier Stürmer setzte. In Erscheinung trat Wolfswinkel allerdings nicht mehr.

Nicht eingesetzt beim FC Basel: Mirko Salvi (Tor), Raoul Petretta, Samuele Campo, Neftali Manzambi.

Konversation

  1. Ich muss dem Schreiber vehement widersprechen. Suchy war defensiv alles Andere als tadellos. Das 0:1 geht auf seine Kappe, er hat Hoarau zu decken, lässt es aber zu, dass dieser in seinem Rücken davonschleicht. Lang hat dies bemerkt und versucht noch, Suchys Fehler auszubügeln, kommt aber zu spät. Für einen Abwehrchef schiesst Suchy einfach zu viele Böcke.

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    1. Da will ich nach nochmaliger Betrachtung der TV-Bilder kein Veto einlegen. Da sieht Suchy nicht gut aus, und das «tadellos» ist nicht zu halten. Punktabzug – für Verteidiger und Schreiber.
      Nixfürungut

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  2. Stocker war heute gut. Laufwege, Laufarbeit und Einsatz stimmten – das letzte Quäntchen Glück und Selbstvertrauen fehlt ihm noch. NOCH. Hat er dies zurück, werden wir Fans viel viel Freude an ihm haben. Vale gib nit uff!!

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    1. Stocker kann sich glücklich schätzen, dass er einen Fan wie Sie hat, der ihn blind unterstützt, und einen Trainer, der ihn trotz bisher unsäglicher Leistungen und seit Jahren fehlender Spielpraxis immer wieder aufstellt.
      Mein Urteil über Stocker gestern: sehr schwach.
      Natürlich soll er nicht aufgeben und sich reintegrieren, aber bestimmt nicht in einem derart wichtigen Spiel wie gegen YB.
      Zudem hat mich sehr überrascht, wie locker er seine verpassten Chancen im Interview von SRF erklärte, als ob es sich um ein bedeutungsloses Freundschaftsspiel gehandelt hätte.

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    2. Wie viele Chancen hat sich Elyounoussi erarbeitet? Stocker hat sich wenigstens mit seinen klugen Laufwegen die Chancen erarbeitet. Von anderen Offensivkräften kam noch weniger als nichts. Aber es ist gerade medial chique, auf ihn herumzutrampeln. Endlich wieder ein Sündenbock!

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    3. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir keinen Trainer haben wie Sie (@Walter Meier). Wenn man nämlich nur ein wenig genauer hinschaut sieht man, dass Stocker in jedem Spiel eine bessere Bindung zu seinem Team bekommt. Er muss jetzt einfach spielen spielen spielen.
      Ich bin überzeugt dass er nächste Saison extrem wichtig wird für die Mannschaft.
      Und für mich hatte sein Auftreten (und das der ganzen Mannschaft) genau eben nicht die Art eines Freundschaftsspiels. Aber das ist ja alles subjektiv 🙂

      PS: ich frage mich wie Sie als Trainer fehlende Spielpraxis bei einem Spieler wett machen würden. Durch Training?

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  3. Ich gratuliere Marco Wölfli zu diesem Meistertitel (wenn ihn einer «verdient» hat, dann wirklich er).

    Für Stocker war diese Liga irgendwann mal «zu klein». Jetzt ist er zu klein für diese Liga (man erntet, was man sät).

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