Gedanken des Trainers zu Xhakas roter Karte

Taulant Xhaka sieht nach Spielschluss die rote Karte wegen eines Vergehens am Berner Renato Steffen. Im Anschluss an die Niederlage gegen YB will FCB-Trainer Urs Fischer keine Stellung dazu nehmen – und tut es trotzdem.

Basels Taulant Xhaka reagiert nach dem Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen den Berner Young Boys und dem FC Basel, am Mittwoch, 23. September 2015, im Stade de Suisse in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

(Bild: Keystone/PETER SCHNEIDER)

Taulant Xhaka sieht nach Spielschluss die rote Karte wegen eines Vergehens am Berner Renato Steffen. Im Anschluss an die Niederlage gegen YB will FCB-Trainer Urs Fischer keine Stellung dazu nehmen – und tut es trotzdem.

Mit Fussball lässt sich deswegen Geld verdienen, weil er etwas hervorbringt, das den Menschen wie vielleicht nichts anderes ausmacht: Emotionen. Das weiss Urs Fischer, der mit diesem unsichtbaren Gut seinen Lebensunterhalt bestreitet.

Und deswegen sagt der Trainer des FC Basel zur unschönen Szene, die sich nach der 3:4-Niederlage seiner Mannschaft gegen die Young Boys abspielte und zur roten Karte gegen Taulant Xhaka führte: «Die Leute wollen doch Emotionen sehen! Man kann diese nicht immer fordern und dann, wenn mal etwas überbordet, alles gleich infrage stellen.»

Fischer nimmt Xhaka, dem ein tätliches Vergehen am Berner Renato Steffen angelastet wird, keinesfalls in Schutz, auch wenn er mildernd festhält: «Renato Steffen ist auch kein Kind von Traurigkeit.»

Das Regelwerk gibt «gewisse Grenzen» vor

Und eigentlich wolle er die Szene nicht kommentieren, weil er sie selbst nicht gesehen habe. Vom Schiedsrichter habe er kurz nach dem Spiel noch keine aufklärende Rückmeldung erhalten.

Gegen Lech Posen hatte Xhaka wegen gefährlichen Spiels seine erste rote Karte der Saison gesehen, im Stade de Suisse die zweite – nach einem nervenaufreibenden Spitzenspiel gegen die von Adi Hütter neu formierten Berner und wegen einer Szene, die nichts mit Sport zu tun hatte.

Dass es im Fussball immer wieder zu solchen Missgriffen kommt, führt Fischer auch auf das Regelwerk zurück. Im Rugby, einer der härtesten Sportarten, die mit einem Ball auf Rasen ausgeübt werden, könnten sich die Spieler schon während der Partie «die Köpfe einschlagen». Im Fussball gebe es hingegen «gewisse Grenzen».

Fischer rechtfertigt mit seiner Ausführung keine Tätlichkeit

«Unser Sport hat sich verändert, er ist immer schneller, intensiver geworden. Deswegen sind gewisse Aktionen, die vor 20 Jahren noch erlaubt waren, heute nicht mehr zulässig. Die Verletzungsgefahr ist schlicht zu hoch. Man muss den Gegner mit Mitteln in den Griff kriegen, die sehr beschränkt sind», sagt Fischer.

Man kann Fischers Worte so interpretieren: In einer Sportart wie Rugby entladen sich die Emotionen wegen der ruppigen Gangart schon während des Spiels. Im Fussball sind den Spielern Schranken gesetzt, es stauen sich Emotionen an, die sich im Nachgang entladen.

Eine Einschätzung ist schwierig. Zumindest auf diesen Bildern sieht es danach aus, als ohrfeige Xhaka Steffen. Ob er ihn mit seiner Handbewegung auch tatsächlich trifft, ist nicht zu erkennen:

Freilich rechtfertigen Fischers Ausführungen keine Tätlichkeiten. Und so will der Trainer seine Ausführungen auch nicht verstanden haben. Wenn es eine Tätlichkeit war, werde man die Sachlage intern angehen, sagt der FCB-Trainer, der im 16. Spiel zum ersten Mal verloren hat.

«Ein Tritt in den Hintern hat noch keinem geschadet»

Und vielleicht liegt der Grund für Xhakas Verhalten auch ganz einfach darin, dass der Mittelfeldspieler schon lange nicht mehr als Verlierer vom Platz gehen musste. Dafür würde sprechen, dass Fischer lange überlegt, bevor er auf die Frage antwortet, ob man Verlieren verlernen könne.

«Zur richtigen Zeit einen Tritt in den Hintern zu erhalten, hat noch keinem geschadet», sagt der 49-Jährige schliesslich. «Wenn man die richtigen Schlüsse daraus zieht, dann bringt uns diese Niederlage weiter.»

