Königin und Pechmarie

Nur einen Tag nachdem sie die 35 Jahre alte Rekordmarke von Annemarie Moser-Pröll erreicht hat, ist Lindsey Vonn nun endgültig die Königin im alpinen Skizirkus. Platz 1 beim Super-G von Cortina d’Ampezzo ist der 63. Weltcupsieg der 30-jährigen US-Amerikanerin. Tiger Woods mischt sich zunächst unerkannt unter die Gratulanten; Dominique Gisin erlebt einen bösen Sturz.

Lindsey Vonn of the U.S. sprays champagne on the podium after winning the women's World Cup Super-G skiing race in Cortina D'Ampezzo January 19, 2015. Vonn became the most successful female in Alpine skiing World Cup history when she won a Super-G on Monday, her 63rd victory in the competition. REUTERS/Max Rossi (ITALY - Tags: SPORT SKIING TPX IMAGES OF THE DAY PROFILE) (Bild: Reuters/MAX ROSSI)

Nur einen Tag nachdem sie die 35 Jahre alte Rekordmarke von Annemarie Moser-Pröll erreicht hat, ist Lindsey Vonn nun endgültig die Königin im alpinen Skizirkus. Platz 1 beim Super-G von Cortina d’Ampezzo ist der 63. Weltcupsieg der 30-jährigen US-Amerikanerin. Tiger Woods mischt sich zunächst unerkannt unter die Gratulanten; Dominique Gisin erlebt einen bösen Sturz.

 «Gibt’s ja nicht», entfuhr es Lindsey Vonn, als sie am Montagvormittag im Zielraum von Cortina d’Ampezzo Tiger Woods entdeckte. Die unerwartete Ankunft ihres Lebensgefährten vervollständigte das Glück der Vonn, die in den Dolomiten einen neuen alpinen Superlativ schuf: Mit dem 63. Weltcupsieg in ihrem 333. Rennen ist die US-Amerikanerin die erfolgreichste Skirennläuferin der Geschichte. 

Am Sonntag hatte sie bei der Abfahrt auf der Tofana die 35 Jahre alte Bestmarke der Österreicherin Annemarie Moser-Pröll egalisiert, am Tag darauf sagte Vonn: «Wahnsinn. Dieser Rekord ist Geschichte, das bedeutet so viel für mich. Hoffentlich hält meiner nun auch 35 Jahre.»

Während Vonns Familie schon das Wochenende über in Cortina dabei war, mischte sich am Montag Tiger Woods unters Publikum. Zunächst unbemerkt, aber mit auffälliger Gesichtsmaske unterwegs. Gegenüber der Nachrichtenagentur AP sagte Vonn: «Ich hätte nicht gedacht, dass es noch besser kommen könnte als am Sonntag mit meiner ganzen Familie an meiner Seite. Und nun mit Tiger hier – es ist unglaublich. Ich habe gesagt: Ich kann’s nicht glauben, dass du hier bist. Und er entgegnete: Ich hab’s dir doch gesagt.»



epa04568864 US golfer Tiger Woods, boyfriend of US skier Lindsey Vonn, attends the women's FIS Alpine Skiing World Cup SuperG race in Cortina d'Ampezzo, Italy, 19 January 2015. EPA/ANDREA SOLERO

Unerkannt, solange er seine Skelett-Gesichtsmaske trug: Tiger Woods, Lindsey Vonns Lebensgefährte, in Cortina d’Ampezzo. (Bild: Keystone/ANDREA SOLERO)

Vom Golfstar selbst, mit dem Vonn seit März 2013 zusammen ist, war nicht mehr in Erfahrung zu bringen – er lehnte es ab, Journalisten Auskunft zu geben.

Die gnadenlose Vonn

Der Super-G von Cortina war ein typisches Vonn-Rennen. Während etliche Fahrerinnen Mühe mit der anspruchsvollen Strecke bekundeten, die besten Fahrerinnen zunächst zeitlich eng beieinander lagen, pulverisierte Vonn mit Startnummer 22 die Bestzeit geradezu. 0,85 Sekunden betrug ihr Vorsprung schliesslich vor Anna Fenninger und der Liechtensteinerin Tina Weirather (0,92 Sekunden zurück). Elisabeth Görgl, 33-jährige Routinière aus dem österreichischen Team und Achte mit 1,57 Sekunden Rückstand, blieb nur eine Erkenntnis: «Lindsey ist ein gnadenloses Rennen gefahren.»

