Die grossen Gefühle bleiben aus

Viele Basler haben sich die schönsten Bilder ausgemalt für den Tag, an dem Valentin Stocker in den St.-Jakob-Park zurückkehrt. Die 0:1-Niederlage des FC Basel gegen den FC Lugano entspricht diesen Erwartungen nicht. Einzelkritik nach der vierten Niederlage in der Meisterschaft.

Enttäuschung nach 94 Minuten Rückkehr: Valentin Stocker nach der Niederlage gegen den FC Lugano.

Tomas Vaclik  |  Torhüter

Beim ersten Schuss auf sein Tor blieb der Tscheche ohne Abwehrchance. Alexander Gerndts Freistoss aus rund 22 Metern war derart präzis und scharf getreten, dass der 17. Gegentreffer in der Liga nicht zu verhindern war. Vaclik hatte seine beste Szene gegen den gleichen Tessiner, als er in der 51. Minute mit den Fingerspitzen Gerndts Versuch neben das Tor lenkte.

Michael Lang  |  rechter Aussenverteidiger

Machte zuletzt als hochdekorierter Mann im Anzug von sich reden. Anders als bei der Schweizer Preisverleihung zum besten Fussballer des Jahres 2017 machte Lang in der Reprise gegen Lugano kaum von sich reden. Mehr als eine überschaubare Anzahl Flanken, die vor dem Tessiner Tor kaum für Gefahr sorgten, war nicht.

Ein geknickter Michael Lang (links) nach der Niederlage gegen Lugano.

Marek Suchy  |  rechter Innenverteidiger

Bildete zusammen mit Eder Balanta das Abwehrzentrum und war der schwächere Teil des Duos. Hatte vor allem mit Alexander Gerndt Mühe, leistete sich den einen oder anderen Fehlpass und sah die gelbe Karte, weil er in der Nachspielzeit einen Tessiner zurückgehalten hatte. Kein Einstand nach Mass für den Captain.

Eder Balanta  |  linker Innenverteidiger

Weil er sich im Test gegen Winterthur die Hand gebrochen hatte, spielte der Kolumbianer mit geschienter Hand. Und mit dieser leitete er die Tessiner Führung ein. Gerndt verwandelte den durch Balantas Handspiel verursachten Freistoss direkt. Ansonsten überzeugte der Abwehrspieler mit vielen gewonnenen Zweikämpfen und unzähligen Ballkontakten – und erstaunte mit zwei Fehlpässen der Marke «verstolpert».

Raoul Petretta  |  linker Aussenverteidiger

Spielte einen unauffälligen Part auf der linken Abwehrseite. Wenige Wackler gegen den Ball, kaum gefährlich in der Vorwärtsbewegung.

Fabian Frei  |  zentrales defensives Mittelfeld

Spielte nach 982 Tagen Abwesenheit seine 261. Partie für den FC Basel. Hielt sich im zentralen Mittelfeld an Taulant Xhakas Seite mit grossen fussballerischen Gesten zurück, kam in der 60. Minute aber immerhin zu einem Abschluss. Sein Versuch aus der Distanz flog deutlich neben das Tor, und neun Minuten später war seine Rückkehr in den St.-Jakob-Park zu Ende. Frei wurde für Samuele Campo ausgewechselt.

Knapp 70 Minuten gespielt bei seiner Rückkehr in den St.-Jakob-Park: Fabian Frei, wieder in Basler Diensten.

Taulant Xhaka  |  zentrales defensives Mittelfeld

War einziges Überbleibsel des zentralen Duos Xhaka/Zuffi, auch weil Letzterer verletzt passen musste. Versuchte sich in der 36. Minute mit einer Direktabnahme, die Fulvio Sulmoni mit dem Kopf über das Tor lenkte, und zementierte seinen Status als meistverwarnter Basler mit einem harten Foul, für das er die siebte gelbe Karte sah.

