FCB lässt sich von beherzten St. Gallern den Sieg vom Fuss nehmen

Der FC Basel kassiert die dritte Saison-Niederlage, unterliegt zum zweiten Mal dem FC St. Gallen und Albert Bunjaku ist erneut der Matchwinner. Das 1:2 (0:0) in der Ostschweiz nur drei Tage nach der gloriosen Champions-League-Nacht zeigt, dass es nicht viel braucht, um diesen FCB aus dem Gleichtgewicht zu bringen.

Der St. Galler Albert Bunjaku, 2. von links, feiert mit Yannis Tafer, 2.von rechts, seinen Treffer zum 2-1 gegen den FC Basel, im Super League Fussballspiel zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Basel am Samstag, 4. Oktober 2014 in der AFG Arena in St. Ga (Bild: Keystone/STEFFEN SCHMIDT)

Der FC Basel kassiert die dritte Saison-Niederlage, unterliegt zum zweiten Mal dem FC St. Gallen und Albert Bunjaku ist erneut der Matchwinner. Das 1:2 (0:0) in der Ostschweiz nur drei Tage nach der gloriosen Champions-League-Nacht zeigt, dass es nicht viel braucht, um diesen FCB aus dem Gleichtgewicht zu bringen.

Dass es kein Zuckerschlecken werden würde für den FCB in St. Gallen, das hatte man schon vor dem Anpfiff ohne grosse seherische Fähigkeiten annehmen dürfen. Der Mittwoch und der glorreiche Sieg in der Champions League gegen Liverpool hatte Körner gekostet und seine Spuren hinterlassen. Keine 72 Stunden später fehlten Marco Streller (Oberschenkelzerrung) und Fabian Frei, der am Knie die Nachwirkungen eines harten Zusammenstosses mit Mario Balotelli spürt.

Dazu stand auch Shkelzen Gashi (Adduktoren) nicht zur Dispostion, und Mohamed Elneny sowie Ahmed Hamoudi erlebten die erste Halbzeit auf der Ersatzbank. Sie sahen ein zwar tempogeladenes, aber auch hektisches, teils zerfahrenes und fehlerhaftes Spiel. Und ihre Kollegen kaum einmal wirklich in Gefahr geraten.

Yannis Tafer brach in der 31. Minute einmal durch, schoss aber daneben. Dazu kam noch eine Schwalbe von Goran Karanovic, die vom Schiedsrichter zwar durchschaut, aber nicht sanktioniert wurde.

Hinten zu Dritt, vorne harmlos

Ansonsten funktionierte in der Abwehr der Dreierblock Xhaka/Schär/Suchy, der je nach Bedürfnis mit Davide Calla links und Derlis Gonzalez rechts in eine Vierer- oder Fünferreihe mutierte. Nach vorne blieb der Vortrag überschaubar und weitgehend harmlos. Wenn es brenzlig wurde, hatte Matias Delgado seinen Fuss im Spiel.

So auch in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, als der FCB-Captain mit einem feinen Chip Breel Embolo bediente. Der scheiterte an Marcel Herzog, und wie Yoichiro Kakitani den Nachschuss nicht im Tor unterbringen konnte, sondern Verteidiger Pascal Thrier anschoss, bleibt sein Geheimnis.

Mehr Tiefe durch Sios Einwechslung

Der FCB traf auf einen in mehrfacher Hinsicht motivierten Gegner. Ein St. Gallen, das dem FCB die erste Saisonniederlage beigebracht hatte, ein St. Gallen, dass die letzten drei Spiele gewonnen hat und ein St. Gallen, das nicht aufgibt. Auch nicht, wenn es fast schon eine halbe Stunde einem Rückstand hinterhergelaufen ist.

Mit der Einwechslung von Giovanni Sio verlieh Paulo Sousa dem Spiel seiner Mannschaft nach Seitnwechsel zunächst einmal mehr Tiefe. Der Ivorer, mit einem Steilpass von Marcelo Diaz geschickt, bereitete das 0:1 mit einem feinen Aussenristball vor. Davide Callas schöne Direktabnahme war die verdiente Führung und die Antwort auf die herzlichen Pfiffe, die die St. Galler Zuschauer auch nach sechs Jahren noch für den 2008 zu GC abgewanderten Calla übrig haben.

