Ein Dreierpack für den Lebenslauf und warum Stürmer auch ohne Tore wertvoll sind

Marc Janko schiesst sich für Sevilla warm und schnürt beim 4:2 des FC Basel gegen St. Gallen erstmals einen Dreierpack. Und Breel Embolo zeigt, warum Stürmer nicht allein an Toren gemessen werden sollten. Die Einzelkritik zum FC Basel beim spektakulären Heimsieg.

13.03.2016; Basel; Fussball Super League -FC Basel - FC St.Gallen; Marc Janko (Basel) schiesst gegen Torhueter Daniel Lopar (St.Gallen) und Roy Gelmy (St.Gallen) das Tor zum 2:2 (Daniela Frutiger/freshfocus)

(Bild: Daniela Frutiger/feshfocus)

Marc Janko schiesst sich für Sevilla warm und schnürt beim 4:2 des FC Basel gegen St. Gallen erstmals einen Dreierpack. Und Breel Embolo zeigt, warum Stürmer nicht allein an Toren gemessen werden sollten. Die Einzelkritik zum FC Basel beim spektakulären Heimsieg.

Tomas Vaclik | Torhüter

Einzelkritiknoten 3.5

Dass dem FCB-Goalie mal mit dem Fuss ein Fehler unterläuft, ein geplanter langer Ball, der dem Gegner 30 Meter vor dem Tor in die Füsse fällt, das kann passieren. Der Tscheche erfüllt für gewöhnlich alle Anforderungen an einen modernen, mitspielenden Schlussmann. Auch in diesem Spiel, in dem er mit den Händen fast nichts zu tun bekommt. Aus dem Fehler entsteht der Sankt Galler Ausgleich, und auch beim Führungstor der Gäste nur zehn Minuten später sieht Vaclik nicht vorteilhaft aus. Ansonsten lässt er sich nichts weiter zu Schulden kommen, am undankbarsten ist aber, dass er an diesem Nachmittag keine Gelegenheit mehr bekommt, sich auszuzeichnen.



Basel, 13.03.2016, Fussball Super League, FC Basel - FC St. Gallen, Martin Angha (FCSG) trifft zum 1:2. (Giuseppe Esposito/EQ Images)

Gut sieht beim Sankt Galler Führunsgtor nur Torschütze Martin Angha mit seiner Sprunggewaltigkeit aus. Gegenspieler Daniel Hoegh hat das Nachsehen, FCB-Goalie Tomas Vaclik kommt zu spät, und der Rest ist eher hinderlich beim Abwehrversuch. (Bild: Giuseppe Esposito/EQ Images)

Philipp Degen | Rechter Verteidiger

Einzelkritiknoten 3.5

Irgendwann musste er es wieder versuchen: Philipp Degen hat eine Schulteroperation hinter sich und stand am 4. Oktober 2015 letztmals in der Startelf. Jetzt forderten die Personalnot und ein angeschlagener Michael Lang Degens Einsatz.

Der Basler Philipp Degen in AKtion im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Basel 1893 und dem FC St. Gallen, im Stadion St. Jakob-Park in Basel, am Sonntag, 13. Maerz 2016. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Philipp Degen: Comeback und wieder angeschlagen ausgewechselt. (Bild: Keystone/GEORGIOS KEFALAS)

Der Beginn ist nervös und von Abstimmungsproblemen gekennzeichnet, die Sankt Galler nutzen die Unsicherheit ein paar Mal über seinen Flügel, dann gewinnt Degen an Sicherheit, hat er selbst gute Szenen wie eine Flanke auf Matias Delgado (36.) oder wie der Vorstoss, der zum Foul an ihm und dem Freistoss zum 2:2 führt. Ehe er auf die operierte rechte Schulter stürzt und man ihm die Schmerzen ansieht. Eine vertiefte Untersuchung wird nötig sein.

Daniel Hoegh | Rechter Innenverteidiger

Einzelkritiknoten 4.5

Die Zwangspause des im Herbst am Meniskus operierten Dänen ist ungefähr so lange wie jene von Degen, und an Daniel Hoeghs Wohl und Weh hängt ganz nüchtern betrachtet doch mehr als bei Degen: Er soll und muss am Donnerstag den in Sevilla gesperrten Walter Samuel ersetzen. Die Generalprobe nach der langen Absenz fällt in Ordnung aus. Gröbere Schnitzer leistet er sich nicht, beim zweiten Gegentor steigt der 1,88 Meter grosse Martin Angha allerdings deutlich höher als der zwei Zentimeter mehr messende Hoegh. Das mag dem Vorteil des Angreifers geschuldet sein, ist aber sicher auch eine Frage von Spielpraxis. Sagen wir es so: Mögen diese 94 Minuten gegen Sankt Gallen das Selbstvertrauen gegeben haben, das am Donnerstag in einem Hexenkessel in Sevilla nötig sein wird.

