FCZ verbannt Erinnerungen an Real Madrid in den Abstellraum

Vor fünf Jahren spielte der FC Zürich gegen Real Madrid in der Champions League. Ein Erinnerungsstück an diese erfolgreiche Zeit liegt hinter den Kulissen des FCZ-Museums versteckt und gehört Präsident Ancillo Canepa. Inzwischen spielen die Zürcher in anderen Wettbewerben.

Ball aus der Champions League 2009/2010, wohl aus dem Spiel FC Zürich–Real Madrid vom September 2009. Unterschieben von den Spielern Reals. (Bild: Samuel Waldis)

Vor fünf Jahren spielte der FC Zürich gegen Real Madrid in der Champions League. Ein Erinnerungsstück an diese erfolgreiche Zeit liegt hinter den Kulissen des FCZ-Museums versteckt und gehört Präsident Ancillo Canepa. Inzwischen spielen die Zürcher in anderen Wettbewerben.

Man muss schon lange suchen, bis man im FCZ-Museum irgendwo einen Hinweis darauf findet, dass die Zürcher einst gegen Real Madrid gespielt haben. An einer Wand hängt ein Trikot von Christoph Kramer, wohl aus der jüngsten Begegnung mit Borussia Mönchengladbach in der Europa League. In Vitrinen stehen Pokale vergangener Tage. An Stellwänden sind die Viten der FCZ-Nationalspieler festgehalten.

Aber Real Madrid? Auf Nachfragen verschwindet ein FCZ-Mitarbeiter in den Abstellraum und kramt irgendwo einen Ball hervor, auf dem «Privatbesitz von Ancillo Canepa» steht, pumpt ihn auf und legt die Kunststoffkugel auf den Tresen des Empfangs.

Vielleicht Ronaldo, vielleicht Leoni, vielleicht Margairaz

Es ist ein Museumsgegenstand aus der erfolgreichen Zeit des FCZ, der zwischen 2006 und 2009 seine letzten drei Meisterschaften gewonnen hat. Nach dem Titel 2009 spielten die Zürcher zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in der Champions League, und das gleich gegen Madrid. 2:5 verloren die Zürcher im Letzigrund – der Ball ging wohl an diesem Abend des 15. September 2009 in den Besitz von FCZ-Präsident Canepa über.

Vielleicht ist es der Ball, den Cristiano Ronaldo bei seinem zweiten Freistosstor genau auf die Fäuste Johnny Leonis schoss. Oder der, mit dem Xavier Margairaz den Elfmeter gegen Iker Casillas verwandelte. Für den Torhüter, seit August beim FC Le Mont in der Challengue League, und den Mittelfeldspieler, umhergereicht und unterdessen vereinslos, sind die Szenen nur noch Erinnerungen. Und möglicherweise haben sie diesen Ball aus dem Abstellraum gar nie berührt, vielleicht kam er damals nur beim Einspielen zum Einsatz. So genau weiss das wohl nur Canepa.

Die neuen Realitäten des FCZ

Inzwischen ist Real Madrid für die Zürcher in sportlich weite Ferne gerückt. Sie können nur noch zusehen, wie der ewige Rivale FC Basel die Duelle gegen das Weisse Ballett auf der grossen Bühne austrägt. Und zumindest Trainer Urs Meier tut dies mit grossem Interesse. Im St.-Jakob-Park sei er zwar wegen der Presskonferenz zum Europa-League-Spiel gegen Apollon Limassol nicht gewesen, aber er habe sich die Partie im Fernsehen angeschaut.

Basels Leistung gegen Real sei beeindruckend gewesen, sagt Meier, vor allem in der zweiten Halbzeit. Allerdings habe auch nicht jeder Spieler Reals sein ganzes Potential ausgeschöpft. Der 53-Jährige anerkennt die Erfolge der Basler, aus seinen Worten spricht kein Neid, auch wenn das Zürcher Wettbewerbsportfolio ein weniger glamouröses ist: ein 3:1-Sieg am Donnerstag in der Europa League gegen Bratislava, die Super League am Sonntag gegen den FCB, der Schweizer Cup am Mittwoch darauf gegen den SC Cham.