Valentin Stocker  |  rechter Flügelstürmer

Seine Ankunft hatte in der Region Basel alle möglichen Regungen zur Folge. Grossmehrheitlich positive, denn Valentin Stocker ist der Rückkehrer schlechthin, ein Mann, der Träume und Schwärmereien auslöst. Aber die ganz grossen Gefühle blieben beim ersten Auftritt nach zweieinhalb Jahren aus, von Stocker war nach der Auftaktniederlage kaum mehr die Rede. Zu harmlos seine erste Flanke nach einer Viertelstunde, kaum gefährlicher seine zweite nach 22 Minuten. Gut, da war die gelbe Karte gegen Steve Rouiller für ein Foul an der geliebten Nummer 14 und ein Schuss auf das Tor Davide da Costas. Aber die Massen vermochte Stocker damit noch nicht aus der Reserve zu locken. Zumal er im Privatduell gegen Domen Crnigoj immer mal wieder den Kürzeren zog. Seine Zeit wird kommen, vorerst muss der Anhang aber auf die grossen Momente warten.

Mohamed Elyounoussi  |  zentrales offensives Mittelfeld

Tragischer Held dieser Reprise: Der Spielmacher hatte kaum entscheidenden Einfluss auf die Partie, schoss nach zehn Minuten einen Freistoss in die Hände da Costas und in der 68. Minute am Tor vorbei. Vor allem aber verschoss er in der 26. Minute den Elfmeter, der den Ausgleich hätte bringen sollen. Elyounoussi war als Schütze vorgesehen gewesen, der Grund dafür war zumindest nicht seine Statistik vom Punkt: Der Norweger hat in seiner Karriere sechs Elfmeter geschossen, drei davon hat er nicht verwandelt. Elyounoussi wurde, wenngleich nicht deswegen, in der 72. Minute für Ricky van Wolfswinkel ausgewechselt.

Kevin Bua  |  linker Flügelstürmer

Stand erstmals seit Mitte November wieder in der Startaufstellung. 58 Minuten durfte er gegen Lugano ran, bis er für Dimitri Oberlin ausgewechselt wurde. In der knappen Stunde notierten wir für den Romand einen Freistoss in die Mauer und einen herausgeholten Elfmeter.

Viel Arbeit, wenig Ertrag: Albian Ajeti (links) gegen Luganos Fabio Daprela.

Albian Ajeti  |  Mittelstürmer

Leistete viel Arbeit, die er nicht in Zählbares ummünzen konnte. Setzte wie so oft beeindruckend seinen Körper ein, des Öfteren wussten sich die Tessiner nur mit Fouls zu helfen.


Dimitri Oberlin  |  hängende Spitze, später zentrales Mittelfeld

Kam in der 58. Minute für Kevin Bua, setzte mehrmals zu einem Geschwindigkeitsrush an, kam dabei aber in keine günstige Position. Seine beste Chance hatte er in der Nachspielzeit, seinen Schuss parierte Rouiller aber mit dem Kopf auf der Linie.

Samuele Campo  |  zentrales Mittelfeld

Wurde in der 69. Minute für Frei eingewechselt und lupfte Sekunden später bei seiner ersten Ballberührung einen Freistoss hoch und gefühlvoll in den Starfraum. Gefahr entstand dabei ebenso keine wie bei den weiteren Aktionen des Rückkehrers aus Lausanne.

Ricky van Wolfswinkel  |  Angriffsspitze

Kam ab der 72. Minute zu seinem zweiten Einsatz seit seiner Verletzung. Bildete zusammen mit Ajeti fortan eine Doppelspitze und kam in der 85. und der 88. Minute zu zwei Abschlüssen. Den ersten Versuch blockte die Tessiner Abwehr, der zweite flog in da Costas Arme.

Nicht eingesetzt beim FC Basel:  Mirko Salvi (Ersatztorhüter), Léo Lacroix, Blas Riveros, Geoffroy Serey Dié.

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