Es wäre mal wieder an der Zeit für einen guten FCB-Auftritt im Letzigrund

Es sind doch auch schon wieder zwei Jahre und sieben Spiele vergangen seit dem letzten Sieg des FC Basel in Zürich. Am Sonntag bietet sich den Baslern im Spitzenspiel gegen den FC Zürich die Gelegenheit, im Letzigrund wieder einmal eine überzeugende Leistung abzuliefern. Und die Zeichen stehen ganz gut – nicht bloss, weil Captain Marco Streller wieder mit von der Partie sein sollte.

Die Sache mit dem Goalie und dem linken Flügel: Alex Frei (hier gegen Marco Schönbächler) in der Winterlandschaft des Letzigrund. (Bild: Reuters/ROMINA AMATO)

Es sind doch auch schon wieder zwei Jahre und sieben Spiele vergangen seit dem letzten Sieg des FC Basel in Zürich. Am Sonntag bietet sich den Baslern im Spitzenspiel gegen den FC Zürich die Gelegenheit, im Letzigrund wieder einmal eine überzeugende Leistung abzuliefern. Und die Zeichen stehen ganz gut – nicht bloss, weil Captain Marco Streller wieder mit von der Partie sein sollte.

Ganz am Anfang wollte Paulo Sousa eine Entschuldigung loswerden. Es mag bereits fast eine Woche vergangen sein, seit er nach ungebührlichem Benehmen gegenüber dem vierten Offiziellen im Spiel gegen den FC Aarau auf die Tribüne geschickt wurde. Doch der Trainer des FC Basel wollte an der Pressekonferenz vor dem Spitzenspiel gegen den FC Zürich doch noch kurz etwas Asche über sein Haupt streuen und sich «vor allem bei Stephan» entschuldigen. Also bei Stephan Klossner, dem er bereits in der ersten Halbzeit zweimal ungestraft auf den ausgestreckten Zeigefinger geklopft hatte, ehe er in der 71. Minute doch noch des Feldes verwiesen worden war.

Was Sousa zu seiner späten Entschuldigung trieb, muss sein Geheimnis bleiben. Nachfragen würgte der Portugiese am Freitag schnell ab: «Ich mag über dieses Thema nicht weiter sprechen.» Nur noch so viel: Er werde versuchen, sich in Zukunft besser zu benehmen. Möglich, dass der Vorstand des FCB seinen Cheftrainer unter der Woche für das Thema «Auftreten in der Öffentlichkeit» sensibilisiert hat.

Damals, als Alex Frei plötzlich zum linken Flügel wurde

Die nächste Chance, sich von seiner charmanteren Seite zu zeigen, hat Sousa am Sonntag im Letzigrund, wenn der Zweitplatzierte FCZ den FCB im Klassiker herausfordert. Und genau so hat auch die Mannschaft eine Gelegenheit, endlich mal wieder einen starken Auftritt im Letzigrund hinzulegen. Es sind nun doch auch schon wieder zwei Jahre und sieben Spiele vergangen, seitdem der FCB letztmals in Zürich als Sieger vom Platz gegangen ist.

Am 28. Oktober 2012 war es, als der damalige FCB-Trainer Murat Yakin auf dem Weg zur Demontage des Topskorers Alex Frei auf die Idee kam, diesen auf den linken Flügel zu versetzen. Frei antwortete, wie er das oft in seiner Karriere zu tun pflegte: Er versorgte den Ball im Anschluss an eine Basler Ecke im Tor. Fabian Schär mit seinem erst zweiten Treffer in der Super League war der zweite Basler Torschütze, die Basler gewannen im Zürcher Schneetreiben 2:1.

Danach folgten meist mehr oder weniger verkorkste Basler Auftritte im Letzigrund. Vier Unentschieden, drei Niederlagen – so richtig inspiriert wirkte der FCB zuletzt nicht, wenn er nach Zürich reiste. Und gerade die Klassiker gegen den FCZ vermochten die im Vorfeld geschürten Erwartungen mit zwei 0:0 in Folge nicht zu erfüllen.

Die sieben sieglosen Spiele des FCB im Letzigrund
Datum Gegner Resultat aus FCB-Sicht
13.09.2014 GC 1:3
23.03.2014 FCZ 0:0
23.02.2014 GC 1:1
27.10.2014 FCZ 0:0
21.07.2014 GC 1:1
26.05.2013 GC 0:1
08.05.2013 FCZ 1:3

Das sollte sich am Sonntag eigentlich ändern lassen, wenn der FCZ und der FCB zum 207. Mal aufeinander treffen (90 zu 61 Siege für den FCB bei 55 Unentschieden). Die Vorzeichen jedenfalls stehen gut. Der FCB ist in seiner stärksten Phase, seit Sousa das Ruder übernommen hat. Und der FCZ kommt mit einer Erfolgsmeldung aus der Euroacup-Woche. Er hat sich am Donnerstag beim 3:1 gegen Apollon Limassol immerhin ein Endspiel um die Teilnahme an den Sechzehntelfinals der Europa League gesichert.

