Ein Basler Siegfried und Zürcher Tränen – die Einzelkritiken zum 3:2 des FCB im Wallis

Shkelzen Gashi beweist mit dem vierten Treffer im sechsen Spiel für den FC Basel eine beängstigende Effizienz. Ansonsten überzeugen beim 3:2-Auswärtssieg gegen den FC Sion Philipp Degen als moderner Aussenverteidiger, Fabian Schär als sattelfester Teil der Dreierabwehr und Marco Streller als zurückgekehrter Torjäger. Über die Bücher muss: Yoichiro Kakitani.

Le joueur balois Shkelzen Gashi, 2e a droite, celebre le 3e goal de son equipe lors de la rencontre de football de Super League entre le FC Sion et le FC Bale, ce dimanche 17 aout 2014 au stade de Tourbillon a Sion. (KEYSTONE/Valentin Flauraud) (Bild: Keystone/VALENTIN FLAURAUD)

Shkelzen Gashi beweist mit dem vierten Treffer im sechsen Spiel für den FC Basel eine beängstigende Effizienz. Ansonsten überzeugen beim 3:2-Auswärtssieg gegen den FC Sion Philipp Degen als moderner Aussenverteidiger, Fabian Schär als sattelfester Teil der Dreierabwehr und Marco Streller als zurückgekehrter Torjäger. Über die Bücher muss: Yoichiro Kakitani.

Tomas Vaclik | 4
Hat nun immerhin bereits sechs Spiele im Basler Dress auf dem Buckel, ohne dass er sein Talent jemals gross hätte unter Beweis stellen dürfen. Musste gegen Sion geschlagene 85 Minuten lang warten, bis er einen haltbaren Schuss auf seinen Kasten erhielt – und diesen dann auch hielt. War ansonsten von seiner Abwehr so abgeschirmt worden, dass der Gegner entweder gar nicht zum Schuss kam – oder dann gleich ganz ohne Gegenwehr aus elf Metern abziehen konnte.

Fabian Schär | 5
Hatte vor zwei Wochen gegen Thun hinten noch gewackelt und gedackelt und seine Leistung schlussendlich mit dem 3:2-Siegtreffer retten können. Hielt sich nun in Sion offensiv fast gänzlich zurück, schickte einmal Streller gekonnt steil und konzentrierte sich ansonsten ganz auf sein Kerngeschäft, das Verteidigen. Tat das mit Lust an der gut angesetzten Grätsche und vereitelte so zum Beispiel Sions beste Chance der ersten Halbzeit.

Taulant Xhaka | 4
Hat sich unter Sousa als Fixstarter in der Startaufstellung festgebissen. Gab im Wallis wieder einmal wechselweise den Innenverteidiger oder den defensiven Mittelfeldspieler und verzichtete diesmal auf haarsträubende Fehlpässe wie jenen, den er noch am Donnerstag gegen St. Gallen geschlagen hatte. Gewann trotz seiner überschaubaren Körpergrösse von 175 Zentimetern eine erkleckliche Anzahl an Kopfballduellen gegen weitaus höher gewachsene Kontrahenten. Stand dann Karlen vor dem Elfmeter aber doch arg unbedarft auf den Fuss und muss so mit einem Abzug leben.

Marek Suchy | 4,5
Versuchte sich in Hälfte eins in einer Salzburger Gedenkgrätsche gegen Leo, kam diesmal aber mit Gelb davon. Schien ab und an etwas gehemmt, wenn es darum gegangen wäre, die sich ihm öffnenden Räume beim Spielaufbau auch konsequent auszuloten, dafür aber auch mit kaum einem Fehler im Spielafbau. Wurde in der 79. Minute dem Offensivmann Calla geopfert, um das Basler Offensivspiel noch einmal anzukurbeln.

Philipp Degen | 5
Bewies vorab in Hälfte eins, dass er alles hat, um einen modernen Aussenverteidiger zu geben. Schränkte die Kreise des wirbligen Carlitos ein, so weit es ging, war mit dem Kopf immer wieder zur Stelle, um bei Sittener Standards zu klären – und schlug dann auch noch die Flanke, die zum 1:0 führte.

Mohamed Elneny | 4,5
Kann also tatsächlich schiessen, auch aus der Distanz. Hatte allerdings das Pech, dass sein Kracher aus rund 17 Metern in Hälfte eins von der Querlatte ab- und schliesslich deutlich vor der Linie aufprallte. Zeigte beim 1:0, dass er das Auge für die öffnende Seitenverlagerung besitzt, kam aber wie die gesamte Mannschaft in Hälfte zwei arg ins Schlingern, als die Sittener ihre Offensivbemühungen deutlich verstärkten. Räumte in der 72. Minute das Feld für Fabian Frei.