Gut möglich, dass Fischer damit nicht nur das Sportliche meint, sondern auch das Verhalten Xhakas.



Erhitzte Gemueter nach dem Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen den Berner Young Boys und dem FC Basel, am Mittwoch, 23. September 2015, im Stade de Suisse in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Die Szene, nach der Taulant Xhaka mit Rot in die Kabine geschickt wird. (Bild: Keystone/PETER KLAUNZER)

Konversation

  1. @ Murphy,

    Dass der Gegner gefoult wird, ist wohl in jedem Spiel so, u.a. deshalb brauchts ja einen Ref. Dass aber jeder Entscheid ebendieses mit abschätzigen Gesten, lautstark, Rudelbildung und letzthin gar handgreiflich in Frage gestellt wird, das hab ich beim Rugby, zumal in einer höchsten nationalen Spielklasse, noch nie gesehen. Der Ref hat recht. Punkt. Das mein ich mit Ehrenmännern.

    Wobei Rugby generell viel moderner ist und z.B. überhaupt keine Berührungsängste mit moderner Technologie (z.B. Videobeweis) zu haben scheint. Und so auch seine Refs besser vor Fehlentscheiden schützt.

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  2. Ob Schubser oder Ohrfeige spielt keine Rolle, eine Dummheit wars sowieso. Granit mag ein schlechter Verlierer sein aber Steffen und noch einige andere Gelbschwarze sind noch viel schlechtere Gewinner.

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  3. Den Embolo kann foulen bis er verletzt vom Feld gehen muss (ist zum Glück nicht passiert), Xhaka wird mit einer Blutgrätsche attackiert und rettet sich durch einen glücklichen Sprung (gibt immerhin Gelb) und danach kommt einer, sagt wasweisswer was für Hueresohnarsch etc. wird auf die Seite geschubst, lässt sich fallen als hätte er einen Schlag mit einem Baseballschläger erhalten – und Xhaka kriegt Rot und vier Spielsperren???

    Und das nennt sich die oberste Liga?

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  4. Und der YB-Lausbub kommt schon wieder ungestraft davon. Könnte man Steffen nicht endlich ins Ausland verkaufen, dass wir den in der Schweiz endlich los sind? Was der in jedem Spiel abzieht hat doch nichts mehr mit Fussball zu tun. Der sollte den nächsten Oscar gewinnen für seine schauspielerischen Leistungen. Pfui Herr Steffen, werden Sie endlich erwachsen.

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  5. Tätlichkeiten gehören bestraft, ja. Xhaka berührt den Gegenspieler. Ein Gegenspieler, der für Provokationen bekannt ist. Er sagt Xhaka wohl nicht die nettesten Dinge. Einen richtigen Schlag oder sowas sieht man nicht. Eine Rückprovokation mit einem leichten Klapser auf die Backe. Und was geschieht? Steffen geht zu Boden und verhält sich, als hätte er wirklich was heftiges abbekommen. Was Xhaka macht geht nicht. Aber was Steffen hier abzieht; man müsste wirklich mal das Regelwerk für solch feiges und unsportliches Verhalten anpassen. Was braucht es, damit jemand zu Bode fällt und dort leidend lange herumliegt? Was geschah zuvor? Bei Gerangel und Konflikten macht man es richtig: gibt beiden Hauptakteuren jeweils eine gelbe Karte. Vielleicht sollte man hier auch zumindest mal eine Gelbe für grobe Unsportlichkeit ziehen. Da lobe ich mir Bjarnasson. Er kriegt einen Schlag aufs Bein, fällt, hat kurz Schmerzen. 3 Sekunden steht er wieder, als wäre nichts gewesen.

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    1. Anfang Siebziger hätte man beim nächsten Spiel den Herrn Fischli (Spitzname: «Fleischli») auf den Herrn Steffen angesetzt und die Sache wäre nach zehn Minuten gerächt gewesen.

      Tempi passati (leider).

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    2. Na, im nächsten Spiel ist ja Xhaka vielleicht auch dabei 😉 Da Steffen sich Spiel für Spiel so benimmt dürfte es nur eine Frage der Zeit sein bis es eine Schienbeinmassage durch einen Stollen gibt …

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  6. So ein Quatsch. Als Ire weiss ich noch, wie unser damals bester Spieler Brian O’Driscoll immer wieder völlig unfair angegangen wurde, bspw. durch gezielte Faustschläge bei einem Testspiel (!) gegen die Basken oder durch Hochheben und gezieltes aufs Genick stürzen lassen gegen Neuseeland. Rugby ist genauso dreckig wie Fußball. Der Unterschied ist nur, dass im Rugby viel seltener simuliert wird.

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