Gibt es einen zweiten Ehrenpräsidenten?

Ein letztes Mal führt Bernhard Heusler am Freitag durch eine Generalversammlung. Dann wird er als Präsident des FC Basel vom neuen Besitzer Bernhard Burgener abgelöst. Die Weichen für den Machtwechsel sind gestellt.

Die designierte Clubfuehrung mit Bernhard Burgener, rechts und auf der Projektion, stellt ihr Konzept vor an der ausserordentlichen Mitgliederversammlung des FC Basel in der St. Jakobshalle in Basel am Freitag, 7. April 2017. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Ein letztes Mal führt Bernhard Heusler am Freitag durch eine Generalversammlung. Dann wird er als Präsident des FC Basel vom neuen Besitzer Bernhard Burgener abgelöst. Die Weichen für den Machtwechsel sind gestellt.

Zum zweiten Mal führt der FC Basel seine ordentliche Generalversammlung unter freiem Himmel durch. Am Freitag um 18.30 Uhr geht es los im St.-Jakob-Park. Das wichtigste Traktandum im Vorjahr war, dass die Vereinsführung um Präsident Bernhard Heusler den Mitgliedern die mündliche Zusicherung machte, die Übergabe des Profibetriebs in neue Hände nicht ohne ihr Einverständnis zu vollziehen.

Es war der erste Schritt für das, was Monate später seinen Lauf nahm und nun in diese Generalversammlung mündet. Heusler und die anderen vier Verwaltungsräte treten zurück und geben ihre Aktien weiter. Wie versprochen nicht ohne das Einverständnis der Mitglieder, die an einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung im April darüber entschieden haben, dass Bernhard Burgener, der neue Eigentümer, die Aktienmehrheit übernehmen darf.

Was passiert am Freitag?

Burgener wird 90,6 Prozent der Aktien der FC Basel Holding AG übernehmen: 44,2 Prozent von Bernhard Heusler, 25 von Georg Heitz, 10 von Adrian Knup, 5 von Stephan Werthmüller und René Kamm und nach Informationen der TagesWoche 1,4 Prozent von Mathieu Jaus.

Der Holding gehören 75 Prozent der FC Basel 1893 AG, in der der Profibetrieb angesiedelt ist, die restlichen 25 Prozent gehören dem Verein FC Basel 1893. Dem Basler Unternehmer Burgener untersteht damit unter anderem alles, was mit der ersten Mannschaft zu tun hat.



Die FC-Basel-Gruppe und die Beteiligungen.

Die FC-Basel-Gruppe, Stand: Juni 2017. (Bild: Nils Fisch/Grafik)

Präsident des Vereins ist Burgener deswegen nicht automatisch. Läuft aber alles wie erwartet, wird der 59-Jährige dieses Amt am Freitag von Bernhard Heusler übernehmen. Burgener wird der 34. Präsident des FC Basel, seit dieser 1893 gegründet wurde.

Zudem steht der Vorstand des Vereins zur Wahl: Peter von Büren und Marco Streller sind die neuen Kandidaten. Dominik Donzé, Reto Baumgartner und Benno Kaiser stellen sich zur Wiederwahl.

» Nicht Mäzen, sondern Unternehmer – was Bernhard Burgener mit dem FCB vor hat

Werthmüller steht dem FCB projektbezogen weiterhin zur Verfügung

Als die Muttenzerkurzve während des letzten Saisonspiels zu Ehren Heuslers friedlich den Rasen stürmte, erlebte der scheidende Präsident einen emotionalen Höhepunkt seiner fünfjährigen Amtsperiode. Am Samstag ging in der Innenstadt die Feier des Vielgelobten weiter, und bei der Generalversammlung gilt die Aufmerksamkeit noch ein letztes Mal Bernhard Heusler.

Heusler teilt diese Aufmerksamkeit unter anderem mit Stephan Werthmüller, der die bekannten 132 Millionen Franken Umsatz und 29 Millionen Franken Gewinn präsentieren wird. Noch nie hat die FC Basel 1893 AG mehr Gewinn erzielt als 2016. Entsprechend Gewicht erhält das Traktandum «Verwendung des Bilanzgewinns».

» 132 Millionen Umsatz und 29 Millionen Gewinn – das Schlussfeuerwerk einer scheidenden Vereinsführung

Werthmüller steht in wenigen Tagen nicht mehr in der Verantwortung. Er kommt dem Wunsch Burgeners aber nach und greift der neuen Vereinsleitung bis zum Jahresabschluss projektbezogen unter die Arme.

Angesichts dieser von Werthmüller präsentierten Zahlen und des in den letzten acht Jahren ununterbrochenen Erfolgs in der nationalen Meisterschaft wird der abtretenden Führung ein letztes Mal Décharge erteilt werden. Und es wäre keine Überraschung, wenn Bernhard Heusler zum Ehrenpräsidenten vorgeschlagen wird. Er wäre der zweite, nachdem seiner Vorgängerin Gigi Oeri 2012 diese Geste als Erster zuteil wurde.

Was steht am Freitag nicht zur Diskussion?

Am Freitag kommen die Mitglieder des Vereins FC Basel 1893 zusammen. Dieser vereint einen Teil der Nachwuchsabteilung, den Frauenfussball und die Seniorenabteilung. Mit 25 Prozent der Aktien an der Holding halten die Mitglieder nur eine Minderheit am Profifussball.

Es obliegt also der Verantwortung des neuen Besitzers Bernhard Burgener, sein Team dafür aufzustellen. Der Verwaltungsrat für die FC Basel 1893 AG steht: Burgener wird Verwaltungsratspräsident, mit ihm haben Marco Streller, Alex Frei, Massimo Ceccaroni, Patrick Jost und Jean-Paul Brigger (als Delegierter des Verwaltungsrats) Einsitz.

