In der Nations League hoffen  kleine Nationen auf ihre grosse Chance

Am Donnerstag finden die ersten Partien der Nations League statt. Für die kleinen Fussballnationen ist das neue Format eine Möglichkeit, sich für die Europameisterschaft 2020 zu qualifizieren: Mindestens eine Nation jenseits der Top 40 wird dabei sein.

Es ist das Los der kleinen Fussball-Nationen: Sie spielen wie hier Sandro Wieser mit Liechtenstein (links) gegen die grossen Nationen wie Spanien mit Andres Iniesta (rechts) und verlieren – ohne Chance, sich auf herkömmlichem Weg für eine Endrunde zu qualifizieren.

Sandro Wieser ist 25 Jahre alt und wieder in die Heimat zurückgekehrt, ins Fürstentum Liechtenstein mit seinen knapp 40’000 Einwohnern. Von dort war Wieser als 13-Jähriger ausgezogen, um beim FC Basel sein Glück zu suchen. Er fand in Basel den Weg durch die verschiedenen Juniorenstufen, aber nie Eingang in die erste Mannschaft, für die er zwei Kurzeinsätze absolvierte.

Seit Liechtensteins Nachwuchsfussballer des Jahres 2013 vor sieben Jahren erstmals für den FC Basel spielte, wechselte er jedes Jahr den Verein. Er war in der Schweiz, in den zweiten Ligen von Österreich, England und Belgien engagiert. Dabei ist Wieser 43-facher Nationalspieler.

Eine Mannschaft jenseits der Top 40 unter den 24 EM-Teilnehmern

Wieser hat mehrmals gegen Spanien gespielt, gegen Italien, Kroatien oder die Schweiz. Es ist das Los der Liechtensteiner, gegen diese Nationen ab und an einen Achtungserfolg feiern zu können – in aller Regel aber zu verlieren und Mal für Mal in der Qualifikationsphase für die grossen Turniere hängen zu bleiben.

Am meisten Punkte holte Liechtenstein 2008; mit sieben Zählern war das Team aber noch immer 19 Punkte hinter einem Startplatz für die Europameisterschaft klassiert. Eine reelle Chance auf eine Qualifikation für eine Endrunde hatte Liechtenstein wie viele andere kleine Nationen nie.

Das ändert sich mit der neu geschaffenen Nations League. Denn mindestens eine Nation ausserhalb der europäischen Top 40 ist an der Endrunde 2020 dabei.

Nur ein Team aus der schwächsten Division war schon mal an einer Endrunde

In der Nations League wurden die 55 Uefa-Nationen gemäss ihrer Klassierung in vier Divisionen A bis D eingeteilt. Die am besten klassierten Teams, unter anderem die Schweiz, spielen in der Division A. Die Mannschaften zwischen Platz 40 und 55 spielen in der Division D.

Für die grossen Nationen ist die alle zwei Jahre stattfindende Nations League neben dem neu vergebenen Titel vor allem eine Möglichkeit, Testspiele unter Wettbewerbsbedingungen abzuhalten. Für die kleinen Nationen aber ist das neue Format eine grosse Chance. Denn jeder der vier Divisionssieger ist direkt für die EM-Endrunde qualifiziert, also auch jener aus der schwächsten Division D (alles Weitere zum Modus in der Box unten).

Von den 16 Mannschaften aus der Division D war einzig Lettland schon einmal an einer Europameisterschaft dabei: 2004 an der EM in Portugal. Alle anderen warten auf die erstmalige Qualifikation und dürfen jetzt Hoffnung schöpfen.

Schweizer Auftakt gegen Island

Für Liechtenstein und Sandro Wieser sind die Chancen also gestiegen. Die Wahrscheinlichkeit auf die erste Endrundenteilnahme ist allerdings trotzdem gering. Liechtenstein müsste sich in der Gruppe gegen Armenien, Mazedonien und Gibraltar durchsetzen und danach gegen die drei anderen Gruppensieger auch die Division gewinnen. Wahrscheinlicher scheint, dass sich zum Beispiel Arsenals Weltklassespieler Henrikh Mkhitaryan mit Armenien qualifiziert, oder dass der Kosovo vier Jahre nach der Aufnahme in die Uefa erstmals an einer Endrunde dabei ist.

Zum Auftakt der Nations League empfängt unter anderem Deutschland am Donnerstag in der Münchner Allianz Arena Weltmeister Frankreich. Die Schweiz trifft in ihrem ersten Gruppenspiel am Samstag in St. Gallen auf Island und am 12. Oktober auf den anderen Gruppengegner Belgien. Und der ehemalige Basler Junior Sandro Wieser spielt mit Liechtenstein am Donnerstag auswärts gegen Armenien.

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