Für einen kleinen Gewinn des FCB muss Burgener an den Speck

Auch wenn im Jahr 2017 die grossen Transfereinnahmen ausgeblieben sind, weist der FC Basel in seiner Erfolgsrechnung einen Gewinn von 580’000 Franken aus. Nach dem Rekordjahr 2016 mit 132 Millionen Franken Umsatz, betrugen die Erlöse 88,5 Millionen. Die Perspektiven für 2018 zeichnet Mehrheitseigner Bernhard Burgener in schillernden Farben.

«Welches Defizit?» – FCB-Präsident Bernhard Burgener fühlte sich bei der Präsentation der Jahreszahlen 2017 zum Teil unverstanden.

Zum ersten Mal hat Bernhard Burgener als Präsident und Mehrheitseigner des FC Basel die Jahresrechnung vor den Medien präsentiert. Und man muss festhalten, dass es ein ausführlicher, aber auch hier und da verwirrender Vortrag war. Sein Tenor nach rund zehn Monaten im Amt lautete: «Ich bin sehr zufrieden.»

Bei den wichtigsten Kennzahlen hat der FCB vor allem bei den Einnahmen aus der Champions League ein Plus von 11,9 Millionen Franken erwirtschaftet. Bei den Transfers stehen nach dem Ausnahmejahr 2016 mit Einnahmen von 61,5 Millionen Franken diesmal nur 8,1 Millionen in den Büchern. Allerdings gab der FCB auch weniger Geld für neue Spieler aus (6 Millionen) als im Jahr zuvor (17,7 Millionen weist Burgener aus, 23 Millionen die alte Führung).

Unter dem Strich hat der FCB im Jahr 2017 Umsatzerlöse von 88,49 Millionen Franken und Ausgaben von 87,9 Millionen gehabt. Auch wenn diese Zahlen deutlich entfernt sind vom Rekordjahr 2016, sind das für Schweizer Verhältnisse noch immer exorbitante Grössenordnungen.

Die Personalkosten sind noch einmal um knapp über zehn Prozent auf 49,9 Millionen gestiegen, wobei der Spielbetrieb (Spieler, Trainer, Betreuer) mit 39,9 zu Buche schlägt (plus 4,4 Millionen). Das erklärt sich unter anderem mit Leistungsprämien in Höhe von 9,3 Millionen, die sich die Profis mit dem Doublegewinn und dem Erreichen der Champions League verdient haben.

Eine Reduzierung der Anzahl Spieler, die zum Ursprungskonzept von Burgener gehört, beschäftigt ihn auch mit Blick auf 2018: «Die Lohnkosten werden kleiner sein», sagte er am Donnerstag. Er betonte jedoch auch: «Ich werde aber keinen Spieler verkaufen, nur damit die Zahlen stimmen.» Ausserdem beschwor Burgener bei dieser Gelegenheit abermals das Jugendkonzept, die Ausbildung von Spielern aus dem eigenen Nachwuchs – und allfällige Transfererlöse aus deren Verkauf.

Trainer Raphael Wicky stellte Burgener jedenfalls ein gutes Zeugnis aus, was die Einsatzzeiten junger Spieler betrifft. Burgener misst seinen Trainer auch daran und lobt ihn: «Raphael Wicky winde ich einen ganz grossen Kranz.»

Vor einem Jahr hatte Burgener bei der Präsentation seiner Pläne mit dem FC Basel 22 Millionen Franken Transfereinnahmen budgetiert. Dieses Ziel wurde weit verfehlt, konnte aber aufgefangen werden durch die Reserven, die die alte Klubführung dem neuen Mehrheitseigner an der FC Basel Holding AG (90,6 Prozent) beim Verkauf des Aktienpakets als Morgengabe mitgegeben hatte. Rund 60 Millionen Franken an Eigenkapital und Rückstellungen waren das.

Wieviel von diesem Speck nun nötig war, um für 2017 einen kleinen Gewinn ausweisen zu können, konnte oder wollte Burgener bei der Medienkonferenz nicht explizit ausführen – wie er in mancher Hinsicht eine klare Antwort schuldig blieb oder Irritation stiftete.

