Ein starker Basler Wechselkurs – die Einzelkritiken zum 4:2 des FCB bei den Grasshoppers

So richtig in Fahrt kam der FC Basel beim Sieg gegen die Grasshoppers erst nach ein paar Wechseln. Entsprechend hohe Wertungen erhalten die Basler Banker nach dem 4:2 im Letzigrund.

08.02.2015; Zuerich; Fussball Super League - Grasshopper Club Zuerich - FC Basel; Marek Suchy (Basel) und Walter Samuel (Basel) jubeln nach dem Tor zum 2:4 (Andy Mueller/freshfocus) (Bild: Andy Mueller/freshfocus)

So richtig in Fahrt kam der FC Basel beim Sieg gegen die Grasshoppers erst nach ein paar Wechseln. Entsprechend hohe Wertungen erhalten die Basler Banker nach dem 4:2 im Letzigrund.

Tomas Vaclik | 4,5
Knallte recht früh mit Ngamukol zusammen, der in der Szene weniger den Grasshopper gab, als vielmehr mit der Torchance vor Augen voll durchzog. War danach angeschlagen und sorgte so dafür, dass sich Ersatzkeeper Germano Vailati an der Seitenlinie mit Gymnastikübungen warm halten durfte. Doch Vaclik biss auf die Zähne und zog selbst bis zum Ende durch. Hatte bei den Toren nichts zu halten – und sonst eigentlich auch kaum etwas. Ausnahme: seine starke Reaktion gegen Caio in Hälfte eins.

Fabian Schär | 3,5
Hatte vor dem Spiel krankheitsbedingt eine schlaflose Nacht verbracht, wurde von Paulo Sousa dessen ungeachtet trotzdem in die Partie geschickt. Verdiente sich in der Folge den Respekt seines Trainers – aber spielerisch keine Bestnoten. Mit einigen Fehlpässen im Spielaufbau, die ihm ausgeschlafen vielleicht nicht passiert wären. Durfte nach knapp einer Stunde unter die warme Decke. Schien das weitaus besser zu ertragen als seine letzte Auswechslung im Letzigrund gegen GC zu Saisonbeginn.

Marek Suchy | 4
War vom ursprünglichen Dreierblock in der Basler Abwehr eigentlich der solideste, stand dann bei Langs 2:3 aber leicht im Schilf, was ihm einen Abzug einbringt.

 

Der Zuercher Caio, rechts, gegen den Basler Behrang Safari, links, beim Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem Grasshopper Club Zuerich und dem FC Basel, am Sonntag, 8. Februar 2015, im Letzigrund Stadion in Zuerich. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Behrang Safari (hier gegen Caio): Angeschlagen und nicht immer Herr der Lage. (Bild: Keystone/WALTER BIERI)

Behrang Safari | 3
Noch ein Basler, der sich irgendwie durch weite Teile der Partie biss und deswegen vom Trainer nach Schlusspfiff für bewiesene Charakterfestigkeit gelobt wurde. Erlitt einen Schlag, hatte danach muskuläre Probleme und sorgte in der Folge für eben solche in der Basler Hintermannschaft. Bot den Grasshoppers schon in Hälfte eins auf seiner Seite unendliche Räume, die diese aber überraschenderweise kaum einmal ansteuerten. Stand dann bei Dabburs 1:1 hinter dem Stürmer und konnte so dessen Kopfball nicht mehr verhindern.

Philipp Degen | 3,5
Vermochte nie jene offensiven Akzente zu setzen, die bei ihm sonst zum Standardrepertoire gehören, lenkte die Flanke zum Zürcher 1:1 unglücklich ab – und wurde nach 56 Minuten durch Matias Delgado ersetzt.

Mohamed Elneny | 4,5
Wurde seinem Ruf als nicht unbedingt gnadenloser Vollstrecker gerecht – und erzielte trotzdem sein erstes Meisterschaftstor der Saison. Schoss in der 28. Minute hart und präzise an Dingsdags Kopf, so dass dieser den Ball unhaltbar ins eigene Tor ablenkte. Spielte ansonsten je nach lesart: solide/unauffällig/unsichtbar/fehlerfrei. Höhepunkt seiner zweiten Halbzetit: der Pass auf Marco Streller vor dem 2:1.




