Die Macht hinter Roger Federer

Wie stark die 36-jährige Ehegattin Mirka die Dinge lenkt im Hause Federer, ist ein unerschöpflicher Quell für Klatsch und Tratsch auf dem Gerüchtebasar des Tennis-Wanderzirkus.

Switzerland's Roger Federer, left, and his wife Mirka follow the Men's first round singles match between Switzerland's Stanislas Wawrinka and Britain's Andy Murray at Wimbledon in London, Great Britain, at the London 2012 Olympic Summer Games, pictured on Sunday, July 29, 2012. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott) (Bild: Keystone/JEAN-CHRISTOPHE BOTT)

Wie stark die 36-jährige Ehegattin Mirka die Dinge lenkt im Hause Federer, ist ein unerschöpflicher Quell für Klatsch und Tratsch auf dem Gerüchtebasar des Tennis-Wanderzirkus.

Es war zu Beginn der WM-Woche von London, als Roger Federer in einem dieser knallbunten Centre Court-Blitzinterviews unvermittelt gefragt wurde, ob seine Frau denn der Boss in der Familie sei. Das Publikum lachte auf, Federer grinste und dann antwortete er: «Ein bisschen schon.» Darauf folgte noch einmal kollektives Lachen der 17’000 Fans in der O2-Arena.

Ob die 36-jährige Mutter von Doppel-Zwillingen nun ein bisschen oder doch ein bisschen mehr die Dinge lenkt im Hause Federer, ist ein ewiger Quell für Klatsch und Tratsch auf dem Gerüchtebasar des Tennis-Wanderzirkus. Fest steht jedenfalls, dass die ehemalige Profispielerin alles andere als der Prototyp der belanglosen Spielerfrau und ein Anhängsel ihres prominenten Gatten ist. Mirka Federer ist die eigentliche Macht hinter dem Maestro, die bestimmende Kraft in vielen geschäftlichen und personellen Angelegenheiten der Firma RF. Und auch dies stimmt: Wer sich Zugang zu und Sympathie von Federer erhofft, braucht (fast immer) auch das Wohlwollen seiner Lebensgefährtin.

Unpassende Zwischerufe

Dass sie nun ausgerechnet vor dem grössten Wochenende, das die Tennisnation Schweiz mit der Teilnahme am Davis Cup-Finale in Frankreich erlebt, in den Mittelpunkt von Zeitungsberichten und Fernsehstories geraten ist, dürfte die eigentliche Überraschung der Affäre um laute, unpassende Zwischenrufe im WM-Halbfinalduell zwischen ihrem Mann und dessen Rivalen Stan Wawrinka sein.

Angeblich soll die Mittdreissigerin zum Ende des dritten Satzes «cry-baby» (Heulsuse) in Wawrinkas Richtung gerufen haben, nachdem der sich über eine Kaskade von Zwischenrufen auch bei Aufschlagreturns beschwert hatte. Auf einem TV-Clip ist eine weibliche Stimme entsprechend zu hören, und auch Wawrinkas konsternierte Reaktion darauf: «Was hat Sie da gesagt?» Dass es Federers Frau war, ist möglich, aber keinesfalls bestätigt.


Quand Mirka Federer clash Stan Wawrinka en… von POPnSPORT

Eigentlich hält sich die Mama von Zwillingstöchtern und Zwillingssöhnen im öffentlichen Raum mehr als diskret zurück. Seit Federer und sie zusammen sind, gab es nur ein einziges persönliches Interview der Lebensgefährtin und späteren Frau des Superstars. Hartnäckig schmetterten beide Eheleute, die sich 2000 bei den Olympischen Spielen in Sydney kennengelernt hatten, alle weiteren Gesprächsanfragen ab, auch solche, die ein gemeinsames Interview betrafen. Auch deshalb nannten sie manche schon «Madame No».

«Grösste Tennis-Hoffnung»

Federer hatte seiner Freundin in den letzten Jahren ihrer schwierigen Tenniskarriere eisern zur Seite gestanden, besonders in der Zeit nach der Jahrtausendwende, als immer neue Fussbeschwerden für längere Zwangspausen und grosse Unsicherheiten sorgten. Als sie 2002 zusammen beim Hopman Cup für die Schweiz spielten, war das einer der letzten halbwegs unbeschwerten, heiteren und gemeinsamen Momente auf dem Tenniscourt. Bald darauf in jener Saison musste Miroslava Vavrinec, so ihr Geburtsname, die eigenen Ambitionen und die eigene Karriere beenden, ihr höchste Dotierung in der Weltrangliste war Platz 76. 1993 hatte die «Schweizer Illustrierte» sie einmal als «grösste Tennis-Hoffnung» bezeichnet.

PER14 - 20020101 - PERTH, AUSTRALIA : A dejected Miroslava Vavrinec of Switzerland looks at her racket strings during her match against Arantxa Sanchez-Vicarion of Spain, in the Hopman Cup mixed teams' tennis event at the Burswood Dome in Perth, 01 January 2002. Sanchez-Vicarion won in straight sets 6-2, 6-0. EPA PHOTO AFPI/GREG WOOD

Miroslava Vavrinec im Jahr 2002, kurz bevor sie ihre Karriere wegen einer Fussverletzung beenden musste. (Bild: Keystone/Greg Wood)


Fortan wurde die mit zwei Jahren als Kleinkind in die Schweiz gekommene Mirka die Regisseurin der Karriere von Freund Roger. Alles, was von Bedeutung und Belang war, ging über ihren Schreibtisch. Und auch wenn die Entourage im Unternehmen Federer wuchs, neue Bedienstete hinzukamen, hielt letztlich Mirka die Fäden in der Hand – auch in der Arbeit mit dem Vermarktungsgiganten IMG und dessen Repräsentanten Tony Godsick. Viele Aufgaben im stressreichen Alltag bewältigte die zupackende Gattin einfach noch mit: die Reiseorganisation, Kontakte zu Sponsoren, die Koordination von Terminen, auch die Abschirmung des familiären Privatlebens.

«Zuerst kommt das Tennis, dann kommt er, erst dann komme ich irgendwann.»

Mirka Federer

Und ganz nebenbei besuchte die Ex-Spielerin auch noch das Gros der 1221 Matches, die der vom Star zum Superstar zum Tennis-Maestro gewordene Ehemann bisher auf allen Kontinenten bestritt. Zwar nicht immer mit dem gleichen Interesse und der gleichen Intensität wie etwa in London, aber eben doch mit zuverlässiger Präsenz. «Es ist ganz wichtig, dass Mirka in der Spielerbox sitzt», sagte Federer dazu, «das gibt immer Kraft und Rückhalt.» Ohnehin, sagt Federer, müsse er sich bei seiner Frau «tausendmal bedanken»: «Denn ohne sie und ihre Unterstützung wäre ich sicher längst nicht mehr auf der Tour unterwegs.» Das galt umso mehr, als die Familie zuletzt noch einmal Zwillingszuwachs bekam.

In dem einen kurzen Interview gibt es eine Passage, in der sie ihre Rolle und ihren Platz so beschreibt: «Zuerst kommt das Tennis, dann kommt er, erst dann komme ich irgendwann.» Federer sagte kürzlich, in dem Moment, in dem seine Karriere beendet sei, werde sich «alles umdrehen»: «Dann werde ich ihr vieles abnehmen. Und darauf freue ich mich schon.»

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