Die Freuden der Fliehkraft im Stadion Schänzli

Die Mountainbike-Elite des BMC Racing Cups traf sich am Wochenende zum Saisonfinale. Die Cracks mussten sich ordentlich ins Zeug legen, damit ihnen die Akteure abseits der Rennpiste nicht den Rang abliefen.

Ralph Näf tankt Flüssigkeit auf dem Weg zum Sieg in der Kategorie Männer Elite (Bild: Hans-Jörg Walter)

Die Mountainbike-Elite des BMC Racing Cups traf sich am Wochenende zum Saisonfinale. Die Cracks mussten sich ordentlich ins Zeug legen, damit ihnen die Akteure abseits der Rennpiste nicht den Rang abliefen.

Staub wirbelt auf und wer nicht aufgepasst hat, kommt der Mountainbike-Action näher, als ihm lieb sein kann. Soeben rauschte das Feld der Männer Elite durchs Schänzlistadion, Dreck spritzt von aufgeweichten Boden über die Bande, «Näf in Führung», lässt der Stadionspeaker wissen.

Den Zuschauern im Schänzli blieb nicht viel Zeit, um ihre Stars anzufeuern. Kaum waren die Fahrer ins Stadion eingebogen, schon waren sie wieder weg. Das Mountainbike Rennen in Basel ist bekannt für seinen relativ flachen Parcours, entsprechend höher als sonst ist hier die Rennpace.

Lokalmatadorin erfolgreich

Katrin Leumann kann das bestätigen. Die Lokalmatadorin und mehrfache Schweizermeisterin aus Riehen zählt zu den leichten Athletinnen im Feld, «in den flachen Passagen bringe ich einfach nicht genug Schwung in die Pedale» sagte sie vor dem Start skeptisch. Im Rennen war von einem allfälligen Defizit allerdings nicht viel zu sehen. Hinter der Dominatorin des Weltcups, Jolanda Neff, sicherte sich Leumann in einem Herzschlagfinale auf der Zielgeraden den dritten Rang.

Im Rahmen des Bikefestivals Basel wird im und ums Schänzli-Stadion traditionell das siebte und letzte Rennen der Mountainbike Rennserie BMC Racing Cup ausgetragen. Damit geniesst Basel unter den Mountainbike-Profis einen besonderen Stellenwert, auch wenn Cup-Organisator Andreas Seeli in diesem Jahr auf seine zwei stärksten Zugpferde verzichten muss. Der Schweizer Superstar Nino Schurter und der aktuell Führende des Weltcup-Rankings, Julien Absalon, blieben dem Event in Basel fern.

Grenzen der Physik, Grenzen der Vernunft

Die Organisatoren setzten alles daran, den Ausfall der beiden Superstars wettzumachen. Neben der Rennstrecke warben zahlreiche Events um die Gunst der Zuschauer, die zuweilen nicht wussten, worauf ihre Aufmerksamkeit mit grösstem Erlebnis-Ertrag zu richten sei.

Ganz weit vorne im Attraktions-Ranking rangierten die coolen Jungs auf der Dirt-Jump Schanze. Was sie in den Sekundenbruchteilen zwischen Absprung und Landung vollführten, liess die Zuschauer an den Gesetzen der Physik und vor allem an den Grenzen der Vernunft zweifeln. Aber dem Publikum gefiels: Die Superman Posen in fünf Metern Höhe und wahnwitzige Backflips ernteten stattlichen Applaus.

Wer angesichts des sprunghaften Übermuts von leichtem Schwindel ergriffen wurde, war mit einem Besuch der Radball Arena gut beraten. Ein Ball und zwei Tore: Vieles erinnerte hier an die Ausgangslage eines Fussballspiels. Es wurde gedribbelt und geschossen, taktiert und getackelt. Die Spieler sassen dabei allerdings auf Rädern und vollführten ihre Spielzüge mit derartigem Geschick, dass der Laie Grundannahmen seiner eigenen Fahrraderfahrung entkräftet sah. Absteigen bei völligem Stillstand? Das muss nicht sein.

Mitmachen und abfliegen

Um dem Event-Charakter eines Festivals gerecht zu werden, durften Mitmachangebote nicht fehlen. Die fand man in Form eines Mini-Dromes und einer Art Miniatur-Buckelpiste, von Profis auch Pump Track genannt. Beide Parcours funktionieren nach dem selben Prinzip: Antrieb durch Fliehkraft.

In den Steilkurven der Anlagen tankte man genügend Schwung, den man mit etwas Geschick in einen beachtlichen Speed umwandeln konnte. Zu viel Speed für einige Unvorsichtige, die sich vom Unterhaltungsfaktor dieser kleinen Parcours blenden liessen: Vorzeitige Abflieger aus den Steilkurven waren in den Wettkämpfen keine Seltenheit.

Titelsponsor mit Vollerfolg

Die aufgeregte Stimme des Stadionspeakers lotste das Publikum rechtzeitig zurück zum eigentlichen Brennpunkt des Geschehens: Die Zielankunft der Männer Elite. Team BMC hatte sich bald nach dem Start vom Feld absetzen können und feierte einen Vollerfolg. Ralph Näf, Lukas Flückiger und Moritz Milatz erreichten das Ziel gut zwei Minuten vor der Konkurrenz. Mit Moritz Milatz durfte Team BMC ausserdem den Gesamtsieger der Rennserie feiern, die Jahreswertung in der Kategorie «Team» des BMC Racing Cups gewann Team BMC.

Trotz der deutlichen Überlegenheit des Titelsponsors der Rennserie wollte Organisator Andreas Seeli von Einseitigkeit nichts wissen. «Für Zuschauer vor Ort sind die Mountainbikerennen viel attraktiver als beispielsweise die Tour de Suisse», sagt er. Die Profis rauschen immerhin mehrmals durchs Stadion und nicht nur einmal, wie das bei den Strassenrennen üblich sei.

Die Stimmung an der Rennstrecke und am Rande aller weiteren Attraktionen des Bikefestivals gaben Seeli allerdings recht: Radsportfans kam an diesem Wochenende im Stadion Schänzli voll auf ihre Kosten.

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