Der Mann für alle Fälle: Taulant Xhaka, multifunktional eingesetzt im Letzigrund und überall ein guter Wert. (Bild: Keystone/WALTER BIERI)

Taulant Xhaka | 5
Startete als einziger Basler gleich mit dem Anpfiff des Spiels in die Rückrunde. Gewann Zweikämpfe, versuchte ein paar Steilzuspiele, rannte – und verwarf nach Fouls die Arme in gehobener Degen-Qualität. Musste seinen Arbeitsort jeweils dann wechseln, wenn sein Trainer einen Spieler- und oder Taktikwechsel vornahm. Spielte so erst im defensiven Mittelfeld, dann rechts hinten, schliesslich links hinten. Wäre bei Gelegenheit sicher auch in den Sturm gegangen oder ins Tor gestanden.

Shkelzen Gashi | 4,5
Erzielte ein Tor, das schlicht für seine Klasse als Torjäger spricht: links angenommen, mit rechts eingeschoben. Chapeau. Erzielte ein Tor, das auch exemplarisch für sein Dasein als Tor-Phantom auf leisen Sohlen gelten darf: traf nämlich, ohne dass wir uns an Szenen mit ihm vor oder nach seinem Treffer erinnern könnten. Doppel-Chapeau.

Derlis Gonzalez | 3,5
Dass er mal mit seinem Antritt am nicht mehr taufrischen Grichting vorbeisausen könnte, schien vor dem Spiel durchaus im Bereich des Vorstellbaren. Verdaddelte den Ball dann aber immer irgendwie schon weit bevor er überhaupt Speed aufnehmen konnte.

Luca Zuffi | 4
Trat die beiden Standards, die zu den beiden einzigen Basler Abschlüssen vor der Pause führten – also auch jenen indirekten Freistoss vor dem 1:0. Tat sich – wie die gesamte Mannschaft – aber enorm schwer, wenn der Ball nicht ruhte. Rückte nach einer Stunde vom offensiven ins defensive Mittelfeld zurück und machte so jenen Platz, den Delgado in der Folge für mehr offensive Bewegung nutzte.

Marco Streller | 5
Fand während über einer Stunde eigentlich gar nicht statt und hatte am Ende doch bei drei von vier Basler Toren seine Füsse im Spiel. Findet «Füsse» sicher ein gutes Stichwort – wurde nämlich schlagartig besser, nachdem seine Mitspieler aufhörten, ihm die Bälle an die Birne zu schlagen und ihn stattdessen flach bedienten. Nutzte so seine erste gelungene Szene, um Gashi das 2:1 aufzulegen. Gewann danach vor dem 3:1 den gefühlt ersten Zweikampf gegen das alte Schlachtross Grichting seit Einführung der Super League und vollendete strelleresk alleine vor Vasic. Verdiente sich schliesslich auch noch so etwas wie einen unabsichtlichen Assist zu Callas 4:2.



Die Zuercher Stephane Grichting, links, und Levent Guelen, rechts, gegen den Basler Marco Streller, Mitte, beim Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem Grasshopper Club Zuerich und dem FC Basel, am Sonntag, 8. Februar 2015, im Letzigrund Stadion in Zuerich. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Marco Streller: Stéphane Grichting (links) konnte den FCB-Captain lange Zeit kontrollieren – bis die Dämme brachen. Rechts im Bild Levent Gülen. (Bild: Keystone/WALTER BIERI)

Walter Samuel | 5
Kam in der 57. Minute für Schär und rechtfertigte mit seinem Pass zu Strellers 3:1 schon fast den Jahresvertrag, den ihm der FCB im Sommer etwas überraschend unterbreitet hatte. War Teil eins der Basler Anschubfinanzierung von der Bank, die dem FCB letztendlich drei Punkte einbrachte.

Matias Delgado | 5
Der zweite freundliche Mann von der örtlichen Bank. Ersetzte in der 57. Minute Degen und veränderte sofort das Gesicht des Spiels. Übernahm Zuffis Position in der Offensive, hielt den Ball in der Zürcher Hälfte und sorgte so für jene Unordnung in der GC-Abwehr, die dem Heimteam schliesslich die Niederlage einbrachte.

Davide Calla | –
Und noch ein Banker: Wurde in der 79. Minute für Safari eingewechselt, spielte danach aber nicht hinten links, sondern hinten rechts. Gewann auf dieser Position zwei Minuten nach seiner Hereinnahme den Ball, lancierte Streller, nutzte den Schwung der Balleroberung, um diesem hinterher zu eilen – und war somit zur Stelle, um den Ball nach Strellers vergebener Chance doch noch im Tor unterzubringen. Alle Achtung. Trotzdem zu kurz im Einsatz, um benotet zu werden.

––

Bewertungsdurschnitt: 4,2
Nicht eingesetzt beim FCB: Vailati (Tor), Huser, Kakitani, Embolo.

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