Top 12 der Weltcupsiegerinnen
Name Nation Siege
Lindsey Vonn USA 63
Annemarie Moser-Pröll Österreich 62
Vreni Schneider Schweiz 55
Renate Götschl Österreich 46
Anja Pärson Schweden 42
Marlies Schild Österreich 37
Katja Seizinger Deutschland 36
Hanni Wenzel Liechtenstein 33
Erika Hess Schweiz 31
Janica Kostelic Kroatien 30
Maria Höfl-Riesch Deutschland 27
Michaela Figini Schweiz 26
Tina Maze Slowenien 26
Bei den Männern hält Ingemark Stenmark (Schweden) den Rekord mit 86 Siegen vor Hermann Maier (Ö) mit 54 Erfolgen sowie Alberto Tomba (Italien) mit 50 Siegen.
» Die Bestenliste der Frauen
» Die Bestenliste der Männer

Die Zweitplatzierte Fenninger meinte anerkennend: «Chapeau! Es ist Zeit für eine neue Bestmarke gewesen.» Denn die Österreicherin ist der Ansicht: «Annemarie Moser-Pröll ist in den 70er Jahren Rennen gefahren, und die jungen Leute in Österreich wissen nicht, was dieser Rekord bedeutet.»

In Cortina hatte Vonn als 20-Jährige ihren ersten Podestplatz im Weltcup herausgefahren. Elf Jahre später steht sie bei 32 Siegen in der Abfahrt, 21 im Super-G, drei im Riesenslalom, zwei im Spezialslalom und fünf Kombinationssiegen. Dazu kommen Abfahrtsgold bei Olympia 2010 in Vancouver sowie WM-Siege in Abfahrt und Super-G 2009 in Val d’ Isere. Zum Vergleich: Moser-Pröll beendete ihre Karriere 1980 mit 36 Abfahrtssiegen, 16 Erfolgen im Riesenslalom, drei im Slalom und sieben Mal stand sie auf Platz 1 bei Kombinationswertungen. Der Super-G als Disziplin wurde erst 1982 eingeführt.

Enttäuschende Schweizerinnen – Gisin stürzt schwer

Bestklassierte der enttäuschenden Schweizerinnen war Lara Gut. Die Tessinerin, die von den vorangegangenen acht Super-G im Weltcup fünf gewonnen und im Vorjahr auch in Cortina dominiert hatte, musste sich mit Rang 6 bescheiden. Von den restlichen Fahrerinnen von Swiss-Ski schaffte nur noch Fabienne Suter eine Klassierung in den ersten 20 als Vierzehnte. Die Schwyzerin vergab einen besseren Rang mit einem zeitraubenden Fehler im Mittelteil.

Dominique Gisin, in ihrer Laufbahn oft genug die Pechmarie mit vielen Verletzungen, ehe sie in Sotschi mit Olympiagold belohnt wurde, überkreuzte bei hohem Tempo die Skispitzen und stürzte schwer. Die Engelbergerin, die vor Vonn mit Bestzeit unterwegs gewesen war, konnte sich aufrappeln und in den Zielraum fahren, verliess diesen jedoch mit Knieschmerzen hinkend. Über den Grad der Verletzung war vorerst nichts bekannt.

Gegenüber SRF meinte sie: «Ich habe mir das Knie verdreht und hoffe, dass es nur die Muskulatur ist.» Die 29-Jährige, gerade zur Schweizer Sportlerin des Jahres gekürt, will sich, wie der «Blick» berichtet, in Zürich eingehenderen Untersuchungen unterziehen. «Im Moment können wir nur hoffen», sagt Frauen-Cheftrainer Hans Flatscher mit Blick auf die WM in Beaver Creek (2. bis 15. Februar).

Die Resultate des Super-G von Cortina d’Ampezzo:

Nächster Artikel