Die unheilvolle Serie geht weiter: Jetzt fällt auch noch Akanji aus

Die Spielerdecke des FC Basel in der Verteidigung wird dünner und dünner. Nun fällt auch noch Manuel Akanji aus, voraussichtlich bis Ende Jahr. Es ist eine weitere Muskelverletzung, die beim FCB in diesem Herbst in einer Häufung wie selten auftritt.

Der Basler Manuel Akanji in Aktion im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Basel 1893 und dem Grasshopper Club Zuerich, im Stadion St. Jakob-Park in Basel, am Sonntag, 8. November 2015. (KEYSTONE/Patrick Straub)

(Bild: Keystone/PATRICK STRAUB)

Die Spielerdecke des FC Basel in der Verteidigung wird dünner und dünner. Nun fällt auch noch Manuel Akanji aus, für die Europa League gegen die Fiorentina am Donnerstag (19 Uhr) und voraussichtlich bis Ende Jahr. Es ist eine weitere Muskelverletzung, die beim FCB in diesem Herbst in einer Häufung wie selten auftritt. Trainer Urs Fischer sagte vor Wochen bereits: «Das gehört zum Fussball.»

Muskelfaserriss im linken Kniebeuger – so heisst es kurz und knapp im Bulletin, mit dem der FC Basel am Dienstag den Ausfall von Manuel Akanji bekanntgegeben hat. Voraussichtlich wird der 20-Jährige in diesem Jahr und den verbleibenden fünf Partien bis zum 13. Dezember nicht noch einmal zum Einsatz kommen. Akanji war am Sonntag in St. Gallen (1:2-Niederlage) nach der Halbzeitpause nicht mehr aufs Feld zurückgekehrt.

Gerade erst hatte sich der 20-Jährige, im Sommer aus Winterthur gekommen, in der Innenverteidigung einen Platz ergattert. Nicht nur, weil er sich als vielversprechendes Abwehrtalent präsentiert hat, sondern auch, weil die Spielerdecke in der Innenverteidigung sehr dünn geworden ist. Walter Samuel fiel ebenso aus wie Daniel Hoegh, und nachdem Ende Woche bekannt wurde, dass Hoegh am Meniskus operiert werden muss, verschärft sich durch Akanjis Ausfall die personelle Situation.

Mit Gelb wäre auch noch Suchy gesperrt

Das Knie und seine Beuger – mehr zum Thema gibt es mit einem Klick aufs Bild.

Das Knie und seine Beuger – mehr zum Thema gibt es mit einem Klick aufs Bild. (Bild: Linda Bucklin)

Ob es sich bei Akanji um eine Zerrung der Musculi semimembranosus und semitendinosus handelt, oder ob die Musculi sartorius und gracilis betroffen sind, wird nicht weiter ausgeführt und ist auch nur aus ärztlicher und physiotherapeutischer Sicht von Belang.

Besorgniserregender ist, dass die Personaldecke in der Abwehr dünner und dünner wird. Wird Walter Samuel nicht rechtzeitig matchfit, muss am Donnerstag erneut Michael Lang in der Innenverteidigung aushelfen. 

Samuel trainiert nach einem kleinen Muskelfaserriss im Oberschenkel zwar wieder, ob er aber bereits für einen Ernsteinsatz gegen die Fiorentina zur Verfügung steht, ist äusserst fraglich. Und kassiert Marek Suchy, der einzige voll einsatzfähige, gelernte zentrale Verteidiger, in der Europa League eine gelbe Karte, entstünde für das letzte Gruppenspiel in zwei Wochen in Posen eine echte Notlage: der Tscheche wäre gesperrt.

Die Belastung und die Genese von Verletzungen

Nicht näher bekannt ist, wie sich Manuel Akanji die jüngste Muskelverletzung zugezogen hat. Ist sie einzig auf die 45 Minuten auf dem zeitweise schneebedeckten, glitschigen St. Galler Platz zurückzuführen?

Bei Verletzungen dieser Art spielt die Belastung auch eine Rolle. Der FC Basel hat in 126 Tagen seit Saisonstart am 19. Juli 27 Wettbewerbsspiele absolviert. Bei der grossen Anzahl von Nationalspielern, die über die Hälfte des Kaders ausmachen, kommen noch drei Länderspielperioden hinzu. Im extremsten Fall wäre das fast alle vier Tage ein Spiel.