Callas aberkanntes zweites Tor

Das Problem des FC Basel war an diesem Samstagabend aber nicht nur das zwar nicht immer strukturiert wirkende, dafür umso beherztere Anrennen des FC St. Gallen. Der FCB hörte irgendwann ab der 70. Minute schlicht auf, Fussball zu spielen. Zumindest vernünftig. Die Kontergelegenheiten wurden lausig zu Ende gespielt, und als es Fabian Schär mit einem chirurgischen Pass dann doch einmal schaffte, als Sio seinen Abschluss von Herzog abgewehrt sah und Calla erneut zur Stelle war – da winkte der Linienrichter aufgeregt mit seinem Fähnchen.

Eine stolze Leistung des Schiedsrichter-Assistenten, dass er in realer Geschwindigkeit erkannte, was man bei den Fernsehbildern erst bei genauem Hinschauen sah: Eine Zehenspitze vielleicht war Calla bei Sios Schuss vor dem Ball. Die Regelauslegung «Im Zweifel für den Stürmer» fand in der 77. Minute jedenfalls keine Anwendung.

Kein Kompliment für den FCB

Danach folgte, was Jeff Saibene so ausdrückte: «Wir haben in der letzten halbe Stunde mehr gemacht. Wir wollten den Sieg ein bisschen mehr.» Und St. Gallens Trainer tat sein Übriges dazu, wechselte unter anderem Dzengis Cavusevic und Marco Mathys ein. Cavusevic traf mit einem Kopfball die Lattenunterkante (65.), und Mathys bereitete den Ausgleich in der 84. Minute vor: Diesmal traf Cavusevic, von der Strafraumkante, mit einem Schuss, der ihm halb missglückte und FCB-Goalie Tomas Vaclik nicht vorteilhaft aussehen liess.

Dass der gegnerische Trainer findet, seine Mannschaft habe den Sieg mehr gewollt, dass die St. Galler zum dritten Mal in dieser Saison aus einem Rückstand noch einen Sieg machten, spricht für sie, ist jedoch kein Kompliment für den FCB, der am Mittwoch noch eine grosse physische und mentale Leistung abgerufen hatte, in St. Gallen aber nicht jene Leidenschaft und fussballerische Klarheit ausstrahlte. Auf das hohe, aufwändige Pressing der Ostschweizer fand der FCB zwar immer wieder Lücken, nutzte sich aber liederlich.

Hännis vertretbarer Entscheid

Dass in der Nachspielzeit auch noch der eine Punkt aus Händen und Füssen gegeben wurde, mag unglücklich aus Basler und glücklich aus St. Galler Sicht sein, unverdient war es jedoch nicht. Mit der Kraft der über 16’000 Zuschauer brachten sie in der Nachspielzeit den Ball noch einmal hoch vors Tor. Ein Foul wollte Schiedsrichter Hänni nicht pfeifen, als zwei St. Galler den auf die Flanke herauskommenden Vaclik angingen.

Die Einschätzungen zu dieser Szene gingen von «Foul, es ging nur darum, mich zu attackieren» (Vaclik), über «Das ist auch schon gepfiffen worden – aber ich hätte es nicht gepfiffen» (Saibene) und «Das ist im Fussball mit vom Schwierigsten, was die Schiedsrichter zu entscheiden haben» (FCB-Präsident Bernhard Heusler) bis zu «Das hat jeder selbst gesehen und kann es für sich bewerten» (Sousa).

Hännis Entscheid war vertretbar. Der Ball fiel jedenfalls Tafer vor die Füsse, Vaclik konnte den ersten Schuss noch abwehren, aber gegen Albert Bunjakus Nachschuss war kein Kraut mehr gewachsen.

Es braucht nicht viel, um den FCB aus dem Gleichgewicht zu bringen

Der Rückkehrer aus der Bundesliga hatte schon am 14. August bei der ersten Saisonniederlage des FCB im St. Jakob-Park beide Treffer erzielt. Jetzt hat Bunjaku die dritte Saison-Niederlage des FCB besiegelt, die verdeutlicht, dass es noch immer nicht viel braucht, um die diesmal von Sousa auf fünf Positionen umgebaute Mannschaft aus dem Gleichgewicht zu bringen. Grandiose Abende in der Champions League hin oder her.

