Die Primera Division treibt die Kommerzialisierung voran und überholt schon mal die Bundesliga

Der Chef der Primera Division poliert seine Liga auf Hochglanz. Ein neuer TV-Deal spült noch mehr Millionen in die Kassen der Vereine. Die Bundesliga ist mit den Einnahmen schon mal abgehängt.

MADRID, SPAIN - FEBRUARY 15: A Mediapro television cameraman films the La Liga match between Real Madrid CF and RC Deportivo La Coruna at Estadio Santiago Bernabeu on February 15, 2015 in Madrid, Spain. La Liga clubs are threatening to go on strike if the government doesn't introduce legislation to allow collective sharing of TV rights. (Photo by Denis Doyle/Getty Images)

(Bild: Denis Doyle/Getty Images)

Der Chef der Primera Division poliert seine Liga auf Hochglanz. Ein neuer TV-Deal spült noch mehr Millionen in die Kassen der Vereine. Die Bundesliga ist mit den Einnahmen schon mal abgehängt.

58 Jahre war lang Manel Vich die Stimme des Camp Nou. Im Derby gegen den Lokalrivalen Espanyol musste der FC Barcelona jetzt erstmals auf die Durchsagen des Mannes verzichten, der es wegen seines reduzierten Stils zu Berühmtheit brachte. Aber nicht nur deshalb.

Vich liess es sich selbst während der Franco-Diktatur nicht nehmen, auf katalanisch zu moderieren, obwohl die öffentliche Verwendung der Sprache damals strafrechtlich verboten war. Vich starb vor knapp zwei Wochen. Zu seinen Ehren wurden die Lautsprecher nur einmal aufgedreht: als seine traditionelle Begrüssung ab Band eingespielt wurde.

Für immer verstummt: Manel Vich – der legendäre Stadionsprecher des FC Barcelona – ist gestorben.

Für immer verstummt: Manel Vich – der legendäre Stadionsprecher des FC Barcelona – ist gestorben. (Bild: FC Barcelona)

Den Rest wie Aufstellungen und Auswechslungen erfuhren die Zuschauer notfalls aus ihren Radios, sowieso ein unabdingbares Utensil des vorletzten Spieltages. In drei Stadien wurde parallel der Meisterkampf ausgetragen, und nach wochenlangem Gleichschritt der drei spanischen Topteams fiel zumindest eine erste Entscheidung.

«In einigen Jahren werden wir ökonomisch so stark wie die Premier League oder noch stärker als sie sein», verkündete Tebas sogar. Das erscheint zwar schwer vorstellbar, wo in England dank neuer Rekordverträge ab nächster Saison selbst der Tabellenletzte noch über 100 Millionen Euro aus dem TV-Pool erhält.

Die deutsche Bundesliga aber (kommende Saison: 844 Millionen Euro insgesamt) ist fürs Erste deutlich abgehängt. Dafür werden die Fans in Spanien auch weiterhin mit einer maximalen Zersplitterung des Spieltags mit bis zu zehn verschiedenen Anstosszeiten leben müssen. Doch gemäss Tebas gibt es keine Alternative zu seiner rücksichtslosen Kommerzialisierungsstrategie: «Sonst wird die Premier League zur NBA des Fussballs.» Sprich: zum alleinigen Mass der Dinge.

Eine Alternative zur rücksichtslosen Kommerzialisierung sieht der Liga-Chef nicht.

Der seit 2013 amtierende Funktionär, ein Mann mit problematischen Ansichten («Manchmal fehlt mir eine spanische Le Pen»), kann sich zugute halten, dem sportlichen Niveau des spanischen Fussballs erstmals ansatzweise ein kompetentes Management zur Seite gestellt zu haben. Er verpflichtete etwa die zwischenzeitlich mit bis zu fünf Milliarden Euro verschuldeten Vereine zu Steuerabkommen und Gehaltsobergrenzen. «In zwei Jahren wird der spanische Fussball zu 90 Prozent saniert sein», verspricht Tebas. Den Weg vom Schmuddel- zum Hochglanzprodukt verfolgt er auch auf anderem Folkloregebiet. Weniger als früher ist im Endspurt von Spielabsprachen die Rede.