Marek Suchy | Linker Innenverteidiger

Einzelkritiknoten 4.5

Der Routinier wechselte die Position in der zentralen Abwehr, wo er neben Walter Samuel ansonsten auf halbrechts spielt. Und weil der Argentinier nicht eingesetzt wurde, um Daniel Hoegh zu Spielpraxis zu verhelfen, liegt die Hauptlast beim auslösenden Ball bei Suchy und dies nicht selten mit dem linken statt dem rechten Fuss. Das sieht in der ersten Halbzeit meistens nicht wirklich gut aus, und beim Ausgleichstor ist Suchy zu langsam, um Edgar Salli zu stören. Soll aber auch schon anderen Verteidigern in der Super League gegen den pfeilschnellen Sankt Galler Stürmer passiert sein. Der Rest von Suchys Auftritt war tadellos.

Behrang Safari | Linker Aussenverteidiger

Einzelkritiknoten 4.5

In der Anfangsphase wird der alte Schwede ein paar Mal zerzaust, wenn die Sankt Galler mit Tempo über seine Seite vorstossen. Aber weil Safari ein alter Schwede ist, beisst er sich in die Partie hinein, setzt er nach Seitenwechsel auch ein paar Nadelstiche nach vorne, um dann die Abwehrseite wie selbstvertständlich zu wechseln, als Adama Traoré für den verletzten Degen ins Spiel kommt und links verteidigt.

Alexander Fransson | Defensiver Mittelfeldspieler

Einzelkritiknoten 5

Dritter Startelf-Einsatz für den jungen Schweden, der in der Anfangsphase nicht in Erscheinung tritt, vor allem aber nach dem Seitenwechsel dienstfertig das tut, was es braucht: stets anspielbar zu sein, dafür viele Wege zu gehen und die kleinen, unspektakulären Pässe zu spielen. Je länger die Partie dauerte, umso zweckdienlicher wurde der Auftritt des Winter-Zugangs.



Der Basler Luca Zuffi jubelt nach seinem Freistoss, der zum 2:2-Ausgleich gefuehrt hat, im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Basel 1893 und dem FC St. Gallen, im Stadion St. Jakob-Park in Basel, am Sonntag, 13. Maerz 2016. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Läuft und läuft und läuft: Luca Zuffi, der sein Assist-Konto äufnet. (Bild: Keystone/GEORGIOS KEFALAS)

Luca Zuffi | Defensiver Mittelfeldspieler

Einzelkritiknoten 5.5

Man fragt sich, wo der drahtige Athlet seinen Akku unauffällig untergebracht hat: Er läuft und läuft und läuft. Am Donnerstag unermüdlich gegen Sevilla, drei Tage später gegen St. Gallen keinen Meter weniger unterwegs und nächsten Donnerstag beim Rückspiel in Andalusien mutmasslich wieder. Dazu streut Zuffi gegen die Ostschweizer einen seinen frappanten Freistösse ein: So scharf vors Tor gezirkelt, dass Marc Jankos Stirnfalte vielleicht gar nicht nötig gewesen wäre, um den Ausgleich zu erzielen. Es ist Zuffis 16. Assist über alle Wettbewerbe gesehen, und damit rangiert er nur noch einen Punkt hinter Matias Delgado.

Breel Embolo | rechter Flügelspieler

Einzelkritiknoten 5

Jetzt könnte man die Minuten zusammenrechnen, seit der Jungstar nicht mehr getroffen hat. Machen wir aber nicht, weil solche Bälle, wie er ihn zum Führungstreffer spielt – mit Bedacht und voller Wucht diagonal hinter die Abwehr des Gegners –, genauso wertvoll sind wie ein Treffer. Embolo, aufgrund einer Sperre und dem Spielausfall in Lugano 14 Tage aus dem Spielrhythmus, rackert, lässt sich nicht entmutigen, weil er derzeit sein persönliches Erfolgserlebnis nicht findet, er arbeitet bis an den eigenen Strafraum zurück, um Bälle zu erobern – auch damit kann man sich eine gute Bewertung verdienen.

Davide Callà | rechter Flügelspieler

Einzelkritiknoten 4.5

Ihm ist derzeit die Rolle der Nummer 12, 13 zugedacht, er wird gebracht, wenn die Stammelf ausgedünnt ist wie im Augenblick, und Callà erledigt seine Aufgabe ordentlich. Sein Highlight setzt er schon früh mit der Flanke auf den Kopf von Marc Janko zum 1:0. Dann lässt er Gelegenheiten liegen wie nach knapp einer halben Stunde und spielt er einen feinen Pass in die Tiefe, wo Marc Janko vom Linienrichter fälschlicherweise im Abseits gesehen wird (44.). Anschliessend taucht er ein bisschen weg, und Callàs letzter Beitrag ist eine verpasste Chance in der 90. Minute, ehe er Naser Aliji Platz macht, der noch seinen eigenen Beitrag zu leisten weiss.



