Es ist Zeit, sich mal mit der EM-Qualifikation zu beschäftigen

Sie fragen sich, ob es sich lohnt, einen Blick auf die EM-Qualifikation zu werfen? Unbedingt! Bevor es heute Abend in den sechstägigen Schlussspurt geht, geben wir ein paar Antworten zum Ernst der Lage, nennen die Frühbucher und klären auf, wie weit die Franzosen bei ihren Vorkehrungen für die Euro 2016 sind.

A Dutch fan waits for the start of the Euro 2016 qualifying soccer match between Netherlands and Iceland, at the ArenA stadium, in Amsterdam, Netherlands, Thursday, Sept. 3, 2015. (AP Photo/Peter Dejong)

(Bild: Keystone/PETER DEJONG)

Sie fragen sich, ob es sich lohnt, einen Blick auf die EM-Qualifikation zu werfen? Unbedingt! Bevor es heute Abend in den sechstägigen Schlussspurt geht, geben wir ein paar Antworten zum Ernst der Lage, nennen die Frühbucher und klären auf, wie weit die Franzosen bei ihren Vorkehrungen für die Euro 2016 sind.

Muss man sich das wirklich anschauen?

Natürlich könnte man aus Sicht eines Basler Fussballfreundes nach 19 kräftezehrenden FCB-Pflichtterminen innert 77 Tagen mit Fug und Recht sagen: Ich pfeif auf die Länderspiele. Dann sollte man sich aber auch nächstes Jahr, wenn am 10. Juni in Paris die Euro 2016 feierlich eröffnet wird, nicht darüber wundern, warum Island und Wales, Nordirland und womöglich auch Albanien mitspielen.

Die Uefa hat sich ja etwas einfallen lassen und verteilt die Ausscheidungsspiele jetzt über sechs Tage auf eine «Week of Football». Das Motto könnte auch heissen: Wie lässt sich noch mehr aus der Vermarktungszitrone pressen. Jedenfalls stehen von Donnerstag bis nächsten Dienstag 52 Spiele auf dem Programm.

Was ist denn schon klar?

Weil das Teilnehmerfeld der Endrunde von 16 auf 24 Teams aufgeblasen wurde, buchen der Erst- und Zweitplatzierte in den neun Gruppen direkt das Ticket nach Frankreich. Dazu kommen der beste Gruppendritte und vier Playoff-Sieger der restlichen Gruppendritten (mehr dazu siehe unten).

Kampflos dabei ist natürlich Gastgeber Frankreich, ausserdem ist aus der Schweizer Gruppe England bereits qualifiziert, dazu das kollerisierte Österreich aus Gruppe G, und in Gruppe A sind Island und Tschechien nicht mehr einzuholen.

Merken Sie etwas? Österreich mit Marc Janko, Island mit Birkir Bjarnason sowie Tschechien mit Marek Suchy und Tomas Vaclik – FCB-Spieler haben teils gehörigen Anteil am Erfolg dieser Frühbucher. Island zum Beispiel war noch nie an irgendeiner Endrunde und Österreich lediglich dank der Gnade als Gastgeber 2008. Bei den Tschechen steht Vaclik allerdings nach wie vor im Schatten von Peter Cech, und Suchy wurde nur zweimal gebraucht.



Die Basler Spieler Marc Janko, links und Birkir Bjarnason, rechts, sitzen im neuen MAN Mannschaftsbus des FC Basel im Hafen in Basel, am Montag, 28. September 2015. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Sagt der Janko zum Bjarnason: Wenn wir an der Euro 2016 gegeneinander spielen sollten, kannst du dich auf was gefasst machen. Oder so ähnlich. Szene aus dem Mannschaftsbus des FC Basel. (Bild: Keystone/GEORGIOS KEFALAS)

Die restlichen Entscheidungen in den neun Gruppen sind zwei Runden vor Schluss noch offen, womit jene Lügen gestraft werden, die eine todlangweilige Qualifikation vorhergesagt haben. Sie ist nur ein bisschen langweilig und das Gleiche wie immer – sprich: Fast ausnahmslos sind die üblichen Verdächtigen auf bestem Weg zum Turnier.

Gibt es Überraschungen?

Man hat es kaum für möglich gehalten angesichts des neuen Formats, mit dem die Uefa fast der Hälfte seiner 54 Mitgliedsverbände die Tür zur Endrunde eröffnet hat. Aber die Griechen haben es sauber verbockt und sind zwei Runden vor Toresschluss schon raus. Das könnte man als späte Rache der Götter für den EM-Gewinn 2004 begreifen.

