Federer siegt gegen Wawrinka – Pfiffe statt Spektakel

Da stand er also, Stan Wawrinka, Bezwinger von Rafael Nadal – und liess sich von Roger Federer demontieren wie eine Kopie seiner selbst. Der Titel in Rom fehlt Federer noch in der Sammlung. Jetzt steht im nur noch Novak Djokovic im Weg.

Roger Federer beim Service gegen Stan Wawrinka. Das Schweizer Duell in Rom bestach nicht durch grosse Kämpfe. (Bild: Alessandra Tarantino)

Da stand er also, Stan Wawrinka, Bezwinger von Rafael Nadal – und liess sich von Roger Federer demontieren wie eine Kopie seiner selbst. Der Titel in Rom fehlt Federer noch in der Sammlung. Jetzt steht im nur noch Novak Djokovic im Weg.

Er legte los, als wolle er einfach da weitermachen, wo er am Abend zuvor beim Sensationscoup gegen Matador Rafael Nadal aufgehört hatte. Doch die beeindruckende 3:0-Führung und der starke Startspurt erwiesen sich als äusserst flüchtiger Zauber für Stan Wawrinka an einem Masters-Abend des schliesslich totalen Missvergnügens in Rom, an dem seine Center Court-Schlappe im Schweizer Duell mit Roger Federer mit 4:6 und 2:6 keineswegs zu knapp ausfiel.

So überlegen gestaltete Federer im zweiten Satz das komplett spannungsarme Match der beiden Davis Cup-Helden des vergangenen Novembers, dass man fast schon Mitleid mit Wawrinka haben musste. Der Romand musste sich wegen seiner letztlich nicht sehr intensiv ausgefallenen Gegenwehr auf der Zielgeraden sogar einige böse Pfiffe des römischen Publikums anhören.



Stan Wawrinka bei einem Return – es nützte alles nichts, Roger Federer war mit Abstand der Stärkere.

Stan Wawrinka bei einem Return – es nützte alles nichts, Roger Federer war mit Abstand der Stärkere. (Bild: Alessandra Tarantino)

Jedenfalls erlebten die Fans und Fernsehzuschauer in bloss 55 Minuten Spielzeit das genaue Gegenteil von dem, was allgemein erwartet worden war: Statt Spannung und Dramatik auf höchstem Niveau lieferte die Nachtvorstellung lähmendes Einbahnstrassen-Tennis, von einem «Battle of the Swiss» (ATP Tour Online) war nicht das geringste zu sehen.

Federer kann endlich zum ersten Mal den Titel holen

Federer hat nun die Chance, in seinem vierten Finale im Foro Italico endlich zum ersten Mal den Masters-Titel zu holen – und damit eine der wenigen Trophäen, die ihm in seiner erlesenen Sammlung noch fehlen. Allerdings wird er keinem geringeren als dem gegenwärtig überwältigend starken Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic gegenüberstehen, der im ersten der beiden Halbfinals den spanischen Dauerrenner David Ferrer mit 6:4 und 6:4 souverän ausgeschaltet hatte.

«Federer wird eine gewaltige Herausforderung sein, so wie immer», hatte Djokovic bereits vor dem Beginn des eidgenössischen Vergleichs gesagt – und damit dürfte er er nach dem zupackenden und nervenstarken Vortrag des 33-jährigen Familienvaters am Samstagabend auch recht haben. Rechtzeitig zur wichtigsten Saisonphase, mit den nahenden beiden Grand Slam-Wettbewerben in Paris und Wimbledon, ist die Nummer 2 der Szene wieder in Schwung und zu Selbstbewusstsein gekommen.

Vergessen ist auch das jüngst jähe, frühe Ausscheiden beim Masters in Madrid gegen den jungen Australier Nick Kyrgios. «Mein Spiel ist da. Ich spüre Rückenwind», sagte Federer schon vor dem Aufeinandertreffen mit Wawrinka und gab eine kernige Kampfansage auch für die Konkurrenz in Paris. Dort, so befand Federer, sei das Minimalziel «das Erreichen des Halbfinales». 

Wawrinka nur noch eine schlechte Kopie von sich

Ungerührt nahm Federer den schnellen Rückstand gegen seinen Freund und Weggefährten hin und übernahm schon nach dem 2:3-Rebreak im ersten Satz eindeutig das Kommando. Bis zum 4:4 konnte Wawrinka noch passabel mithalten, danach wirkte sein Spiel so wie der lädierte Center Court – nämlich wie eine grosse Baustelle.



Das Spiel war für Roger Federer ein gelungener Gang ins Final des Masters-1000-Turniers in Rom; ein Titel, der ihm in der glanzvollen Sammlung übrigens noch fehlt.

Das Spiel war für Roger Federer ein gelungener Gang ins Final des Masters-1000-Turniers in Rom; ein Titel, der ihm in der glanzvollen Sammlung übrigens noch fehlt. (Bild: Alessandra Tarantino)

Nach dem Break zum 4:5 fiel Wawrinka regelrecht auseinander, sah nur noch wie eine schlechte Kopie des Mannes aus, der tags zuvor Rafael Nadal endgültig die French Open-Vorbereitung und-Laune verdorben hatte. Federer traf kaum noch auf Gegenwehr bis zur 5:1-Führung im zweiten Satz, vor einer Kulisse, die sich diese Night Show mit den beiden Schweizer Wanderarbeitern etwas anders vorgestellt hatte. Nur noch zehn Punkte holte Wawrinka im zweiten, 2:6 verlorenen Akt seines persönlichen Trauerspiels, kein Wunder, dass er fluchend und jammernd die Seiten hin- und herwechselte wechselte.

Die letzte Hürde heisst Novak Djokovic

Ganz früh in seiner Traumkarriere, nämlich 2003, hatte Federer zum ersten Mal im Finale von Rom gestanden und gegen den erfahrenen Spanier Felix Mantilla verloren. 2006 und 2013 stand ihm dann der ewige Sandplatz-Spielverderber Rafael Nadal im Weg. Nun muss er die Hürde Djokovic nehmen, einen Rivalen besiegen, der gerade seit 21 Spielen unbesiegt ist, allerdings die letzte Niederlage in Dubai Ende Februar gegen keinen anderen als Federer selbst kassierte.

Die Nummer 1 der Welt gegen die Nummer 2 – es könnte bestenfalls, aus der Sicht Federers, auch ein Vorgriff auf die Kräfteverhältnisse und das Drehbuch bei den French Open sein. Federer hat sich fest vorgenommen, dort eine tragende Rolle zu spielen und die Chance zu nutzen, die sich auch ihm in einem Jahr der Schwächemomente bei Nadal bieten. 

Ein Erfolg in Rom gegen Djokovic könnte diese Ambitionen erst recht beflügeln, ein Erfolg bei seinem inzwischen 15. Auftritt in der Ewigen Stadt. Nirgends auf der Welt, auch dies ist wahr, hat Federer so hartnäckig, aber bisher vergeblich um einen Titel gerungen.

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