Es ist das Duell der beiden Spitzenmannschaften der Super League, die sich bereits ein kleines Polster von sieben Punkten und mehr auf die Konkurrenz geschaffen haben. Und für wie wichtig Paulo Sousa diese Spiele gegen den FCZ erachtet, lässt sich vielleicht daran ablesen, dass er nun schon zum zweiten Mal vor einer Begegnung mit den Zürchern vorrechnet, wie lange Urs Meier bei diesen schon Cheftrainer ist. «Er hat 89 Spiele mit seiner Mannschaft absolviert», stellt Sousa fest. Und es klingt fast ein wenig, als suche er nach einer vorzeitigen Erklärung für den Fall, dass der FCZ den FCB am Sonntag besiegen sollte.

«Es wird für jede Mannschaft schwer, uns zu schlagen»

Dabei hat er nun inzwischen auch schon 24 Spiele mit seinen Baslern erlebt. Und was er in den letzten Wochen seit dem 1:1 zuhause gegen Sion gesehen hat, lässt ihn trotz der 0:1-Niederlage gegen Real Madrid zum Schluss kommen: «Wenn wir weiterhin mit dieser Einstellung, diesem Engagement und dieser Leidenschaft spielen, wird es für jede Mannschaft schwer, uns zu schlagen.»

Kommt dazu, dass sich einer als wieder fit meldet, der für Sousa eine Schlüsselfigur im Team ist: Marco Streller trainiert nach seinem Bandscheibenvorfall voll mit der Mannschaft. Und das bedeutet für den FCB-Trainer, dass sein Captain auch bereit ist, in Zürich wieder von Anfang an zu spielen. Die Frage, ob gegen den FCZ mit einem Comeback Strellers zu rechnen sei, beantwortete Sousa am Freitag jedenfalls im Brustton der Überzeugung mit bloss einem Wort: «Ja.»

Streller macht auch in der Garderobe einen Unterschied

Möglich allerdings, dass der Stürmer zu Beginn doch bloss auf der Bank Platz nehmen wird. Er selbst jedenfalls wusste zwei Tage vor dem Spiel noch nicht, ob er in der Startformation stehen wird. Doch auch als Ersatzspieler kann Marco Streller seinen Teamkollegen wichtige Impulse verleihen, ist sich Paulo Sousa sicher: «Er bereitet dem Gegner Probleme auf dem Feld. Aber er macht für uns auch in der Garderobe einen Unterschied. Es ist eminent wichtig, dass wir ihn zurückhaben.»

Und ein klein wenig könnte der Klassiker im Letzigrund für Streller auch zum Vorbereitungsspiel auf die letzte FCB-Partie des Jahres werden: Auf die Begegnung mit dem FC Liverpool vom 9. Dezember, wenn sich entscheidet, ob der FCB zum zweiten Mal in seiner Clubgeschichte die Achtelfinals der Champions League erreicht. Zwei Spiele müsse er bis dahin mindestens in den Beinen haben, hatte Streller nach dem 3:0-Sieg gegen Aarau erklärt. Die Partie im Letzigrund ist die zweitletzte vor der Basler Reise an die Merseyside.

 

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  1. Hallo Herr Raz

    Ja, vermutlich hat Murat Yakin den Alex Frei demontiert. So haben wir es wohl praktisch alle wahrgenommen. Sogar jene, welche dem Herrn Frei nicht unbedingt wohlgesinnt waren/sind. Das ist sicherlich nichts schönes und etwas was sich nicht gehört. Egal in welchem Unternehmen.

    Aber müssen Sie es immer noch erwähnen? Sie demontieren gerade meine kindliche Vorstellung, dass Journalismus sachlich neutral daherkommt (daherkommen sollte?) und grundsätzlich keine wertende Adjektive verwendet, geschweige denn dem Leser wertende Aussagen „unterjubelt“. Soll der Leser doch seine eigene Meinung aus mehreren, neutralen Texten mit dem selben Thema bilden können.

    Ach und noch was: Die Bildunterschrift hat sich in der Jahreszahl geirrt…. 😉

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    1. Ich glaube, die Demontage ist mir darum aus den Fingern geflossen, weil ich mich noch lebhaft an jenes Spiel erinnern kann, als sich Alex Frei in der ihm eigenen Grundlangsamkeit auf diesem Flügel abgekämpft hat. Das war einer der spezielleren Momente in meiner Journalistenlaufbahn, weil selten beim FCB ein Machtkampf in dieser Öffentlichkeit ausgetragen wurde. Ergic/Gross war der andere – wobei dort (vor allem vonseiten Ergics) mit weitaus offeneren Karten gespielt wurde (Ergic trat als Captain zurück).

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