Die Liga schaut dem neuen FCB-Eigentümer auf die Finger

Eine abermaliges Lizenzierungsverfahren ist bei einem Wechsel der Club-Aktien obligatorisch. Hinzu kommt neuerdings eine Integritätsprüfung für Clubeigentümer. Wie genau die Swiss Football League bei Bernhard Burgener hinschaut, ist nicht klar.

Der designierte neue FC Basel Praesident Bernhard Burgener .an der Generalversammlung des FC Basel 1893 im St. Jakob-Park in Basel am Freitag, 9. Juni 2017. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Eine abermaliges Lizenzierungsverfahren ist bei einem Wechsel der Club-Aktien obligatorisch. Hinzu kommt neuerdings eine Integritätsprüfung für Clubeigentümer. Wie genau die Swiss Football League bei Bernhard Burgener hinschaut, ist nicht klar.

Am Montag werden Generalversammlungen der FC Basel Holding AG und der FC Basel 1893 AG der letzte Akt sein bei der Übergabe der alten FCB-Führung um Bernhard Heusler an die neue um Bernhard Burgener. Der Medienunternehmer wird dann offiziell der Eigentümer der Aktienmehrheit von 90,4 Prozent in der Holding AG sein, die er zu unbekanntem Preis von den fünf alten Verwaltungsräten übernimmt. Ein Deal, den er mit eigenem Geld und Fremdkapital finanziert, wie Burgener am vergangenen Freitag vor den Mitgliedern bei der 123. Generalversammlung des FC Basel präzisierte.

Dass nicht alles nach den Wunschvorstellungen Burgeners sowie der abtretenden Clubspitze verlief, dass der als von Burgener ins Spiel gebrachte Jean-Paul Brigger durchfiel bei der Wahl in den Vorstand des Vereins, ist die eine Seite. Die Ablehnung Briggers muss Burgener als Misstrauensvotum der Mitglieder begreifen, andererseits machten diese Mitglieder aber auch den Weg frei in den AG-Verwaltungsrat für den Walliser, der noch in Diensten der Fifa steht.

» Unsere Berichterstattung zur Generalversammlung:
Erste Schlappe für Burgener
  |  Was der neue Eigentümer des FCB dazu sagt

Damit kann Burgener an diesem Montag die Verwaltungsratsgremien in Holding und Profibetriebs AG nach seinen Vorstellungen besetzen. Mit Brigger als Delegiertem des Verwaltungsrates der FC Basel 1893 AG und damit als eine Art CEO für das operative Geschäft.

Erneutes Lizenzierungsverfahren für den FC Basel

Parallel dazu läuft eine Neubetrachtung der Lizenz für den FC Basel durch die Swiss Football League. Das ist bei einem Wechsel der Eigentumsverhältnisse bei einem SFL-Club inzwischen Usus. Am 1. Mai hatte die SFL im ordentlichen Lizenzierungsverfahren dem FC Basel die «Lizenz I» erteilt, die auch erforderlich ist zur Teilnahme an den europäischen Wettbewerben. Das war in den zurückliegenden Jahren mit der wirtschaftlichen Prosperität des FCB auch nie eine Frage.

» Die Mitteilungen der SFL zur Lizenzvergabe fürdie Saison 2017/18

Nun läuft bei der SL bereits ein sogenanntes kleines Lizenzierungsverfahren, in dem die Budgetplanung der neuen Clubführung angeschaut wird. Wie es bei der SFL heisst, ist der FC Basel hinsichtlich des Eigentümerwechsels frühzeitig auf die Liga respektive die Lizenzkommission zugekommen. «Das ist alles sehr transparent abgelaufen. Die SFL wurde nicht vor vollendete Tatsachen gestellt», sagt Ligasprecher Philippe Guggisberg gegenüber der TagesWoche.



Bernhard Burgener, links, und Bernhard Heusler, rechts, .an der Generalversammlung des FC Basel 1893 im St. Jakob-Park in Basel am Freitag, 9. Juni 2017. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Stabübergabe mit Blumenstrauss: FCB-Präsident Bernhard Heusler (rechts) am Freitag mit seinem Nachfolger Bernhard Burgener. (Bild: Keystone/WALTER BIERI)

Das nimmt auch nicht weiter wunder, wurde der Umbruch beim FC Basel ja auch lang und breit in den Medien öffentlich begleitet und sitzt mit Bernhard Heusler seit langer Zeit der bis anhin wichtigste Mann beim FCB im Komitee der SFL und geniesst dort höchstes Ansehen.