Klar war Burgener bei der Frage nach der Dividendenausschüttung: «Darüber entscheiden die Vereinsmitglieder, aber auf diesem Niveau schlage ich sicherlich keine Dividenden vor.» Burgener hatte bei der Amtsübernahme angekündigt, dass er sich im Falle eines Gewinns der FC Basel 1983 AG das Recht herausnimmt, jeweils 50 Prozent davon der Holding AG und dem Verein zu überweisen.

In der von Burgener vorgelegten Bilanz der FC Basel 1893 AG stehen einem Eigenkapital von 16,36 Millionen Franken Fremdkapital in Höhe von 42,07 Millionen gegenüber. Unter den «wesentlichen Aktiven» ist ein Minus bei den flüssigen Mitteln in Höhe von 7,21 Millionen festgehalten. Man kann interpretieren, dass es sich dabei um eine Auflösung der Rücklagen handelt.

Konkrete Zahlen für die Holding AG legte der FCB-Präsident den Journalisten keine vor, erwähnte jedoch am Rande, dass dort weiterhin «20 Millionen» an Eigenkapital liegen (von der alten Klubführung ausgewiesen: 22 Millionen). Zur Verdeutlichung: Die FC Basel Holding AG ist vertraglich verpflichtet, ein Defizit der FC Basel 1893 AG zu decken.

Der Ausblick Burgerners für 2018 hangelt sich an den bekannten Eckpunkten seines Konzepts entlang. Da klar ist, dass der FCB im Schweizer Cup gescheitert ist und nach menschlichem Ermessen die Meisterschaft den Young Boys nicht mehr zu nehmen ist (Burgener: «Dafür bräuchte es alles Glück dieser Welt, und selbst dann dürfte es schwierig werden»), skizzierte der FCB-Präsident die sportlichen «Ziele 2018-2019» so: «Kampf um die Meisterschaft», «Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation» (wozu Platz 2 in der heimischen Liga nötig ist) sowie «internationales Überwintern».

«Wir dürfen nicht die bestrafen, die noch kommen. Jeder neue Kunde, den wir gewinnen, ist zusätzliches Geld.»

Wirtschaftlich werden erneut zwischen 80 und 90 Millionen Franken Umsatz angestrebt. Und da der FCB im Januar bereits 25 Millionen Franken Transfereinnahmen erzielt hat (für Renato Steffen sowie dem Löwenanteil von über 20 Millionen für Manuel Akanjis Wechsel zu Borussia Dortmund) und weitere 3,6 Millionen Franken Zuschauereinnahmen aus dem Achtelfinal gegen Manchester City dazukommen, frohlockt Burgener: «Die beiden Transfererlöse helfen uns massiv im Jahr 2018. Das hat unsere Crew gut gemacht. Marco Streller hat wie ein Löwe gekämpft, er hat sogar den Preis für Akanji noch etwas hochgetrieben.»

Was dem Präsidenten Sorgen bereiten müsste, ist der Rückgang der Jahreskarten. 23’237 weist der FCB für 2016 aus, noch 21’872 im laufenden Jahr. Ausserdem ist die sogenannte No-Show-Quote (Zuschauer, die ihr Ticket bezahlt haben, aber nicht ins Stadion kommen) unverändert hoch. In der laufenden Saison beträgt diese Quote 27,5 Prozent, was konkret bedeutet, dass von den offiziell vermeldeten 240’036 Zuschauern 66’071 gar nicht im Joggeli waren.

Deshalb erteilte Burgener Preiserhöhungen erneut eine Absage: «Wir dürfen nicht die bestrafen, die noch kommen. Jeder neue Kunde, den wir gewinnen, ist zusätzliches Geld.»

Burgener spricht von «Massnahmen zur Steigerung der Zuschauerzahlen», ohne diese näher zu benennen. Ebenso schwammig blieb seine Ankündigung, was der Verein im Jahr seines 125-jährigen Bestehens an Jubiläumsfestlichkeiten geplant hat. «Das berühmte Datum ist der 15. November. Wir werden im Herbst loslegen bis im nächsten Sommer, da haben wir einiges vor. Ein Ziel ist: Wir möchten diese 125 Jahre nochmals nutzen, die Leute zu begeistern.»

Rückblick auf die Geschäftszahlen 2017

https://tageswoche.ch/sport/29-millionen-gewinn-das-schlussfeuerwerk-einer-scheidenden-vereinsfuehrung/

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