» Griechenlands Helden von 2004 – Was machen sie heute?



epa04916935 A supporter of the Greek national soccer team plays the trumpet during their training session held at the National Arena in Bucharest, Romania, 06 September 2015, one day before the Romania vs Greece UEFA Euro 2016 qualifying Group F soccer match. EPA/ROBERT GHEMENT

Auf dem letzten Loch: Griechischer Fan beim Spiel in Bukarest, wo es dem tief gefallenen Europameister von 2004 auch nicht zum ersten Sieg im achten Spiel gereicht hat. (Bild: Keystone/ROBERT GHEMENT)

Den grössten anzunehmenden Unfall baut jedoch gerade die Niederlande. Auf direktem Weg schafft es die Elftal sowieso nicht mehr in Gruppe A (Island, Tschechien), und selbst Platz 3 und der Umweg über die Playoffs erscheint sehr steinig. Zwei Punkte liegen die Holländer (am Samstag in Kasachstan) hinter der Türkei (in Tschechien). Die Entscheidung fällt spätestens am Dienstag, wenn die Türken daheim die Isländer empfangen und die Holländer die Tschechen. Es wäre das erste Mal seit 1984, dass die Farbe Orange an einer EM fehlen würde.

Was sind Highlights der nächsten Tage?

Es stehen uns ewige Klassiker wie Georgien gegen Gibraltar (Donnerstag) oder Strassenfeger wie Weissrussland gegen Mazedonien (Montag) bevor.

Tatsächlich nicht verpassen darf man am Donnerstag in Gruppe I das Gipfeltreffen Portugal gegen Dänemark, weil daran auch das Wohl und Weh dreier Basler (Taulant Xhaka, Shkelzen Gashi, Naser Aliji) und Albanien (daheim gegen Serbien) hängt. So diese Begegnung in Elbasani ausnahmsweise ordnungsgemäss zu Ende gebracht wird und Dänemark in Portugal nicht gewinnt, haben die Albaner beste Aussichten, erstmals an einer Endrunde teilzunehmen. Die Playoffs sind ihnen schon mal sicher.

» «Spiel mit Scharfschützen» – der «Tagesanzeiger» zum Clash in Elbasani

» Alle Spiele von Donnerstag bis Dienstag auf einen Blick

Und sonst so?

In Gruppe B braucht Gareth-Bale-Wales nur noch einen Punkt, um das Ticket zu lösen und erstmals an der EM-Endrunde in Turnierform, wie man sie seit 1980 kennt, teilzunehmen. Die Waliser (am Samstag in Bosnien und am Dienstag daheim gegen – Andorra!) haben es bis hierhin mit einem Torverhältnis von 9:2 zu fünf Siegen und drei Unentschieden gebracht und sind neben den makellosen Engländern (acht Spiele, acht Siege), den Österreichern und Italienern die Einzigen, die bisher ohne Niederlage geblieben sind.

In Gruppe C fehlt Spanien und der Slowakei jeweils nur noch ein Sieg, und da beide noch gegen Luxemburg spielen, dürfte die Matte gemäht sein. Die Ukraine hat beste Aussichten, als bester Gruppendritter abzuschneiden (gewertet werden in den Sechsergruppen jeweils nur die Direktbegegnungen bis zum Fünftplatzierten – mehr dazu siehe unten).

In Gruppe D wäre ein Ausscheiden Deutschlands (am Donnerstag in Irland) ungefähr ein ähnliches Desaster wie ein Scheitern der Schweizer in Gruppe E. Geht man vom Normalfall aus, folgen die Polen den Deutschen nach Frankreich. Schlagen die Schotten die Polen, könnten sie Irland noch abfangen und der lachende Dritte sein – sprich: Playoff-Teilnehmer.

Die Tabelle der Schweizer Nationalmannschaft:

» Die Gruppe E im Detail

» Alle Tabellen auf einen Blick

Weil besagte Griechen in Gruppe F versagt haben, kann Nordirland zu einem weiteren Überraschungsgast bei der Sommer-Party in Frankreich avancieren, und den noch benötigten Sieg können die Nordiren gegen ebendiese Griechen an diesem Donnerstag mit Heimvorteil in Belfast angehen. Erster Anwärter auf Platz 2 sind die Rumänen, und wenn diese gegen Finnland (oder auf den Färöern!) straucheln, könnte Ungarn mit dem besseren Direktvergleich (erstes Kriterium bei Punktgleichheit) profitieren.