Am Sonntag im Letzigrund wird es das Duell zweier Mannschaften sein, deren Realitäten sich auch in diesem Punkt unterscheiden: Bei den einen rollen die Bälle der Champions League auf dem Rasen. Bei den anderen verstauben sie im Abstellraum des Museums.

Konversation

  1. Ach, ist das ein überflüssiger, chauvinistischer Artikel. Bei meinem Besuch im (alten) FCZ-Museum ist mir eine leidenschaftliche Auseinandersetzung und Ausstellung über den FCZ aufgefallen. Eine Leidenschaft, deren Präsentation man ansah, dass sie von Fans und nicht von einer Marketingabteilung konzipiert wurde. Diese Leidenschaft geht dem FCB-Museum leider gänzlich ab.

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  2. Die NZZ schreibt ihre Artikel über den FCB ausnahmslos in einem hämisch gefärbten Stil. Da darf die Tageswoche als Basler Zeitung in meinen Augen für einmal auch zu solchen Mitteln greifen.

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  3. Also ich habe mich riesig gefreut, dass der FCZ europäisch gepunktet hat und ich drücke ihm auch die Daumen, dass er sich endlich permanent in Europa etablieren kann.
    Naja ich kenne das FCZ-Museum nicht und werde es wohl auch nicht kennen lernen, da ich Fan der Erzrivalen bin. Aber wenn ich im FCB-Museum vorbei gehe ist dies auch mehr eine Ecke des Fanshops als eine Augenweide 😉
    Der FCZ wird morgen sicher wieder auf Augenhöhe mit Basel spielen und ich freue mich auf ein spannendes Spiel und, genug der netten Worte, dass Zyri gruusig eins an Pinsel bekunt :))

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  4. Fairplay Herr Waldis.

    Ich war noch nie im FCZ Museum und werde auch nie dort hin gehen. Genau wie mein Webbrowser die Homepage des FCZ und des GCZ verweigert – ich kann diese Webseiten schlicht nicht öffnen – auch wenn ich wollte…

    Respekt ist der Bruder von Fairplay. Die Grenze zwischen Ironie und Respektlosigkeit ist unsichtbar. Ich bin jedenfalls froh, kämpft der FCZ in der Europa-League im Namen der Schweizer Liga um Punkte. Denn auch (oder evtl. nur) mit den Siegen des FCZ und der YB kann der zukünftige Schweizer Meister die Millionen der CL kassieren…

    Lassen Sie uns doch in der Nationalen Meisterschaft über die Mitbewerber des FCB „lachen“ – dann sind wir Konkurrenten. International sind wir Partner… 😉

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  5. Na na, immer schön fair bleiben. Bei uns im FCZ-Museum hängt ein Real-Tauschwimpel von 1960 (ok, den sieht man fast nicht, so zentral und prominent hängt er). Dazu hat es Filmaufnahmen aus Madrid von 1959 und 1964 und, last but not least, eine Weltkarte mit dem Spieleintrag in Madrid 1924. Damals gabs gegen Real 2 Siege für den FCZ. Wüsste grad keine andere Schweizer Mannschaft, der das mal gelungen ist.

    Würde mal sagen, da hat jemand nicht sonderlich genau hingeschaut. Ziemlich schwach und unseriös.

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    1. Liebes FCZ Museum, ich kann Ihren Kommentar nachvollziehen. Keineswegs wollte ich festhalten, dass es im Museum nichts zu einer Begegnung mit Real Madrid zu finden gibt. Man muss nur danach suchen und auf Nachfrage wurde mir der besagte Ball gezeigt. Würde sich dieses vielleicht jüngste Erinnerungsstück eines grossen Spiels nicht gut in einer Vitrine machen?

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