Die brutale Landung nach dem Höhenflug

Fürchterlich zerzaust kehrt der FC Basel vom Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League zurück. Er kassierte beim 0:7 (0:3) die höchste Niederlage seiner Europacup-Geschichte. Mario Gomez traf viermal für die Bayern, daneben war Franck Ribéry der herausragende Spieler.

Bye Bye, Champions League. Heiko Vogel verabschiedet sich von den mitgereisten Fans, Yann Sommer kann schon wieder lächeln. (Bild: Reuters)

Fürchterlich zerzaust kehrt der FC Basel vom Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League zurück. Er kassierte beim 0:7 (0:3) die höchste Niederlage seiner Europacup-Geschichte. Mario Gomez traf viermal für die Bayern, daneben war Franck Ribéry der herausragende Spieler.

Der schöne Basler Traum vom Viertelfinal in der Champions League währte 42, vielleicht 44 Minuten lang. Solange, bis der FC Bayern München erst das 2:0 machte, ein Ergebnis, mit dem er bereits eine Runde weiter gewesen wäre, und dann das 3:0. Es war ein Treffer, der den Bayern leicht fiel, zu leicht aus Basler Optik und damit eine gewisse Symbolik besass für den gesamten Auftritt eines in allen Belangen enttäuschenden FC Basel.

Eine weite Freistoss-Hereingabe segelte in den Strafraum, der FCB verteidigte zaghaft, die Bayern stiessen kraftvoll nach, Holger Badstuber lenkte den Ball mit grossem Einsatz von der Grundlinie zur Mitte, wo Mario Gomez gar nicht anders konnte, als die Vorlage über die Linie zu drücken.

«Danach war Basel demoralisiert», stellte Bayern-Trainer Jupp Heynckes nüchtern fest. An eine Wende war schon zur Pause nicht mehr zu denken, dafür traten die Bayern – wie vollmundig angekündigt und auch beeindruckend eingelöst  – zu entschlossen auf. Aber dieses Basel war nach dem Seitenwechsel auch nicht in der Lage, sich dem Gegner geschickter, aggressiver entgegenzustellen, um eine debakulöse Niederlage zu verhindern und die bayrische Torflut einzudämmen. Dreimal dribbelte sich Franck Ribéry am hoffnungslos überforderten Markus Steinhöfer vorbei, dreimal fand er in der Mitte den unwiderstehlichen Gomez.

FCB nicht wiederzuerkennen

Am Ende einer grossartigen Champions-League-Kampagne machte der FC Basel Bekanntschaft mit der roten Furie, erlitt er eine Niederlage, die schmerzt, war er nicht der FCB, der Benfica getrotzt, der Manchester United sensationell aus dem Wettbewerb gekippt hatte, nicht der FCB, der die Bayern nach dem 1:0-Hinspielerfolg drei Wochen lange hatte zittern lassen – und die eigenen Anhänger ein bisschen träumen.

Heiko Vogels Mannschaft war gestern weitgehend nicht wiederzuerkennen, sie verlor die Orientierung und das wurde von den Bayern, explizit vom herausragenden Vorbereiter Ribéry und vom kaltblütigen Vollstrecker Gomez brutal ausgenutzt. Die Münchner feierten ihren höchsten Champions-League-Sieg, die Basler kassierten die höchste Niederlage ihrer Europacup-Historie, und sie schrammten haarscharf an der Rekordniederlage des Wettbewerbs vorbei, dem 0:8 von Besiktas in Liverpool.

Brillante Bayern

Dabei war der FCB vernünftig ins Spiel gekommen und unglücklich in Rückstand geraten. Ein abgefälschter Ball landete ideal im Lauf von Arjen Robben, der sich nicht zweimal bitten liess. Es war nach zehn Minuten jenes frühe Tor, dass sich die Bayern gewünscht und die Basler gefürchtet hatten. Der deutsche Rekordmeister, erst am Samstag 7:1-Sieger in der Bundesliga gegen Hoffenheim, machte es dann so, wie es der FCB in der heimischen Meisterschaft gerne macht: er legte sich seinen Gegner geduldig zurecht und demontierte ihn.

Die Bayern wurden von einem brillanten Toni Kroos dirigiert, Robben und Ribéry liessen die Basler Flügelspieler nicht zum Atmen kommen und zwischen ihnen lungerten der Fährtensucher Thomas Müller und der Goalgetter Gomez herum, der in den letzten 13 Champions-League-Spielen nun auf beachtliche 19 Treffer kommt. Mit Spielverlagerungen brachten die Münchner ihren Gegner immer wieder in Bedrängnis, und Heynckes lobte sein Team für die gute Raumaufteilung und dessen durchdachtes Spiel.

Vogel geht hart mit Team ins Gericht

Nachdem sie nach allen Regeln der höheren Fussballkunst auseinander genommen worden waren, fand FCB-Trainer Heiko Vogel: «Aus diesem Spiel können wir mehr mitnehmen als aus den vielen Siegen zuvor.» Er zeigte sich enttäuscht davon, dass seine Mannschaft nicht mehr dagegen gehalten, sich nicht gegen die Kanterniederlage gestemmt hatte, und er ging hart mit ihr ins Gericht: «Wir waren in allen Dingen unterlegen. Man kann technische und taktische Fehler machen, aber man kann auch kämpfen und Widerstand leisten. Dazu waren wir nicht in der Lage. Fussball lässt sich auch auf Eins-gegen-eins-Situationen reduzieren, und da darf man sich auch wehren.»