Der Basler Davide Calla, rechts, im Kampf um den Ball gegen den St. Galler Roy Gelmi, links, im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Basel 1893 und dem FC St. Gallen, im Stadion St. Jakob-Park in Basel, am Sonntag, 13. Maerz 2016. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Davide Callà: Vorlagen-Geber zum Führungstor. (Bild: Keystone/GEORGIOS KEFALAS)

Matias Delgado | zentraler, offensiver Mittelfeldspieler

Einzelkritiknoten 5

Erstaunlich: Der Captain gewinnt in diesem Spiel so viele Kopfballduelle wie zuvor in den zweieinhab Jahren zusammengerechnet nicht. Dass er dennoch nicht zum Kopfballungeheuer mutiert ist, demonstriert er in der 36. Minute, als sein Hechtkopfball auf Degen-Flanke aus wenigen Metern das leere Tor verfehlt. Delgado bleibt zwar ohne Tor und Assist, was in dieser Saison selten genug vorgekommen ist, hat aber dennoch seinen Anteil an der Basler Dominanz. Nach 71 Minuten geht der Arbeitstag fast wie gewohnt frühzeitig zu Ende – Delgado macht Renato Steffen Platz, und das hat auch seine Wirkung.

Marc Janko | Mittelstürmer

Einzelkritiknoten 6

Was er am Donnerstag gegen Sevilla noch ungenutzt liess – einen Kopfball aus günstiger Position – holt er gegen St. Gallen nach, da sind noch keine fünf Minuten vorüber. Es ist das erste Tor des Goalgetters nach Jahreswechsel aus dem Spiel heraus, und so ein Mittelstürmer leckt dabei Blut. Beim Ausgleich schwört er Stein und Bein, den scharfen Freistoss Zuffis mit seiner Denkerstirn abgelenkt zu haben, und dann benutzt der Österreicher seinen linken Fuss, um Embolos tolle Flanke direkt zum 3:2 zu veredeln. Macht erstmals drei Tore in einem Spiel für den FCB – mehr kann man von seinem vordersten Stürmer kaum erwarten. Janko steuert aber obendrein noch generösen Einsatz und Balleroberungen in der eigenen Spielhälfte bei. In seiner Stürmervita stehen nun nebst drei Spielen mit vier Treffern acht Partien mit drei Toren (zuletzt für den Syndey FC vor fast genau einem Jahr). Hinzu kommen bevorstehende Vaterfreuden, die der 32-Jährige mit dem branchenüblich auf Bauchhöhe unter das Trikot gepackten Ball annonciert. Oder, wie er selbst per Tweet feststellt:

Adama Traoré | linker Aussenverteidiger

Einzelkritiknoten 4.5

Er löst in der 65. Minuten Degen ab, nimmt aber Safaris Position links ein. Grössere Probeme zu lösen gibt es defensiv nicht mehr für ihn, weil St. Gallen – auch wenn die Gäste in der Schlussphase noch einmal aus dem Schneckenhaus kommen – offensiv nicht mehr wirklich stattfindet. Nach vorne sucht Traoré immer wieder mutig Lücken, in den Strafraum wie gegen Sevilla gelangt er jedoch nicht.

Renato Steffen | rechter Flügelspieler

Einzelkritiknoten 5

In der 71. Minute ersetzt er Delgado, und sein Erscheinen auf dem Spielfeld wird jetzt schon so selbstverständlich und mit kaum mehr wahrnehmbaren Unmutsäusserungen von den Rängen begleitet, dass man sich schon gar nicht mehr richtig die Aufregung vorstellen kann, die bei seiner Ankunft vor erst ein paar Wochen geherrscht hat. Der Beitrag des Spielers zur vollständigen Integration in Stadt und Verein: grosser Einsatz und ein Hecht-Kopfball zum 4:2 in der Nachspielzeit.

Naser Aliji | Mittelfeldspieler
Als die Nachspielzeit bereits angebrochen ist, kommt der gelernte Verteidiger, der – wenn es nötig ist – tendentiell im Mittelfeld einen Platz finden könnte im weiteren Saisonverlauf. Was er drauf hat hat, zeigt er nur ein paar Zeigerumdrehungen später, als Steffens Zuspiel nicht ideal gelingt, Aliji sich Ball und Gegner noch einmal zurechtlegt und seine feine Flanke Steffen im Zentrum findet – 4:2. Das war’s. Für ein Bewertung war Aliji freilich zu kurz im Einsatz.

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Bewertungsdurchschnitt: 4,7
Beim FCB nicht eingesetzt: Vailati (Tor), Samuel, Itten, Hunziker

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