SFL beauftragt global tätige Due-Diligence-Firma

Was nun eigentlich noch hinzukommt, ist ein Integritätscheck für den neuen Clubeigentümer. Als Exempel dient der Pleitier Bulat Tschagajew aus Tschetschenien, der als Hauptaktionär Xamax Neuenburg ins Verderben geführt hat. Aufgrund dieser und anderen schlechten Erfahrungen haben die Clubs der SFL vor ziemlich genau einem Jahr beschlossen, im Bewilligungsverfahren neue Eigentümer auf ihre Integrität hin zu überprüfen. Das soll sich nicht auf rein finanzielle Aspekte beschränken.

» Die Mitteilung der SFL zur Integritätsprüfung neuer Clubeigentümer

Weil die eigenen Recherchemöglichkeiten insbesondere bei ausländischen Investoren für die Lizenzkommission beschränkt sein können, gab die Liga im September vorigen Jahres bekannt, dass sie ein auf Due-Diligence-Prüfungen spezialisiertes, weltweit operierendes Unternehmen mit der Risikoüberprüfung beauftragt: die Firma «Dow Jones», auch bekannt als Herausgeberin des «Wall Street Journal» und zum Konzern des Rupert Murdoch gehörend.

Es geht auch um Gleichbehandlung

Wie genau nun bei Bernhard Burgener hingeschaut wird, ist nicht ganz klar. Claudius Schäfer, der CEO der SFL, erhofft sich, wie er im September sagte, «insbesondere bei ausländischen Personen verwertbare Informationen zur Integrität zu erhalten, welche die Lizenzbehörden vor einem Entscheid ein gesamtheitliches Bild ermöglichen».

Bei Bernhard Burgener, einem ein paar Torwartabschläge vom Stadion aufgewachsenen Basler, scheint das überflüssig, doch verspricht sich die Liga vom Dow-Jones-Check grundsätzlich auch «ausführliche Berichte» über Verbindungen in die Wirtschafts- und Sportwelt. Und die hat (oder hatte) Burgener nicht zuletzt mit der Firma «Team», die vor allem die Champions League für die Uefa vermarktet.

Einerseits heisst es nun bei der SFL, dass es nicht zu einer vertieften Überprüfung durch das externe Unternehmen kommen wird und es ein eher unkompliziertes Einverständnis zur Übergabe gibt. Andererseits hat Marc Juillerat, Lizenzmanager der SFL und stellvertretender CEO, unlängst gegenüber der TagesWoche zu verstehen gegeben, das es auch um eine Gleichbehandlung bei einem Eigentümerwechsel gehe.

Oberflächliche oder vertiefte Prüfung?

«Das hat nichts mit einem Verdacht oder Misstrauen zu tun, der Integritätscheck ist eines unserer Instrumente und ergänzt die Informationen in einem Lizenzierungsverfahren», so Juillerat. So könnte es sein, dass es die SFL mit einer Basisprüfung bewenden lässt, die oberflächlicher (und günstiger) ist als eine vertiefte Anfrage. Das Ergebnis würde dann vom Lizenzmanager der Kommission zur Verfügung gestellt, um das kleine, nachträgliche Lizenzverfahren für den FC Basel und seinen neuen Eigentümer abzuschliessen.



Bernhard Burgener spricht .an der Generalversammlung des FC Basel 1893 im St.Jakob-Park in Basel am Freitag, 9. Juni 2017. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Bernhard Burgener spricht zu den Mitgliedern an der  Generalversammlung des FC Basel am Freitag im   St.-Jakob-Park. (Bild: Keystone/WALTER BIERI)

Konversation

  1. Lassen wir die neue Crew erst einmal arbeiten und machen dann uns ein Bild davon.

    Mit Vorverurteilungen kommen wir nirgends hin.

    Aber es ist halt schon viel einfacher, jemanden aus vornerein abzulehnen.
    Im Unterschied zu GC 2004 ist Brigger beim FCB CEO und nicht Sportchef.

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  2. Wer wissen will wer beim FCB das wirkliche Sagen haben wird, muss wissen wer welche Gelder im Burgener-Reich investiert hat. Also an die Arbeit TAWO!

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  3. Burgener macht Millionen mit der dubiosen UEFA und dann noch Brigger, Profiteur in der verbrecherischen Organisation FIFA und Freund von Blatter.

    Eine unheimliche Verbindung. FIFA/UEFA-Machenschaften treten in den FCB ein. Ich habe ein schlechtes Gefühl.

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