» Die Ausfallzeiten beim FCB im Vergleich der laufenden zur vergangenen Saison – Grafiken am Textende

Im Fall von Akanji könnte eine Rolle spielen, dass er – zu Saisonbeginn lediglich Ergänzungsspieler – fast von null auf hundert gefordert war. Hinzu kamen jüngst Einsätze in der U21-Nationalmannschaft. Gerade bei jüngeren Spielern gehört es auch zum Entwicklungsprozess, auf die Signale eines Hochleistungskörpers, auch die leisesten, zu hören.

Rechtzeitige Auswechslungen können längerfristigen Verletzungen vorbeugen – möglicherweise war das in den Fällen von Marc Janko, Behrang Safari oder Walter Samuel von Vorteil. Alles Spieler, die jenseits der 30er-Grenze sind, die ihrem Alter geschuldet jedoch auch verletzungsanfälliger sein können als ein junger Spieler mit unverbrauchtem Bewegungsapparat.

Trainer Fischer verteidigt sich und seinen Staff

Die jüngste Verletzung von Matias Delgado im Vaduz-Spiel schlüsselte FCB-Trainer Urs Fischer unlängst so auf: Der Argentinier habe keine Anzeichen gemacht, dass er angeschlagen sei. Der Captain habe in einer Aktion zwar etwas abbekommen, aber durch die Wärme im Körper und das ausgeschüttete Adrenalin nichts weiter gespürt. «Wir haben ihn auch nicht deshalb ausgewechselt. Er hat erst, als die Muskulatur abgekühlt war, Schmerzen bekommen.» Das Resultat: ein kleiner Muskelfaserriss.

Fischer führt das auch darauf zurück, dass der inzwischen fast 33-jährige Delgado mehr Spiele und Einsatzminuten auf dem Konto hat als vergangene Saison. Und er sagt: «Verletzungen gehören einfach zu unserem Sport. Zumal, wenn man unser Programm anschaut.»

» In der Saison 2014/15 hat der FC Basel erstmals an einer Verletzungsstudie der Uefa teilgenommen. Die Resultate ergeben, dass sich die Spieler des Schweizer Meisters im Vergleich zu europäischen Spitzenclubs selten schwer, dafür häufiger verletzen. » Zu unserem Beitrag

Auf der Reise nach Lissabon zum Europa-League-Spiel musste sich Fischer nicht zum ersten Mal Fragen nach der Vielzahl von Muskelverletzungen in seinem Kader anhören. Der Cheftrainer rollte die Augen, weil er weiss, dass die Fragen letztlich auch auf die Trainingsmethodik abzielen. Und er verteidigte sich und seinen Staff: «Ich finde es gefährlich, wenn man es immer wieder daran aufhängt.»

«Ich versuche es mal neu zu sagen», war seine Reaktion vor drei Wochen, «man muss alles berücksichtigen. Im Fall von Delgado auch, dass Mati nicht jünger wird.» Bei einigen seiner Spieler kämen Länderspiele hinzu, «und all das sollte man unterscheiden».

«Solche Verletzungen gehören nun einmal zum Fussball»

Unzweifelhaft ist, dass der FC Basel in seinem 28 Spieler umfassenden Profikader eine Häufung von (Muskel-)Verletzungen erlebt. Diese traten in den vergangenen Jahren mal mehr, mal weniger auf. Dazu muss man beispielsweise nur Ausfallgeschichten von Spielern wie Alex Frei oder Marco Streller anschauen, egal unter welchem Trainerstab. Beide gehörten ebenfalls zu den Spielern im vorgerückten Fussballeralter.

«Wir versuchen, solchen Verletzungen aus dem Weg zu gehen», sagte Fischer, lange bevor nun auch Akanji aus dem Rennen geworfen wurde, «aber sie gehören nun einmal zum Fussball.» In der Clubleitung beobachtet man die Verletzungsbilanz ebenfalls besorgt, sieht aber dennoch keinen Grund zur Dramatisierung. «Wir hinterfragen unsere Arbeit permanent», wollte Sportdirektor Georg Heitz lediglich dazu sagen.



Ausfallzeiten beim FC Basel Saison 2015/16.

Ausfallzeiten beim FC Basel Saison 2015/16. (Bild: Screenshot transfermarkt.ch)



Ausfallzeiten beim FC Basel Saison 2014/15.

Ausfallzeiten beim FC Basel Saison 2014/15. (Bild: Screenshot transfermarkt.ch)

Konversation

  1. Das gehört nicht nur zum fussball, sondern auch zu walker. Seit ebendieser für die physis der fcb-spieler zuständig ist, häufen sich die verletzungen. Pech, zufall oder doch zu forciertes muskeltraining?

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