Der FCB-Trainer haderte, dass sein Team in Führung liegend nicht die richtigen Entscheidungen bei den Kontergelegenheiten getroffen habe, räumte ein, dass die St. Galler seine Mannschaft in Schwierigkeiten gebracht habe und gratulierte seinem Kollegen Saibene. Der darf sich jetzt schon im Glanz eines zweifachen Serienmeister-Bezwingers sonnen und liess sich von den St. Galler Fans dafür nach Spielschluss auch ordentlich abfeiern.

 

liveticker

fixtures

table

calendar

Konversation

  1. Beim 2:1 wars ein Foul an Vaclik.

    Aber solang die Fifa und die Uefa sich weigert den Videobeweis auch für Foul und Offsete Situationen einzuführen, müssen damit leben!

    Danke Empfehlen (0 )
  2. Ein Phänomen, dass ich auch immer wieder in Foren anderer Zeitungen beobachte: Der „Fan“ des FC Basel nimmt sich das Recht, nach jedem nicht gewonnenen Spiel die Leistung der Mannschaft in der Luft zu zerreissen. Woher glaubt ihr, dass euch dies zusteht? Meinungsfreiheit bedeutet nicht, dass man jeden Unsinn von sich geben muss, der einem mal eben durch den Kopf fährt. Vielleicht täte etwas Demut gut, denn die meistens polemisch gefärbten Kommentare sind bestimmt nicht besser als die Resultate des FC Basel.

    Danke Empfehlen (0 )
  3. Es war wie im letzten Jahr. Nach dem 1-0 haben sie wieder aufgehört zu spielen. Leider
    haben sie in dieser Hinsicht nichts gelernt. In den letzten Minuten muss man den Ball in der eigenen Mannschaft halten und nicht nach vorne spielen. Frage ? War Gashi wirklich krank oder was ist los. Man kauft Ihn und er spielt nicht. Irgendwie komisch. Er
    hätte Ruhe ins Spiel gebracht. Aber das ist die Sache vom Trainer . Wie lange noch ?

    Danke Empfehlen (0 )
  4. Unparteiisch oder nicht, Hoyzer-Festspiele, 40 Sekunden gestohlen – alles nur Ablenkung von den eigenen Hausaufgaben, die es anzupacken gilt. Und ganz oben auf dieser to-do-Liste sollte stehen: Dem ‚ungeschliffenen Diamanten‘ eindringlich zu verstehen geben dass er es nicht mehr mit 17-jährigen Junioren zu tun hat, wo man sich vor dem einschieben ins leere Tor vielleicht mal eine kurze Pause erlauben oder vor dem eigenen Strafraum zu spielen aufhören kann, um auf den erhofften Foulpfiff des Schiris zu warten.

    Danke Empfehlen (0 )
    1. Da gehe ich mit Ihnen völlig einig. Ich würde sogar soweit gehen, dass das gesamte Team weiter spielen sollte. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sich die Mannschaft, nach einer Führung entspannt und nicht mehr Fussball spielt. Eine ‚Qualität‘ die sie schon zu Murat’s Zeiten hatte.
      Aber gehen wir nicht zu hart ins Gericht! Sie sind immer noch besser dran als letztes Jahr. Das darf man ruhig auch sehen.

      Danke Empfehlen (0 )
  5. Beim eigentlichen 2:0 das „im Zweifel für den Angreifer“ nicht angewandt, beim 1:1 wurde Embolo gefoult, beim 2:1 Vaclic zurückgehalten, das Spiel trotz langem Torjubel sogar 40 Sekunden zu früh abgepfiffen – als der FC Basel grad am Ball war nach vorne. Dann noch die Gelbe Karte gegen Suchy, obwohl er den Ball klar gespielt hat. Das waren Heute Hoyzer Festspiele. Klar, der FCB hätte mehr machen müssen. Aber bei einem knappen Spiel machen solche kapitalen Fehlentscheide den Unterschied. Erinnert an 2006… hoffe, das geschieht nicht öfters.

    Danke Empfehlen (0 )
    1. Ja der Schiri war scheisse: Aber sind wir hier bei den Hauptstadt-Grännis? Nein wir sind der FCB und das Heulen über den Schiri überlassen wir den Anderen.

      Danke Empfehlen (0 )
  6. Was heisst eigentlich «Kakitani» auf Deutsch? Ausfall? Teenager-Hype? Luftloch?

    Auf jeden Fall hat es nichts mit Fussball zu tun.

    Danke Empfehlen (0 )
Alle Kommentare anzeigen (10)

Nächster Artikel