In Gruppe G sieht es hinter den erstaunlichen Österreichern nach Russland aus (zwei Punkte vor Schweden; machbares Restprogramm gegen Montenegro und in Moldawien). Aber bei den Russen weiss man ja nie. In Gruppe H müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn Italien (in Aserbaidschan und in Rom! gegen den Zweiten, Norwegen) sich noch abfangen liesse. Kroatien (mit einem Punktabzug für das Hakenkreuz in Split bestraft) muss auf italienische Schützenhilfe hoffen, um die Playoffs zu umgehen.

Und die Gruppe I? Siehe oben.

Wie geht es weiter?

Nach heutigem Stand der Dinge stehen in den Playoffs: Ungarn, Kroatien, Albanien, Irland, Schweden, Slowenien, Israel, Türkei. Zuverlässig Buch geführt wird über die Tabellendritten bei Wikipedia.

Die Auslosung findet am 18. Oktober statt, wobei die vier Nationen mit dem besten Koeffizienten gesetzt sind. Die Hinspiele sind am 12., 13. und 14. November terminiert, die Rückspiele am 15., 16. und 17. November. Dannzumal möchte die Schweiz übrigens ein Länderspiel gegen Nachbar Österreich austragen – wenn es denn nicht noch eine böse Überraschung gibt.

Die Auslosung der Endrunde (10. Juni bis 10. Juli 2016) findet am 12. Dezember in Paris statt. Schafft es die Schweiz, wird sie wohl aus Topf 2 gezogen.

» Zum für die Los-Töpfe massgebenden Nationen-Ranking geht es hier (PDF).

Wie siehts eigentlich in Frankreich aus und mit den Tickets für die EM?

Wenn dann Lyon sein neues Stadion auch fertigbekommt, sind die Franzosen parat. An zehn Orten werden dann 1,6 Milliarden Euro verbaut sein. In die Röhre schauen Regionen wie Nordost-Frankreich (Nancy, Strasbourg) oder die Bretagne (Nantes), an denen der Investitionsstrom vorbeigeflossen ist.

Zum Handkuss kamen: Paris (zweimal mit Parc des Princes und Stade de France in St-Denis), Toulouse, Marseille, Nizza, Lille, Lens, Lyon, St-Etienne und Bordeaux. Dort wurde jüngst ein nagelneues Stadion eingeweiht, dessen Pläne von Herzog & de Meuron stammen. Über 180 Millionen Euro hat der Bau gekostet, die öffentliche Hand trägt den Löwenanteil und weil eine Versicherung die Namensrechte gekauft hat, heisst die Säulenhalle jetzt Matmut Atlantique.



View of the brand new Bordeaux stadium, in Bordeaux, southwestern France, Monday May, 18, 2015. The stadium will host five games of the Euro 2016 European soccer championships. The Euro 2016 will take place in France from June 10 to July 10 2016. (AP Photo/Bob Edme)

Wer hats entworfen? Herzog & de Meuron. Das neue Stadion in Bordeaux. (Bild: Keystone/BOB EDME)

Von den 2,5 Millionen Tickets für die Endrunde sind bereits eine Million weg. In einer ersten Verkaufs- und Verlosungsphase gab es dafür 11,2 Millionen Anfragen. 41 Prozent stammten aus Frankreich, 14 Prozent aus Deutschland und England. Allein zum Endspiel im Stade de France mit seinen 80’000 Plätzen wollten 1,2 Millionen Menschen. Nach der Auslosung im Dezember gibt es die nächste Ladung von 800’000 Tickets.

Die Uefa rühmt sich dafür, dass sie in der Vorrunde Tickets für 25 Euro anbietet (zehn Prozent des Gesamtkontingents). Wer einen Viertelfinal sehen will, ist bei Preisen von 45 bis 195 Euro dabei. Oder er kauft sich gleich einen superduper Hospitality-Turnier-Pass aus der Kategorie «Gold» für 49’000 Euro für alle 51 Spiele (zum Bestellformular als PDF).

Die Ticketpreise bei der Euro 2016:




Wenn Sie allerdings Raucher sind, dann wirds ein kompliziertes Turnier. Es wird ein absolutes Rauchverbot herrschen – auch in den Aussenbereichen der Stadien und bei den offiziellen Fanfesten. Durchsetzen sollen das die 6500 freiwilligen Helfer der Euro. Und wer sich nicht dran hält, das hat unlängst OK-Chef Jacques Lambert betont, der mache sich strafbar. Na dann: viel Spass.

Der Spielplan der Euro 2016:




Der Spielplan als PDF zum Download.

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