Jost war im internationalen Sportmarketing tätig (unter anderem für die Champions League und die Champions Hockey League) und wird beim FCB für die Bereiche Verkauf und Marketing verantwortlich sein. Er ersetzt Martin Blaser, der für den Verwaltungsrat vorgesehen war, inzwischen aber seinen Wechsel zu InfrontRingier bekannt gegeben hat.

» Der FC Basel muss sich einen neuen Marketingchef suchen – zum Abgang Martin Blasers

Seit Donnerstag ebenfalls bekannt ist der Verwaltungsrat der FC Basel Holding AG, die neben der Mehrheit an der FC Basel 1893 AG auch 20 Prozent am Stadion-Caterer Wassermann und & Co. AG hält. Bernhard Burgener wird dem Gremium als Präsident vorstehen, die Basler Fussballegende Karl Odermatt, ein Freund des neuen Besitzers, und Burgeners langjähriger Weggefährte Peter von Büren werden ebenfalls im Verwaltungsrat sitzen.

Die neuen Gremien der beiden Aktiengesellschaften werden am 12. Juni neu bestellt, teilt der FC Basel mit.

» Die verschiedenen Gremien des FC Basel im Überblick

Konversation

  1. Lieber Herren von der TaWo,
    ich möchte Ihnen den Wunsch vortragen, einen kritischen Blick auf die Personalpolitik des „neuen“ FCB zu werfen.

    Da Jean-Paul Brigger seine Kaderstelle bei der Fifa aufzugeben zu wünschen scheint, nachdem ihm beim FCB die Stelle des Geschäftsführers (verklausuliert als „Delegierter des Verwaltungsrats“) angetragen worden ist, hat die Öffentlichkeit in Basel ein gesteigertes Interesse, etwas über seine Person zu erfahren.

    Ein paar Informationen, dank Google in Sekundenschnelle abrufbar:
    Herr Brigger ist der (unter anderem gemäss Selbstdeklaration) „engste Vertraute und beste Freund Sepp Blatters“.
    Die Herren Brigger und Blatter kennen sich (abgesehen davon, dass das Oberwallis überschaubar ist und sich natürlich beide in der Fussballwelt bewegten) aus dem Militärdienst in der Einheit, die Blatter als Oberst befehligte.
    Blatter holte seinen Walliser Militärkumpel dann zur Fifa und machte ihn später zum Direktor einer sogenannten „Technischen Studien-Gruppe“. Brigger ist ausserdem – neben Blatter selbst, dessen Tochter und dem Gemeindepräsidenten von Visp – einer von vier Stiftungsräten der „Sepp Blatter Foundation“.
    Seine Rolle als „bester Freund“ hat Herr Brigger beispielsweise in einem Interview nach der Verhaftung mehrerer Fifa-Funktionäre durch die Bundesanwaltschaft im Mai 2015 aufs zuverlässigste gespielt.
    https://www.blick.ch/sport/fussball/sein-bester-freund-erzaehlt-so-erlebte-blatter-den-morgen-der-verhaftungen-id3803423.html
    („Uns reicht ein Blick. Da weiss man, wie der andere denkt. Und wie er fühlt.“) Die Hohe Schule der Beweihräucherung hat Herr Brigger jedenfalls intus, sofern das von der neuen FCB-Führung als Qualifikation gefragt ist.

    Dazu nun ein paar Fragen, frisch von der Leber:
    Warum genau gibt Herr Brigger seine Stelle bei der Fifa auf? Hat er tatsächlich einfach keine Lust mehr, dauernd um den Globus zu fliegen, wie er sagt? Oder könnte es sein, dass er sich nach neuen Ufern umsehen musste, weil der neue Zampano Infantino den „engsten Vertrauten“ des über die Planke gegangenen Ex-Kapitäns Blatter dazu gedrängt hat, auch endlich die Segel zu streichen?
    Mit der Anstellung Briggers macht der FCB den „engsten Vertrauten“ des Grossmeisters der Selbstbedienung und der Fussballkorruption, des Chefs einer am Rand der Kriminalität operierenden Organisation (der Fifa unter Blatters Führung wurde von der amerikanischen Justiz die Einstufung als kriminelle Organisation angedroht; die entsprechenden Verfahren laufen nach wie vor) zu seinem wichtigsten öffentlichen Gesicht neben dem Sportchef und dem Trainer.
    Ist das im Interesse des FCB? Droht nicht vielmehr ein Reputationsschaden?
    Wir konnten uns während der letzten zehn Jahre daran erfreuen, dass Integrität und Respektabilität die höchsten Führungsprinzipien im FCB waren.
    Täuscht der erste Eindruck, dass solche Sensibilitäten nun nicht mehr gross gefragt sind?
    Ich bin gespannt, was die neue Führung abgesehen von billigen Marketingsprüche („für immer rotblau“) noch in der Schublade hat.

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    1. Seine wir froh, denn endlich ist auch der FCB in den Gefielden (Niederungen) des Schweizer Fussballs angekommen. Nimmt mich nur Wunder, wie schnell es geht, bis das Kässeli leer ist und die Fäns wieder in der Stadt betteln gehen dürfen.

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  2. Auch auf dem Felde kommen nach mehreren erfolgreichen Erntejahren wieder mal magere Jahre.
    Man kann ja von den erfolgreichen Jahren zerren bis sich das Feld wieder erholt hat.

    Auch an der Börse gibt es immer wieder Abstürze mit vielen Verlierern und wenigen Gewinnern.

    Mal schauen wer zu wem gehört

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