Dieser Basler ist der Grund, warum Sie plötzlich Snooker schauen wollen

Die Schweiz hat ihren ersten Snooker-Star: Der Basler Alexander Ursenbacher hat soeben die U21-Europameisterschaft gewonnen. Jetzt ist er auf dem Weg zur Weltspitze.

Ein Dutzend mal den gleichen Stoss: Beim Training beweist Ursenbacher Selbstdisziplin.

(Bild: Alexander Preobrajenski)

Die Schweiz hat ihren ersten Snooker-Star: Der Basler Alexander Ursenbacher hat soeben die U21-Europameisterschaft gewonnen. Jetzt ist er auf dem Weg zur Weltspitze.

Alexander Ursenbacher hat mit 20 Jahren erreicht, was vor ihm noch kein Schweizer geschafft hat. Schon 2016 stand der Basler im Finale der U21-Weltmeisterschaft im Snooker, dann hat er auch noch die U21-Europameisterschaft gewonnen und sich somit für die Main Tour qualifiziert.

Es ist das erste Mal, dass ein Schweizer ein internationales Snooker-Turnier gewonnen hat. Der Sport, der wie Billard aussieht, aber auf einem grösseren Tisch mit kleineren Kugeln gespielt wird, ist in Grossbritannien gross, in China riesig – so riesig, dass selbst die englischen Snooker-Profis mit chinesischen Markennamen auf der Weste herumlaufen. 

Ab Herbst spielt Ursenbacher die Saison bei den 132 Besten der Welt mit. Wenn er bei einem Turnier unter die besten 32 kommt, dann wäre das eine Sensation.

Hemd, Weste und Schlips

«Du darfst keine Angst vor dem Erfolg haben», sagt der 20-Jährige und lässt den Ellbogen nach unten gleiten. Das Cue schnellt nach vorne, die rote Kugel rollt ins Loch. Hier im Vereinslokal des Snooker Club Basel in Münchenstein trainiert er sechs bis acht Stunden pro Tag.

Ursenbacher trägt Trainerhose, T-Shirt und eine Silberkette um den Hals. Er ist froh, dass er sich für das Foto nicht in Schale schmeissen muss. So fühle er sich wohler. An Turnieren gilt ein strikter Snooker-Dresscode: Hemd, Weste und Schlips.

Kurz nach dem Europameistertitel gab Ursenbacher seinen Nebenjob auf. Als Dialoger hat er für einige Monate auf der Strasse Mitgliedschaften für Hilfsprojekte verkauft. Jetzt setzt er alles auf den Snooker-Sport. Sein Ziel: Unter den besten 32 der Welt zu landen. «Aber ich wäre auch mit mehr zufrieden», sagt er. Bescheidenheit, das ist nicht seine Sache. Wie hätte er sie auch lernen sollen? Bisher ging Ursenbachers Karriere steil nach oben.

Turniersieg folgt auf Turniersieg

Mit zwölf Jahren begann er Snooker zu spielen. Sein Vater merkte bald: Dieser Junge kann etwas. Also fand der Vater einen Snooker-Verein und der Sohn gewann wenige Monate später sein erstes Juniorenturnier. Mit 13 folgte der erste Sieg in einem Erwachsenenturnier. «Ich habe 500 Stutz gekriegt und gedacht: Ich bin reich», lacht er.



Ursenbacher trainiert in T-Shirt und Jogging-Hose. Bei Snooker-Turnieren heisst der Dresscode: Hemd, Weste und Schlips.

Ursenbacher trainiert in T-Shirt und Jogging-Hose. Bei Snooker-Turnieren lautet der Dresscode: Hemd, Weste und Schlips. (Bild: Alexander Preobrajenski)

Dann sagt er ernst: «Seit ich 14 bin, bin ich der beste Spieler der Schweiz.» Mit 16 Jahren spielte Ursenbacher bereits auf der Main Tour. Nach der zweiten Saison faulte er aus der Liga der 132 besten Spieler raus – sein erster echter Rückschlag. «Da hatte ich noch Angst davor, zu gewinnen.» Seither sei er gereift, habe mehr Erfahrung.

Ursenbacher fühlt sich bereit für den grossen Coup. Möglich, dass das Schweizer Fernsehen dann zum ersten Mal überhaupt Snooker überträgt. Festlegen will sich SRF auf Anfrage nicht, aber grundsätzlich denkbar sei es bei Schweizer Beteiligung schon.

Ursenbacher legt die roten Kugeln in Kreuzform auf den Tisch. Eine nach der anderen lässt er in den Löchern verschwinden. Dann verfehlt er ein Loch. «Die muss ich noch mal spielen», sagt er und legt die Kugel in die Ausgangsposition. Manche Stösse wiederhole er ein Dutzend Mal oder mehr. Bis er das schafft, was er will.

Lob vom Superstar

Einen Trainer hat der Snooker-Crack nicht. Die Technik hat er sich grösstenteils von Youtube-Videos abgeschaut, immer mal wieder andere Spieler um Rat gefragt und sich so laufend weiterentwickelt.

Ursenbachers Vorbild – das ist der Snooker-Superstar Ronnie O’Sullivan. Der vierfache Weltmeister verdiente pro WM-Titel knapp 500’000 Franken, Ursenbacher bekam 3000 für seinen U21-EM-Gewinn.

An einem Turnier in Sheffield lernte er sein Idol kennen. O’Sullivan sei auf ihn zugekommen, habe ihm ein paar Kniffe gezeigt und gesagt: «Wenn du an diesen Details arbeitest, kann ein ganz Grosser aus dir werden.»

Ursenbacher lacht: «Wenn Ronnie das sagt, dann muss es stimmen.»



Der 20-Jährige wuchs in Basel und Rheinfelden auf.

Der 20-Jährige wuchs in Basel und Rheinfelden auf. (Bild: Alexander Preobrajenski)

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