Heikle Momente im Winter – ruhige Wochen im Sommer?

Möglich, dass der Transfersommer in Basel weit weniger hektisch wird, als unter den Anhängern befürchtet. Zuzüge plant der Club nur, wenn ein Leistungsträger geht. Und zumindest bei Aleksandar Dragovic mehren sich die Anzeichen, dass er noch eine Saison in Basel bleiben könnte. Von GC kehrt Taulant Xhaka zurück nach Basel.

Basel's head coach Murat Yakin of Switzerland's soccer club FC Basel celebrates the soccer championship title with their fans on the balcony of the Casino at the Barfuesser Square in Basel, Switzerland, on Saturday, June 1, 2013. Basel won the 16th Swiss (Bild: Keystone/Patrick Straub)

Möglich, dass der Transfersommer in Basel weit weniger hektisch wird, als unter den Anhängern befürchtet. Zuzüge plant der Club nur, wenn ein Leistungsträger geht. Und zumindest bei Aleksandar Dragovic mehren sich die Anzeichen, dass er noch eine Saison in Basel bleiben könnte. Von GC kehrt Taulant Xhaka zurück nach Basel.

Als sich dann weit nach Mitternacht, es war schon nach drei, Balkon und Barfi leerten, fand Murat Yakin einen Moment für sich und seine Familie samt Freunden. An einem grossen, runden Tisch sass der Meistertrainer in der Mitte seines Clans, die glücklich strahlende Mutter Emine neben sich. Und seinen Heisshunger stillte der Meistertrainer mit einem Burger.

Viele Hände hatte Murat Yakin bis dahin geschüttelt, vielen hatten ihm auf die Schultern geklopft, und er hatte es genossen auf dem Balkon des Stadtcasinos. So wie beim letzten Mal vor acht Jahren, als er noch als Captain des FCB dort oben vor die ungeheuere Menge FCB-Fans unten auf dem Barfi getreten war.

Lässig wie gewohnt stand er dort oben, die Hände in der Hosentasche, und mit diesem souveränen Yakin-Lächeln im Gesicht, das in dieser Nacht aber nicht verbergen konnte, welchen Zauber dieser Moment auch auf den coolen Murat Yakin ausübte. Als einer der letzten aus dem FCB-Tross traf er dann zu vorgerückter Stunde auch noch im Volkshaus ein, wo die Spieler mit Angehörigen und Freunden feierten und tanzten bis der Sonntag Basel mit strahlender Sonne aufweckte.

Auf zur letzten Runde

Und als diese Sonne fast im Zenit stand, musste Yakin bereits wieder Auskunft geben. Zusammen mit Clubpräsident Bernhard Heusler galt es, eine letzte Medienrunde zu überstehen, ehe es wenigstens für eine Woche in die Ferien ging.

Noch einmal blickte Yakin zurück auf die knapp acht Monate seit seinem Amtsantritt. Und er gibt offen zu, dass er durchaus heikle Momente zu überstehen hatte auf dem Weg zum Meistertitel. Die Winterpause, die gab dem Trainer einiges an Arbeit auf, als er plötzlich merkte, wie ihm die Mannschaft zu entgleiten drohte.

Es war die Woche zwischen dem komplett missratenen Testspiel gegen den FC Biel, als Yakin mit einer Dreierabwehr hatte spielen lassen, und dem Rückrundenstart gegen den FC Sion. «Da war eine gewisse Unzufriedenheit zu spüren», erzählt Yakin im Rückblick.

Da waren Spieler, die merkten, dass sie wohl beim Rückrundenstart nicht zur Stammelf gehören würden, es gab Spieler, die wussten, dass ihr Vertrag nicht verlängert würde: «Da musste ich mit dem Team sprechen.»

Die Spieler auf die Aufgabe fokussiert

Das Resultat der Gespräche ist bekannt: Der FCB gewann das Heimspiel gegen Sion 3:0. Es war der Auftakt eines stark gespielten Meisterschaftsviertels, in dem die Basis zur Titelverteidigung gelegt wurde. Yakin hatte offenbar die richtigen Worte gefunden, um die Spieler auf ihre Aufgaben zu fokussieren: «Wichtig war, dass wir alle diesen Meistertitel als Ziel hatten.»