Vogel, der als Trainer des FCB in München erst seine zweite Niederlage einstecken musste, hatte dieses Team einigermassen überraschend aufgestellt. Er liess Benjamin Huggel draussen, der die Allianz Arena gruss- und wortlos verliess. Dafür spielte Cabral, der zuletzt keinerlei Spielpraxis sammeln konnte, der aber beim 3:3 in Manchester an der Seite von Granit Xhaka ein sehr gutes Spiel gemacht hatte. «Ich dachte, ein Wechsel könnte gut tun», erklärte Vogel seine Personalentscheidung. In der Phase, als der FCB in München zerbröselte, hätte ein Routinier wie Huggel wahrscheinlich gut getan.

Harakiri-Taktik nach der Pause

Den mutigen Auftritt, den sich Vogel versprochen hatte, konnte seine Mannschaft nicht einlösen. Und seine Direktive für die zweite Halbzeit erwies sich als Schuss, der nach hinten losging. «Wir haben versucht, nach der Pause Risiko zu gehen, indem wir die beiden Aussen Ribéry und Robben nicht mehr gedoppelt haben», schilderte Marco Streller die Marschroute beim Stand von 0:3, «dann ist es für jeden Aussenverteidiger der Welt fast unmöglich, diese beiden zu stoppen. Und dann sind wir verprügelt worden.» 

Die Harakiri-Taktik ging nicht auf, die Bayern setzten zum Schaulaufen ohne Gegenwehr an und wenn Heiko Vogel sagt, «es sind uns in vielerei Hinsicht Grenzen aufgezeigt worden», dann wird er in der Analyse auch seine Marschroute aufarbeiten. Dafür bat er um Zeit: «Es ist immer gut, so etwas mit  zeitlichem Abstand zu machen.»  

So schlecht wie der FC Basel am Dienstag erschien, ist er nicht. Dass er gegen die Bayern ausscheidet, liegt in der Natur der Kräfteverhältnisse. Aber es ist schade, dass er sich mit einem Ergebnis verabschiedet, das einer aussergewöhnlichen Kampagne mit vielen Ausrufezeichen nicht gerecht wird. «Die Mannschaft hat Grosses geleistet, und ich lasse es nicht zu, dass nun alles auf dieses Resultat reduziert wird» sagt Vogel .

«Die Bayern können sich ihren Traum erfüllen»

Die Bayern werden ihren Weg gehen, das lässt dieser Auftritt vermuten. «Fussball auf gutem Niveau», hat Präsident Uli Hoeness in ungewohnter Zurückhaltung gesehen, während die Fans ihr «who the f*** is barcelona» sangen. Der 19. Mai und der Champions-League-Final ist das eine grosse Ziel der Bayern, für Hoeness ist es sogar eine Art Lebenstraum, im eigenen Stadion um die europäische Fussballkrone zu spielen. «Mit dieser Brillanz braucht man keinen Gegner zu fürchten», sagte Vogel mit Hochachtung vor seinem ehemaligen Arbeitgeber, «ich glaube , die Bayern können sich ihren Traum erfüllen.»

Die Basler dagegen werden am spielfreien Wochenende ihre Münchner Wunde lecken, sich den Mund abwischen und am nächsten Mittwoch im Schweizer Cup weitermachen. «Verlieren gehört zum Geschäft», sagte Heiko Vogel bevor er den Gang zum Mitternachts-Bankett des Clubs mit seinen VIP-Fans antrat, «diese Niederlage zu verdauen – auch das werde ich hinkriegen.»

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Champions League, Achtelfinal, Rückspiel
Bayern München–FC Basel 7:0 (3:0)
Allianz Arena. – 66‘000 Zuschauer. – SR Clattenburg (England).
Tore: 10. Robben 1:0 (Linkschuss aus neun Metern auf abgefälschten Pass von Kroos), 42. Müller 2:0 (Direktabnahme auf Flanke Robben), 44. Gomez 3:0 (schiebt den Ball über Linie nach Kroos-Freistoss und Querpass Badstuber von der Grundlinie). 50. Gomez 4:0 (Direktabnahme auf Flanke Ribéry), 61. Gomez 5:0 (Kopfball völlig freistehend aus drei Metern, Flanke Ribéry), 67. Gomez 6:0 (Direktabnahme auf Rückpass von Ribéry), 81. Robben 7:0 (umkurvt Sommer auf Zuspiel Schweinsteiger).
FC Bayern: Neuer, Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba; Luiz Gustavo, Kroos; Robben (82. Tymoshchuk), Müller (70. Schweinsteiger), Ribéry (78. Pranjic); Gomez.
FC Basel: Sommer; Steinhöfer (70. P. Degen), Abraham, Dragovic, Park; Shaqiri (80. Zoua), Xhaka, Cabral, F. Frei (61. Stocker); A. Frei, Streller. Verwarnungen: 60. Streller (Foul), 73. Cabral (Foul), 79. Boateng (Hands).

 


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