Dennoch wird es diese Woche auch um die berühmten «maletines» gehen, die Geldkoffer. Beispielsweise könnte Real einen «maletin» nach Granada schicken, das Barça am letzten Spieltag ein Remis abringen müsste, um die Hauptstädter (bei Deportivo La Coruña) ihren Rückstand von einem Punkt aufholen zu lassen. Real gegen Barça, das Titanenduell zum Saisonabschluss – besser geht es nicht, und politisch ist das Ganze auch schon wieder, nachdem die Medienabteilung der Madrilenen nach dem Valencia-Spiel ihrem Ersatztorwart Kiko Casilla untersagte, eine Reporterfrage auf katalanisch zu beantworten. Illegal ist die Sprache zwar seit fast 40 Jahren nicht mehr. Zumindest im Tempel des Madridismus aber immer noch verpönt.

Konversation

  1. Gut, dass die Katalanen in Madrid nicht gerne gesehen sind streitet keiner ab. Das Casilla nicht auf katalanisch antworten durfte, entspricht nicht der Wahrheit liebe TaWo. Er wurde lediglich darauf hingewiesen, dass er zuerst die „spanische“ Presse zu bedienen hätte auf spanisch bevor er katalanisch mit der katalanischen Presse spricht. So sei das Vorgehen in der Medienzone von Real Madrid. Klar, die Geschichte mit dem Verbot verkauft sich besser und für die Idiologen des Katalanissmus ist das ein Grund mehr welcher die Verfeindung gegen die Hauptstadt Spaniens rechtfertigt, weil man nicht ganz verstehen kann oder will dass es sich in einem Land mit verschiedenen sprachlichen Kulturen sehr gut miteinander Leben lässt. Das gillt natürlich für beide Seiten.

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    1. Lieber Herr Brandenberger, ich hab mit dem Autor Rücksprache genommen. Er verweist auf dieses Video mit der Szene aus der Mixed Zone. Das Video stammt von der Homepage der ABC, «welche die konservativste, zentralistischste Tageszeitung Spaniens ist, also gewiss nicht unter Verdacht steht, mit den Katalanen zu sympathisieren», wie Florian Haupt sagt. Hier der Link zum Video:

      http://www.abc.es/deportes/futbol/abci-kiko-casilla-dejan-contestar-4885322186001-20160509020522_video.html

      Falls man das Video nicht gut versteht: Casilla fragt den Pressesprecher: „Catalán?“ – Der antwortet: „No, no, español.“

      Florian Haupt schreibt in seiner Antwort weiter:

      «Wahr ist, dass inzwischen (nach Verfassen des Textes) Casilla den Vorfall so erklärt hat, wie der Leser es beschreibt. Also dass es die Richtlinie gebe, zunächst die Medien auf Spanisch zu bedienen. Wahr ist allerdings auch, dass in der Mixed Zone von Fussballstadien immer ein derartiges Sprachengewirr herrscht, dass die Szene zumindest kurios bleibt.»

      Ich kann noch anmerken, dass wir hier gar nichts ändern, um die Geschichte besser zu verkaufen, sondern bei den Fakten bleiben. Hoffe, das ist damit nun geklärt.

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    2. Herr Mustedanagić, ich meinte nicht speziell die TaWo, mit der Aussage das sich die Geschichte besser verkauft. Der Artikel bezieht sich schliesslich nicht auf diese einte Szene. Sondern eher die spanischen Sportmedien. Ich bleibe dabei, dass dies durch diverse Medien falsch verstanden wurde bzw. absichtlich aufgeblasen wurde. Kiko Casilla hat den Vorfall auch in einem Interview dem katalanischen Sender TV3 erklärt. Der Pressesprecher habe zwar so geantwortet wie es auf dem Video zu sehen ist, im später erklärt wie die Regeln in der Medienzone von Real Madrid sind.

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    3. Übrigens ist das Video auf sämtlichen spanischen Medien zu finden und nicht nur auf der ABC, die ABC übernahm das Video bzw. den Link von anderen Medien. Bevor die ABC darüber überhaupt berichtete erschien in der AS und in der SPORT ein Artikel mit dem Video über den Vorfall.

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