Marcelo Diaz | 4,5
Ist der Siegfried dieser Basler Mannschaft. Kann eine Halbzeit lang bei praktisch jedem Basler Angriff seine Füsse im Spiel haben, Kilometer abspulen, mit Ballsicherheit glänzen und überhaupt eine ganz feine Leistung zeigen. Kann sich dann aber auch in der Pause rasch seine Tarnkappe aufsetzen, um die zweite Halbzeit in gespenstischer Unsichtbarkeit zu verbringen.

Behrang Safari | 4
Wurde einmal von Marco Streller übersehen, als sie gemeinsam auf Sions Goalie Vanins loszogen – wahrscheinlich, weil der Basler Captain gar nicht damit gerechnet hatte, seinem Linksverteidiger so weit vorne zu begegnen. Gab fast schon traditionellerweise den offensiv weitaus weniger aktiven Aussenverteidiger als sein Gegenstück Degen auf rechts. Wirkte allerdings zugleich auch defensiv wackliger – wohl mit ein Grund, weswegen Carlitos, Sittens Bester, in Halbzeit zwei von Degens Seite auf die von Safari wechselte.

Yoichiro Kakitani | 3,5
Schien ob der ersten harten Grätsche gegen ihn in der Startphase derart erschrocken, dass er nie ins Spiel fand. Offensiv zuverlässig mit der falschen Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt (oder umgekehrt). Und defensiv derart ungelenk, dass der Verdacht aufkam, dass sich der japanische TV-Star in seiner Heimat gar nie um die dreckige Abwehrarbeit hatte kümmern müssen.

Shkelzen Gashi | 5
Muss sich eines ankreiden lassen: Dass er bei seinen guten Chancen beim Stand von 2:0 die Partie nicht mit dem 3:0 vorzeitig beendete. Bewies ansonsten aber erneut seine fast schon beängstigende Effizienz. Vier Tore nach sechs Einsätzen, dazu die letzte Basler Ballberührung vor dem 3:2-Siegtreffer – GC-Trainer Michael Skibbe muss vor dem Schlafengehen jeweils eine Träne verdrücken, wenn er daran denkt, welchen Torgaranten sein Club nach Basel verkaufen musste.

Marco Streller | 5
Seine erste Gelegenheit sah er vom Pfosten zur Vorlage für Gashis 1:0 werden, seine zweite und dritte von Vanins vereitelt, die vierte dann aber war endlich drin. Schien zunächst verärgert darüber, dass er nach Delgados Steilpass in der Mitte keinen Basler Abnehmer für eine Flanke finden konnte, wirkte dann kurz irritiert, weil er im Walliser Strafraum von keinem Gegenspieler angegangen wurde – und entschied sich schliesslich zum trockenen Schuss ins weite Eck. Sein auch schon dritter Treffer in dieser Saison. Und das, obwohl er noch immer die Folgen einer Angina spürt.

Matias Delgado | 4,5
Erlöste den orientierungslos wirkenden Kakitani nach 55 Minuten und brauchte bloss vier Zeigerumdrehungen, um Streller mit einem Wunderpass auf den Weg zum 2:0 zu schicken. Zeigte danach, dass auch ein unter der Fusssohle durchrollender Ball zu einer Chance führen kann, legte einmal praktisch einschussfertig für den aber scheiternden Gashi auf, machte sich eine bessere Benotung aber durch eine gewisse Nonchalance zunichte. Hatte sich stur vorgenommen, ein Lob auf den Lob über den Goalie zu singen, scheiterte mit seinen gechipten Schüsschen aber jeweils überdeutlich am stoisch stehen bleibenden Vanins und sorgte so statt für die Vorentscheidung für eine hektische Schlussphase.

Fabian Frei | 4
Kam in der 72. Minute für den irgendwie von der Bildfläche verschwundenen Elneny und ersetzte dessen Unsichtbarkeit praktisch eins zu eins.

Davide Calla | –
Ersetzte in der 79. Minute Innenverteidiger Suchy und war zu kurz im Einsaz, um benotet zu werden.

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Bewertungsdurchschnitt: 4,4
Nicht eingesetzt beim FC Basel: Vailati, Samuel, Serey Die, Aliji.

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