Gegen Trabzon gabs für Sm’Aesch Pfeffingen vor allem Erfahrung zu gewinnen

Beim Hinspiel im Viertelfinal des CEV Challenge Cup verliert Sm’Aesch Pfeffingen gegen den haushohen Favorit aus Trabzon 0:3 (15:25, 14:25, 15:25). Die jungen Spielerinnen dürfen trotzdem viel Positives aus der Partie mitnehmen.

Damen Volleyball NLA: Sm�Aesch Pfeffingen � Sagres NUC am 11. April 2015 in der Sporthalle L�hrenacker in Reinach Captain Kerley Becker (Sm'Aesch) �berreicht Pr�sident Werner Schmid seinen Lieblingskuchen als kleines Geschenk Foto: Uwe Zinke

(Bild: Uwe Zinke)

Beim Hinspiel im Viertelfinal des CEV Challenge Cup verliert Sm’Aesch Pfeffingen gegen den haushohen Favorit aus Trabzon 0:3 (15:25, 14:25, 15:25). Die jungen Spielerinnen dürfen trotzdem viel Positives aus der Partie mitnehmen.

So viel Applaus haben die jungen Spielerinnen von Sm’Aesch Pfeffingen noch nie gehört, wenn ihnen ein Punktgewinn gelang. 1200 Zuschauerinnen und Zuschauer sind zur Ausnahmepartie in der Mehrzweckhalle in Löhrenacker erschienen, um den Viertelfinal im CEV Challenge Cup zu sehen. Rekord. 

Und das Publikum machte sich bei jeder geglückten Aktion lautstark bemerkbar, wusste es doch um das Ungleichgewicht zwischen den beiden Teams auf dem Spielfeld. Auf der einen Seite die jungen Birstalerinnen, die sich unverhofft in ihrer bis anhin anspruchsvollsten Begegnung wiederfanden, auf der anderen Seite das internationale Spitzenteam Trabzon İdmanocağı aus der Osttürkei. Gegen den weitaus erfahreneren Gegner endete die Partie mit einer Niederlage von 0:3 (15:25, 14:25, 15:25).

Karriere-Highlight 

Manchmal findet einem das Glück, ohne dass man danach sucht. Dem Plan zufolge hätte das Aescher Abenteuer im CEV Challenge Cup nämlich nach der erste Runde bereits ihr Ende gefunden. Damit war der Höhenflug, der dann aber folgte, gar nicht budgetiert.

Nun kosten die einzelnen Runden den Verein jeweils 20’000 bis 25’000 Franken, je nach Destination. Warum er dies in Kauf nimmt, weiss Präsident Werner Schmid ganz genau: «Man will den Spielerinnen etwas bieten, und dass sie sich international präsentieren können», sagte Schmid. «In der Schweiz wird man mit Volleyball nicht reich. Wenn die Spielerinnen ins Baskenland, nach Helsinki, nach Israel und nach Trabzon an das Schwarze Meer reisen können, ist das für sie ein Riesenerlebnis.»

Für die jungen Spielerinnen ist auch der sportliche Erfolg dieser Art ein Novum. Zuvor hatte noch keine unter ihnen einen Viertelfinal im Europacup selbst erlebt. Eine Gelegenheit, die sich für den Verein wohl in den nächsten zehn Jahren kaum ein zweites Mal ergeben wird. «So etwas erlebt eine Spielerin selten in ihrer Karriere», sagte denn auch Trainer Timo Lippuner, weshalb es am wichtigsten sei, «das Ganze zu geniessen und das Maximum daraus rauszuholen».

Lange Wege

Vereinspräsident Werner Schmid hatte alles daran gesetzt, diesen Genuss zu ermöglichen. Für die Vereinskasse vorteilhaft: Schmid betreibt in Reinach eine Autogarage, womit das Fahrzeug zu einigen Turnierschauplätzen schon mal gestellt war. Ans Steuer des Reisebusses setzte sich der Vereinspräsident höchstpersönlich. Zum anstehenden Rückspiel in Trabzon werden die Birstalerinnen jedoch fliegen. 

Noch länger als der Weg ans Schwarze Meer erscheint allerdings derjenige, den Sm’Aesch Pfeffingen in den letzten elf Jahren in der Nationalliga A hinter sich brachte, um jetzt diesen Meilenstein der Vereinsgeschichte trotz Niederlage zu erreichen. Dieser begann im Jahr 2000 mit der Fusionierung der Volleyball-Vereine Aesch und Pfeffingen. Der Erfolg der aktuellen Saison führt aber vor allem darauf zurück, dass letztes Jahr eine GmbH mit Geschäftsstelle für Sm’Aesch Pfeffingen gegründet und damit einhergehend die Vereinsstrukturen professionalisiert wurden.

Mit vollem Risiko

Zu lernen gibt es für Sm’Aesch Pfeffingen noch einiges. Trainer Lippuner resümierte nach der jüngsten Partie: «Heute hat eine Jugendmannschaft gegen eine Volleyballmannschaft gespielt. Man sieht die Jahrzehnte an Erfahrung auf der anderen Seite.»

In Anbetracht der geringen Erfolgsaussichten sind die Spielerinnen von Beginn weg volles Risiko eingegangen. Darunter litt jedoch gelegentlich ihre ansonsten gewohnte Abgeklärtheit. So liessen sich die Birstalerinnen unter Druck setzen und experimentierten mit Finten und anderen Manövern, wenn sie es besser unterlassen hätten. Genau dies wussten ihre Gegnerinnen auszunutzen.

Gewonnen hat das Heimteam vor allem an Erfahrung. Diese will Lippuner für den Spielalltag in der Nationalliga A mitnehmen, wo mit Volero Zürich und Volley Köniz ähnlich starke Mannschaften spielen. «Man muss jetzt nicht frustriert sein. Vielmehr geht es darum, das Ganze als Challenge zu sehen und sich zu fragen, wie man das Niveau in der Nationalliga A erhöhen kann», so Lippuner. 

Trotz all dem Positiven: Teamkapitänin Kerley Becker hätte sich dennoch einen etwas schwächeren Gegner gewünscht: «Es ist immer besser ein Spiel zu spielen, bei der wir eine Chance haben», sagte sie, «auch wenn wir schlussendlich verlieren». Sie werde aber immer positiv auf dieses Spiel zurückschauen.

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