In drei Wochen bereits wird die Mannschaft wieder zur Vorbereitung auf die kommende Saison zusammengezogen. Und es spricht vieles dafür, dass sich das Kader bis dahin nicht gross verändern wird. «Wir haben für einmal schon in der Winterpause vorgesorgt», sagt Bernhard Heusler und meint damit die Zuzüge von Raul Bobadilla, Geoffroy Serey Die, Mohamed Elneny und Endogan Adili. Dazu wird im Sommer sicher Aussenverteidiger Taulant Xhaka nach Basel zurückkehren, der bislang an die Grasshoppers ausgeliehen war.

In Deutschland gilt der FCB als teures Pflaster

Der FCB hat laut Heusler seine Transferaktivitäten mit Blick auf die kommende Saison also eigentlich abgeschlossen. Wobei das im Fussball natürlich schnell gesagt und fast noch schneller wieder über den Haufen geworfen ist. Denn auf einen allfälligen Abgang müssen die Basler vorbereitet sein. «Wir schauen uns auf jenen Positionen um, auf denen uns ein Spieler verlassen könnte», sagt Heusler

Doch der Transfersommer in Basel könnte ruhiger werden, als der Blick auf die Basler Juwelen vermuten liesse. Natürlich sind Valentin Stocker, Aleksandar Dragovic oder Yann Sommer Spieler, die den Scouts aus grösseren Ligen auffallen.

«Aber», schildert Heusler, «wir spüren viel Vorsicht auf dem Transfermarkt. Und in Deutschland hat der FCB zum Beispiel den Ruf, teuer zu sein und mühsam bei Verhandlungen. Das ist kein Selbstbedienungsladen.»

Tatsächlich kursiert unter deutschen Scouts die Nachricht, der FCB habe für Valentin Stocker eine Transfersumme von zwölf Millionen Franken aufgerufen. Nicht viele Bundesliga-Clubs könnten bei dieser Summe mitbieten.

Dragovic und die Hängepartie mit Everton

Bei Aleksandar Dragovic mehren sich derzeit sogar die Anzeichen, dass er noch einen Sommer in Basel erleben könnte. Der österreichische Nationalverteidiger wird zwar von Everton umworben. Doch bei den Liverpoolern ist seit dem Abgang von David Moyes zu Manchester United der Trainerposten noch immer vakant. Und all zu viel Geld scheint der Premier-League-Club auch nicht auf der hohen Kante zu haben.

Wenn es nach dem Wunsch von Murat Yakin geht, wird es sogar ein total langweiliger Sommer auf dem rotblauen Transfermarkt. «Ich brauche keine neuen Spieler», sagt der FCB-Trainer vor dem Antritt seiner Ferien, «ich will, dass dieses Team zusammenbleibt.»

Konversation

  1. Niemand mit dem ich sprach, verstand diese Aktion!
    Im Station, sowie am Barfi bekam er lautstarke Sympathiebekundungen.
    Aber wenn der Trainer nicht mehr will, dann will er nicht mehr. Es würde Steini auch nichts nützen, wenn der Präsident den Wunsch des „Fussvolkes“ erfüllen würde und Steini trotz offizieller Verabschiedung, behalten würde.
    Wahrscheinlich hatten einige Leute nicht das gleiche Heu auf der Bühne.

    Wenn man sieht, was sich der FCB an Spielern „leistet“, deren Leistung nicht dem aktuellen Niveau entspricht, kann man über den Abgang eines loyalen Fleissarbeiters nur noch den Kopf schütteln.
    Aber leider zählen ja am Ende nur die Finalsiege.. da klatscht man doch gerne ab, egal mit welcher Hand!…..
    Tschö Steini, das Publikum stand hinter Dir, nützt aber nix, vielleicht bekommst Du einen Vertrag bei einem Trainer, der Deine Qualitäten zu schätzen weiss. Einfach Flanken üben, Flanken üben, Flanken üben..

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  2. Ja, musste das sein? Zuerst der Alex, nun Steini. Bei allen Verdiensten, die sich Yakin in der kurzen Zeit als FCB-Trainer bereits erworben hat: Damit bin ich nicht einverstanden. Und offenbar bin ich da nicht der Einzige. Es könnte übrigens sein, dass solche erzwungenen (vorzeitigen) Abgänge dereinst auf Yakin zurückfallen, wenn es mal nicht so läuft!

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